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Full text of "Die Ethika des Demokritos"

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DIE 



ETHIKA DES DEMOKRITOS 



TEXT UND UNTERSUCHUNGEN 



VON 



PAUL NATORP 



MARBURG 

N. G. ELWERT'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 

1893 



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Vorwort. 



Das Buch bedarf einer doppelten Entschuldigung : eretens 
dafur, dass sich der Verfasser uber die Grenzen seines eigentlichen 
Fachs hinaus an eine rein philologische Aufgabe, wie nament- 
lich die recensio der Ethika es ist, gewagt, und dann, dass er 
nicht erst die Neuausgabe des stobaischen Florilegiums sowie 
die urkundlich genaue und vollstandige Bearbeitung der nach- 
stob^chen Gnoniologien abgewartet hat. 

Gewiss, was bier unternommen ist, wird abschliessend erst 
zu leisten sein, wenn jene beiden Vorbedingungen erfiillt sind, 
und wird auch dann noch einen sehr geschulten Philologen 
erfordem. Doch glaube ich darum meine Muhe nicht ver- 
schwendet zu haben. Aus dem Buche selbst mag man sich 
uberzeugen, wie Vieles doch schon auf den gegebenen Grund- 
lagen sich mit vSlliger Sicherheit ausmachen liess; wie wenig 
namentlich die Entscheidung der dringlichsten Frage, der der 
Echtheit der Fragmente, auf jene Vorarbeiten zu warten nothig 
batte; und das ist, gegenuber derThatsache, dass manche Philo- 
logen diese inhaltlich und formal bedeutenden Reste vorplatoni- 
scher Ethik noch immer fur Falschungen ansehen, Vorsichtigere 
wenigstens ihren demokriteischen Ursprung ganz dahingestellt 
sein lassen, wohl Entschuldigung genug fur die Vorlegung der 
Untersuchung ; die Textbearbeitung aber war dann unerl^lich, 
da auch fur den begrenzten Zweck dieser Studie die Mullachsche 
Zusanunenstellung ganz unbrauchbar war. 

Ueberdies konnte ich aus brieflichen Aeusserungen sowohl 
von 0. Hense, was den Stobaios, als von A. Elter, was die 



IV Vorwort. 

spateren Gnomologien betriflft, nur den Eindruck gewinnen, 
dass durch die bevorstehenden Editionen und Untersuchungen 
beider Gelehrten der Inhalt gegenwartiger Arbeit nicht wesent- 
lich beruhrt werden wird. Manches Einzelne vvird ohne Zweifel 
zu berichtigen sein, die Hauptergebnisse aber unverandert 
stehen bleiben. Einige speciellere Mittheilungen Elters durften 
(S. 59) benutzt werden ; sie dienten meiner eignen und schon 
Lortzings Vermuthung zu erwunschter Bestatigung: dass von 
der gesammten Gnomologienlitteratur fur Deraokritos mit einiger 
Sicherheit nur Stobaios und die unter dem Namen des Demo- 
krates erhaltene Spruchsammlung zu benutzen sind. 

Auch sonst ware meine Arbeit nicht moglich gewesen ohne 
mannigfache philologische Hiilfe. Useners Epicurea boten fiir 
Kap. V der Untersuchungen eine unschatzbare Grundlage: 
neue Bestatigungen brachte die von demselben im Rheinischen 
Museum (Bd. XLVll) bearbeitete merkwiirdige Inschrift von 
Oinoanda, Fur personlichen Rath und fordernde Theilnahme 
habe ich den hiesigen philologischen Freunden und Gollegen 
Th. Birt, W. Schulze, G. Wissowa zu danken ; der Erstgenannte 
nimmt im Anhang selbst das Wort, um das Ergebniss der 
Sachanalyse der Ethika auch von Seiten ihres Stils zu con- 
trolliren. Dieser Anhang schliesst sich erganzend an das zweite, 
mehr die logische als stilistische Form der Ethika behandelnde 
Kapitel der Untersuchungen an, welches besser auf Kap. 3—8 
erst folgen wurde. Einige dort ausgesprochene Bemerkungen 
(S. 85 fif.) werden durch Birts Nachweisungen richtig gestellt: 
die Ethika zeigen unverkennbar rhetorische Farbung, aber diese 
macht sie nicht »verdachtig«, bestatigt vielmehr nur ihre Echt- 
heit, da sie der Beschreibung , die Cicero von dem Stil des 
Demokritos gibt, genau entspricht und iibrigens auch in den 
sonstigen unbestritten echten Fragmenten des Philosophen sich 
beobachten lasst. Die Verachtung der Rhetorenkunste, fr. 109, 
ist demnach nicht zu wortlich zu nehmen. Noch besonders sei 
darauf aufmerksam gemacht, wie in jeder Hinsicht der ein- 
heitliche Charakter dieser Ethika sich bestatigt. 



Vorworfc. Y 

Noch einige Beriehtigungen und Zus^tze raSgen hier 
Platz finden. S. 7, Z. 3 1. dritte st. zweite. — S. 9, fr. 25. 
Meinekes Correctur fp Tivt st. eT nvi ist nicht wahrscheinlich, 
da dreimal in diesen Fragmenten (181. 209. 216) oiem steht. — 
Ebenda, fr. 30 adn., 1. dfiovXirjg st. dfiovXit}. — S. 25, fr. 184. 
Das uberlieferte xgrjiuxai (neben amnamv^ wie fr. 15) ist nicht 
anzufechten ; Sinn : daniit, dass man fur gute Erziehung sorgt, 
ist zugleich fur Vermogen und Gesundheit der Kinder am 
besten gesorgt; um so weniger sollte man die geringen Kosten 
der Erziehung seheuen. Ein ganz ahnlicher Gedankengang 
(indet sich bei Platon, Apol. 30a: ^h^ts fi(o^d%<ov ini(xeXsTad'ai 
fir^Tc XQi^iAtxTfav ngotegov fAtjd^ ovtfo a^oSga tig trjg ipvx'^S 
onwg wg dgitfrr] foraf, . . . on ovx ix xorjiidTtov dgerrj yiYverai 
dX2k d^ dgerfjg xQ^]f^^^^ ^^^ raXXa dya-d-d toTg dv-d-Qtirroig 
Snarta, wozu dann auch wieder Dem. fr. 18 mit der Parallele 
aus Platons Staat (403 d, s. u. S. 95) zu vergleichen ist. — 
Ebenda fr. 189. Nach Birts einleuchtender Erklarung von xag- 
novTai (S. 185) durfle auch g)VTixfjg richtig uberliefert und nur 
etwas wie dvvdijuog ausgefallen sein; der Genetiv bei iavl^ 
auch der Artikel t^^ ist unanstossig, also nur r« zu streichen. 
Hiernach berichtigt sich S. 118 Anm. 43. — Zum Dialekt der 
Ethika (S. 29 flf.): noch vorsichtiger mochte zu urtheilen sein 
hinsichtlich der uberlieferten Formen noXsmv noXeai, icovrov 
sim., xavtov toioirtov xoaovrov (neutr.), und selbst XQ^^^^^'^^ 4?7. 
156. Die Adverbia ofAJj (197 coni.), noUaxfi (104), Xd^/grj (44), 
iSij] (163. 203), fwyg (163), avroxeigirj (161) sind durchweg so, 
mit Iota subscr., zu schreiben. — S. 30, Z. 17 v. u. : das Citat 
von Diels bezieht sich auf dessen Akademie-Abhandlung »Die 
Beriiner Fragmente der *A&. /7oA.«. — Ebenda, Z. 1 v. u. 
1. 163 Stob. — S. 40 s. V. ev&vfAlrj ist 52 nachzutragen. — 
S. 100 und 176 f.: Gegen die Aenderung hi st. alii wendet 
mir Birt mit Rerht ein, dass das folgende saepe dazu 
nicht passen will; die Augen des erblindeten Philosophen 
sahen nicht nur »o{l< nicht quod ante pedes esset. Am uber- 
lieferten Text ist daher nichts zu todem; Cicero hat den 



VI Vorwort. 

Gedanken der Theatetstelle nur variirt: wShrend Andre bei 
gesundein Gesicht oft Nachstliegendes ubersehen, drang der 
blinde Forscher durch die Scharfe seines geistigen Auges in 
die fernsten Fernen. Besonders gut passt dann dazu die Stelle 
aus Platons Symposion, auf die mich ebenfalls Birt aufmerksam 
gentacht hat. 

Marburg, im M^rz 1893. 

Der Verfasser. 



Inhalt 



L Die BtUka det Demokritos. Seite 

A. Demokritos ethiache Schriften 3 

B. Doxographie fiber das tiXog des Demokritos nnd der Demo- 

kriteer 4 

C. Fragmente 6 

Anhang I. Der Dialekt der Fragmente 29 

Anhang II. Wortregister zn den Fragmenten .... 34 

IL UBterflnckniigeB fiber die Stkik des Demokritos nnd ikre 
Fortwirknng in der pkilosopkiscken Etkik der 0riecken. 

1. Kapitel. Die Ueberlieferung der Ethik des Demokritos . 53 

2. Kapitel. Ueber die Form der Demokritgnomen ... 75 

3. Kapitel. GnmdzOge der Ethik des Demokritos nach der 

Ueberlieferung 88 

4. Kapitel. Die .Abderiten' des aemens (Strom. II 21) . . 122 

5. Kapitei: Epiknroe 127 

6. Kapitel. Aristippos 143 

7. Kapitel. Die Skeptiker (Timon-Aineaidemos) . . . .151 

8. Kapitel Platon 157 

Anhang. Ueber den Stil der Ethika. Von Th. Birt . .180 
Tabelle znr Vergleichnng der Fragmentnnmmem der Mullach- 

schen Sammlnng mit denen der unsrigen 198 



f 



I. 



Die Ethika des Demokritos. 



A. Demokritos ethische Schriften. 

Diogenes Laertios IX 45 (Cobet p. 238, 29; cf. Nietzsche 
Beitr. z. Quellenk. u. Krit. des L. D. Basel 1870, p. 22). Td 
Si fitfiXia avTOv xal Qqaavkog drayiyQag>€ ^) xccrd rd^iv ovTwg 
mcn€QBi Tcal xd nXdroavoq xtxrd Tergaloyiav, (46) i(fTt S* Vj&ixd 
fiiv rdda' Uv&ayogrjg {if) nsfti rfjg rov aoq>ov iia&eaioq (-tw^L.)^), 
DeQi Twv iv *Aii€(o f^^irfot; L.) •) , TQVcoysveiri {Tgnoyiveia L.)* 
Tov%o <r iiS%iv OTi tqCu yCvsrai, i^ avTr^g S ndrxa zdV'&Qoimva 
crw^X***)* Hegl dvSgayax^Crjg fj negl dgevijg^), ^AfiaXx^Bir^g 
MiQaq^\ Ilegl ev&Vfiujg''), 'VnofiitjfidTtav lij&ixwv (^ oTxcov L.) ®). 
ij ydg Evearai ^) ovx evgiaxevai. xal {ydg add. BH) ravta 
fUv zd ij^ixd. 

1) Einen Iliyai twv ^rifiox^itov yXaxsaoiv xal ffvyrayfjidtcoy hat schon 
Kallimachofl ziuammeiigestellt (Suid. s. v. KaXXifiaxos. Cf. C. Wachsmuth 
PbiloL XVI 659 *. — UeQi trjg Jr^fioxQitov Xiietog pifiXioy ey verfasste 
He^^eaiaDax nach Steph. Byz. s. v. T^t^dg). 

2) Nach § 38 ohne Zweifel pythagoreische F9.l8chung, welche bezweckte 
so beweiseD, dass Demokritos Nachfolger des Pythagoras sei. 

8) Suid. 8. V. TgiToyeyeia (ex Laert.). Athen. IV 65 p. 168 b. Procl. 
in Plat. Reip. 1. X (SchCU Anecd. var. II 61, 38). Cf. Cic. Tusc. I 82. 
Diels Herm. XIII 4. Der Titel ist ohne Bedenken ftir echt zu halten, 
gebdrt aber kanm iinter die ethischen. 

4) Dieselbe Erklfirung des Titels gibt in derselben verstiimmelten 
FaaBong Suid. Tgitoyeyeiaj yoliat&ndiger Eustath. in II. 039 {TQitoyiyeia 
di dXXfiyogixMS ^ g>Q6yrifftg, insl xaza JrifioxQiroy tqia yiyBxai tavtn i$ 
avT^f^ to €v Xoyi^ca^ai, to Xiyeiy xahag to yori&ey^ xai to oq^g nQut- 
Jtir avto), Schol. Venet. Lips. {JrifioxQitog cTi BtvfioXoytoy to oyofid (pr^aiy 
on ifgoyriaig iatiy dip* t^g cvfApaiyei tQia dnoyeyyua&ai dya&d^ £v Xoyi- 
^sc^at^ Xiyeiy xaXuigy nqdtttiy a dei), Schol. Townl. Gene v. zu demselben 
Vers; nngenau Tzetz. in Lycophr. Alex. v. 519 (rj oti^ xara Jqfioxqitoy^ 
r^ia tavta ;|fa^eC£ra£, ^vXeveiy xaXtag^ xqiyeiy oQ^fog^ nqdxxBiy dixaitog), 

5) Von diesem Doppeltitel hat sich sonst keine Spur erhalten. 

1* 



4 I. Die Ethika des Demokritos. 

6) Ebenfalls sonst nirgends genannt. Ueber eine Vermuthung Lortzings 
(Ueber d. eth. Fragm. Demokrits, Berl. 1873, p. 7) a. Kap. I der nach- 
folgenden Untersuchung. 

7) Seneca De tranquillitate 2, 3: Hanc stabilem animi sedem Graeci 
Bv&vfiiav vocant, de qua Democriti volumen egregium est ; ego tranquilli- 
tatem yoco. — Der Begriff der 6v&v/Airi steht im Mittelpunkt der Ethik 
des Demokritos; da durch sie das teXog definirt wird, ist unt«r Tleql 
reXovCy was Clem. Strom. II 21 p. 179,80 citirt (s. u. 83) ohne Zweifel 
dieselbe Schrift zu verstehen ; und da synonym mit ev&vfiiri auch Bveatto 
auftritt, so ist der Titel Eveatoi wohi gleichfalls nur Variante zu UsQi 
Bvd-vfiirig, 

8) Gf. § 49 und dazu Clem. Strom. I 15 p. 131, 9 JrifioxQitog yhq 
tovg BapvXtoyiovg Xoyovs idiovs {rj^ixovg L., corr. Cobet) nenoiritai, 
Xeyevai yaq r^y 'Axixdgov <nijXriy SQfiriyev&eZaay xoXs idioig avytdSai avy- 
yQ(ifjLfjLaai^ xdaxiy inimifJLi^vaff^ai naq* avtov 'tdde Xeyei Jr^fjLoxQitog* 
yqdg)oyxos, — Die Schrift ist sicher unecht (vgl. Miiller Fr. hist. Gr. II 
p. 25), und keinesfalls identisch mit den 'Ynod'^xai, welche Dionysios 
von Alexandreia bei Eusebios Pr. ev. XIV 27 p. 782a citirt: tdiy yovy 
'Yno^rixcjy dgj^oficyog Xdyei* (fr. 29) *'Ay&Qamoi . . . fid^etai. 

B. Doxographie fiber das t^Xog des Demokritos und der 

Demokriteer. 

1 . Diog. Laert. IX 45 (Gob. p. 238 , 22). TsXog rf' shm 
rrjv €v&Vfiiav, ov rtjv avTtjv ovaav «^5 ijrfor^, wq h'iOi naqa- 
xovaavTtg s^si^^avro {sS^rjyrjaavro Cob. cum Froben. et cod. 
Arund.), dlXd xo^' VjV yakrjvdSg xai svcTa^oSg ij tpvxfj 
didyei vno firjierdg raQaTTOfi^vrj q)6fiov i; dsiaidai- 
fioviag fj liXXov rivog nd&ovg, xaXsT rf' avtiqv xal eveaxdi 
xal noXXoTg icXXotg ov6iMX(fi, 

2. Stob. Eel. eth. II c. 7, 3i (Wachsm. vol. II p. 52, 13). 
Jv^pLoxQixog xai JlXceTon* xoircog iv rf^ ^^xfj '''''] ^' ^viatfAOviav 
Ti&€%%ai, yeyga^s i' 6 (xbv ovTtog (fr. 9. 10. 11)' Eviai- 
fjLOvCrj xpvx^j^ *^* xaxoiaifiovir], Eviaifxovit] ovx iv 
fioaxijjj.aaiv oixeT ot^H ev xqv(S^. ^vxij oIxtjtt] qioj' 
iaifiovog. tt^v <f' {evdaifioviav xai add. Mein.) evx^vfiCav 
xai cv€(f%(o xai dgfioviav avfifiAeTgiav ts xai diaqa^Cav 
xaXsT. (Tvvi(TTa(f&ai <f' avTiijv ex zov iiogia/aov xai rrjg dia- 
xgiaewg rwv rjiordSv xai xov%* elvai %d xdXXiciov re xai (7t;/ti- 
^ogtitatov dvvhgciTtoig. o i^ llXdrcov T(p Jtjfioxgitfp xatd 



Doxograpbie. 5 

xovTO cvvi^dwv yqa^fi, (Tim. p. 90 a) jisqI tov xvQifordxov t<Sv 
€V ifjfjuv S€iv vnoXaii^avsiv 'oig Sq^ avro Sa(fiova i^fuv S^ifoxsv 
6 x^foq *ai iv avz^ td eviaifiov. Xsysi Sk tovt* iv r^ rjyefAo- 
rix^ Tfjg ipvxr^g i'^iv zird noidv xai did-d-sfSt^v, rovrov ik 
tdya^ov %d fih' nd^ xardgxsiv, ogov d^ xat negaq elvai rdv 
io/fcr/iof. dxovaai yovv ndgeCTi' (Leg. I p. 636 d) ^Jvo ydq 
ctvxai g>v€f€i Trr/yal fisd^ehrai ^eTv {i^iovrj xat XvTtrj)^ (ov 6 fihv 
dgvTOfA^vog (Sd-ev t€ iet xal onj] xal oiKog) eifiaifiovei ^ 6 H 
fit], xovvavT(o%* , iv fiiv roivvv rtp rrjv Tqdoin^v xal rrjv Xvtttjv 
orofuiifat Ttjv dno twv na&wv cvviaTrjai r^g stfiaifioviag a^x^v 
ir Si T^ Tor dgwofierov od^ev X€ isX xal oTtrj xal onojg svdai- 
fMvcTv y %d Tip Xoyiarix^ dioQiatixdv {rd Xoyiatixov oqitsvixd'^ 
Usener) eigrjxe Tfjg svdaiiioviag, xatd tovto /i^r ovv dXXijXoig 
cvfA^egovxai' xa%^d Si IlXdrwY iv iihv zfj svXoyiatiff TiO^erai 
to ngoTffovfi€Vov dyad'dv xal Si avro atgsroVy iv Si TJj r^Sovjj 
TO imyewTjfJiiXTixoVy on eg oTexai xavTog elrai xagdv xal ara- 
ga^iav cvvfovvufog, i^ inaxoXov&iq^aTog . . . {dXXtjXotg SiatpsgovTai 
add. Meineke secutus Ganteri interpr.). 

3. Clem. Alex. Strom. II 21 p. 179, 29 Sylb. 'AXXd xal ot 
*jifiSr^gTTai xiXog vndgx^iv SiSdaxovai JrjfJLOxgiTog fiiv iv t^ 
Usgi TiXovg Ttjv ev&vfiiav^ rjv xal eifsaTcS ngoarjyogsvaev, 
xal noXXdxig imXiyer (fr. 1) Tigipig ydg xal dTcgrtirj 
ovQog TtSv ngrjxTimv xal fiij 7tgr]xT€(ov^ {nSv negirjxfjba- 
xoTmv L., Twv 7rgfjxT€(ov coni. Zeller Ph. d. 6r. I * 925 ®, correxi 
cap. ni n. 1), 'ExcrraTog Si aihdgxfiavj xal Sij ^AnoXXoSotog 6 
Kv^ixr^rog Ttjv tpvxccyioyiav ^ xa&dneg Naitat^drr^g Ttjv dxara- 
Twlfj^fav {xiXTd7tXi]^iv L. ; corr. Gassendus), TavTrjv ydg ig)r] vnd 
^fioxgiTov dd'afifiC'qv Xeyea&ai' iTt ngog TovTotg JioTifxog tiIjv 
navT^Xeuzv twv dyax^m* , rjv eve^tto ngotfayogeveaO-ai , tiXog 
dni^jvev, 

Cf. Epiphan. adv. haeres. Ill 14 p. 1088 a (Diels Dozogr. p. 590, 81) 
£^ Si xai Hv teXog slvai twv nctyrwy xai ev&vfj^iay to XQatiaxov 
siraij tag de Xvnas oQovg xaxiag. (Ueber die Fortsetznng 8. Diels p. 177, 
Zeiler Ph. d. Gr. !• 932«). Tbeodoret. Gr. cur. aff. XI 6 p. 152, 20 6 
lAtr ovy *Enixovgog to fldiata C^y (OQiaato tdXog' tiXsoy yag dyad'ov 
lAorriy ^ystto t^y ^doyijy, Jjifioxgitog dk o 'ApSri^itrjg o tdy tovtov 



6 I. Die Ethika dee Demokritos. 

doyficittay nat^Q ayri t^c fj^oy^g xqy evS-vfiiay {inid-vfiiay L.; corr. 
Sirm., cf. Menag. ad D. L. IX 45) te^eixsy^ oyofidxtoy ov doy/Mczfoy 
iyaXXayrjy notriadfiBvos , . . o *Exatalog dk zriy avtagxeiay, 

4. Gic. de fin. V 87. ... Democritus, qui — vere falsone non 
quaeremus — dicitur se oculis privasse, certe ut quam minime 
animus a cogitationibus abduceretur, palrimonium neglexit, 
agros deseruit incultos, quid quaerens aliud nisi vitam beatam? 
quam si eliam in rerum cognitione ponebat, tamen ex ilia in- 
vestigatione naturae consequi volebat, bono ut esset animo. 
id enim ille summum bonum sd&viAiav et saepe d&afifiiav 
appellat, id est animum terrore liberum. (88) sed haec etsi 
praeclare, nondum tamen perpolita, pauca enim neque ea ipsa 
enucleate ab hoc de virtute quidem dicta, post enim haec in 
hac urbe primum a Socrate quaeri coepta e.q.s. 

Ibid. 23 Democriti autem securitas, quae est animi tam- 
quam tranquillitas, quam appellavit s^d^vfiiav, eo separanda 
fuit ab hac disputatione, quia ista animi tranquillitas ea est 
ipsa beata vita: quaerimus autem non quae sit, sed unde sit. 

Vgl. aucb Strab. I p. 61. nQoozt^eaoi de xal tag ix zcjy fxetaatd' 
ae(oy fietafioXdg , inl nXeoy Trjy dd'avfiaatiay fifuy xataaxBvdl^eiy 
id-iXoyteg y r^y vfj^yel /frifAoxqitog xal ot dXXoi g)iX6aog)oi ndyteg' naqd- 
xeitai yaQ tt^ d&afi^eZ xal draQdj^t^ xal dyexTtXijxK^. 

G. Fragmente. 

Yorbemerkung. Ueber Absicbt und Aniage nachstehender 
Fragmentsammlung vgl. Eap. I. Fiir die Eenntniss der bandscbrifblicben 
Ueberlieferung war icb, was Stobaios »Florilegium« betriii't, leider auf 
Gaisfords und Meinekes kritischen Oommentar augewiesen , wSlirend fiir 
die »Eklogen« Wachsmuth ausreichende Hiilfe bot; zu den Fywfj^ai 
Jrif^oxQdzovg wurde cod. Palat 356 von mir neu verglichen, wonacb mancbe 
Irrthiimer der von Orelli (Opusc. Graec. sententiosa I) benutzten Collation 
(s. daselbst Praef. p. X) berichtigt werden konnten. Die Parallelstellen 
aus den fibrigen Gnomologien babe ich, soweit sie mir zug&nglich waren, 
verglichen, aber schliesslich selbst von der Beisetzung der Citate Abstand 
genommen, da die vorhandenen Ausgaben durchaus unzureichend sind 
und die vollst&ndige kritiscbe Bearbeitung dieser ganzen Litteratur, wie 
man weiss, in nicbt zu femer Zeit erwartet werden darf. In den 
kritischen Anmerkungen babe ich mich auf das Nothwendigste be8chr3,nkt; 
wo fClr meine Schreibung die Rechtfertigung durch die obgenannten Aua- 
gaben des Stobaios oder durch den Mullachschen Commentar (Democriti 



Fragmente. 7 

fragmenta, Berol. 1843, p. 255 ff.) gegeben ist, glanbte ich sie nicht erst 
beifUgen zu mOasen; im tlbrigen dient zur Ergfi.nzung hinsichtlich alles 
Sachlichen das zweite Eapitel, hiosichtlicb des Dialekts der nacbfolgende 
Anhang. Die Nummem der MuUacbschen Fragmentsammlung sind in [] 



1 [9] Clem. Alex. Strom. 11 21 p. 179, 30. TsQipig ydg 
xai drfgniTj ovgog toSv n^xr^wv xal fiiij nQrjXZ^wv, 

2 [8] Stob. Flor. 3, 35. OvQoq ydq ^vfKpoQfov xai d^vfi- 
^oQtot* %SQ\piq xal dtsgnlr), 

3 Sext. Emp. adv. dog^. I 140. Jiotifxos de tqia xat* avroy eXeyetf 
t2yai x^itiJQia ... al^iiseoyg de xai q)vy^s ta na^ri' to fiey yaQ cp nqoa- 
oix€tovfi6&a^ TovTo al^etov iatiy, to de i^ n^oaaXXozQiovfjLed-a , tovto 
^€vxtoy icTiy, 

4 [3] Stob. Flor. 5, 77. ^Hiovrjv ov nSfSav dXXd xr^v inl 
%^ xixXm aigsTff&ai' XQ^^'^'* 

5 [24S] Democrat. 39. ^iv iirjihv dnoi^x^a&at., ^v fitj V 

6 [238] Democrat 34. ^Av^QWTtoiai nciai vathS dyad-ov 
xal dXfj&eg^ 7j6v di SXXtp aXlo. 

7 [2] Stob. Flor. 5, 24. ^'AQtarov dvx^gwna) tdv fiiov did- 
yciv tig nXeiata €v^vfjLi]&^i'Ti xal iXdxiaxa dvir^d^rri, tovto (T 
av £if], €T Tig fiij em ToTg t^iT/roiai Tdg i^dovdg noioiTo, 

8 [6] Democrat. 3. X) Td tpvx^g dyai^d alqevfAsvog tu 
\^s$6xega algeiTaiy 6 3i Td axTjveog Td dv&Qfanrjux, 

9. 10. 11 [1] Stob. Eel. n 7, 3i (v. s. p. 4). Ei^SaifAovfrj 
^*X^^g xal xaxoiaifAovtt], Eviaifxovifj ovx iv fioffxi]fia(fiv oixsT 

€niik iv XQ^^^' ^vxv oixTjTyjgtov datfiovog. 

12 Diog. Laert. IX 45 cum parallelis (v. s. p. 4). 

13 [7] Plut. De sent, in virt. par. progr. 10 p. 81b ... xai xara 
^ilfiox^itov avtoy iS iavtov Xafifidyeiy tag td^nffias l&i^o^eyoy, 

14 [45] stob. Flor. 37, 26. Democrat. 26. Olaiv o TQonog 
iatlv fvraxTogj rovrotai xal 6 ftiog sv Tsraxrai. 

15 [5] Democrat. 6. Ovts afifiatsiv ovve XQ^M^^^^ eddair 
fioriavaiv av^gmnoi, dXX* oQx^oavvri xal noXvy^Qoavvy, 

1 nQfixtimv xai firj n^rixtitoy scripsi, y. p. 5. 6 Cf. cap. Ill n. 5. 
8 €Ug€vfi€yos algictat gnom. Barocc. (D£J 26); i^etofisyoc i^ietat, 
Democrat. 14 Olaiy Stob., ^Siy Dem. xai fiiog Stob. Max. Ant. 
0vyi$TaxTai vu\g,; eu r. Mein. 



/ 



8 I. Die Ethika des Demokritos. 

16 [129] Democrat. 71. Scifiatog xdXXog ^(pwisg, ei ]ui) 
vovg vnelr), 

17 [127] Stob. Flor. 86, 18. Democrat. 23. Kvrjvsfov (ihv 
evYsvif] 7] Tov tfxtjvsog ef^tf'&eviTj j dvd'Qainav i^ rj rov r^-^eog 

18 [128] Stob. Flor. 1, 39. Democrat. 2. Uv&gmnoig dg- 
fiodiov t^t^x^^ fUiXlov f] ffiofiatog noisTfsO'ai Xoyov xpvxtjg fi^v 
ydg reXcoTrjg fSxrjveog fiox^rjgfrjv oq&oT, (Sxrjveog db iaxvg avcv 
XoyiapLov xpvxiqv ovi^v xi dfneivco ridiqaiv. 

19 [22] Stob. Flor. 10, 66. 'i2v ro axri^og xraf« ^«<^* 
ndgaaTiv evinaQewg areg fxox^ov xai TaXainwgitjg' oxotSa ih 
liox^ov xal raXamongir^g XQV^^^ ^^^ /^^'^^ dXyvvei^ tovtcov ovx 
ifA€ig€Tm TO axijvog, diX rj Trjg yviifJLrjg xaxor]&ir]. 

20 [28] Stob. Flor. 4, 74. Td xQfj^ov oUev oxoaor XQvX^h 
6 6b XQV^^^' ^^ yivfofixsL 

21 [46] Stob. Flor. 18, 31. 'Vyieitjv evxfjCi. nagci &€c5v 
aixdovrai avS^gaonoi, rrjv 6b ravtrjg ivvafuv na^ iavzoTg l^jfovT^g 
ovx T(fa(fiv, dxgatfirj 6b xdvavvCa ngriaaovTsg avrol ngoiotai 
trig vyieCr^g T^av sni&vfAfrjat yivovTaL 

22 [23] Plut. De sanit. tuend. 24 p. 135 e. IlQog tovtovs yag olfiai 
fidXiaxa tov JrifJLoxgtzov eineiy (og ei to ctofjia 6ixdffaito x^ ^^XU 
xax(u<T€to^y ovx ay avrf^v dnog)vy eZy. Cf. Plut. Fragm. mor. I 2 
Wytt. Vp. 461a ^oixe naXaid tig avtri '^^ (Kofiati diadixaaia ngog t^y 
^vxr^y Ttegi twy na^y elyai. xai Jri^oxqitog fjLBy ini t^y ^vy^y dyag>ig(oy f 

xaxo6aifj,wy , ^ijatV, ei tov atofiatog avt^ dixrjy Xaxoytog wy naga ndyta 
toy pioy (odvyritai xai xaxwg ninoy&ey ^ avtog ysyoito tov iyxXtjfzarog 
6ixa(fti^gj ^dewg ay xatatffrjq)i<Taad-ai t^g ^vx^s, ^g>^ olg ta fisy dnrnXeae 
tov iKofxatog taXg dfieXeiaig xai iSsXvffB taZg fis^aig, ta de xateg)&€igB 
xai dietmaas taXg g)iXri6oyiaig ^ axrneg ogydyov tiyog f trxevovg xaxtog 
Bxoytog toy xQ^^f^^yoy dq)Bi6(og altiaadfjLByog, 

23 [48] Plat. De sanit. tuend. 14 p. 129 a. ^Atonoy ydg i<ni xogd- 
x(oy fjLBy Xagvyy KXfiolg xai xXfUff fioXg dXe xtogldtoy xai avaiy 

16 ^y cod Pal. 18 cf. Lortzing p. 10, Mein vol. IV p. LI 19 xa- 
xoriHri, vid. Mein. IV, LIX. 21 cf. Mein. IV, LX 22 dyapegtoy 
xaxodaifjKoy corruptum ; dyag)Bgiay^ wg xatadiaitwy (tamquam arbiter con- 
demnans) Diibn.; fort. dyag)Bg(oy trjy Bvdaifioyiay xai xaxodaifioylay , cf. 
fr. 9. Beliqua ex Wyttenbacbii emendatione. 23 cf. Arat. Dios. 391 
OVBg ^ogvt(^ BTti fxagyaiyovifai. 



Fragmente. 9 

ini ^o^vt^ fiaQyatyovtraiS', (og Mg)ri Jrifioxqirog^ inifieXiog nqoaix^it^ 
MfifAela Ttoiovfidvovg nyevfidrtoy xai ofip^toy^ ta di tov aoifiatog xiyrj' 
fiat a xai aaXovs xai nqonad-etag fjLri n^oXafipdyeiy firide nQog)vXdtteiy 
(AifS* Bx^ty arifjLeta ;|f££/z(ui'o; By kavti!^ yeyijffofieyov xai fieXXoytog, 
Clem. Protr. 92 p. 26, 40 Sylb. "Yeg yd^, q>a(riy, fidoytai poQfioQi^ fiaXXoy 
^ xa^a^ vdati xai ini g)OQVT^^ fJLaQyalyovffi xata JrifioxqiToy. 

24 [13] Stob. Eel. n 9, 4. Ot ^eol totg dv&Qwnotai iidovtsi 
%aUa ndvra xai ndXai xai vvv, nX'qv 6x6<sa xaxd xat fiXafisgd 
xai dvw^el^a. rdSs cT oiite ndXai ovt€ vvv &€ol dv&QWTtoKTi 
imgiotTai, diX avTol Toiaieaiv sfJtTteld^ovai Sid vov Tifg>X6TrjTa 
xai dyi*mfAO(fvvr}v, 

25 [11] Stob. Eel II 9, 2. Flor. 4, 53. 'Av&Qwnoitti xaxd 
i^ dyax^wv tpvetai^ imqv %ig xdya&d firj ^niifTrjTai noSrffSTetv 
liT^dk 6%€Tv evnoQwg. ovii iixaiov iv xaxoTffi rd roidie xQiveiv^ 
dXi* iv dya&oTciv* voTg Si dya&oTaiv olov rs XQrjad^ai xai nqdg 
rd xaxdj (p rivi fiavlofi^vm dv rj. 

26 [12] Stob. Eel. n 9, 1. '^y tSv rjfiTv rdya^d yhszai, 
dnd %wv avTtav tovtcov xai %d xaxd inavQitfxoified'* av, tcSv 
ii xax&v ixTog eifj/jbev. avrixa vdfOQ fia&d ig noXXd xQiqai^ov 
xai ir^vTS xaxoVy xivSvvog ydg dnoTtviyrvat' firixavrj ovv evQ^vhj, 
v{]%€^&ai SiSdaxsiv, 

27 [10] Stob. Flor.*98, 58. Demoerat. 75. Ji^t./isvotai ra- 
ya&d fioXig naQayiverai, vd Ji xaxd xai /ii^ ii^7]fi^voi<nv, 

28 [116] Democrat. 49. ^AfiagTirjg ahir) ij d/ia&irj rov 
xQiCfSovog, 

29 Dionys. Alex. ap. Euseb. praep. ev. XIV 27 p. 782 a. 
Avy^Qwnoi %vx;i]g eXimXov inXdaa%*%o ngoifaciv iiirjg dyroirjg, 
^vC€^ ydq yvwfir^ Tvxf] /uajfcrm.J 

30 [14] Stob. Eel. n 8, 16. f llriS^^wn^o* Tvxrjg stSfoXov inXd- ' 
tforrro nQoqfattiv liC-qg dfiovXttjg'] fiaui ydq g>gotnlj(f€i fvxt) f 
luix^^^h ^^ '^ nXettna iv ftitp ev^vvevog i^vdsQxir) xatiMvsi. 



24 taXXa Bcripd ex Wacbsmuthii coniectora, xdya&a L., del. Mein. 
25 cf. Wachsm. adn. 29 dyyoLrig scripsi, dyoii^g L. 80 "Ay&qumot 
— apovXifi imcis inclusi, v. Lortz. p. 25 fidxetai corruptum, fort. naQe- 
X^tai {tvxil na^ayiyetai vel ne^iyiystai Lortz.) o^vde^xiri Us. Epic. 
p. 396, 29 ; oivieQxety L. , oiwfsQxifi Mein. Wachsm, 



10 I. Die Ethika des Demokritos. 

31 [137] Democrat. 20. Oi d^vveroi dvatvx^ovreg ira}g)QO' 

32 [138] Democrat. 41. NrjnCoiaiv ov Xoyog dXXd ^vfig)og7) 
yCvexai iiidaxaXoq. 

33 [16] Stob. Flor. 4, 73. Uvorjfjioveg xoa^ovxai, %otq vrjg 
Tvxqg x^gieaiVj ot d^ rwr romvie iaijfAoveg roTg v^g (fog>ir]g. 

34 [81] Stob. Flor. 3, 34. 7, 80. Sog>i:rj a^aptfiog d^irj 
ndvrcov TifiKordrt] iovaa, 

35 [237] Democrat. 86. Tfpiov oXfyV ^^¥v ^^^Q <^<>fa^' 
d(pQO(Tv%rjg fA€ydXr]v. 

36 [17] Stob. Flor. 3, 57. At fieydXai t^Qipieg dnd tov 
x^€a(f&ai %d TcaXd twv Sgymv yCvovxai,. 

37 [250] Democrat. 79. &€(ov vov tS alsC %i iuzXoyi^ead^ai 
TtaXov, 

37 a Etymol. magn. s. v. Neyeotai. ^^eW S-eia vovytai. 

38 [109] Stob. Flor. 9, 31. Democrat. 27. 'Jya&dv ov to 
fjLifj ddixeiv dXXd tS (iiqdh i&ifXeiv, 

39 [110] Democrat. 55. 'Ex^gog ovx 6 diixewv fjtovvov 
dXXd xai 6 fiovX6fi€vog. 

40 [171] Democrat. 33. Joxtfxog drrJQ xai ddoxifAog ovx 
e^ (OV ngritStSei fxovvov dXXd xai €^ (ovfiovXezai, 

41 [107] Stob. Flor. 9, 32. Movvoi ^€og)iX^€g oaoig ix- 
-d-gov TO ddixstv. 

42 [98] Stob. Flor. 31, 7. ^avXov xav fiovvog ^g fi^ts 
Xe'^rjg jultjt* igydcff fid&e 6^ noXXov fjtdXXov tcov aXXtov aeavtov 
aiaxvvea&aL 

43 [100] Stob. Flor. 46, 46. MrjSsv xt fiaXXov rovg dv- 
+ r/ x^Qoinovg al6eTa%^ai, kavTOv, fi7]i^ %i fidXXov i^ef^^ea&ai xaxov 

el fia'XXei /xrjisig siitjaei}' ^ el ol ndrzeg aV'&gwnoty dXX iavrov 



33 xoofiioytai scripsi, cf. cip. Ill, ^vafiovyxai L. tffvx^s L., corr. Grotius. 
35 fieydXriv scrips! cum OrelL, fxcydXris L. 37 aiei ti Lortz. p. 9 (td 
cod. Pal.) 37 a q)fjyi ^ea yovvtat L., g)qevl O'siij vel (ta) &Bta yovytai 
Lobeck 'Prifiatixoy p. 21. 38 ^^(f* i&iXeiy (sic) cod. Pal. ^fort. firide 
d'ikeiy). 39 fiovyoy deest Dem., uoyoy DEJ 216. dXXd ye xai 6 DEJ 
216, dXX" Dem. cod. Pal. 



Fragmente. 11 

fialuna aldBiadaij 7ud tovtor^ vofAOv Tfj \pvx^ xad^iavdvca ware 

Cf. [101] Democrat. 50. ^Eavtor n^wtoy ai<fxvye<T&ai x9^^*^ ^^^ 

44 [135] Stob. Eel. 1131,59. KQsaaoav in* dQ€T7}v (pavsUai, 
nQOTQon^ XQfofi^vog xal Xoyov nei&oT ijneQ rofitp xal dvdyxrj, 
Id&gfj iikv ydq dfuxQTeTv eixSg tov sigyiiivov ddixCr^g vnd vofioVy 
tor a ig Td Siov '^y^ivov nsid'oX ovx slxog ovre Id&gr] ovts 
^paveg£g igisiv v$ nXr^miekig, dionsQ ^vviash %€ xal iniatrmri 
oQ^ongayiwv Tig dvigritog a^Aa xal l&vyvMfiog yivcTat, 

45 [117] Slob. Flor. 9, 34 (cod. A, Mein. Vol. IV p. 144). 
Democrat. 7. Mi^ dux g>6fiov dXXd did rd i4ov dTiixea&ai 
dfiagvr^fjuiTwv. 

46 [111] Slob. Flor. 7, 32. Jixrjg xviog yvcifirjg ^aQtSog 
xal dx^afifiifjj dSixirjg d^ deifia SvfJig>oQijg Tig/tia. 

47 [118] Stob. Eel. II 9, 3. 'O /ih' ev&vfjiog eg igya inir 
^gofASvog dixaux xal voftufia xal Snag xal ovag xaigei xs xal 
igg^arat xal %nrpcqSi]g itstiv Sg i* av [_xai\ ifxr^g dloyfj xal Td 
XgBOvra fuirj ig^rj, TOVTtp ndvTa rd roidds dfsgnia' orav t sv 
dvafAV9]€f\^j xal Sidoute xal iavrdv xaxi^ei, 

48 [224] Democrat* 11. X) dSixsfov tov ddixeofxsvov xaxo- 
SaifAoviCTcgog, 

49 [96] Plut. Animine an corp. affect. 8int peiores 2 p. 500 d. *Av 
di aavToy eydo^cy ^yoC^ns, noixLXov xi xai noXvna&ig xaxdSy 
tafAieloy sv^rjireig xai ^riaavqifffjut^ &g g)ri<n JrifJioxgixog ^ ovx 
ii»^€y iniggsoyttoyj dXX* <o<meg iyyeiovs xal avtox^oyag nriyctg exoyttay^ 

Sg ayir^iy jj xaxUt noXvxvtog xcu daxIfiXrig ovaa tolg Ttd&say. 

50 [80] Clem. Alex. Paedag. I 2, 6 p. 36, 21. 'IrjTgixr} n^v 
ydg, xard Jr^pkoxgiToVy aoifjuxTog roaovg dxeitaij aofpirj d^ ^tfX^]v 
na^imv dg>aigeTTai. 

51 [25] Democrat. 68. KaXov iv navxl to taov, Unegfioki] 
di xai IXXeiijfig ov fioi SoxeT. 

43 xa&iatdyat recte Orell. Burch. (xatiatdyai MuU.; xa&^mdyai (j%i,y 
xaTeardyat Mein.). 44 l&vyytofzog scrips!, evd'vyytofiog L. (cf. i&eTa 
yytifAtj Theogn. 396). 45 dnexBtr^i X9^^>' Max. 24 p. 606, 24 Comb. 
47 ev^fjuog Scbneid. Burcb. ^fort recte). 



12 I. Die Ethika des Demokritos. 

52 [20] Stob.Flor. 1,40. "Av^gdnom ydq sv&vfAirj yivtzm 
fieTQiotrjTt T^Qipiog xal fitov ^vfAiAstQiri^ rd (T iiXeCnovra xal 
vnegfidilovTa fUTanmreiv re g>iX€T xal fjuydXag xitn/jaiag ifA- 
noietv rfj ipvxjj' cet rf' ix fieydkwv dittaTrif.id%(ov xireofisvai twv 
tptfx^fov ovT€ evara&^eg bMv ovtc svO-vfxoi, inl toXg ivvarotg 
ovv SeT ix^tv rrjv yroifirjv xal roTg naQBovciv aQxsTff&aiy rm* 
^bv ^rjXoviii€va)v xal d-avfia^ofievoov oXtyrjv fjivtji.irjv ^xovxa xal 
rfi iiavoirj fxfj nQOffedgevovra , zcov H %aXai7noQ€6vt(ov tovg 
fiiuvg ^fcoQeiVj ivvosvfierov a ndaxova^ xaxdy ox(og av rd 
nageovta aol xal vndgxovTa fitydXa xal ^yjX(OTd g>aiiTjTai xal 
fir]x€Ti nXsovoDV iniO'tffi^ovri ^Vfjifiaivrj xaxona&eTv tfj (pt*X^. 
6 ydg &avfid^Q)V Tovg exovrag xal fiaxaQi^ofi^vovg vno twv 
aXXfov dvx^QW7ia)r xal trj fii^ijfArj ndcav Sqtjv TtQOfSeSQevfov aUl 
inixaivovgyftv dvayxd^ttai xal imfiaXXstSx^ai dC snix^vfitfjv tov 
Ti 7iQr]a(f€iv d'infixsaTov cov vofAOi xwXvovaiv, dioneq rd fikv fiiQ 
ii^r^ad^ai XQ^^'^'i ^'^* ^^ ^^'K svx^v^eTal^ai [xQB(iv\ TtagafiaXXovra 
rdv iavTov fiiov ngog rdv zwv ^avXategov 7tQrj(T(f6iTa)r j xal 
^axagi^siv iavTOVj ivx^v^sv^sroi' a ndaxovai xal oxoag avrcov 
fi^Xriov 7tQ7Ja(f€i TB xal didyn, Tavtr]g ydg ixofievog njg yvcofir^g 
ev&vfxoTsgov t€ did^sig xal ovx oXfyag xfJQag iv Tip fii(p itciasai^ 
g)d'6vov xal ^rjXov xal dvafiev^rjr, 

53 [47] Stob. Flor. 18, 36. "Oaoi and yatstgog tdg rjiordg 
not Corral tinegfiefiXr^xoreg tov xaigSv inl ^gdasaiv i; notSBtfiv 
f] d(pQodiaioi>g^ iv ToTai ndtsiv at fjdhv rjioval figaxiai ts xal Si 
dXiyov yivovTaiy oxoaov av XQOvov i(f&i(o(fiv rj nCvfoaiv, at ih 
Xvnai noXXai, tov to fkhv ydg to inix^viAftv uiel i^wr avTiov 
ndgeaTi, xal oxot dv yivrjTai oxomv im&v/iiiovaij iid Taxs'og 
T€ t] rjSovrj nagoix^tai xal oddhv iv avToTai x^iytrroV itSTn\ 
dXX ij Tigxpig figaxia xal av&ig T(av avzwv del, 

54 [19] Democrat. 36. *Hdoval axaigoi tCxtovciv dr^iCag. 

55 [37] Stob. Flor. 6, 60. 17, 39. Et Tig inegfidXXoi to 
fiiTgior, Td iniTegniCTaTa dTegnitSTaTa av yivoiTO, 

56 [35] Stob. Flor. 5, 49. 2(o(pgoavvrj to Tsgnvd di^H xal 
iJJoi7;V intfAi^ova noisX. 

52 (lin. 10) aut aoi legendum aut, si encliticam quae dicitur formam 
praetuleris, tot (cf. fr. 69, 81); ao* vulgo edunt. 



Fragmente. 13 

57 [34] Stob. Flor. 6, 59. 17, 38. Twv iji^mv yd CTtavui- 
rata yivoiuva fuehcra Tsgnei. 

58 [82] Democrat. 37. Al neqi ri trgiodgal Sg^icg rvgfXov- 
ffiv ig taXltt ttjv y^vxijv. 

59 [21] Stob. Flor. 10, 69. » vov nXiovog im&vfiif] to 
nag€dr dnoilviti Tfj Aictomf] xvvl ix^Xf] yivofi^i]. 

60 [31] Stob. Flor. 4, 78. *Arorj^un'€g tcov dTweovrtor oq^- 
p0r%ai^ %d Si nageovra xal (ycSv) naqti^XTifiivtov xegSaXedxeQa 
i6v%a dfiaXivvovaiv. 

61 [29] Stob. Flor. 17, 26. Edyvoifmv 6 fJLtj kvTieofievog 
itp* otaiv odx t%Bi dXXd x^^Q^v ^V of(fiv ix^i, 

62 [83] Democrat. 35. Uaiiog ovx dviqdg rd d/AdzQwg 

63 [76] Stob. 7, 26. 17, 40. 'AvSQij$og ovx ^ ^^^ nolsfiian* 
xffatimt' fuwvoVy dXXd xai 6 twv rjioi'iiov xg^^atav. 

64 [15] Stob. Eel. n 9, 5. Tvxn fAeyaXodwgog dXT dfis- 
fioiog, tpvctg Si avTagxrjg' Sioneg vuc§ t^ i^atSovi xal fiefiatw 
%S fiil^ov Tfjg iXndog. 

65 [36] Stob. Flor. 5, 38. Tgdnelav noXvxeUa fiiv Tvxrj 
nagavfthrjiXiv J avzagxSa Sh afoq^Qoavvr}. 

66 [38] Stob. Flor. 40, 6. SeviTstr] fiiov avragxetrp' diSd- 
^MSi' fia^a ydg xai ar^fidg Xifiov xal xonov yXvxvxara lijfiata. 

67 [39] Stob. Flor. 5, 34 (add. cod. Par. A). AvTagxeif] 
x^o^ijg epuxgij it)^ ovS^xore yiverai. 

68 [26] Stob. Flor. 97, 23. Usvit] nXovTog ovofAata ivSsfrjg 
X€U xogov ovT€ ovv nXovfSiog o ivSifov ovre n^vr^g o firj iviiwv, 

69 [24] Stob. Flor. 97, 24. 25. "Hr fiii noXXmv em&vfifjg, 
%d iXiya roi noiXd io^a. (ffiixgiij ydg ogs^ig nevirjv iao(ft^€V^a 
niovrtp noiet. 

70 [66] Stob. Flor. 10, 44. Xgr^fidtrnv ogf^ig, fjv /ijy ogC- 
C^jrai xaig^y nsvitjg iifxdvrjg noXXov x^^^^^^^i^h /**?«>'*<? y^tg 
og^ug iii^ovag ivSeiag noisvai. 

67 V. Mein. IV p. 239, 10 cum adn. p. XLIII. (Aix^a vel a/iix^« L., 
fiuxga Qesn. 70 xai^ Mein. IV, LVIII, xo(»<p L. 



14 I. Die Ethika des Demokritos. 

71 [27], Stob. Flor. 103, 17. EvTvxrjg 6 ini fiergiom XQV' 
fxamr evd-vpLsofievog^ ivarvxijg ii 6 inl noXXottH dvtS&viAsofievog. 

72 [67] Stob. Flor. 92, 14. 'nansQ iv [ju^r] rotq i'hceat 
ifay^iatva xaxiatov voarjfucj ovrcog iv rotg XQ-fj^ai, to fAiij nqoa- 
uQfxo^ov xal rd ^vvex^g. 

73 [62] Democrat. 16. X) x^W^^^^ navreXsiog rj^aoov ovx 
civ xors €$r] dCxaiog, 

74 [61 1 Stob. Flor. 94, 25. Democrat. 43. Xg^fiaza nogi- 
^€iv (xkv OVX dxQijiov, i^ diixirjg i^ Trdvrtov xdxiov. 

75 [63] Stob. Flor. 10, 37. 92, 15. nXomog dnd xaxr^g 
igyacirjg neQiyirofierog iniffaveaTSQOv to oreiSog xexrrjrai. 

76 [64] Stob. Flor. 10, 45. Kaxd xdqdea ^r^fiirjv dgeTtjg 

77 [65] Stob. Flor. 10, 58. "E}img xaxov xeqdsog dqxr" 
CrjjiAirjg. 

78 [58] Stob. Flor. 4, 82. Democrat. 42. Jo^ce •xal nXov- 
Tog clvev ^vv^aiog ovx datfaX^a xTTJinara, 

79 [57] Stob. Flor. 94, 24. XgrjiiAdrtov XQV^^^ f«^^' *'<>V i^^^' 
XQtj(fifJiov ig Td iXsvx^sQiov slvai xal dt]fj(,wg>€X^a , ^vv dvoijj H 
XOQTjyiT] fvri;. 

80 [68] Stob. Flor. 16, 16. Ol ^si,i(oXol tov rfjg fieh'aarfi 
oliov ix^vaiv iqya^oiAsroi <Sg aiel fiicofTofxevoL 

81 [33] Stob. Flor. 16, 18. Ofeiici toi xal XifAog XQV^^r) 
(iv xaiQ^\ it* xaiQ^ 6b xal jtandvrj' yivciifxciv db dyad'ov. 

82 [30] Stob. Flor. 38, 47. Democrat. 54. » g)&ov€(ov iav- 
Tov cog ix^gdv XvTtei. 

83 [42] Stob. Flor. 108, 70. Uevir^v inisixsfog (piQBiv aco- 
g)QOV€OVTog. 

84 [41] Stob. Flor. 98, 65. rivwtsxsiv xQ^f^^ dv&Q(om%nqv 
^lOTTjv dffavQiqv t€ iov(fav xal oXiyoxQoviov noXXf^nC re xr^gal 
^viin€q>VQfAivif}v xal diirjxavir^itiVj Sxwg av rig fietQirjg re xri^aiog 
inifAeXfjrai xal fie'rgia inl toTg dvayxaioiai raXamcogfj, 

85 [49] Eustath. ad Odyss. fi'428. Bvo/xevoi av&Qfonoi 
fjdovTaij xai (Sq>iv yiverai ScTteg roTg dtpqoiitSid^ovaiv, 

72 mihi suspectum. nQoaaQfio^oy Mull, {nqoaaqfiotfav L.). 81 iy 
xaiqt^ bis positum ex Jacobsii coni. 



Fragmente. 15 

86 [50] Stob. Flor. 6, 57. Svvovaitj dnonXrj^ir] (f/nxgrj- 
i^B^^vrai ydg avd'Qwnog i^ avd-gdnov, 

Cf. Galen, comm. in Hippocr. epidem. lib. Ill, t. XVII, 1, 521 K. 
Mixguy iniXfitffiay elyai T^y avyovaiav. (Idem Gell. noct. att. XIX 2 
Macrob. Sat II 8 Hippocrati, Stob. Flor. 6, 6 Eryximacho tribuunt ; cf. 
etiam Gael. Aurelian. Morb. chron. I 4, 127.) Clem. Alex. Paedag. II 10 
p. 84 Sjlb. MiXQay iTTiXrjxffiay Tf^y avyovalay 6 *A§dfiQizrig eXcye ootpiaxrig 
yosoy dyiaxoy fiyovfAtyog . . . ay^Qtonog yctQ i£ dy&gtonov ixg)V€Tai re 
xal dnooTidtat, Piin. hist. nat. 28, 16. Venerem damnavit Democritus, ut 
in qua homo alius exiliret ex homine. Hippolyt. Philosophum. VIII 14, 
p. 428 Dunck. et Schneidew. ^Ayd-qamog i§ dy&^tonov BHoavzai^ g)riai, xai 
unoanatai nXrjy^ tiyi fAsqil^ofjLByog, Galen. Ei Cf^oy to xata yaotgog 
e. 5, t. XIX 176. ^fiai de JrnAox^ixog dy&Qtanoy if dy^^wnov Bxaeaela&ai 
(immo i^Bwivcdxti) xai xvya ix xvyog xai povy ix fioog. — Cf. etiam Ps. 
Galen. Def. med. 439, t. XIX 449 E. "AyS-Qomot eig e<nai xai dy&^omog 
ndrxEg. 

86 a Diog. Laert. X 118. Uvyov<nri myrjae fiey ovdenote, dyanrithy 
d* €l fji^ efiXa^e. 

87 [4] Stob. Flor. 5, 78. Democrat. 38. Mxaiog igiog dvv- 
fiQiaxtoq i^Cead'ai rmv xaXtSv. 

88 [77] Stob. Flor. 20, 56. Ovfi^ fAd%€a»ai, nhv xaXsnor, 
dvSgog di to xgctietv €vXoy(a%(n). 

89 [74] Stob. Flor. 108, 67. Avnriv di^an^w tpvxrjg vuq- 
xm^f^ loyiafi^ SxxQove. 

90 [73] Stob. Flor. 108, 68. Democrat. 8. M^a vd iv 

91 [44J Stob. Flor. 108, 64. ^Aloricxirj fjiij ^vnwQeXv rfcr* 
Movd %6v fi^av dvdyxrjci, 

92 [119] Stob. Flor. 120, 20 cf. 98, 61. ^Evm &v7jtf,g yr- 
tnoq duiXvaiv ovx elioreg avxf-Qwnoi, ^m'eidijcei Si rijg iv %^ 
fii^ xttMonqoYfiofSvvrfij %dv Trjg fitorrjg XQOVov iv taQaxid xal 
^fioitfi xixijttinwQiovai tpevdsa ncQi tov fuid Ttjv velsvrrjv 
fAVxhfnlaaTiavreg XQ^^'^^* 



86 xai dnoandxai TiXrjy^ tiyi ^B^i^ofiByog Lortz. p. 21 addi 
iobet oollatis loda dementis et Hippoly ti quos apposnimus. 86 a cf. Us. 
Epic. p. 118, 19, qni baec adnotavit: 'Democriteam sententiam esse pro- 
bahiliter coniecit H. Ritter hist, philos. Ill' p. 467, qua credas Epicurum 
in oonvivio osom ease*. 87 dyvfi^iara Dem. cod. Pal. (fort, dyvfi^iavi?) 



16 I. Die Eihika des Demokritos. 

93 [51] Stob. Flor. 4, 76. Idvojjfwvsg fiiovaiv ov regno- 

94 [52] Stob. Flor. 4, 77. "Avoijfiavtg vsoxrfcog oQiyovrai 

ov T€Q7t6fA€VOt [it] VSOTrjTl. 

95 [53] Stob. Flor. 4, 81. Uvor^fioveg ^dvarov ieioixoreg 
YtjQclifxeiv €&€'Xov(n. 

96 [54] Stob. Flor. 4, 75. ^Jvorjfioveg to ^rjv cog aTvyiovreg 
ff]V ix^iXovffi ieifjuxTi ^ACiem. 

97 [55J Stob. Flor. 4, 79. Uvoi^fioveg tov ^dvarov (pev- 
yoiTcg iicixovifiv, 

98 [56] Stob. Flor. 4, 80. ^Avornxoveg oddkv p,av^dvovai,v 
iv oXrj T'^ fiiorf^, 

99 [102] Democrat. 9. Merafj^eXirj irt* alaxQoTaiv igyfiaci 
fiiov ifanrjglr]. 

100 [93] Stob. Flor. 4, 72. ^tj&^j rmv ISmv xaxwv ^qcc- 
(fvTfjra yevva. 

101 [227] Democrat. 31. llQofiovleveff&ai xgiaaov ngo 
Twv ngri^Cmv rj /uravoeTv. 

102 [79] Stob. Flor. 110, 18. Democrat, cod. Pal. post 23. 
^Xniieg at tc5v dg&d fpQoveotTtov ig)iXTm^ at d^ %Sv d^wsxtov 
divvaroi. 

103 [78] Stob. Flor. 110, 19. "AXayoi xAv d^vvitwv cd iX- 
nCieg^ 

104 [222. 223] Stob. Flor. 81, 11. Eel. H 4, 12. Democrat. 
17. ^ IfSxvQOVBQog ig nei&oi Xoyog noXXax^ yiverai XQvaov. 

105 [99] Diog. Laert. IX 37. Plut. de puer. educ. 14p.9f. 
Aoyog igyov ifxitj. 

106 [122] Stob. Flor. 14, 8. Democrat. 28. Ev Xiynv ini 
xaXoTg igyfuxffi xaXoV vd ydg ini g>Xavgoi(f$ xifidijXov xal 
dnaTedovog, 

95 cf. quae ex cod. A addita ad n. 79 adfert Gsf.: Cfofjg (^ivotjfjioyes'f) 
^Qsyovtai yr^Qaos d'dvatov Ssioixoteg, 97 ^Avori^oveg Mull., "Ay^Qojnoi L. 
104 cf. Lortz. p. 10. is neiM scriptum est in cod. Palat. 106 Ev 
Xeyeiy Dem. cod. Pal. , evXoyeeiy Stob. e^yoi at cum ras. cod. Pal. ; 
fpavqoifft (ut n. 1 gtavQa^ n. 14 ^avQ(oy) idem. xipSr^Xoy xal anatewyog 
sqyoy Stob. 



Fra^^ente. 17 

107 [97] Stob. Flor. 5, 25. OHtvhav %6»r xai todg Xoyovg 

108 [143] Stob. Eel. H 31, 73. Democrat. 51. X) dvriXo- 
ytofisvog xai noiXd ItaxrjvtvofAevog d^vr]g eg iAdxh}(fw iSv x^i^. 

109 [145] Pint. Quaest conv. I 5 p. 614e ... i^i&ayretoy di xata 
Jr^fi6x^ito¥ xai IfiayreXixt sto y Xoyovg aipexBoy. Glem. Alex. Strom. I 3 
p. 120,44. ... Xe^£i&io)y S^ri^riTtj^egy ^riXmrai XBxwdqitay^ bqi- 
iayXBtg xai IfjiayteXixteeg, tog o 'Afidti^irrig ixetyog (pr\aiv. Strab. 
I 4« 7 p. 65 Gas. ... aXka ^6voy eqidaytitav xata JrifAoxqixoy elvai. 

110 [144] Stob. Flor. 36, 24. Democrat. 52. nlBwe^lri to 
ndv%a XtyHVy fki^ikv Si &eX€iv dxovsiv. 

111 [124] Stob. Flor. 13,40. OixrJMV ilev&eQirjg nag^trlrj, 
xivivvog di tj zov xaigov Suiyvanftg. 

112 [125] Stob. Flor. 12, 13. Democrat. 10. ^AXr^&ofAv^ev- 

113 [59] Stob. Flor. 10, 43. Democrat. 18. Tov olSfievov 
rooy ix^iv 6 vovx^er^oiv %i fMorraionoveV. 

114 [94] Stob. Flor. 13, 26. Democrat. 25. KQicaov xd 
oixr^ta dfiagtrjfAota iiMyxeiv ij td d&veia. 

115 [120] Stob. Flor. 2, 37. "jEo't* ^CSiov fjUv inaiveiv a 
ftfj XQ^ ^^^ tptyfiVy ixdziQov Si novr^gov zivog t]d'eog. 

116 [121] Democrat. 81. Meydla fildmovtri tovg rfJviV- 
tovg ol inaiv^orxtg, 

117 [232] Democrat. 82. B^Xtiov vg>* hiQW rj vg>* iavrov 

118 [233] Democrat 83. "^Hv fiij yv^QCt'Qg Tovg inairovg, 

119 [123] Stob. Flor. 38, 46. Democrat. 14. Moofuoft^mv 
^XavQwv 6 dyav^og ov nouXzai Xoyov. 

120 L. Seneca Ep. 7, 10. Unus mihi pro populo est et 
populus pro tmo. 



109 vid. L. Dindorfii praef. in aem. p. XXVI, Cobet Nov, lect 391. 
506. Of. etiam Timonis Phlias. fr. 41 Wachsm. 110 di i&eXety Stob. 
112 *AXn9oiAv^y x^h ^^'^'"^ ^^ noXvXoyoy Dem. 113 cf. Lorts. p. 10. 
rt om. Dem. 114 iXiyxtiy dfM^tijfiata Dem. 117 BiXtioy cod. Pal., 
lU'Xri^y aL 

2 



XS I. Die Ethika des Demokritos. 

121 [105] Stob. Eel. n 15, 36. Democrat. 21. "Egya xai 
ngrj^uxg dgetfjg, otf Xoyovg l^rjXovv XQ^^v* 

122 [103] Democrat. 19 cf. Stob. Eel. II 15, 33. BolXoi 
^oyav fATj fjiux^ovteg f^tSifi xoctd Xoyov' noXkoi ii dQwvreg %d 
aurxi^Ta Idyovg dgdrzovg dttxiovciv, 

123 [106] Democrat. 47. KifiiriXot xal dya^otpavieg oi 
X6y(p fikv anavxttj i^ytp S^ wShv ^Qiovxsg, 

124 [104] Stob. Eel. H 15, 40. Ovre Xoyog i<r&X6g g>avXrjv 
Tt,Qrjiiv dfiavgi<rxH ovte nQTJ^ig dya&f} loyov fiXa{fg)rjfifrj Xv- 

125 [88] Stob, Flor. 29, 67. Democrat. 46. To ahl fxeX- 
Xeiv dreA^ag noist Tdg yigij^iag, 

126 [89] Stob. Flor. 51, 16. ToXfAix ng^^iog dgxr^ '^Hv 
Sh re'Xeog xvgirj, 

127 [90] Stob. Flor. 7, 22. UvSgrjirj zdg Stag afjuxgdg 
igdei. 

128 [91] Stob. Flor. 6, 55. ^Hfiegriaioi, vrtvoi awficcvog ox- 
Xr^ffiv rj ipvx'fj^ dSrjfio<rinf)v rj dgyiTjv f) dnaiSevafrjV frtj/iaivovifiv, 

129 [241] Plut. De lat. viv. 5 p. 1129 e. ''^Hfiog cT rlnegonrias 

unentoijiasy oveiqovg* o fjXiog dyaaxeay, xai xa&dneQ eig tavto avfAfii^ag 
iniatQBtffe xai avvtoqfxriaB x^ qxoti tag nqd^eig xai tag yoijaeig tag dncty- 
t(ay, mg q>ri<n JrjfjioxQitog, yea i g)* fj f^e^rj q>Qoyeoyteg uy-d-qumoi t^ 
n^og dXXjjkovg oq/i^ xa^dnsq aQtijfiati 0vyt6y<f anaa&iyteg aXXog dkXa- 
j[6^$y inl tag nqd^eig dyiatqytai. Id. Quaest. conv. Ill 6 p. 655 d 
. . . xai yia itp* ^f^B^n g>Qoyioytag xata JrifjLoxQitoy dyiotaad-at. 
Ibid. VIII 8 p. 722d yia itp* 17^6^^ q)Qoy6oyt€g, uig q)riai JrifJLoxgitog. 

130 [87] stob. Flor. 29, 88. Tr,g ^avxir^g Jiavteg ol novoi 
irjiloveg, orav (ov slvexev novBpvci tvyxdvo)0iv ^ etiifaai, xvq- 
(foYxeg' rjv Si dnoctf^ rj enirvx^f], «^<J noreiv o/xoitog dvirjQov 
xai TaXai7ti»Q07\ 

121 n^tjiiy Dem. cod. Pal. sed y a rec. manu. 122 IloXXoi dgwyteg 
ta aXaxiffta Xoyovg tohg aQiatovg daxiovaty Stob. 123 xipdi^Xoi fiky cod. 
Pal. 125 fjieXXoy cod. Pal., fortasse recte. 129 De lat. viv. d* iqnego- 
nijag Wyttenb., vne^onfjag cod. Harlei., di ate^onfjag cet. ibid, yea iqp* 
fi^eq-Q atqegtoyteg vulg., quod frastra tuetur Mull. ibid, r^ — ana- 
ad-iyteg Wytt. cum Reiskio, triy nqog dXlr^Xovg o^juriy xa&dneQ dqtv[JLata 
nXaa&iyteg L. (no^ovyteg Mull.) 180 ty Se ctxog tJ initvxtn L., i^y di 
dnoatifn £7i£rv/iij Mein. noyeeiy Mull., nay L. 



Fragmente. 19 

131 [86] Stob. Flor. 29, 63. Ot ixov^rioi novoi ti^v tcoV 
dxovciior v/io/Jtovrjv ihxifQo%sQr}v nagaffxevd^ovifi. 

132 [84] Stob. Flor. 29, 64. Uovog Svv€xt]g ihxtpQoreQog 
iavTov Tt} ^vvTjO^eirj yimai. 

183 [85. 195] Plot. Non posse suaviter vivi sec. Epic. 19 p. 1100 b. 
*AlX* of ye ngog enaiyoy xai do^ay ovrtos M^oytsg a^* ov^ ofioXoyovoi 
fiiyaXa^ f^&oyas nQotea^ai di* dff&iysiay ^ [laXaxiay tpevyoyres ^^X^^ ? 
noXireia^ xai (piXLag paaiXitoy, dg)' (oy ta fAeydXa xaXa eig Toy pioy 
yiyea^at Mg>fi JrifjLoxQitog; Id. Adv. Colot. 32 p. 1126a JfifxoxQitog 
fiiy na^iyei Ttjy t€ noXitixriy tixt^riy fjieyUnr^y ovaay ixdiddaxea&ai, 
xai Tovg noyovg Sidxeiy dtp (oy xa fieydXa xai Xafin^a yi- 
yoyrai tolg cly&^tonocg. Antonii Melissa 1145 p. 118, 6 Gesn. /i^et 
rov^ noyovg ditoxeiy dy-S'' (by ta fAsydXa xai Xa^nqa yiyetai toig dy- 

134 [212] Stob. Flor. 43, 43. Td xard rrjv nohv XQ^^^' 
Vfov XoiTiav fi^yittza lyHC-b^ai, oxcog a^szai ev^ fir^rs g>iXov€i^ 
xeoiTa naqd to emetx^g fAiJTe iaxvv iavrm nsQiTi^-sfisvov naQd 
to XW^^^*' ^^ ^^'^ ^vvov. nohg yaQ ev dyofiivr} fieyiarrj oq- 
y^maig Atti, xai iv tovtm ndvra ft'*, xai tovtov <r(p^ofi€Vov (xd) 
navra {ffp^ercu, xai rovrov 6uxq>'d'€iQ0ii€V(W xd ndvra Sia- 
^^€tQ€raL 

135 [43] Stob. Flor. 104, 20. ^AnoQiri ^mr] zrjg ixdciov 
XixJUnansgrj' ov ydg vjioXetneiai iXnlg inucovQitjg. 

136 [199] Stob. Flor. 43, 40. *And ofiovoirjgTd fieydlu igya 
xcu xT^ai noXiat zovg nokeiiovg Svva%dv xazegYd^ecd-ai, aiJjog 
f ov. 

137 [228] Democrat. 56. "H tc3v ^vyyevsoov Ix^grj Tfjg t65v 
oO-Y^Uav xaJU77(OT€^ /uaAa. 

138 [:*00] Stob. Flor. 43, 34. 2%daig i(iq>vhog ig ixdtsga 
MOMOV xal ydg vutiovci, xai TqaCdniiivoig ofioir] g>&ogr), 

139 [197] Stob. Flor. 43, 33. X) vofiog fiovXtTai ixhv edeg- 
Y€Z€Tv fiiov d%*x^goin(or' ivvarai Se, ozav avTol^ fiovXoivtai 
ndifx^iv ev' Totg ydg nfi^/i^voitri ttjv ISitjv dgeriQV ivieixwrM. 

188 cf. Lortz. p. 16. fzeydXa xaXa fort, corruptnm ex fjieycXn xai 
lafinga. 134 ta add. Mein. 135 iybg exdatov Mein. vol. IV p. L . .1, 
malim iSirig, ^^ malim ifigtvXog^ cf. Theogn. v. 51, Sol. 4, 19. i'63 cf. 
D£J 69. 



20 I. Die Ethika des Demokritos. 

140 [196] Stob. Flor. 38, 57. Ovx av ixciXvov ol vofiot. ^rjv 
i*xa<rTor xot IditjV i^ovaCrjv^ si fiiQ ^sgog ?t€qov iXvfAairsTo, 
^x^ovog yaQ atdaiog dQxrjv (XTieQYdl^eTai. 

141 [189] Stob. Flor. 5, 23. Democrat. 13. Nofxco xai ag- 
XovTi xai ao(p(a%€Q^ eixsiv xocfjiiov, 

142 [191] Stob. Flor. 47, 19. <^v<r€i to agxsiv oi^ajiov z^ 
xQsacovi, 

143 [192] Stob. Flor. 45, 27. Democrat. 15. Xalsndv aq- 
XSCx^ai, vno x^Q^^ovog. 

144 [193] Stob. Flor. 44, 14. Democrat. 40. Kgiaaov ag- 
X€(X&ai Toig dvoTJTOiCiv f} ccgx^iv. 

145 [190] Stob. Flor. 22, 42. TsXsvt^ ydg eg xaxodo^hjv 
[xaxrjv~\ 6 Tragexreivofxerog tm xgiaaovt, 

146 [215] Stob. Flor. 43, 46. "Orai- ot dvvd^svoi xoXg fjtrj 
^xovci xai ngozeXstv ToX/xeooci xai vnovgysiv xai x^Q^^^^^^h ^'^' 
Tovtfp rjif] xai vd otxrsigetv iveCTi xai (to) fir] igr]^iovg sivai 
xai t6 itaigovg yivsadai xai ro dfAVveir dXXr^Xoiai xai Tovg 
noXirJTag dfxovoovg slvat xai aXXa dya&d Scca ovdelg dv 
ivvaito xataXi^ai. 

147 [211] Stob. Flor. 43, 42. » iv SrjfxoxgaTir) nevit] Ttjg 
nagd Tolg dwdcrrjci xaXeofAe'jTjg evSatfiovirjg Toaovro i<s%iv 
algeTooTsgr] 6x6<rov iXsv&egiri SovXsirjg. 

148 [194] Stob. Flor. 46, 45. Jixrjg xai dgfTtjg fieyifTzr^v 
fiST^X^i (xotgav 6 Tifidg d^Cag rdfivcov, 

149 [231] Democrat. 61. Tifjtal nagd toTg ev (fgovsovat 
fiiya 6vraviaiy ot ^vvidai tificifievoL 

150 [239] Plut. Reip. ger. praec. 28 p. S2l a. 'Enel zrjy yB dXri&i' 
y^y Tifi^y xai /«(>«*' l&QVfiiyriy iy 6vyoi(f xai ^la&eaei toiy fiefiyrifidyioy 
ovx vneQotf/etat noXitixog ayriQ^ ov&e ye doiay utifxdaBL g)evy(i}y to 

tots neXag ay&dy€ ly, (og i^^iov JrifioxQitog, 

151 [214] Stob. Flor. 43, 45. Ot xaxol lovjsg ig rag rtfidg^ 
6x6 am dv [xdXXov dvd^ioi i6vT€g Toocij tocovto) /aaXXov dvaxi]^ 
6^€g yivovzai xai d(pgo(Tvvr]g xai d'gdaeog nifinXavzai, 

141 Tcj) ao(pu}xdt(^ Dem. cod. Pal. 143 /c^jetoyo? Dem. cod. Pal., 
xUgoyog Stob. 145 xaxriy redundare vidit Mein. IV, LXI 146 to 
add. Mein. 



Fragmente. 21 

152 [170] Democrat. 53. Tdv <pavXov nccQafpvXdaasiv Set 

153 [201] Stob. Flor. 3, 51. (l>Qovriaiog igyov /isXXovaav 
diutir^v fpvXd^aax^cii^ dvaXyrjairig Sh ttjv y^vofA^vrjv firj dfivvacO'ai. 

154 [112] Democrat. 4. KaXov ^ihv lov ddixeotTa xioXveiv, 

155 [202] Stob. Flor. 46, 43. "Adixsondvoiat Tificogeiv xavd 
dvrafut* XQV ^^^ i^^ nagiivai' to fihv ydg toiovro iixaiov xal 
dya&ot*^ t6 3^ firj toiovto aSixov xai xaxov. 

156 [108] Stob. Flor. 44, 15. Jixri fxev iaviv igieir zd 
XQicvra^ dSixirj dk /ar^ igSeiv rd %Q€ovta^ dXXd nagccTgsneif&ai. 

157 [203] Stob. Flor. 46, 44. Kai o7 (pvyfjg a^ia Igiovmr 
f> SftTfuav ij nonijg [a^ioi]^ xaraifrr^fpKfT^ov xai fjLiij dnoXvsiV 
oq d* av Ttagd rofiov dnoXvrj xsgdti oQi^fov ?; ijdov^y ddixsXy 
xai ol TOVTo iyxagdiov dvdyxT} elvai, 

158 [206] Stob. Flor. 44, 16. Ka%d dk ^(6(ov iativ cor 
goi'Oi* xal fAij q>6vov iois ^x^l rd ddtxeovza xai x^^Xovra dSixetv 
dx^^og 6 xreivcoVf xal ngog avsCTOVv rovxo igSeiv fiaXXov ^ firj, 

159 [208] Stob. Flor. 44, 18. Vxcocjieg negl xivad^tov re 
xal egnezwv yeyganra^ twv noXsfitan', ovtod xal xa% dv&gaiTTcov 
daxtX fAOi x^foir sjvoii noistv* xaxd rofiovg rodg natgiovg xTei- 
v€iv noXsfJLiov €V Ttavrl x6<ffi(p iv (p fiiq vogxog dnsigyei' vofAog 
Si dnffgyei, hgd ixdczoiciv imxdgia xai anovdal xal ogxoi, 

160 [207] Stob. Flor. 44, 17. Kzeiveiv xQrj rd nrjfjuxivovra 
nctgd Sixrjv ndvra negl nav%6g, xal xavta 6 noiscov edv^vfifrjg 
juu dixrjg xal d-dgtfsog xal xTi]aiog iv navrl xoiffMo fAd^ova 

161 [209] Stob. Flor. 44, 19. Ki^dXXrjr xal XtjiTTrjv ndvra 
xxHvmv tig d&^og av ett] xal avTox^igfrj xal xeXevoov xal t//i^9>^. 

153 tf^y yeyofiiyrjy Gesneri coni. {to yeyofjieyoy Stob., ycyofiiyris 
Max. 2 p. 535, 4 Ck>mbef.). 154 Gn. Barocc. (DEJ 217): xaxoy {abp 
toy adixovyta [iri xtoXveiy, f ^^^^ ^^^ [^k (^'^^ ^^ xdxioy coni. Wachsm.) 
^vyaxoXovO^Bty [ei dl fjirj, (vyexdixeiy Orell., nesdo an recte). 157 &oi- 
nis L., ^oMj^f Bnrch., noiyfjs Gesn. a^ioi seclusit Hirschig. na^a yovy 
L^ oorr. Jacobs. 159 yeygdg>atai L. , viz recte. 160 xtfjtnos {xtd' 
€M9H Gaiaf., xtT^cBtos Mein.) cormptam pates. 



22 I. Die Ethika dee Demokritos. 

162 [126] Stob. Flor. 28, 9. Vgxovg org noi^o%^cci iv 
dv(iyx7j<m' i6%*rsg od Tr)g^ov<nv ot q>XavQoi sTtr^v dia^pvyMai. 

163 [92] Stob. Flor. 103, 25. Tdv sv&vfieTc&ai fu'kXovTa 

XQV f^^ TtoXXd TtQTiaifsiv (iriTa Idirj firjT€ Jw^, /J>rjd^ aatf av 

ngriifarj vn^Q t€ dvvafiiv atgeTffd'M ztjv iavTov xal (pvciv, dXkci 

TO0avt7]v ix^iv g)vXaxrjv^ Sane xal Tfjg Tvxrjg inifialXovcrjg xal 

ig TO nXiov d/TTjYfo/jLdvrjg tw doxsiv^ xazatl&scd'ai xal fAtj nX^fo 

nQoadmecd^ai rear ivvctvwv' tj ydg svoyxCr} d<r(pal€<rTeQov rf^g 

lisyaXoyxdrig. 

Cf. Sen. De tranqu. 18 in. Hoc secntum puto Democritum ita (prae)- 
cepisse: 'Qui tranquille volet vivere, nee privatim agat 
multa nee public e'. Id. DeiraIII6, 3. Proderit nobis illud Democriti 
salutare praeceptum, qao monatratur tranquillitas, si neque privatim 
neque publice multa aut maiora viribus nostris egerimus. 
Plut. De tranqu. an. 2 p. 465 c. '0 ijlbv ovv einojy oxi del toy ev&v- 
fieiaS^ai fxiXkovta fzrj noXXa nqriaaBiv fitjte idlj^ firits 6vy^ ... M. Aurel. 
IV 24 'OXlya nQrjaffe, q>rj<riy, ei fiiXXeig ev^vfii^treiy, Sext. Pjthag. Sent. 
262 (Eiter, Gnomica I p. XVIII) Met' Bv&vfiiag si &iXeig C^y, [iri noXXa 
n^uixe' noXvTiQayfjLoyioy yaq xaxonQayfioyaiy efffi, 

164 [95] Democrat. 45. AiaxQov %d o&veta noXvnQoy- 
fioveovTa dyvosTv rd olxtjia. 

165 [213] Stob. Flor. 43, 44. ToXg xQf]<fToT<nv ov^viiq>iQov 
diAsX^ovrag to5v iavTcov aXXa n^aaeiv' %d ydg Xiia xax&g 
(av} ?<rxffi'. el ik dfieXdoi zig t(Sv drjfiocXtoVy xaxoSg dxovetv 
yCvevai xal rjv (nqdhv /JLijre xX^ntrj fnq%€ ddixf^, insl xal (jiif) 
dfisXsovTi fj ddpc^ovTi xCvivvog xaxwg axovsiv, xal Srj xal na&eTv 
Ti, dvdyxtj Srj dfiaQtdveiv^ ^vyyivciaxsad'ai S^ todg dv&gwnovg 
ovx €vns%ig, 

166 [204] Stob. Flor. 46, 47. Twv rfuxQTfj/jL^vcov av»g(onot, 
fACfjiv^aTai (icilXoY rj %mv ev neTioiTj/A^vcov, xal ydq dCxaiov 
ovttog SansQ zdv vdg nagaxaraxh^xag dnodidovza ov XQV 
inaiveic&aij tov d^ fii^ dnoiiSovra xccxwg dxoveiv xal 
ndiTxeiVj ovTio xal rov agxovza, od ydg inl tovtco '^g^dTj (6g 
xaxwg noiTjffwv dXX! iig ev. 

163 xai naga g>v<ny coni. Mein. nXioy Orell., ^ioy L. x^ doxeiy 
Burcbard. recte vertit »dem Scbeine nacb«, cf. Xen. Cyr. VIII 3, 14. (Sen.) 
cepisae A, coepisse vulg., praecepisse Eocb. 165 aydyxri ^'i scripsi cum 
Mullacbio {Si L. , yag? Mein.), ceterum cf. Meinek. adn. 



FragttieBtei 28 

167 [205] Stob. FloT; 46, 48. OvdhfiCa jfiflxavij rf wv xa- 
^kitxf&zi ^f <r/«» jUi) odx diuiit(f&ai %odq &gxb%*Tag, tjt* xal navv 
d/a&oi iwfftv, ovdsri fug aXXat tsik^v^ [i^] eavr^ tov a^nir 
i^* ir^goiCtv av ylvitr&ai, ie! i^ dwg ovt(» xal tonfra xofffHf" 
x^ijra$j Sxmg 6 nr^Shv diix4ai%*^ i^v xal Trdrv itd^f] tof)g diwiovta^^ 
ItiQ in €X€ii*ovg ysvi^CBvat^ diXd ti$ 19 S'BCiidg r} eiXko ri dfi^vvti 
v^ vd ifxaut noiemTi. 

168 [225] Stob. Flor. 40, 7. Uvdgl aogxp naif a rv fiarij* 
^vjjfi ydg dYa&ijg narglg 6 l^vfinag xocfiog. 

169 [181] Stob. Flor. 6, 11; 7, 26. "'BrmnoUwv iikv iec- 
no^ovtfiy ywai^l i^ dovXtvovtfiv. 

170 [179] Stob. Flor. 74, 39. Democrat. 78. Yno y^vair 
xog agx€ff%^ct& vfigig dvdgl iq icxdtr^i 

171 [176] Stob. Flor. 74, 38. Kotffiog ohyofAvair] rvvdM' 
xaXov 3h xal xofffiov XttoTTjg, 

172 [18] Stob. Flor. 4, 71. EtitoXa ia^t xal xiajji^ 
Stangen^a ngdg •&6mgir]Vj dXXd xagd(rjg xsved. 

173 [177] Democrat. 77. rvtnj fiij daxsirof Xoyov is^viv 
ydq. 

174 [175] Stob. Flor. 73, 62. Fvi't} noXldv dv3g6g d^tft^grf 
ngdg xaxo^gaSfMtrvvrjv^ 

175 [221] Stob. Flor. 63, 33. "Eganun}v fj^fji^$v t; dyanah 

176 [182] Stob. Flor. 104, 21. Noifog ofxov xal fi(av y(ve%ai 
oxmHtneg xal ffxrjveog, 

177 [210] Stob. Flor. 62, 45. Olxit'QiHv wg fA^gsai vdS 
ifxtjreog X9^ aUnp ngog aXko, 

178 [184] Stob. Flor. 76, 17. 'Avd^gmnoiCi tcSv dlvayxalmv 
iattst elvai natSag xrijtfaa^a^ dno g>v<nog xal xaraifTcltnog 



Fr. 167 explicare conatus sam cap. HI n. 89. d&ix^Zc^a$ scripd pr<v 
Tolgato ddixieiyj ij seclusi, recepi Halmii ooniectaraa at! ylytc^at^ y^vij' 
0€Tai. 170 ayS^i { scripsi (dy&Qi Stob. , xai dyaydqlri l^^m. , dy eXri 

Max. Ant.) 173 Gn. Barooc. (REJ 267) Tvy^i xaxii fx^ d^eina Uywy 
^ipixj/itu, 174 noXkloy scripn, noXXh L. , ttoHA^I Man. 175 dymt^ 
fsMtmi oornq>t., evy^ oonL Mem; non ezpedio. 



24 I. Die Ethika des Demokritos. 

T$vog dgxairig, iijXov ^^ xal toTg clXXoig ^(ioiat. ndira ydg 
ixyova xTavai xccrd q>v{fiVy enaofpeXivjg ye ovdcfufjg sirsxfv, dXX 
oTav yivrftttiy xaJj^mrnQst xal vg^fpei SxaCTOV (og ivvarm xal 
■ inc^^doixe (JL^xqi (fpLixQd rj^ xal ijv ti ndxhrj dviaTai. i; fih' 
g>v<rig touxvttj ndvtfov itfilv o<ra ipi*XTjv i%si' %m dh Sij dr- 
-d-Qiintp vofXi/ior ^dtj nenoirjraij Sazs xal inavqecCv tiva 
ylvsai^ai dnd rov ixyovov, 

179 [186] Clem. Alex. Strom. II 28 p. 181, 26. JrifioxQixog &b yd/xoy 
xai naidonouay naQaixeXxai &ia tag noXXag i^ avxaiy drjSLag te xai 
dg)oXxag dno tdiy dyayxaiotB^<oy, ffvyxatatdttetai de avt(^ xal ^nl- 
xovQog xai oaoi iy i^doy^ xai doxXYi<ri(f sti de xai dXvni(f tdya^hy 
tid-Bytai, Theodoret. Gr. cur. aff. XII 74 p. 176, 16. JtifAoxqixt^ de xal 
*Enixov^(g Xlay fiefjiq)6fj.€^a naqaiteXa^ai xai thy ydfxoy xai tf}y nacdo' 
noiiay xeXevovai; tfjy yd^ toi ^doyfiy oqiadfieyoi tiXog ta gtqoytidag 
e^oyta xai tiyag di^dlag nayteXiog dnexijQvSay, 

180 [185] Stob. Flor. 76, 15. OtJ ioxet fioi XQflvai naldag 
xtdcd-ai' svoQw ydq iv naiidnv xTiq(f€i, noXXodg fihv xal /xeyd- 
Xovg xivdvvovgj noXXdg ik Xinag, oXiya S^ rd €v&rjV€ovra^ xal 
vavta Xsnrd re xal dtf-S'SV^a. 

181 [188] Stob. Flor. 76, 16. "Orff© XQWV ^'^^^> ^«"*« 
Ttonfiaattd-ai ix z&v ^CX(ov rio (wi Soxet a/xeivov elvai, xal t^ 
(ikv Tiaig iarai Toiovvog oloi' av fiovXr^rar ia%i ydg ixXi^aad-ai 
olov S-^Xei xal og av Soxfj eTiitrjieog elvai xal fidXiffta xard 
ifvair SntjTaL xal rovro tocovto Sia^^gei o<fov iiTav&a fj^h' 
XtTov natda XafieTv (xal) xceta&vfAiov ix noXXm* m' av ierj' 
f-v di Tig noifjrai ay* iavTov, noXXol ivei^n xCviwoV dvdyxrj 
yaQy Sg av yivrjfcai^ rovrm XQ^^"^^*" 

182 [187] Stob. Flor. 76, 13. TexvtnQOipCri CfpaXsQov' rrjv 
fihv ydg iniTvxCr^v dywvog fjLeaTiijv xal (pgovrCSog x^xTrjrai, rijv 
i^ dnoTVxif]v dvvTtigd-eTov Hegy 68vvr], 

183 [132] Stob. Ed. 11 31, 58. !ff naiieir] evrvx^ovai ixiv 
iCTi xofffiog, drvx^ovct S^ xaxa^pvyiov. 



181 cf. Meinekii adn. vol. Ill, XVII et IV, LXXV. g>LX(oy t ifioi A, 
g>iXtoy t€(6 fJLot Mein. inrjtai Mull., inoito L. , eji ol coni. Mein. tay 
ay del L. , t(oy ay dij^ Mull., fort. oV ay dox^? 



Fragmente. 25 

184 [spur. 5] Stob. Flor. 83, 26. "^^eaxiv ov noUd vwv 
0^f9%iQmv dvaXtiiifavtag natSevaai T€ T(n)g natiag xal reixog 
%$ Mol <ftnrjQtrjv nsgtfiaXeif^ai ToTg re %*oiljfAa(n xal rotg <fw/jux- 

185 [139] Stob. Eel. H 31, 72. "Ean xoy v^mv ^vvetr^g xal 
y€g6t*tmv diwsaCri' XQovog yccQ od iiddaxsi tpQovatv^ dXX* dQaCr} 
^^oqvj xal gwtrig. 

186 [226] Democrat. 22. Td xaXd yv^C^ovai, xal Cr}Xov<riv 
ot €vg>vieg ngog avrd. 

187 [133] Stob. Eel. 11 31,65. 'H g^vmg xal ij iiiax^ naqa- 
TwlTjtnov iCTi' xal ydg r didaxf} fJi^vaggviffioT t6v av&QfonoVf 
fuet^oQQvciMovifa ih (xaV) q/vcig noiet. 

Cf. Clem. Alex. Strom. IV 23 p. 229, 2. Jionsq 6 JrifjLoxqixog €v Xeyei 
m^ j ^pvcig t€ xai (ij) didaxfi TtaganXr^aioy i<ni, xal r^y aixiav avyxofitag 
ngoaaxodidmxey xai yaQ ^ Ma^ri fjieta^Qv&fjil^ei toy ay&qomoy^ fjieta^- 
gv^fU^vaa &e ^wsionoiel^ xal difjyeyxey ov&kv ^ g)v0ei nXaa^fjyai roioyde 
i 19^^ *^^ ffa^V^f fjL€TaTvn(o^fjyai, Theodoret. Gr. cur. aff. IV in. 
/hifwx^ixoy toy Jafxamnnov toy *Apdi^^itr^y g)a<rl naqanXriaiay elyai t^ 
^^9C€i liyeiy t^y dgUrtriy MaaxaXLay fABtafjLOQq>ovy ydQ d^ tavtr^y xal 
fjistaggv^fii^ciy n^og to fiiXtioy tr^y tf/vxfjy xal tovs naXaiovg ayayeova&ai 
Xagaxt^gas ovs H «^x^ff ^ g)V(ng iyi&rixe, 

188 [131] Stob. Eel. U 31, 71. Democrat 24. Ovre t^x^tj 

189 [236] Stob. Eel. 11 31, 66. Td fih^ xald XQ^l^^^^ '^oig 
Twovoig fj fid&fjing i^sgyd^evaij zd (T alaxQd Svfv tiovcov avro- 
fiata (fi dfjux&ffj) xaqnovrai. xal ydg ovv ovx id^iXovra noX- 
Xdxig i^eCgysi Toiavrot* stvar ovTao f fieydXrjg re zrjg (fVT&- 
mg iittt. 

190 [140] Stob. Flor. 4, 83. Democrat. 29. UoXXol noXv- 
fyx^ieg vocv ovx l^cwo**. 

191 [141] Democrat 30. lloXvvoirjV od noXvfJia&Crjv a- 

184 cf. Lorts. p. 8. telx^s ti Orell., teZxog t€ L. yori[iaai Mein., 
Xgi(JM9t L. 187 xal add. Usener, cf. Wacham. adn. 189 xaXa M^yfiaxa 
Wacfasm. , MgyfAata vel ngi^yfiata Hense , abease vellet Mein. ; sed yid. 
Dieledam Sitrangsber. d. Berl. Akad. 1884, XIX 350*. ^ d/jia&iri add. 
Cs. ovy fori, delendom. ovtto — iat$ corrupta, emendare conatus sum 
c. Ill n. 42. 



26 I. Die Etiuka des Demokritos. 

192 [142] Stob, Eel. II 1, 12. Mrj ;rrfrra imtnatt^cn ngo- 
&vfi^Oy firj rtdvrmv dfMX&f;g yivrj, 

193 [115] Stob. Flor. 29, 66. nkiovsg i^ dffkif(f$og dyct^oi 
yivovrai ^ dno q^vaiog, 

194 [234] Stob. Eel. 11 31, 90. 0avX(ov ofiMrj ^tv€%i^fi ^w 

195 [113] Democrat. 44. XccXenov fxifietif&cci (liv Todg 
xaxovgj fxtj i&dXeiv d^ rovg dya&ovg. 

196 [114] Stob. Flor. 37, 23. Demoerat. 5. Hya&ov^ sfvai 
Xgeciv iy fiifieta&ai. 

197 [2.35] Stob. Eel. 11 31, 57. ZrjXooTixoSg ofi^ novetv 
natdeg dvi^vtsg oiite YQccfifAar* av fid&oiev ovie fiovifixrp' ovT€ 
aYooviTjv orcT, OTieg fidXiCTa ttjv dQeTrjV ^vv^xsi^ to aiietad-atr 
fidXa ydg ex tovtov ^iXet yivea&ai rj alScig. 

198 [134] Stob. Eel. 11 31, 56. ndvToov xdmarov tJ svne- 
%€iTfi TiaiSevacci Ti]v veorrjTa' avrrj vdg etfTiv rj tCxth vdg 
TjSovdg ravtag i^ cov r^ xaxorrjg yivsTm. 

199 [72] Stob. Flor. 5, 44. Uaigdg ampgntrvvq fjh4yia%ov 
rixvoiai, nagdyyeXfxa, 

200 [69] Stob. Flor. 10, 65. » tsxvoig ayav xQW^'^^^ 
^vraywyrj ng6q>aaig iCTi (fi>Xccgyvgh)g^ rQonov Tdiov iXiyxovaa. 

201 [136] Stob. Eel. II 31, 94. Kg^caovsg elmv at t<Sv 
Ttenaidevfx^vcov iXnCdsg rj 6 rCav dfxad'ecov nXovTog. 

202 [70] Stob. Flor. 16, 17. Ol rwv (psiSwXSv naiSsg d- 
fjux&seg yivofievoiy Sansg ol ogxr}(TTal ot ig rdg (laxaCgag ogov" 
ovvsgy rjy ivdg fiovvov fiiq ri'^wcT* xaraffegofieroi iv'&a Set rovg 
nodag igsTcai, dnoXXwicti (xccXsnov dh tvx^Tv (roif) €%'6g^ to 
ydg ixviov fiovvov X^Xsimai rwv nodm)^ ov%fo dh xai ovtoi, 
rjv dfidgvaxn rov Ticcrgixov Tvnov rov snifjieXeog xai (psidwXoVy. 
(piX^ovtfi diatpd-eige^x^M, 



196 'Aya&oy elyai X9n n fiifieiff&ai Dem. 201> of. DEJ 50 Toifg 
vlovg 00V anovdtt^e nenaidcvfjisyovs fiaXXov ^ nkovaiavf xataXm^ty. 
x^slttoyes yccQ at xtay nenaidevfjieymy iXnldes' ^ 6 top dpux^y nXwvog. 
202 tov add. Mull. ovvods'^ matim ovvwdij. 



Fra^pnente. 27 

203 [71] StoJ). Flqr. 83, 25. Totg nmai (juHhtfra xgr^ tav 
dwifTwv SaT€T<r&at vd XQ^l^cc^^ij xal Sfjux inifiiXsffd^M avvm* 
fijy f-» dTTjQdv noi^mtfi iid x^iqdg txovreg, Sfia (ikv ydg noXXov 
q^siidtc^ yhovrw ig vd XQW^^^ ^^* nQo^fiovegot xtaffv^m, 
xal dytorf^oiTai diXr^XoiCiv. iv ydg t^ ^vv^ rd teXevfieva odx 
dri^ StfncQ Idifj ovd* evO'VfieT vd imxroifieva^ dXXd noXXtp 

204 [218] Stob. Flor. 115, 21, X) y^gmv viog iyivsro, 6 ih 
v^ SdfjXnv el ig yrJQag dtpt^evM* td tsXsov ovv dya&dv tov 
fiiXXovTog T€ xal di'qXov xgiacov. 

205 [216] Stob. Flor. 115, 19. "lax^g xal BviAoq^pCr} veo- 
Tt^og dyaxf'd^ yijgaog di <f(og>Qo<rvvr^ Sv&og. 

206 [217] Democrat. 70. r^gtov evx^Qig 6 atfivXog xal 
ifnovdaio fjiv&og. 

207 [219] Stob. Flor. 116, 41. rrjgag oXoxXrjgog i(f%i tiij- 
gmctg' navt" ix^i xal naaiv ivSst, 

208 [161] Democrat. 69. OiicT' iJy hog g>d€i<r&ai Soxst 
fjuH 6 g>iX€(av fJLTjdiva, 

209 [162] Democrat. 65. Zf]r ovx a^iov oretp fir^dh elg 

210 [151] Democrat. 63. UoXXol iox^ovxeg slvat g>iXoi ovx 
eid xal ot^ ioxiovreg etaC, 

211 [163] Democrat. 64. ^Erog (piXirj ^vvezov xQiaawv 
ditn'iT»v ndvrav. 

212 [153J Stob. Eel. II 33, 9. X)(io^QO<fmnri q>tUrjv notst 

213 [152] Democrat. 73. ^(Xoi, ov ndi^reg ot ^vyyevisg 
dXK ol ^vfJKfatviotTeg negl tov ^vfi(f!igovTog. 

214 [164] Democrat. 72. ^v svtvxCji q^CXov evgetr evnogov, 
iv di dvtrtvx^f^ ndvTcov dnogt6Ta%o%\ 



203 fag ay veto v (deleto fjniXiata) Tolebat Mein.; fort, xgh ^^ ^'^^' 
tfTOff (AaXuna. noXkoy Wakefield. (noUMv L., noXkx^ Orell. Mein.) 208 
'Yn ovieros ioxr^cei q>iXeta&ai tig vel g)iX€Z<r(hti doxeitta {doxi^ei) tig 
D£J 168 (g)iXetc&ai doxijaeig Wachsm.) fxrjddya est in ood. Pal. 209 
aiiog L., correzi c. Ill n. 45 210 of. DEJ 159, ubi additum aog>ov 
0vy to diayiyyoiaxeiy ixa<rtoy» 214 evnogtatatoy DEJ 153. 



28 I. Die Ethika des Demokritos. 

215 [165] Democrat. 67. ^xtQinorTai naXXol rovg (pCXovq 
inrlv i^ evTtogirjg eg nevir^r lisraniatoa, 

216 [166] Democrat. 66. T9r«« /uiycT dfivvovaiv ini TtokXov 
ot 7t€tga&^VT€g (ftXoi^ dv<s%Qonog, 

217 [146] Democrat. 76. Ot g)do/n€fjig)^€g ig {pMrjv ovx 
€vq>V€fg. 

218 [149] Stob. Flor. 108, 69. Democrat. 12. MeyaXoipyxir} 
to tp^Qsiv TtQrj^oog nXrjfifieXsir^v. 

219 [167J Democrat. 74. ^'A^iov dvd-Qdnovg i6%'Tag in 
dv-d-Qoincov ^vfiffogfjCi firj ysXdv diX oXo(pvQ€(fd'ai. 

220 [168] Stob. Flor. 112, 10. Otctv rJcToriJr ixov<nv al 
Tc5v niXag ^vfiipogal^ ov ^vviciai fihv wg rd rfjg tvxrig ^vvd 
Ttaaiv^ dnoQsov(Si dh olxrjirjg X^Q^^' 

221 [147] Stob. Flor, 20, 62. OfiXoveixirj ndtfa dvorjTog' 
rd ydq xard tov dvdfieviog fiXafiegov x^stagsvca to Tdiov ^vfi- 
ipsgov ov fiX^TTft, 

222 [150] Stob. Flor. 48, 13. <^6fiog xoXaxe^ijv (ikv egyd- 
f^rai, evvoiTjv 6^ ov x^xtiytai, 

223 [174] Democrat. 57. ilfij vnonrog ngog SnmTa dXX* 
evXafirjg yiV€V xai daq)CcX'qg, 

224 [169] Democrat. 32. Mi} naai,v dXXd rotg doxi/tioici 
niatsvstr' to fihv ydg svrjd-eg^ to dh (r(og)govioj'Tog, 

225 [158] Democrat. 60. 2(iixgal x^Q*''^^^ **^ xaig^ Z^'- 
CTai ToXg Xafifidvovai. 

226 [160] Democrat. 62. XagiCTixog ovx ^ ^Xinwv ngog 
TTJv dfxoifi^v dXX* 6 €v igdv ngorfgr^fiivog. 



216 BnmoXoy (quod rec. man. correxit in ini noXto i. e. noXXt^) cod. 

Palat. 217 fji^ €vg>vhg edidit Orell., sed ovx est in cod. Pal. 219 de- 
est in cod. Pal. 221 etiam extitisse in Eel. II 40 docet Elter Mus. 
Rhen. XLVIl 132 n. 16. — Probabiliter Democrito tribuas sententiam 
huic aimilem quae est apud Max. 54 p. 65S, M'H tcjy dya&cHy eg is 
a^eXsL Toy Ci^Xov yta firj fiXdnt ovaa toy ^riXovfieyoy, 222 ov 
xixtritai DEJ 79, ovx exec Stob. 223 anayta cod. Pal. {dnayrag ed. 
Or.) yeyov ibid. 225 idem DEJ 92, ubi add. tavxag iy negicidaec 
(sed cf. Lortz. p. 12). 



Anh. I. Der DiaJekt der Fragmente. 29 

227 [172] Democrat. 59. XaQt^ofievog nQoaximeo rov 
htfifavovra fiij xaxdv dvr dycc&ov xf^ir^Xog etor dnoi^. 

228 [159] Democrat. 58. XaQirag de'x^tf&ai XQ^^^' ^Q<^ 
cxo7Tfv6fi€Vor xg^ccovag aihm* dfioifidg duoiovrai. 

229 [32] Stob. Flor. 16, 21. B(og dreoQtatfTog fiax^ oSog 
dnttvioxBvtog. 

230 (240] Plut. Quaeat. conv. II 10 p. 643 f. *Eu yaq ivy^ Ix^vi 

ttxay^ai ovx By Bia iv, wg g>riaiy o JrifAoxqtzog. 



Anhang I. 
Der Dialekt der Fragmente. 

Die Ceberlieferung des Dialekts in den ethischen Fragmenten des 
Demokntoe') ist eine vergleichsweise recht gtinstige. Schon deswegen ver* 
dieot ste eine genaae Darstellung; vielleicht aber ist das Ergebnias selbet 
f&r die Echtheitsfrage nicht ganz ohne Bedeutung. 

Voraos dn paar Beispiele, nach denen man die Gftte der Ueber- 
liefening im allgemeinen beurtheilen mag. 

Contraction der Verba auf -iw. Contraction von ee eei £ij, 
NichtooDtraction von eai eo eoi *) eov €(o oder Contraction von bo bov in 
<v ab richtig gerechnet, ergibt sich das Verh&ltniss der richtigen und 
falscben FUlle f&r die Fragmente bei Stobaios = fast 5:1, fQr Demo- 
krates freilich ungQnstiger, n&mlich kaum 2:1, fSr beide zusammen also 
ifflmer noch ca. 3Vt : 1 (w&hrend Gomperz, Die Apol. d. Heilk., z. B. for 
£« und Bi 1:1 aU noch nicht ungQnstiges VerhSitniss ansieht). Stets 
contrahirt erscheint M, so auch Fnt. dfivyBV tpayBitai, Inf. Aor. 4mal 
'tty gegen Imal -SBiyt desgl. ^g ^ (25, nicht sicher fiberliefert, doch in 
Inschriften alt bezengt), und in dem Fragm. bei Philod. de mus., VH' I 
c. 36, 29 TtB^iBvt^os^ dagegen Sfoaiy iwy ioyta iovaay (2mal freilich ov<ra) 
na^Boy naQBoyta na^Bovaiy dnBoyxtoy^ desgl. BiSitoai. Filr xa&Btneati 167 
war nat&rlich xa&BmBmti zu schreiben; dagegen 130 dnoar^ (sichere 
Emendation, tlberl. axog t^, 

Der Gebrauch der Elision stinunt ziemlich genaa mit Herodotos 
Qberein: dXXtt elidirt ananahmslos , dagegen &b ovSb fir^di ziemlich hftufig 
nicht, re ovtb firsts tlberwiegend nicht; sonst findet sich oxot* ay, aw 

1) In den sonstigen Fragmenten ist die Erhaltung des Dialekts sehr 
nngleichm&Bsig, sie sind daher nur hier und da zur Vergleichung heran- 
gezogen worden. 

2) dfieXsoi 165; dagegen noiolto 7, wie noioX (neben dyio^Boifi) in 
der teischen Inschr. Bechtel, Die Inschr. d. jon. Dial., n. 156. 



30 I. Die Ethika des Demokritos. 

ay (in yQafAfxat' ay fxaS-oiBv 197 wie inavqi<neoifA€^ av 26 ist av erst 
darch fibrigens zweifellose Conjectur eingesefczt), ndyt" sxei. Die Pra- 
positionen &ia xara naqa dytl inl ano vno elidiren mit ganz vereinzelten 
Ausnahmen (xata dy&^cinfoy 159, was jedenfalls zu andern, dno ofxoyoiris 
136, dno i(ovtov lr<l, s. weiter unten). — AngefSgt seien hier die nicht 
eben zahlreichen Beispiele der Krasis {taXXa tdya^a tdyayria tavxo[y'\ 
xdy fOr xai Tqy und die sichere Emendation xai ^qvte 26, dberl. xai (f 
avte) nebst der vereinzelten AphS.rese 25 |U^ 'nlctrjtac (s. Wachsm. z. 
d. St.). 

Das bewegliche y scheint hOchst selten vor Yocalen inmitten des 
Satzes zu fehlen: 177 (Stob. Flor.) nach Gaisf. AB oixixacai tog (er edirt 
aber -ijcr/i', Mein. -ri<n)^ 24 (Eel.) xolai dy&Q(6noiac (jedenfalls toZg zu 
schreiben, s. u.), und 1^6 (Democrat.) ^rjXovai ol. Etwas 6fter fehit das 
y am Satzschluss. Doch geben leider die Ausgaben keine Sicherheit, da 
in einer Reihe von F3,llen Gaisford ohne Bemerkung y setzt, Meineke 
ohne Bemerkung es weglasst; so bleibt auch ungewiss, ob y vor Con- 
sonanten im Satzinnem etwa hier und da iiberliefert ist. 

Der Dat. Plur. der 2. Decl. zeigt -oig -oiai -oiaiy in scheinbar 
regellosem Wechsel (z. B. 144 Dem. xoXg dyor^xoiaiy, Stob. xoTaiy dyo- 
rjxoiffiy, Max. xoXaiy dyor^xoig)'y doch ergibt die nS^here Prufung, dass die 
kilrzere Form im Artikel ganz regelmg^ssig, sonst nicht selten 
vor Yocalen oder bei geh&uften Dativen, dagegen ohne diese 
Bedingungen nur ganz vereinzelt vorkommt (92 ey xagaxalg xai g)6poig 
xaXainwQovai, 6 'Ay^^amoig ndai^ 199 xixyoig na^dyyeXfjia , die beiden 
letztern Fragmente dberhaupt ohne Jonismen iiberliefert); d. h. der Ge- 
brauch entspricht, mit nicht in Betracht kommenden Ausnahmen, der 
von Diels QL&. noXix, p. 38) fur die Elegiker und Jambographen fest- 
gestellten Regel. Dagegen ist das neben 'riai{y) begegnende •'atai{y) und 
-aig der 1. Decl. gewiss nur als Textverderbniss zu behandeln. 

Diese Proben dflrften gentigen, um die Ueberlieferung als relativ zu- 
verlgfeig hinsichtlich des Dialekts zu erweisen. Das schliesst nat(irlich 
weder aus, dass wichtige Dialekterscheinungen vielleicht bis auf blasse 
Spuren verschwunden, noch dass falsche Jonismen eingedrungen sind. 
Beispiele der letztern Art: avxecoy (masc.) 52, ^vfig>oQi(oy d^vfj.g)OQ€(ay 2, 
6Qnexd(oy 159 (neben xiyaditoy), xovxsoici 14 (Stob. wie Dem.), y€yQdg>a' 
xai 159 (wo der Plur. mir ebensowenig haltbar scheint wie Herod. IX 100 
TiaQsaxevd^axo u. S.hnl.); dazu das (nur bisweilen iiberlieferte) (ov in 
icjvxov etc. 

Ob andrerseits die Psilose erst durch die Ueberlieferung bis auf 
matte Spuren verwischt oder vom Autor selbst nur noch vereinzelt fest- 
gehalten worden ist, dili*fte schwer auszumachen sein ; doch halte ich das 
Letztere far wahrscheinlicher. Das einzige zweifelsfreie Beispiel n&mlich 
ist (S163tob.) vn^yBofiiy^g A, vnaysofxiyr^g Gesn. marg., was aber viel- 



Anh. I. Der Dialekt der Fragmente. 31 

laeht fthnlich za beortheilcn ist wie anrjyrjiny in der (jlmgeren) teischen 
Iiudir. bei Bechtd, Die Inschr. des jon. Dial., n. 158 (s. daselbst S. 98 
Z.15). Viel weniger beweist schon ovx ifiel^erai 19, IfiavTBXixtitov 109. 
So tOicere ich aoch die regelwidrigen Hiaie ano ouoyoirig 136, dno itov- 
f» 181 auf nnprOngliches an ofioyoii^g, an* iavtov zu deuien, und 
mOchte ebenaowenig anf die Varianien tovtoy F, ovtoy P (fiir eavtby) 47 
veitere SchlQase bauen. lui'lnerhin lassen diese Spuren zusammengenommen 
es giaablich eracbeinen, dass Demokritos die Psilose wenigsiens nicbt 
gftnilich hat fiUlea lamen; nor, da uber den Umfang, in dem er sie 
angewandt, nch nichts l^cheres aosmacben l&sst, babe ich sie nirgend 
gegen die Handachriften berzusiellen gewagt. 

Alt abwdchend von den heute geltenden Annahmen ist der Gebrancb 
▼on ivy bcnronmheben. Es kann auf Grand der Ueberlieferung kaum 
befweifelt werden, dass, w&hrend sonst allein mjy f&r die joniscbe Form 
gilt*), Demokritos nnr oder fast nur (vy gescbrieben bat. Die Fymfiai 
Jf^ox^tovs bieten n&mlich llmal 6vy gegen 2mal <rt;V, n. 42 (fr. 78) 
«rKe«eaif, wo aber Stobaios ivyimos gibt, nnd n. 64 (fr. 211), wo neben- 
einander ivyetov davydttoy stebt; sonst steht gerade in ivyidyai und 
aemen Derivatis S fest. Aber auch Stobaios bat gleich oft ivy wie avy, 
die grOseere Wahrscheinlichkeit ist demnacb unbedingt fur ivy. So stebt 
anch Sezt. adv. dogm. VII 265 in einem Citat aus Demokritos ivfindy- 
rmy*), Bei Herakieitos ist fr. 2 einstimmig (Aristot Sext. Clem. Hippo- 
lyt.) tliuyetoi flberliefert , ebenso fr. 8; und in fr. 91 ist ivy unbedingt 
gedcfaert dnrcb das Etymologiespiel ivy y6<^ — ivyt^j dann 45 ivyiaai 
(ebenda Platons ivfJLg>iq€tai wobl herakliteisch). Aucb bei Diogenes von 
Apollonia stebt (Simpl. in Aristot. phjs. p. 151, 31 Diels) ivfxnay, bei 
Demodokofl von Leros fr. 1 divyetoi, Mag also avy im Joniscben immer- 
bin etwas frfiber durcbgedrungen sein; dass ivy iiberhaupt nicbt jonisch 
so, Iftsst sich schwerlich aufrecbthalten. 

In drei weiteren FSllen sind Angaben zu bericbtigen, die man z. B. 
noch in der neusten Auflage von Edbner-Blass Griecb. Grammatik findet. 
Kach la' 610 w&re fOr Demokritos wenigstens einmal Pron. relat. mit 
r bcMugt (fr. 181 taiy ay (fejj), doch geben die Handscbriften bier wie 

8) Die Inscbriften des joniscben Dialekts geben docb keine zweifel- 
lose Entscbeidung ; sie zeigen zwar, wie es scbeint, kein Beispiel von 
fvV, docb sind, soviel icb sebe, alle Stellen, wo die PrS^position tiberbaupt 
Torkommt, jflngefen Datums mit Ausnahme der balikamassischen In- 
•chriften (Becbtel n. 238. 240), wo doriscber Einfluss nicbt ausge- 
Khloosen ist. 

4) Seztns selbst schreibt nat^licb niemals ivy, daber denn aucb in 
aadem demokriteischen Citaten 117 trvyaycXd^etai , 136 avyUf^ey, 139 
^finarta, Ebenso Clem. Strom. I p. 304 ffvy&iatog, Tbeopbr. de sens, 
P* 520, 8 Diels trvyiaetos. 



32 I. Die Etbika des Demokritos. 

an alien andem Stellen die gemeingriechische Form '). — S. 136 muss 
die phantasiereiche Mallachsche Conjectur q)vy^ i&ei]^ vBvvtai (it, var. 
arg. 8, oben fr. 37a^ ala Beweis herhalten. Ueberliefert ist n9.mlich (Etym. 
magn. s. v. ydytotai) q)^pi &€a yovvxai, Sollte darin eine Form von id-vg 
stecken , so wfirde sie docb wohl iS-ia lauten ; so scblug Heimsoeth vor : 
q>Q€yi i&ea yovytai, Docb bat scbon langst Lobeck das Ricbtige geseben 
{yovytai ist festzubalten , cf. ycicaiTo Pbilod. de ira p. 101 Gomp.). 
— ' Die Kegel, dass die Subst. abstracta von Adj. -ijg auf -slri nicbt 
-tij ausgeben mUssten, ist scbon filr Herodotos keineswegs sicber begriindet. 
Scbanz (praef. in Plat. Tbeaet.) weist aber nacb, dass aucb attiscb -la 
statt -€ia zwar uberbaupt seltner aber keineswegs der Dicbterspracbe 
eigentbtimlicb ist. Man wird demnacb bei Demokritos nicbt bloss, wo 
'irj iiberliefert ist (evtvxlri Svatv^tri imtvxlrj dnorvxlri dfjut&iri noXvfxad-iri 
dtsQnLri ^vdfieylrj) nicbt 3.ndem, sondem aucb, wo die attiscbe Form -eia 
in den Handscbriften stebt (evyiyeia evaS-iyeia neben evxqoniri 17 Stob. 
wie Dem., f^BzafieXeia 99 Dem., nXri^^iXBiay 218 Stob. wie Dem., avtuQ- 
xeiay 66 Stob. gegen avTaQxi]^ mit Var. avza^xeiu avta^xei 67 Stob. 
Gnom. Paris, al. , avyrid-uc^ sic 132 Stob.), stebt zun9<;bst die Wabl frei 
zwiscben -etij und -ti;, und icb m5chte, wo jon. -iri oder att. -ia fur das 
betreffende Wort sonst bezeugt ist, -iri bevorzugen, daber evyeyii^ eva&e- 
viri fietafxeXlri aber nXrifx^eXBLri avtaqxBiYi ^vyri'9'eiri scbreiben. Fr. 30 
wird o^vSeqxLri (Conj. aus oivde^xeVy), 19 xaxori&irj (obgleicb das Uber- 
lieferte xaxod-riyiri sicb sebr wobl auf -ri&eiri deuten liesse) festzubalten 
sein, wie andrerseits evncTelri vyieirjy und natiirlicb iydeir^gj wogegen 
icb, da noch Platon stets (og)€Xlcc scbreibt, i7to}g)€X€iirjg 178 in -irig zu 
g,ndem fdr ricbtig balte. — Die Substantivendung -riiri', um das gleicb 
beizuf£igen, ist bei Demokritos nirgend iiberliefert, dagegen A^j. oixijiog 
dy&Q(oni}iog , wonacb man aucb (gegen die Ueberlieferung) dy&^ijiog 
dxQij^og scbreiben (dagegen das 3mal, darunter 2mal neben oix^ia fiber- 
lieferte 6&yeXa o&ysldjy nicbt andern) wird. Mit Bucksicbt auf ay&Qijiog 
mdcbte denn aucb das Subst. dv&qriLri zu scbreiben sein, dagegen glaubte 
icb in dovXeiri xoXaxelri ^eyiteCrj naidela (letzteres in einem obne Jonismen 
dberlieferten Sprucb) -rilri nicbt einftibren zu soUen. Endlich wurde durcb- 
weg dyolrj wie dyyolrjy evyoli^ {evyoiay 222) ofioyoii^ Siayoiri ^oXvyoirj 
[noXvyotriy 191 Dem.) gescbrieben. 

Allgemein wird man darauf verzichten miissen sicber ausmachen zu 
wollen, wie Demokritos in jedem einzelnen Falle gescbrieben bat. Gegen- 
tiber dem concurrirenden Einfluss von Unwissenbeit oder Nacbl&ssigkeit 
der Abscbreiber und falscber Tbeorie der Grammatiker ist es scbon ein 
glucklicber Zufall zu nennen, dass sicb docb nocb so Mancbes leidlicb 



5) Demnacb ist in fr. 53 (sy totai naaiy) toXai zweifellos Demonstra- 
tivum ; dadurcb widerlegt sicb Meinekes (aucb sonst unnStbige) Conjectur 
'Ayo-qToi oaoi^ wobei toZin als Belativum genommen werden mOsste. 



Anh. I. Der Dialekt der Fragmente. 88 

fetiBteUen Iftast Man thut demnach wohl am besten, wo die Acien nicht 
vOUig klar li^gen, von der Ueberlieferung nicht abzngehn, auch wenn 
ami keineswegs iiberzeugt ist, dass sie daa Richiige bietet. 

So habe ich der Ueberlieferung gem&ss geschrieben : oq^onqayitov 
noXvm^yfioydottia xaxonQayfioavyr^ neben n^jjiiao} ngri^ig, ^v/jia^a). ovy 
(«tete 80 in den Hdschrr.). ffiooiy ijaatofjieyois, et^yo) ei^yfiiyoy. ieyireiri 
(trots iuyi^f bei Clem. Strom. I 304). yocoe yoarifjuz wie oyofjuxy o^l^eiy 
neben ov^f, desgl. oXos oXoxXri^og^ aber fiovyoe (Imal aicher Qberl.). yovg 
nnd yoof (mfimte man flJch durchaus entscheiden, so wtlrde die contrahirte 
Form Tielleicht den Vorzag haben; so auch aovy Arist. de caelo IV 6 
p. 318 b 5). axovciog, aqyiri^ dagegen aiici 56 (wonach avyav^ei 194corr.). 
foure. /fpoc (so audh Clem. Yl 608). nXito^ fii^to neben fie^oya (dagegen 
wohl unricfatig n^ifyo), dsxcfiai (so auch teische Inschr.). iyrav^y av&ig, 
ixity^g (nur Imal, 167 vn* ixeiyovg, wo freilich die Aenderung leicht 
wftre). ovtw vor Cons., ovrtog vor Voc. In C^oy ^t^cMfee (ohne Jota liberl.) 
Xyoy d<^g X^V^^^^ Aijcrr^c Di&rese einzufOhren , sah ich keinen Grand, 
so wenig wie in inf^eiy (i gleichfalls nicht Qberl.). 

Andrerseits ist durch (wenn auch nicht immer einstimmige) Ueber- 
liefemng gegeben: tafiyw, rjy, in^y (dnrchweg), dagegen xay (fthr xai 
ffy^ richtig). ayiri^og, noXirlTr^s. Gen. Dat. Sing, der 1. Decl. (sowie 
Adv. Xti^jji iSijn avtoj(€i^iri) durch weg rj (nur Imal x^9^^ uberl.; fiai^ZO 
oorr. paia)f so auch ovdefju^g, desgl. Nom. Ace. wie axiijj bx^qv} gtd-oqri 
^^y nnd Snbet. abstr. -Lri -eiri -rjiri -oiri (s. o. 'i, dagegen ovdcfiia wie fioT^a 
ToXfia nacay etc. (in dem alien die Hdschrr. nur sehr selten unrichtig). 
xuti^vyei (wonach auch evd-vyytafiog verbessert wurde, zugleich mit Rflck- 
sicht auf Theogn. 396). aUi (einigemale fiber].). nXitoy fiiCtoy x^iamoy. 
€tyBxey (Imal, gegen Imal efyexa oder iyexa). if, xeyeog. txeXog. 
oxnHof oxoaog^ Xfog oxtog oxoxb, wonach auch in nov onov note ov&inoxe 
X hergestellt wurde. ^vt/fiog fieta^^wrfAovaa. axQaalri, aaaa (so un- 
tweifelhaft auch 146 zu schreiben) (AsXiaaris xaQdcaofiai nqriaato, ^vvog 
(4mal gegen 1 xoiyog, was corrigirt wurde). yLyofiai yiytoaxto (meist so). 
^iho neben id-iXw (einigemale leicht herzustellen, doch 189 ovx i^iXoyta). 
cv0iy (23, Flut.). fffiixQog (3mal tlberl., Imal, nach g, herzustellen). — 
1. Decl. : Gen. I&ig. 'Aideto. Gen. Plur. -dmy (nur Imal abweichend tlberl.\ 
3. DecL: vom Nom. Sing, der Subst. -og und der Adj. -i^g -vg Gen. -cog 
(Qberwiegend bezeugt; einmai dvafieyovg neben &€io^ovaa var. -evacr, wo 
ivaiiBytvg nahelSge), Plur. -imy (xxriyitay xiyaSetoy ^diioy Qberl., dagegen 
irrig na^y dfia^y avyyeyioy), Ace. Sing, -io, Nom. Ace. Plur. -ieg -iag 
'ia (stets so), Dat. Sing. (Imal) xi^Sei, entsprechend auch Adv. ngaitog 
eufut^dtag (so tlberl., wonach nayteXMg inieixuig verbessert). Vom Nom. 
Sing, -ig Gen. 'tog (regelm., nur g>va€tog 92, wo der Dialekt auch sonst 
verwiacht, und xtdffetag 160, sic), Nom. Plur. -isg (oQideg neben o^d^eig^ 
t€if%lf€tg), Ace. 'tag (Gen. Plur. noXetoy^ Dat. noXiai, verb.), Dat. Sing. 

8 



34 



I. Die E^thika des Demokritos. 



dnrchweg -ei tiberliefert , was uni so wenig^r zu &ndem, da auch die 
teiscbe Inschr. (Bechtel n. 156b, 1. 30) Svydfiei bietet. Adj.: noXXoy 
(bes. beim Comparativ theils iiberliefert tbeils ge^ebene Correctur; noXv 
nnr 42, wo der Dialekt tiberhaupt verwischt). Pron.: tot (end.) fOr aoi 
69, 81, wonach aucb 52 entweder col (betont) oder tot zu achreiben {rio 
181 unsicher). ZxBatf. toicdeaiy (24). r« fisy — inl cfc tots 52. iy toXai 
naaiv 53. Verbalformen : ngoaxenteo (Imal yeyov, corr. yiyev), ^ydo, 
TtQo&vfiBo, fxifAyeatai 166 (tLber yBYQdq)atat 159 s. o.). Ooniraction der 
Verba -aeo ^ota regelmgasig: ^Quy (o^riy bei Sext. adv. dogm. VII 139 
schwerlich richtig) dyi^ dyidtai ^eccaSixi xtutai xrda^ai (aber C^r 
j^^fjc&ai) , Byoqm ^akn /^w (Imper.) iqiaytBg ya^x(6ai^g /(»a>|U£i'o$- inixtio- 
fjiBya ti^tofjLByoi riaatofxiyoig ^ daneben yixiovai to%fiB<oai fjuoiiBOfxiytay. 
X^Boay etwas hibufiger als x^^ (/^i^^'oi^ra 47. 156, corr. xQ^oyta), 

In folgenden wenigen Fftllen (ausser den schon erw&hnten) babe icb 
joniscbe Formen gegen die Ueberliefemng einzusetzen gewagt: Ir^ fiat a 66 
(nach irjt^ixfi 50). ^riiSioy {^dioy uberl.) 115. n^i^Btos (tlberl. n^atmg 
oder nQff(og) 218. tiXBoy 204 (nacb tBXBotrig var. tBXBtotdtri 18), danacb 
ancb BTtitri^Bog 181, dyBnitij^Boy 43. fiqaxBa fiQaxdai 53 (mile8iHche Inscbr. 
n. 100 Becbtel: daciay). tavto 6 (fiberl. tavi) wie toiovto 155 (das erste 
Mai scbeint die Ueberliefemng scbwankend zu sein, das zweite Mai steht 
7oiovtoy\ toaovto 147. 181 (beidemal -oy iiberl.). 

Ueber den Wortschatz gibt das folgende Register genaue Auskunft; 
nicht verzeichnet ist darin nur der gewGhnlicbe Gebraucb des Artikels, 
der Copula iotl siaiy sowie von ov fiij xal fiiy di dXXd yd^ ^ und dy. 



Anhang II. 
Wortregister zd den Fragmenten. 



'Afiifiaiog 64. 

(dfiovUris 30 adn.). 

dyad-og, (Adj.) dya&oy (masc.) 196. 
-oi 167. 193. -ri 124. -rig 168. 
'oy (ntr.) 6. 38. 155. (Subst.) 6 
dyad-og 119. -oi; 81. tcoy dya- 
&wy 221 adn. tovg dya&ovg 195. 
to dya&oy 204. dya&ov (ntr.) 
*227. r« dya&u 8. tdycc&u 25. 
26. 27. dya&a 146. 205. dya- 
d'tay^ dya&oVaiy, totg dya&oTaiy 
25. dfXBiyo) 18. dfiBtyoy 181. 
aQiatoy 7. d^latovg 122. 

dya'&oq>«yBBg 123. 



dyay 200. 

dyancofiByrj 175? dyani^toy 86a? 
dyyoBiy 164. 
dyyol-qg 29 (coni.). 
dyytofioavyriy 24. 

dyofxiyq d^Btai 134. -qyfxiyoy 44. 
dytoyl^oytai 203 
dytoyii^y 197. 
dy(oyog 182. 
ddianotoy 89. 
d&riXoy, ddr^Xov 204. 
dSrifxoavyriy 128. 

acf£x«r 157. -jj 165. -er^ 38. 41. 
158. -eW 39. 48. 167. -Wr* 



Anh. II. Wortregister zu den Fragmenten. 



35 



165. -ioyja 154. 158. -eoytae 167. 

•€e/4«rot;48. -cofiiyoiailbb, -sXad'at 

167 (oonL). 
iSmr^ 156. -ij; 44. 46. 74. -i^i^ 153. 
aiittop 155. 
a^xifiof 40. 
iiivaxoi 102. 
aV^«i 56. 

ai;<ftaf 54 (cf. 179 Clem.). 

a^/i^'i2 12 (Clem., Cic. fin.). 46. 

i^ttfifiof 34 (rep d^fifiel Strab., p. 6). 

tt9avfuunia Strab., p. 6). 

a^f 158. 161. 

aiiti9&at 43. 197. 

Wm 96. 

aufa;; 197. 

oia 37. 52. 53. 80. 125. 

alfivXos 206. 

s^cfra^ al^svfjieyos 8. al^eic^i 4. 

163. g^c^q 166. (a/(»«ToV 3 Diot.) 

alffetrnti^ri 147. 
•M^^y 164. aui;if^ff e^^oyta 43. 

i^fioai 99. S^ytes ta aia^nna 

122. 
ntjfyyta^i 42. 43. 
Aitwiif^ xvyi 59. 
Mioytai 21. 
ami} 28. 

ajtaiffoi {ijdcyai — ) 54. 
ixay&ai 230. 
dxtltai 50. 

axweiy 110. (araxiSff — ) 165. 166. 
axovcimy 131. 
ax^ttoifl 21* 
oAypy** 19. 

(ai£XTo^i<ft0i^ xXuHtfAoU 23 Plat.) 
«ii3*eV 6. 

ttilil^/iv^evfiii' 112. 
«Ui;io<«(y} 146. 203. 
«% 6. 177. (ovVtfW — ^o£»«i^) 167. 

aUo 6. 167. 177. aAAa 146. (— 

^i^iimiy) 165. xiXka 24. 58. roly 



aXXtoy 42. 52. aAAo^i' 178. ^Xkios 

136. 
dXoyj 47. 
dAo/£mij 91. 
ffAo/of (cATrtcfcff) 103. 
a^a 44. 203. 

dfia&ijs 192. -e'ff 202. -eW 201. 
a^ua^ii? 28. 189 (coni.). 
dfjiaXdvyov0iy 60. 
dfia^tdyeiy 165. afxaQtoaai 202. djiaq- 

tety 44. ^fiaqtrniiytay 166. 
df^aQTijfiata 114. -dttay 45. 
dfAaqziris 28. 
dfjutvQiaxei 124. 
dfjLBXioiy 'ioytiy -ioytng 165. 

dfl6T^(OS 62. 

dfj,rjx(xyttjacy 84. 

dfiQi^fiy 226. -«f 228. 

df4,vyov0iy 216. dfivyeiy 146. dfivyel 

167. dfjivyaa^iici 153. 
ni'a/xaCeraf 52. 

dynyxaUay 178. -0£<r£ 84. (a^poAxaf 
(mo rtuiy dyayxaioteQCjy 179 Clem.) 

dydyxri (necesse est) 157. 165. 181. 
wi'ayxj 44. -5<r£(i') 91. 162. 

dyaxrideeg 151 (cf. yrixridijs 47). 

dyaXyri<rlrig 153. 

ai^aAcoooi'Taf 184. 

dyafiyr^ad-^ 47. 

dyd^ioi 151. 

dyddyeiy 150. 

dy&^r^irj 127. 

dy&QjTiiog 44. 63. 

((l^£X7rA}^xra> Strab., p. 6, cf. Nausi- 
phanes dxatanXriSiay, pag. 5). 

dyeo^Taatog {fiiog — ^) 229. 

dyeniTijdeoy 43. 

aj'fii; 18. 78. 189. 

ai^i^'xe^oy 52. 

ai'^^ 40. dy^^g 62, 88. 174, ai^ifipi 

168. 170. 
ay^f 205. 
dy^^omi^ia {dya&a) 8. 



36 



T. Die Ethika des Demokritos. 



atf&Qomivriy {fiioT^y) 84. 

avd-Qtonog 86. dt^d-^tonov 86. -w 7. 

178. ttv&^imov 187. -ot 15. 21. 

29. (30 adn.) 43. 85. 92. 166. aV- 

^qtantoy 17. 52. 139. 159. 219. -oig 

-oiai{p) 6. 18. 24. 25. 52. 133. 178. 

(Stob. Ed., V. p. 4 lin. ult.). -ovg 

43. 165. 219; 
dvi^ 203. dviatat 178. dyirjd'eyti 7. 
dyiiyxes 197. 
dviYiQoy 130. 

dyoijfioyeg 33. 60. 93—98. 
dvoriTog {q>iXoveixLYi) 221. dyoi^zonny 

144. 
(dyoLrig ^^ ^^"^* ^y»^olriij. dyoifi 79. 
KIT* dya&ov 227. («i'^' wi' 133 Anton.) 
dytiXoyeofiByog 108. 
dyvpqiattog 87 {dyvpquna cod. Pal.). 
dyvni^d'exoy 182. 
dyvtnooy (jidXiara twy — ^) 203 (cf. 

adn.). 
ai'w^eAea 24. 
«|/i2 3^' «^*'«ff 148. affa 157. a'l^oi' 

yeXay, oXotpvQeff&ai 219. C^i' ovx 

alioi^ 209. 
divfiq)6^<oy 2. 
d^vyealri 185. 
d^vyetoi 31. d^vyhtoy 102. 103. 211. 

-ovf 116. 
dnaidevairjy 128. 
dnaydoxsvtog (oSog) 229. 
aTrai'Ta 223. 123. 
dnat€c5yog 106. 
dnei^yei 159. 
dneoyxtoy 60. 
dne^yd^exai 140. 
dnixBad-at 45. 
ftTTo. yiyexai fiol xi^ enotvQiaxoL- 

fXBd^ ay XI dno xiyog 26. 36. 133. 

inav^sffig yiyexai dno 178. arro 

ofjLoyoirig xa fxeydXa Mqya 136. 

nXovxog dno xaxrjg eQyaairjg neqi- 

yiyofxeyog 75. «7ro q)vaiog dyad-ol 



ylyoyxqi 193. aTro g>vaiog xai xa- 

xatFxdatog dqj^alrig l"^^* ^«"^« ^of- 

^r^^at a;ro 181. a;ro /acrr^o^ ra; 

^(foi'a^- 7ro££r<r^a£ 53. 
dnodex^ad'ai 5. 
dno&Myxa 166. dnod^ 221, dno' 

Sovyai 228. 
dnoXXvffi 59. dnoXXvyxai 202. 
a;roAi;?;, -€£y 157. 
dnonXriHri 86. 
dnonyiy^yai 26. 
dno^iovai 220. 
dnoQcr^ 135. 
dnoQCJxaxoy 214. 
{dnocnaxai 86 adn.) 
dnoax^ 130. 
dnoxv^iriy 182. 
dnoipvyeXy 22. 
d^yiriy 128. 

«>fir^f 76. 121. 148. -^i' 44. 139. 197. 
a^xeea^af 52. 
dqfJLoSioy 18. 
uqfjLoyLri Stob., p. 4. 
d^X^irig 178. 

a^/e^i' 142. 144. -ea^«« 143. 144. 170. 
%^ 77. 126. -^i' 140. 
d^^oyxi 141. Toi' d^^oyxa 166. rowf 

dq^oyxag 167. 
dc^eyea 180. 
daxiovaiy 122. daxeixo) 173. dcxety 

191. 
daxijaiog 193. 

a0^(paAif$' 223. -£« 78. -itncQoy 163. 
dxa^a^iri Stob., p. 4 («nK^(v;^(j) Strab., 

araff 127. 

dxeXeag 125. 

are(» 19. 

dxsqnia 47. -iaxaxa 55. 

dxe^nirj 1. 2. 

arij^oi' 203. 

dxvj^iovat 183. 

cfw 167 (coni.). 



Anh. n. Wortregister zu den Fragmenten. 



37 



cf#cf 58. 

«rrt {^tfirc 2lS coni.). 

ntu^Mnjj 67. -i^i^ 66. 

nru^xfi^ 64. avtm(fMia 65. 

muMT 26. 

ahpfioxa 189. 

apri;y (earn) 22. ^ 186. -wv 52. 
184. 208. 228. -otai 58. a^oy 
(q«iiii)18. av7o<21.24.189. iavt^ 
tw avror 167. ravro 6. tiiy av- 
r»y 26. 58. 

'^toxBi^j^ 161. 

afai^«rrai 50. 

Bf««pqV 84. 

'i^frebr 109?) 

ofiiitai 204. 

r^^MOxac 179 aem.) 

Ulfif9it9ld^VOU^ 85. 

af^taioii 53. 

ffffotfiiVi^c 85. 151. 

Of vi;^ 108. 

(rjf^^'foy 74. 

^^26. 

^M 90. 

/farif 168. 

;e^64. 

t^xtop 52. 117. 

Ao^ 14. 229. fiUv 52. 66. 99. 176. 

piw 7. 19. 52. 189. cV (r^f) ^ 

80. 52. 92. wxa toy fiiov 91. rovg 

fiovs 52. 
^oTijy 84. -^ff 92. -jf 98. iy — 98. 
^ov^iy 98. fiiwfofjieyoi 80. 
^^^y 221. ^^ff^a 24. 
^2a7rrotw< 116. fXanxovwt 221 adn. 

c/OoV'c 86a. 
Al«Vtfiip 124. 
iSUrei 221. Hkii^ 226. 
fom^fiaeiy 10. 
A»rl^a< 40. 189. -titat 181. Hk)Kfa< 

139. fiovXofityos 89. ^r<i^< fiovXo- 

fiiytf ay ^ 25. 
P^^in^ 'iai 58. 



p^fufrsftty 58. 

(/aA)jyQ>c Diog. Laert., pag. 4) 

{yufjLoy na^itetrai JtifjtoMff. 179 Clem.) 

yaf/tqoi 58. 

y« 178. 

yiyqanxai (yey^dfpatai L.) 159. 

/fJtai^ 219. 

yeyy^ 100. 

yiqmy 204. 206. ye^oytmy 185. 

>^$ 168. 

y$^a; 204. 207. >^}7>aoc 205. 95 adn. 

yri^daneiy 95. 

p^ti'^tac 82. 44. 67. 104. 182. xuTtmg 
dxoveiy yiyerai 165. yocog otxov 
yiyctai 176. aguy yiyerai 85. ev* 
^fiirj yiyerai 52. dqf* toy ^(jXy 
rdya^a yiyerai 26. dip* toy ra 
naXa yiyerai 133. el (oy i} xaxo- 
trig yiyerai 198. yiyoyrat 21. 58. 
151. 193. 203. riq^ies yiyovrai 
dno 36. «»' yiyoiro 55. ytVfi» (?) 
223. yiyofjiiyri 59. yiyo^ievoi 202. 
yivofjLeya 61. yiye^S-ai 146. 178. 
197. £^ kre^oiai yiveo^ai 167. vti* 
ixeiyovg yeyi^<ferai 167. iyiyero 
204. yeVj 192. yeVi^ta* 58. 178. 
181. yeyofiiytjy 153. 

yiywrxei 20. -eii^ 81. 84. 

yXvxvrara 66. 

yywfirjg {ravrris exofieyog r^s — ) 52. 
( — xaxoij^tij) 19. ( — &d^<rog) 46. 
yytofiji ^^X^ fid^erai 29. eTri rolg 
dvyaroVg e^eiy r^y yytifir^y 52. 

yyto^iCown 186. -fjc 118. 

yqdfAfiara 197. 

y^dgxo v. yiyqanrai. 

yvyri 178. 174. yv^acxoc 170. yw- 
i^a£xi 171. yoi'afl^ 169. 

dar^fjLoyeg 88. 

daifioyog 11. 

(fa^roeVi; 81. 

(fcKrer<r^< (ra ^r^if/iara) 203. 

((faV'^^r; 4d Pint.) 



38 



T. Die Ethika des Demokritos. 



SiSoixe 47. dedoixoteg 95 (cf. adn.). 
del 52. 152. 167. 202. q)^oy6ty a del 

90. av&ts tcjy avTtay &€l 53. coy 

ay Sin W ISl- ^^ Sioy 44. 45. 
SetfAa 46. SeLfxati 96. 
deiyoy 173. 

{SeiaiSaifioyia Dio^. Laert. v. pa^.4). 
SecfjLtay 157. 
Seitnol^ovffi 169. 
Sixead^ai 228. 

(fij 165. 178 (202 cf. adn.) «fi?«rfi 26. 
dqXoy 178. 
Sriuoxqatiri 147. 
6rifJtocL(oy 165. 
SrifX(og)€Xea 79. 
(fiyvre 26 (coni.). 
(f^a ta^iogy St oXiyov 53. ef£« x^i^f>S 

Mxoyteg 208. (f^a ^ofioy, dia to 

deoy 45. (ff' ini&vfiiriy 52. JVa 

yot> tvq)X6tTfita 24. 
Stdyeiy Sid^eig 52. roy ^toi/ Sidyeiy 7. 

(^ '/'w/^ evatU'dios Sidyei Diog., 

pag. 4). 
&iayiywax€iy 210 adn. 
Sidyywaig 111. 
{diadtxaala 22 Plut.) 
(didx^iaig tcoy ^doyaiy Stob., p. 4.) 
diaXoyi^ead'ai 37. 
didXvaiy 92. 
diayoir^ 52. 
dtanqBTiia 172. 
Sta<nrifjLdto}y 52. 
Siag)iQBi 181. 
diaipvytoai 162. 
&caq)&ei^€Ttti y diaq)&€t^of^eyov 134. 

SiatpS-eiQead'ai 202. 
diddcxaXog 32. 
Mdcxei 66. 185. -e^i' 26. 
cr«(fa;fiy 187. 
di&ovci 24. 

Sil^riGd-ai 52. SiJ^rifjLByoiiji{y) 27. 
(ftxafoff 73. 87. -01/ 25. 155. 166. -a 

47. 167. 



Sixdcaito 22. 

(ft'xiy 156. (ftxijf (xvcfoff) 46. — /^ot- 

(jai^ fietixeiy 148, 160. — dXoy^ 47. 

Tra^a (ftxiji^ 160. {dlxriy Xa^oytos 22 

Plut.) 
cf£07re^ 44. 52. 64. 
{dioQiafiog toiy iqdoycify Stob., p. 4). 
(i!ea)xot;<r£i' 97., -f^^^ 133. 
d(,(6a£ai {x^Qoig) 52. 
cfoxct /*o« 51. 159. 180. 181. 208. 

dyd-qtanoiai ioxet 178. (ffo^^ 181, 

cf. adn.) doxeoyteg bIvui g>LXoi 210. 

TO) (fox£ei/ 163. (fo|€£ 69. 
doxifiog 40. doxlfioiac 224. 
(fo'fa 78. -ai^ 35. 
dovXeirjg 147. 
(fovAfvovcrfi/ 169. 
«f(»«*' (fiv — ) 226. if^oirreff 122. 
dvyafxiy 21. xaro; — 155. vttc^ — 

163. 
dvydatritn 147. 
(fi;V«ra£ 139. 178. ifuVai^a* 149. 

dvyaito 146. o^ dvydfieyoi 146. 
dvyatoy 136. -oii' 163. -or^ 52. 
dv<f&vf4e6fi€yog 71. 
dvpfAsyiog 221. 
dvcfjisyiriy 52. 
dvaxQonog 216. 
dvatvxBoyteg 31. 
dvatvxfjg 71. 
dvarvxifi 214. 
dioqioyttti 24. 
laurou 43. 52. 132. 163. («y — ) 181. 

(i;9>' — ) 117. (c{ — ) 13. laurw 

134. 167. eavroi/ 43. 47. 52. 82. 

eavTcjy 165. 7ra^' lat;7or$- 21. 
iyxd^dioy 157. 

i&eXovcc 95. 96. i^iXoyta 189. €»«'- 
/ Ac£y B. &eXeiy 38 (^Jj(f' 6^. Dem. 

luijcfe €>. Stob.). 110 (cfc ^. Dem. 

cTe c^. Stob.). 195 (^^ 6>.)- .^«^«< 

181 (cod. ^, €^. cet.) ^cAoi^ra: 158. 
ei c. opt. 7. 16. 22. 55. 165. c. impf. 



Anb. II. Wortregisfcer zu den Pragmenten. 



89 



140. («* fi^ efiitt%lfe 86a). $1 fii^ei 
43. aifjjlor £i dq>i^BTai 204. t^ Si 
ui 154. 
ildUlor 29. -a 172. 
<u<ir 141. 
n'jrof 44. 

drui. icTtp toy 158. enti yioty 
(rrctfif 185. lorn ... ixXi^ac&ai 
181. TToJUoc doxioyieg ^lyai ipiXoi 
OCX tioi 210. ^( 42. /i£;|f^^ OfjuxQu 
I 178 (ooni ). oi rfi'f povXofxiyt^ ay 
5 25 (coni.). iwaiy 167. ^fi? 7. 73. 
161. xaxmy ixrog (ny) eirjfAsy 26. 
iJyai 79. 146. 157. 159. 178. 181. 
189. 196. 210. i^y 227. ioyta 60. 
loVrcf 151. 162. ioytas 219. covmt 
34. iovcay 84. Itfra^ 181. 

<irfjriir 130. 178. 

it^uiyoy 44. 

<iV. (/ir^<f« — ) 209. kyo^^ tov — 
202.211. (135 coni.) ovd* vg>' kyog 
208. 

ix, 1^. (i^d^gvtai ay&^umog H dy- 
^^wfov) 86. {naida ninr\atxo9^i ix) 
181. (ri^fffias Xafjifitiyeiy cl) 13. 
{yiyta^i, ipvM^i ix) 25. 197. 198. 
{i^ Aaxt^Qiog aya-^ei yiyoytai) 193. 
tdoxifiog a my nqjqwei) 40. Of^if- 
uara no^i^eiy ii ddixirig) 74. (el 
linofiifig ^^ neyiriy fitraniiMai) 
215. (ear fieyuXuy dtamrif4.dTmy xi- 
viofitytti) 52. (ix noXXiuy) 181. 

ixaVrov 135. txamoy 140. 178. (210 
adn.) ixdmoMty 150. 

hdti^y 115. if kxdxsqa 138. 

ixyiyov 178. ixyoya 178. 

txicrovc (wr* — yeKiJ^rai) 167. 

»x^0« 89. 

ixlehie^i 181. 

^xoTMf (jroro<) 131. 

mor (xaMir) 26. 

ixt^noyjat 215. 

i^^rc^f 132. iila^ore^iji' 131. 



iXdj^itna 7. 

iXdyj(€ty 114. -ovart 200. 

iXevS^e^iq 147. -ij? 111. 

iXetiS-e^ioy 79. 

FAjre<r< 72. 

^AAetTToi^ra 52. 

iXXei\pis 51. 

cAwfV 77. 135. -*(fof 64. -iVfev 102. 

103. 201. 
ifineXd^ovtn 24. 
ifjmouly 52. 

Bfiq>vXiog (IJu^vAo; ?) 138. 
ei' Tooto) ndyta syi 134, aim. 146. 

eV xaxoare xgiyeiy 25. ei^ nayxl 

xoftfjua 159. 160. eV tw Ivi'fji 203. 

eV cp 159. al. 10. 30. 51. 52. 53. 

72. 81. 90. 92. 98. 147. 162. 180. 

214. 225. 230. 
iyaytia (tdy.) 21. 
iy&sT 207. iyditoy 68. 
iydeir^g 68. -«g 70. 
iydeixyvTai 139. 

eyeati 146 (cf. £><). €i/e£<ri(i') 181. 230. 
fij'^ 202. 
iy&vfjLevfjLByoy 52. 
li^i (cV tovti^ ndyta — ) 134. 
Myioi 92. 169. 
iyyoevfieyoy 52. 
iyoQw 180. 
iyzav&a 181. 
i^ei^y€i 189. 

iie^yd^etai 189. -^a^ai 43. 
iiiaavtai 86. 
eSeoTiP 184. 
el^i^ 194. 
iiowsiriy 140. 
eoixey 167 (cf. eixog), 
inaireZy 115. -ioyteg 116. -fcatS^f 

117. 166. 
inaiyovg 118. 
htav^eciy 178. 
inavqiaxoiii€9vi 26. 
Mei 165. 



40 



I. Die Ethika des Demokritofl. 



in^y 25. 162. 215. 

inr^Tttt 181. 

ini ^o^vT(^ 23. /(Kt^££i^, Xtmeiffd-ai 
dm. ini tivi 4. 7. 52. 71. 84. 99. 219. 
v7i€^p€pXr^x6t€s toy xai^ov ini fiQoi- 
csci X. T. A. 53. ev Xdysiy ini xa- 
Xoif eQYfxaai 106. ini toXg Svra- 
toig e^siy z^y yycifir^y 52. ini 
Tovrcp i^i^i^ 166. igf kti^oiai 
ylyead-ai 167. yea ig>* ^f^i^fj 129. 
iTt* d^et^y n^ozQony j^i^ta^Byos 44. 
ini noXXoy 216. 

ini^aXXovaris 163. iniptiXXea^ai 52. 

inieixkg 134. -eW 83. 

inid-vfxiovci 53. -g[(^ 69. -^ri^ 53. 62. 
'ioyti 52. 

inid-vfuri 59. -ijj' 52. -pa^ 21. 

inixaiyov^yBiy 52. 

inixovqiris 135. 

inixT(6f4€ya 203. 

inifxe^oya 56. 

inifAsXiog 202. 

inifj,iXead-ai 203. 

ini^eX^tai 84. 

iniatacS'at, 192. /417 'Trumjrat 25. 

iniatijfjiji 44. 

initeqneaxttTa 55. 

initijdeog 181. 

hnuvxiri 130. -i^i' 182. 

inttpayiateQoy 75. 

inig>€Q6ficyog 47. 

inix(o^i'€c 159. 

in(aq}eXLrig 178. 

i^yd^etat 222. iqyal^ofieyoL 80. ^()- 
yatfj? 42. 

i^yacir^g 75. 

Bqyfiaci 99. 106. 

I^yoi' 153. -ov 105. -cji 123. -« 47. 
121. 136. -wy 36. 107. 

Ii^(f«t 127. -ouff^y 157. -p 47. -€£i' 
44. 156. 158. -oyra 43. -oircff 123. 

i^£2<rai 202. 

iQijfiovg 146. 



i^tdayriaty 109. 

(€^<^ 221 adn.) 

i^netdiy 150. 

BQQtaTaL 47. 

I(»ft)ff 87. 

iQOJtix^y (jAifirpty) 175 (?). 

iff 44. 47. 151. 163. 202. 204. 215. 
€vg>v6€g, dqtv^g ig 217. 108. ;|f^if- 
ac^oy iff 26. 79. laxvQotSQog ig 
neidiii 104, (pcidote^oi ig r« ;|f^ij- 
/uara 203. iff ixdteQa xaxoy 138. 
T^A^vr^ /ff 145. xvg>Xovaty ig taXXa 
Trjy il^vxrjy 58. 

ia^^rt 172. 

ift&itoaiy 53. 

iff^iloff 124. 

i<r/«rjj 170. -ijff 70. 

ira'Cj 167. 

itai^ovg 146. 

ete^og, -oy 140. v^p* izi^ov 117. 6- 
76(^17 182. £^* kxiQoiciy 167. 

£v 14. 47. ev (p^oyety 149, Afiyeii' 
106, (f(»cei' 226, Troi^rr 166 (bis), 
ndaj^eiy 139, Sysff&ai 134 (bis). 

edysyiri 17. 

e^ytafjuoy 61. 

et&aifioyiovaiy 15. 

svdai/Aoyiri 9. 10 (cf. 22 adn.). -i^ff 147. 
(Of. Cic. de fin. V 23. 87. Tusc. V 
114 beata vita, beate vivere.) 

eie^yetBiy 139. 

£^£(r7(u 12 (Diog. Stob. Glem., v. pag. 
4 sq.). 7r(»off e^emovy 158. 

£t;)7^£ff 224. 

eid-riyioyxa 180. 

e^&vyy(Ofjiog v. l&vyy, 

e^S^vfiet 203. -eicr^at 52. 163. -eofieyog 
71. -rid^iytt 7. 

ed&vfiiri 12 (Diog. Stob. Glem. Epiph. 
Tbeodoret. Cic, t. p. 4 eq.) -ijff 160. 

ev&vfiog {e^d-vf^tog?) 47. ev^vfjioi 52. 
ei&vfxote^oy Sid^eig 52. 

«vAa/3j7ff 223. 



Anh. II. Wortregister zu den Fragmenten. 



41 



iirlo^e& 106 Stob., rectius ev Xdyen 
Democrat.) 

trUytexov 88. 

tifut^itts 19. 

tifiof^il 205. 

titf^i^p 222, 

tthByitf 30. 

iwymti ^^* 

tvntttiii 198. 

tmri^ 165. 

me^'^f 215. 

(r:ro^y 214. evno^tas 25. 

frecfy 214. «v^^^i7 26. 

ivna^hf 52. (evora^oif IHog., v. p. 4) 

<r«^€Wi} 17. 

ifraarro^ 14. 

trr^mfi 17. 

tixvj^ofMi 183. 

tviDXif 71. 

fvtvj[if^ 214. 

frVrc'f^ 186. 217. 

tifoffif 206. 

*tJ5« 21. 

ufU^^ai 87. 

iqtxTop 188. ig>ixTai 102. 

//<< 17& e/ovcrfCi') 80. 190. ijdoi^iji' 
c/ooaiy 0/ ^vfiq>OQal 220. I'oor 
<2iir 113. (jpvAaarjjr ^f<i^ 163. e;ri 
rot^ dvyaroTs Mx^iv tfiv yytofitir 52. 
finifiiiy txovxa 52. ^vvufiiy Mx^vte^ 
21. if£r< /££^c ^oi^re; 203. TraVr' 

c/ci 207. jTcti^i^ ^V' <><<''*' ^^' ^^* 
roof e/oKTa; 52. tots fxri ixovai 
146. id§ ix€i 158. araxoi; (ai^) 
M5f«i' 165. tavrr^s ix^fiBvos Ttjs 
y^fifli 52. 

'I^'I 137. 

<>^ 39. ix^or 82. 41. 

Ci W 52. 

;r^AmMi 186. CiJ^oii'y 121. ^tiXovfisymy, 
^flmta 52. (CqAov^ra, ^riXovf^evoy 
221 adn.) 

;r,iUirai 109. 



Cij^r^xw; 197. 

Ctif^itiS 77. -ijK 76. 

^fjy 96. 140. 209. W^£ 122. 

^t^y 158. fy^iai 178. 

CffiSdeg 16. 

i3 — ^ 167. 196. 

^yeo 118. jjyer<r*a£ 134. 

^cfi; 146. 178. 

i^doy^ 53. -5 157. -^y 4. 56. 220. 

-al 53. 54. -eW 63. -as 7. 53. 198. 

Gf. Diog. Stob. {diOQKFfjtof xai Sid- 

x^iaig tmy {jdoyoiy) Theodoret., supra 

p. 4 sq.; fr. 179 (Theod.) 
fjdoartai 85. 
Tjdv 5. 6. fjditoy 57. ^Siovsg 130. 

{jqiims dy xarailfrjipicaa^ixi 22 Plut.) 
fi&eog 17. 115. 

ilfie^ijaioi {vnyoi) 128. 

^/i^i^ 26. 

ij*' 5. 69. 70. 118. 130. 165. 167. 178. 

181. 188. 202. xdy 42. 
^ne^ 44. 
^catauiyois 138. 
^ifiKoy 73. ^aaoyi 64. ttoA^I^ i^ovoi^ 

203. 
iqifvxlris 130. 

d-dyatoy 95 (cf. adn.). 97. 
d-dQcos 46. -^o; 160. 
S'avfid^toy, -ofjiiytoy 52. 
&€dc^ai 36. 
S^eiov {yov) 37. t^fia yovytai 37a. 

&£l6T€^a 8. 

^£0£ 24. Tra^a ^£a>i^ 21. 

'9'€og)iX6€g 41. 

&£afiog 167. 

S'sat^eiy 52. &€a>^£vaa 221. 

&€a}Qiriy 172. 

S-rj^rit^^es 109. 

^f^avQtOfxa 49. 

&yrjT^g {(pvaiog) 02. d-yritoiai 7. 

S-^dctog 151. 

i^^aavrijra 100. 

3» 



42 



I. Die Ethika des Demokritos. 



&vfi(i^ 88. 

(&(^rjg? 157). 

hfiris 29 (135 adn.). -rir 139. 140. 
idioy 200. 221. tdia 165. t(ftW 
100. t(ft2? (adv.) 163. 203. 

ie^a 159. 

iijfjiccta 66. 

iriTQixvi 50. 

i'&vyytofiog 44. 

tx£>l)7 59. 

IfinvteXixtioiiv 109.; 

ifisi^etai 19. 

ioyteg, Xioci 151. 

<:<roi' 51. 

iaoad-eyea 69. 

iaxv^ote^og 104. 

%vff 18. 205. -wj/ 134. 

t/^Jf 230. 

ijfi/^ov 202. 

xad-itndyai {yo/^iov tjJ i/'w/ij' — ) 43. 
ro» yvi' xad-BOtecUTi ^vafito 167. 

xa/ y«^ 166. 187. xa« ya^ oi;i/ 189. 

xal Sri ^^^ ^^^' ^^'' **' ^^^ ^^* ^'<^* 
138. 146. 

xaiQov 111. 152. -4» 70. -oy 53. ir 
xa£^^ 81. 225. 

xaxl^ei (iavthy) 47. 

xaxi^ (49 Plut.) -i^f 194 (189 coni.). 

xaxodacfioyir^ 9. (cf. 22 adn.) 

xaxodaifioyi<neqog 48. 

xaxodo^i-qy 145. 

xaxori&lrj 19. 

xaxona&ely 52. 

xaxonqayfi.oavyris 92. 

xaxog, (Adj.) -^^ 75. -oj/ 26. 43. 
138.155. -0^77. -a 24. 76. (Subst.) 
o^ xaxol 151. 7ov$' xaxovg 195. 
xaxoy 227. ;fax« 25. t« — 26. 27. 
xaxeur 49. Twi' — 26. 100. iy 
xaxoXai x^iyeiy 25. a ndaxovai 
xaxd 52. TTQog tu xaxd 25. nay- 
t(oy xdxioy 74. ^frfx^oroy 72. 198. 
xaxaig eaj^ey 165. — dxoveiy^ nd- 
a^eiy 165. 166. — noir}atoy 166. 



xaxotrjs 198. 

xaxo^^adf4oavyrjy 174. 

xax(6aea)s 22. 

xaXeofiiyris 147. 

xaAAof- 16. 

xaAor 51. 106. 154. 171. ri *aAoV 37. 
£7r£ r<Ji xaA(^ 4. ta xaXa 186. — 
tcjy e^ytoy 36. (ra fieydXa xaXa 
133?). ta xaXa ^^tlfiava 189. eni 
xaXoVg e^yfiaai 106. rdiy xaXtoy 
ig>ie<rd-ai 87. (to xdXXiatoy xal 
cvfiq>oqf6taToy Stob., v. p. 4). 

xay (i. e. xal f^y) 42. 

xa^dlris 172. 

xaqnovtai 189. 

xara ^H^'^'' ^oVov . . tit&e sx^i 158. 
ovtfa xal xat* dy&^WTKoy y^Qseiiv 
noieiy 159. to xard tov dvafieyeos 
fiXafie^oy 221. xata dvya/xiy 155. 
xata g>vciy 178. 181. xata yo/^iovs 
159. xara Aoyoi' 122. xat* Idiriv 
i^ovairiy 140. xata toy pCoy 91. 
ra xata tr^y noXiy 134. 

xata-dvfitoy 181. 

xataXi^ai 146. 

xataatdaiog 178. 

xatatiS-ead^i 163. 

xatag>BQ6fjLByoi 202. 

xataipvyioy 183. 

xata\l/rig}iffteoy 157. (ijcffioiff ay xara- 
\prig>icaad'ai 22 Plut.) 

xat€Qyd^ea&ai 136. 

xatv&vyBi 30. 

xeAfvW 161. 

xeyed 172. 

x£()(f(KA£a>rc(»a 60. 

xiqSeogll, -ei Ibl, -€« 76. -ctffi'33. 

x^^a; dKaaeai 52. x)j(»0^f ^vfineipvo- 

fiiyriy ^^• 
xifidriXog 227. xifidijXov 106. xipSriXoi 

123. 
xiyaSstoy 159. 
xLySvyog 26. 111. 165. -o* 181. **i'- 

dvyovg 180. 



Anh. IL Wortregister za den Fragmenten. 



43 



urtifUiWi 52. 

uwij(Hai 52. 

.xtn^ftaxa traifiazos 23 Plut.) 

K^aii^y 161. 

ileiri^ 165. 

xJmtfiots ttXexto^ldioy 23 Plut.) 

M^lKMtifiy ^^' 

nlax£v€C<hii 118. 

tinov 66. 

',xo(faMUf XaqvyYiafiolg 23 Plat.) 

19^0 68. 

tw^rroi 33 (ooni.). xofffiriS-rjyac 167. 

MftiW 141. 

w/iof 171. 183. 'Ov 171. -w 172. 
iV nayti xoafjLt^ 159. 160. o ^vfJL- 
naf xocfios 168. 

me 73. 

nv 185. 

xeareur 88. -cW 63. 

«e«i«w»' 44. 63. 211. -or 101. 114. 
144. 204. -oyog 28. -ok« 142. 145. 
-orec 201. -oraf 228. 

M^i^eiy (iy xaxoZai) 25. 

natal 178. xzaa&ai 180. 203. xrif- 
^off^ai 178. xdxrritai 75. 182. 222. 
»r«V«*r 150. 160. -my 158. 161. 
nr^fiota 78. 
wifrewjf 17. 

ni^ios 84. 160. -c< 180. 
ndof 46. 
xm 59. 
»»eti? 126. 
n^rtes 130. 

ndoovoi 52. -fii^ 154. eWAvor 140. 
ttK 167. 
ia*^j 44. 

hififdyeiy 13. roi^ Xafi^yoyta 227. 
rorc Xufipayovat 225. Aa^eZy 181. 
la/h|rai (arai^ov) 152. 

i«/iwe« 133 Plut.) 

'^vYY^noXg 23 Plut.) 

i«r®*^«ft <W«ijy 22 Plut.) 
Uytiy 110. €0 — 106. A%ff 42. 



A6A€£;i:7a< 202. 

Xeieidlioy 109. 

AeTrra 180. 

Xec^fi^^vofieyog 108. 

AiJ^i? 100. 

Ai^trr^i^ 161. 

Xifios 81. -00 66. 

Xitoy (jiatda) 181. 

Xirotrig 171. 

Xoyiafiov 18. -4> 89. 

Ao>ff 32. 104. 105. 124. -o« 44. 124. 

-<j) 123. -oy 122. 173. 'ovs 107. 

(109 Plut.) 121. 122. X6yoy noiel- 

adui 18. 119. xata Xoyoy 122. 
Xotnmy 134. 
Avfft 175. 

Xvf^alyetai 124. eXvfj,aly€To 140. 
AvTTfi 82. -eofXByog 61. 
Xvnrjy 89. Av/rat 53. AvTras* 180. 

(Cf. 12 Epiph., V. pag. 5.) 
X^oy 112. 
/xa^ce 66. 

fiad^rjaig 189. -£y 108. 
fiaxa^i^eiy, -ofiiyovg 52. 
^ax^Yj (odog) 229. 
/uaAa 137. 197. /xaAAo*' 18. 42. 43. 

151. 158. 166. fidXtata 43. 57. 181. 

197. 203. 
fjLavd-dyovaiy 98. ^a^fl 188. fid&oiey 

197. /ia*« 42. fjiadvpteg 122. 
ficcQyaiyovcaig 23. 
fiataionoyel 113. 
fia^aiQag 202. 

udxBtai 29 (30?). /irt;fe<r^«e 88. 
|UBya 90. 149. (189 coni.). (jLsydXriy 

35. -«£ 36. -a 52. 116. 133. 136. 

-ttiy 52. -owff 180. -aff 52. (xi^oy 

64. -oj'a 160. -«ff, af 70. fjieyiarri 

134. fiiyitnoy 199. fieyitni^y 148. 

fisyiarai 225. -a 134. 
(jieyaXoyxirjg 163. 
fi€yaX6d(OQog 64. 
fieyaXotlfvxiri 218. 



44 



I. Die Ethika des Demokritos. 



fieXLcaris 80. 

fieXXei 43. -eip 125. -ovtog 204. 

'ovta 163. -ovaay 153. 
fiBfxviatai 166. 
fxifiif/iy 175. 
(jisqeai 111, 
(ftsQi^ofteyos 86 adn.) 
^eazriy 182. 

/i«Ta (rj^*' ^«>lfi*^^^'') 92. 
^etafieXiri 99. 
fj,€tayo€it^ 101. 

fjLetttmnxBiv 52. (Aetanlfnoai 215. 
fi€TaQ^vaf4ol, -ov0a 187. 
fistix^i, f^B^iiei fioiQay 148. 160. 
(jiixqioy 55. f^tst^ir^Si fjiitQia 84. 

fJLBtqloLOl 71. 

fxexqioTYiTi 52. 

/4e;if()£ 178. 

/4i^ c. imper. 173. 192. 223. c. inf. 
45. 224. naQag)vXdffa€iy, inifiiXe- 
a&ai, TiQoaxenxBo ^rj 152. 203. 227. 
^^ ovx 167. TiQrixtitoy xai fi^ 
(n^i^xzitoy) 1. tpoyov xai fxri g>6yov 
158. e^deiy ... ^ ^if 158. ft (fi 
//if 154. 

/4i7(f£ 25. 38. 43. 163. 216. /ui^ifG ffj 
209. 

^iy<f«V 43. -cVa 208. -ey 5. 43. 110. 
165. 167. f^ridey ti fiaXXoy 43. 

fxrixitt 52. 

/4ijTfi — ^ifre 42. 134. 163. 165. 

[iriX^yri 26. 167. 

fiifiBiad-ai 195. 196. 

^ot 51. 159. 180. 181. 208. 

(lolqay (jAetix^tv) 148. 160. 

(loXtg 27. 

fiovyos 42. fiovyov 202. fiovyoy 39. 

40. 63. 202. ^ovi^ot 41. 
fxovaixriy 197. 
(AoX^riqiriy 18. 

fAOX^V 19. 

fxv&onXaareoyTe^ 92. 



£e; 



fKOfieofiiyioy 119. 

i^cr^xoMri^f 89. 

I'fof 204. i^fW 185. i^ccK 129. 

yeotrjtos 94. 205. -t 94. -« 198. 

yi]xrj&i]g 47 (coni.) cf. dyotxri&ieg, 

yrpiLoKiiy 32. 

yiJX€<f^<xi 26. 

I'fx^ 64. yixiovai 138. 

yovvtai 37a. 

yorifjiaai 184 (coni.). 

yofiifioy 178. -a 47. 

i/o>of 139. 159. -cji 44. 141. -oi' 43. 

'Of 52. 140. VTTO yofiov 44. ;ra(»a 

yofioy 157. xara yofiovg 159. 
yoarifxa 72. 
yoaoff 176. -owf 50. 
yous" 16. you 24. 37. yo'oy, yovy 113. 

190. W*' yocp 79. 
yovte^etoy 113. 
j/wj' 24. 167. 
yt;f 67. 
^eynBiri 66. 

^vyyeyisg 213. -^wy 137. 
^vyyiy(a(TX€a^cci 165. 
^vyxiOQeZy 91. 
^Vf4fiaiytj 52. 

ivfifiet^iri 52 (cf. Stob., pag. 4). 
^vfxnag 168. 
^vfjLnefpvq^AByriy ^* 
ivfAtpi^r^b, ^vfiq)eQoyl^b,22\. -oytog 

213. ' 
^vfjLq>oqfi 32. -^f 46. -a/ 220. -jf<r« 

90. 219. 
ivf4g>6^y 2 (cf. Stob., pag. 4, av/x- 

90O(»a)raroi'). 
^vygxoyeoyVBg 213. 
^ij^ 79. 

^urcfywy^ 200. 

ivyudixBZy (^vyBxSixBiy?) 154. 
ivyaiiBi 194. 
^vyBidjjaBi 92. 

ivysaig 185. (vyBacog 78. -«* 44. 
SvyBtov 211, 



Anh. II. Wortreg^ister zu den Fragmenten. 



45 



^nx^i 197. 

itPiXnf 132. 194. 'is 72. 

iwriMfi 182. 

hri 79. 135. (vy^ 280. ivra 220. 

roo {vrov 134. ir r^ Iv^cp 203. 

Ivrj (adv.) 163. 
|ma« 149. 220. 
hyowdii ^' ^^ 
Ufofuwoi 85. 
•, {, ro (demonsir.) t^ (jlbv 181. rn 

jiiii' — ini cfi rofi^ 52. eV toiiai 

na8i¥ 53. 
•^f. ttt^€^ toMceiy 24. 
^(229. 
wfoVj} 182. 

^riia 114. 164. -tfotfi' 137. 
W (encl.) 157. 
•/(ffr 20. laa^iy 21. cMfeikKrf 130. 

eidotes 92. eidrlffeiy 43. 

OIMI 10. 

oixhf^iy 177. 

Mxi{(j;; 220. oixqioy 111. 142. -<a 

114. 164. 
Marijri^^iOi' 11. 
MXOD 176. 
oixTti^tiy 146. 
Mofityoy 113. 
Mor 181. ou»V r£ 25. 
o/roy 80. 
oxoimy 53. 
«»HR>r 20. 53. 147. -a 19. 24. 6x6c(^ 

fioXXoy 151. 
oaror ay 53. 
0X00 112. 
ottv («y) 52. 84. (c. ftit.) 134. 167. 

(qoomodo) 52. 
^xmon€^ 159. — »(f< 176. 
oAj 98. 
•Viy 35. -lyi' 52. -o 69. 180. -as 52. 

<fc* oXiyov 58. 

o^^oj^Vioy 84. 
*ioxiijpof 207. 



oXog>vQ€a^i 219. 

0|U^ 197 (coni.). 

ofiiUri 194. 

o/M^]} 138. ofnUwg 130. 

ofioyoii^S 136. 

ofioyoovg 146. 

ofjio<p^o<rvyrj 212. 

o^'tt^ 47. 

oyeiSog lb, 

oyofxata 68. 

o^vde^xlri 30. 

o^vti^ri l*^^* 

07r£^ 197. a;r£^ 85. 

oQiyovtai 60. 94. (95 adn.) 

o(»£|£f 69. 70. oV^££; 58. 70. 

o^^ (^^oy^r^) 102. 

o^^or 18. 

o^d-onQayifoy 44. 

o^S-oavyrj 15. 

o^dioaig 134. 

oQiCritai 70. -«i' 157. 

o^xo£ 159. -ov^ 162. 

oQovoytes 202. 

o^rjinal 202. 

oV 47. 157. 181. § 198. o2 149. 157. 

a 52. 90. 115. (Si^ 19. 52. 108. 181. 

larfi' a>y 158. oiaiy 14. 220. ovc 

162. eV (^ 159. »V iy 26. 133. 

£| (ui' 40. 198. my etyexey 130. 

ig>* oiaiy 61. 
ooDi' (rotrovro diaq)BQBi wroy — Xapsly) 

181. ocoi 53. -o£^ 41. -a 178. 
o<rr<^. or£(}i 181. 209. 216. cp r^y^ 25 

(coni.). aa^ct 146. aaa ciy 163. 
oritr 47. 130. 139. 146. 178. 
ovdB 10. 25. 197. 203. 208. 
ovdeig 146. ovdefua 167. ovdiy 53. 

98. 123. ovdefjiiijg 178. ovVcW 167. 

ov^iy XL d(jL6iyta 18. 
ovSixote 67. (86a). 
ovy 26. 52. 68. 204. (210 adn.) xai 

yag ovv 189. 
ot)^o; 1. 2. (cf. Epiphan., pag. 5.) 



46 



I. Die Ethika des Demokritos. 



ovte — ovT€ 15. 24. 44. 52. 68. 124. 

188. 197. 

ovroc avtri 198. tovTo 7. 157. 158. 
181. TovTov 134. (ix —) 197. rav- 
TYis 21. 52. roi;r(j>47. 134. 146. 181. 
{inl — ) 166. TOVTOV 43. owroi 202. 
TovTfov 19. 26. rot;ro«<r£ 14. Tav- 
Tag 198. raiJra 160. 167. 180. tovto 
fXBv 53. ovTta(g) 72. 159. 166. 167. 

189. 202. 
oX^lv 25. 
oxXrjaiy 128. 

Tia^eW 50. (22. 49 Plut.; cf. Diot. 
fr. 3. Diog. pag. 4). 

nai^eiri 183. 

naidevaat 184.198. nenaidevfxeytoy^Ol, 

(naidonoday naqatTeiTai JrifJL, 179 
Clem.) 

Trars" 181. naidog 62. 7rar<f« 181 (bis). 
naWes 197. 202. naldcoy 180. ;r«fff^ 
203. ;rarcfaf 178. 180. 184. 

ndXat 24. 

nayTeXeayg 73. 

7r«Vu 167. 

;ror^« ^eaJi' vyceirjy aheoyTnt 21. r^^ 
Tra^n Totf dvyd(nri<ii .. BvdaifjioyLris 
147. r£/4ai Tror^a Tors' €t; g)^oyiovci 
^iya dvyayTtti 149. r^i' dvyafiiy 
naq^ eavToTs BxoyTsg 21. ;r(v^a 
yofjLoy 157. ;ra(»a; dixrjy 160. ;ra^a 
ro iniBixeg, na^a to /(>ij<rroi' to 
Toi; ^vyov 134. 

naQafidXXoyTa 52. 

naQccyyeXfia 199. 

naQayiysTai 27. 

na^aiTrjTeoy 107. (^i?/m. ynfjioy xai 
nai&onouay naqaiTslTai 179 Clem., 
naqaiTelcd'ai xeXevei Theodoret.) 

na^axaTad-tjxag 166. 

7ra(»a;rA}f<r£oi' 187. 

naqaaxevd^ovai 131. 

naQaTLd-r^aiy 65. 

naqaTqinBfrd-ai 156, 



naQaq>vXd<s<seiy 152. 

na^exTeiyofisyos 145. 

7ra(»€<rr£(i') 19. 53. to nuQcoy 59. Ta 

na^eovTa 52. 60. toZ; notQBovciyh^, 
naQB^BTai 30 (coni.). 
naQieyai 155. 

naqoLxBTai 53» na^toxrjfxeymy 60. 
naQ^rjairi 111. 
7r«f. 7r«<ra 168. 221. ndyTa 161. 

TTatfay 4. 52. 7rc(»* navTog 160. cy 

Trai/r/ 51. ei^ ;raj/T£ x6afi(f 159. 160. 

ndyTsg 130. 213. o/ — ay&Qomoi 

43. TTttVTa 24. 47. 160. 178; 110. 

134. 192. 207. Ta — 134 (bis). 

TraVToij^ 211. 178. 34. 74. 198. 214. 

;ia<r<r) 6. 19. 220. 224. 53. 207. 
ndaxovai 52 (bis), -^^i^ (tfv, xotxco;) 

lo9. 166. ^y Ti ;ia^5 178. nad'eXv 

Ti 165. 
naTQixov 202. 

naTqiovg {xaTa yofiovg Tovg — ) 159. 
naTQcg 168. 
naTQog 199. 
nBi&ofjLByoiai 139. 
7rc£^ 104. nBi&oZ 44 (bis). 
TiBiQa&ByTBg (q)iXoi) 216. 
;r£Aa^ (Tor?, twi' — ) 150. 220. 
niyrig 68. 

TTcWi? 68. 147. -i;ff70. -jyi' 69. 83. 215. 
7r£^i c. gen. 92. 159. 213. ttc^)^' nav- 

Tog 160. 7re(»^ T£ 58. 
TTBQipaXBaS-ai 184. 
TiBqiyiyofjLByog 75. 
(7iB^n]Xf4ax6T(oy 1 corrupt.) 
nsQiTid-BftByoy 134. 
nrifjiaiyoyTa 160. 
ntJQoxng 207. 
nlfinXayTai 151. 
niytoaiy 53. 
nioTBvBiy 224. 
(TrAaWo)). iTiAaWi'To 29. 
nXBoyB^iri 110. 
(TrAi^yjf 86 adn.) 



Anh. II. Wortregister zu den Fragmenten. 



47 



1lXr^fifieXei1i¥ 218. 

nXr^fifiiUs 44. 

nXii^ 24. 

xiUiftfto; 68. 

niovrof 68. 75. 78. 201. nXovri^ 69. 

xoAif, noday 202. 

nvir^yit^Xy 25. 

:io«f 56. 69. 125. 187. 212. 7roiev<re 
70. 'imai 203. -fir*' 43. 159. -mv 
160. 'Boyxi 167. -ijowi' (xaxeSs', 
(v) 166. noieZtaij -if&ai (Xoyoy) 
119. 18. noiiovtai {o^xovg) 162. 
noiiortai^ -otto {riiovag) 53. 7. 
ffotfra<, -ijtfair^e (7rar<fa £x, dno) 
181. nenoiritai 178. nenoirifiiyiay 
(iv) 166. 

:re<xi)to»' 49. 

Jioiyjjf 157 (coni.). 

^o^uioj' 159. -ioii/ 63. 159. 

noUfiovf 136. 

ffoiiij'ra; 146. 

noXtg 134 ;roAtVo»' 169. noXiai 136. 
ra jrara r^i' noXiy 134. 

:ro2JUcxt^ 189. 

^oaaa;^^ 104. 

noU^y 42. 70. 174. 203. {ini — ) 216. 
ffoUf ^aaoy 203. TroAAoe 122. 181. 
190. 210. 215. -ai 53. ^y 69. 181. 
•«r<r< 71. '^M 84. -ov^ 180. -a; 
180. -a 26. 69. 108. 163. 184. is 
to nXioy 163 (coni.). ^ tov nXioyog 
ini^htfUfi ^^* TiXioyes 193. TrAeo- 
fwr 52. ttImi 163. ra nXeitna 30. 
»f Tfl^Zirrff 7. 

noXvfia^iec 190. 

^oXvfia&ii^y 191. 

noAomiji^ 191. 

'oWff^i; 49. 

noXvJiQayfAoyioyta 164. 

ffolor^lia 65. 

(Jioitojoro; 49 Pint.) 

nwiowii 130. Troi'er*' 130. 197. 



noyrjQov (ij^eog) 115. 

noyos 132. -oi 130. 131. -toy 189. 

-Off 189. -ov; 133. 
noQt^eiy 74. 
noc^ciy 53. 
n^riitog 218. 
n^ri^is^ 'ly 124. n^ri^iog 126. rrpiy- 

^tft»i/ 101. 7r(»if^«aff 121. 125. 
TiQijaaei 40. (fiiXuoy — ) 52. n^i^ffcn 

163. -e^*' 52. (ttoUw — ) 163. 

(«>lAa — ) 165. 'oyres 21. -oVra>»' 

(^avAorf^oi/) 52. Tt^rjxiitoy 1 (coni.). 
TT^O 101. 

nqo^vXevBttd-ai TiQo raiy nqri^UDy 101. 
n^oSoxai 21. 
nqojiqriiiiyog 226. 
nQO'9'Vfjiio 192. 

7l^O&Vfi6t€QOl 203. 

Trios' €V€<novy {iari) 158. fiXinetynQog 
226. naQafidXXeiy 52, j^Qrja&ai nQog 
25. 177. dian^ensa n^og ^eto^lriy 
172. €vq>v€€gy vnonrog, o^vtiqri 
TtQos 186. 223. 174. 

(7r^o<r«iUlorp£ot;^fi^c( 3 Diot.) 

nQocunxBaS'ai (nXeto — ) 163. 

n^offa^fio^oy 72. 

7r^o<r£cf(9fivW, -ojTa (rj f^^'^H-V^ ^5 
^layoifi) 52. 

nQocxinxBo 227. 

TiQoaxonevofieyoy 228. 

(nQoaoixetovfjie&a 3 Diot.) 

TT^oreAer*' 146. 

n^oT^on^ 44. 

Ttqoipacig 200. -£y 29. 

nqiatoy 43. 

^r^ufioy 115. 

(^vojuovi^rae 33 corr.) 

^vcfjita 167. 

(ouAovf 23 Pint., cf. cap. Ill n. 30). 

<reai;ro»' 42. 

arifiaiyovaiy 128. 

{crifjieta ^^ifjiwyos 23 Pint.) 

<fx^yog 19. cxijyeog 8. 17. 18. 176. 177. 



48 



I. Die Ethika des Demokritos. 



<rxii^ 105. 

cf^ixQTi 67. 69. 86. -al 225. -a; 127. 

-a 178. 
<rol 52 (v. adn.) 

<roq>iri 34. 35. 50. 188. -17; 33. 
irogna IQS. aoqxoti^<^ 14k\. (tfo^ov 210 

adn.) 
OTiaymTaTa 57. 
trnoydai 159. 
tmovSaiofiv&og 206. 
atd<tts 138. 'log 140. 
ati^s 66. 
azvyioyzes 96. 
(FvaeV 23. 
ff^aAfi^oV 182. 
ctpezeQtoy 184. 
<r(j9£»' 85. 
cq)oS^ai 58. 
ffoiCetai^ -Ofiiyov 134. 
<mi/ua 22. ctafiaxog 16. 18. 50. 128. 

( — xiyrjficera xai itdXovg 23 Pint.) 

atofiaaiy 15. 184. 
cwitriqiYi 99. -jyi« 184. 
ctogf^oyeoviTiy 31. -koytog 83. 224. 
coitp^otrvyri 56. 65. 199. 205. 
raAam(U(»€r 178. -fiovai 92. -5 84. 

-eoyrtoy 52. 
zaXaintoQlrig 19. 
raAatTrai^oi' 130. 
TafiuToy 49. 
zdfiymy 148. 

{zaqaccofiiyri Diog., v. pag. 4) 
ZttQax^in 92. 
zaj^iog (dia — ) 53. 
rfi (non sequente xai) 47. 84. 7« — 

*«/ 44. 47. 52. 53. 84. 159. 163. 

180. 184. 204. 
zeXxog 184. 

zixyoig {-ci) 199. 200. 
zexyoz^og>iYi 182. 
7£ileo»' 204. 
ziXeog 126. (ZZ^^e TfiAov; Clem., v. 

pag. 5). 



zeXeozrjg 18. 

zeXevfjieya 203. 

reJlfvr^ 145. 

rfiAfvri}*' 92. 

zeQfia 46. 

zi^ei 57. zBQnofieyoi 93. 94. 

zeqnya 56. 

rf^t/^e; 1. 2. 53. -lo? 52. -««? 36. 

-<a; 13. 
reraxra< (o ^g ev — ) 14. 

zd^i^V ^^* 
zex^v^Qiaty 109. 

zriQBovciy 162. 

zi&ri<ny 18. 

zixtBi 198. ^ovaiy 54. 

r^^ae 149. -ar 148. 151. 

zifiioy 35. zifiitatdzri 34. 

zifjL(OfiByoi 149. 

zifKo^eTy 155. 

nV 7. 25. 44. 55. 84. 161. 165. 167. 

181. 188. W 18. 37. 43. 44. 49. 52. 

58. 113. 165. 167. 178. 184. 203. 

ziybg 115. 178. zio (?) 181. (ziyl 

86 adn.) ni^a 178. 
zoi (end. = <ro<) 69. 81. (cf. 52 adn.) 
zoidde (ret) 25. 47. zmy zoUay&e 33. 
zoiovzog 181. -01/ 189. zoiavzf^ 178. 

TO zbiovzo 155. 
ToAfia 126. 
zoXfiiuMi 146. 
zonovzo (Siagd^ei ocov) 181. ( — a/^e- 

ztaziQri) 147. roaovroi fidXXoy oxoati^ 

151. rooaJriji' ^JuAotx^v £;|f£e»' 163. 
z^dnB^ay 65. 
ZQB^fBl 178. 

ZQonog 14. -»' 200. 
r^o^^ 185. -^ff 67. 

TV/jfaVoMT^*' 130. TW/OHJ/, TDJf^riK 202. 

zvnov 202. 
rv^Aorijra 24. 
zvq)Xov<ny 58. 

ri;;fi? 30. 64. 65. 126. -ij? 29. 33. 163. 
T« z^g zvx^g 220. 



Anh. U. Wortregister zu den Fragmenten. 



49 



r>f 170. 
py«»ijf, -rir 21. 

rna(f 47. 

ria^orra 52. 

rifi)} 16. 

r:ic^ Svpaiiiy 163. tifiiov vnkq do^ay 

35. 
iiiff^XXoi 55. -oj^ra 52. vneq^efXti- 

xot€c 53. 
r;T«^^li} 51. 
ht(fSiJbi»€ 178. 

inrjiofiiyfis 163. 

rvi'oi 128. 

nro c. gen. 44. 52. 117. 143. 170. 208. 

wf' ixeiyovs yeyijifetai 167. 
vnoUinerai 135. 
vnofioyr^y 131. 
tnanxog 223. 
rrroi'^£i> 146. 
^cyidtetya 72. 

^Myr^iai 52. g>ay€lztti 44. 
faK£^ 44. 
^arioK (ror — ) 152. (neutr.) 42. 

^vli^i' TiQ^^iy 124. g)avhoy ofjLi- 

Uri 194. tpavhay i^yaty 107. ^av- 

lorc^or TrpijaaoVroii/ 52. 
7«(ft}rc^i 203. 

7«4ft» 81. 

^fuftoAoi 80. -(ui', -ov 202. 

f<p*i (i^tifiiviy) 76. (tt^W)^*' inieixitogj 

nXrififiiXsii^^'Tt^riitog) q>€Q€iySS. 218. 
^ivymy 150. -oi'Tcs' 97. (^^vxroi^ 3 

Wot.). 
^^yd»y 82. 
9^Vo; 140. -©»' 52. 

^lia^yv^ii}^ 200. 

7<iUW, -£t4ir^£ 208. 9)£il£r (solet) 52. 

197. ^iXdovai (solent) 21)2. 
V^fi 211. -ij,. 212. 217. 
filofiiiKpiei 217. 
^aorctviWra 134. 



> > 



g)iXoyEixiri 221. 

^ao; 209. 'oy 214. -oe 210. 213. 216. 

-0)1^ 181. -ov; 215. 
g>Xav^oi 162. ^Aav^coi^ 119. -o^fre 106. 
g>6fiog 222. (f^a g>6^oy 45. -ej^ ^o- 

/3oe<r£ 92 (cf. Diog., pag. 4). 
^oVov 158. 
g)OQvz^ 28. 
(9P(»€W 37a?) 
g)QoyeXy 185. ( — a du) 90. I'eo 69? 

rlfisQ]^ g)qoy€oyxes 129. Torir cv 

g)Qoyeov<n 149. o^^a ^Qoyeoyttoy 

102. 
q)qoyififiog 153. -ft 30. 
^Qoytidos 182 (cf. Gic, p. 6 securitas; 

Theodoret. fr. 179). 
g>vy^s 157. 
9?t;frai 25. 

^VilaXI^I' £^££1' 168. 

q>vXtt^a<rd'ai 153. 

q)v<nxrjs (xaxirjs?) 189 J[coai.). 

97i;W 178. 185. (opp. tvxri) 64. jj 

q>v<ns noteX fi€za^Qvafiov<ra 187. 

(pvaiog ^yritrjs diaXvciy 92. 9)t;<r££ 

29. 142. OTTO 9)vaios 178. 193. xaT» 

^'vtf^i' 178. 181. t77re^ (Tra^a?) 9>i5- 

aiy 163. 
Xcci^ei 47. -0)*' 61. 
XaXenby 88. 143. 195. 202. -oir^^i; 

70. 135. 137. 
XaQTJs 220 (cf. Stob., pag. 5 1. 16). 
Xa^i^eo^ni 146. -ofzeyog 221. 
XftQiotixog 226. 
;fa^«T€ff 225. -as 228. 
(xeifiwyog 23 Pint., cf. cap. Ill n. 30). 
X£iQos {ditt — Cjfoiref) 203. 
XBQBioyog 143. 
Xo^Hyiri 79. 
;f()£w 4. 43. (45 adn.) 52. 84. 112. 

121. 134. 159. 196. 228. r« xQ^^*"^" 

47. 156. 
XQfi 108. 115. 155. 160. 163. 166. 191. 

203. X9^1^"^ ^^^* 

4 



50 



I. Die Etfaika des Demokritos. 



X9r/;€i 19. 20. ;ireflCw»', X9i^^^ 20. 

XQTifittttt 74. 203. (Ta xaXa — ) 1h9. 
XQrificrreoi^ 70. 73. 79. 200. x9W^' 
ai{y) 15. 71. 72. (184 falso). 

XQW^ ^^1 (coni.). 



X^ijo'9'ai 25. 181. 

fieyos 44. 
XQYflifxov 26. 79. 
/^^<r«f 79. 
XQTiatos 209. 

'olitiv 165. 
X^Syos 185. 
XQvaov 104. 
^eyeiy 115. 
^€vdea 92. 
%pr^(a 161. 



;if(»a) 177. /e«>- 



^ 81. -o*' 53. 134. 



ov 92. 
w 10. 



-Of' 53. 92. 



i/»t;;f^ 11. -^ff 8. 9. 18. 89. 128. 168. 

-5 22. 43. 52 (bis). -^»' 18. 50. 58. 

178. 'kmy 52. (Cf. Diog. Stob. 
^ pag. 4). 
<u<fe 158. 

{(oSvvrizai, 22 Plut.) 
(cti^ijtffi 86a) 
(o^airj T^o^fj 185. 
cS^ijj^ {jiaaay — ) 52. 
fag ix^Qoy sim. 82. 177. (os pitaao- 

fieyoi aim. 80. 96. 166. (og nXetara 

7. (og dvyatai 178. (= or«) 220. 
(oane^ 72. 166. 202. 203. 
wOTe 43. 163. 178. 
((oq>€X€Z 221 adn.). 



u. 

Untersuchungen 
fiber die £thik des Demokritos 
und ihre Fortwirkung 
in der philosophischen Ethik der Griechen. 



Erstes Kapitel. 
Ueberliefemng der Ethik des Demokritos. 



Die erste Frage, die eine auf die Ethik des Demokritos 
bezQgliche Untersuchung sich vorzulegen hat, ist naturlich die 
nach der Zuverl&ssigkeit der Ueberliefemng. Dire genaue und 
voIlsULndige Beantwortung wird gunstigsten Falls moglich sein, 
wenn die Durchforschung der weitschichtigen Gnomologien- 
litteratur von Stobaios abwarts, die so viel entsagungsvolle 
Arbeit schon gefordert hat und noch fordert, hinreichend sichere 
Ergebnisse inbetreff der Herkunft der durch diese Quellen uber- 
lieferten Fragmente zu Tage gelbrdert haben wird. Doch ware 
es ein Irrthum zu glauben, dass sich bis dahin iiber die Sache 
gar nichts Gewisses sagen lasse. Es gibt andere Wege, um, 
wenn auch nicht zur endgultigen Entscheidung uber Echtheit 
Oder Unechtheit jedes einzelnen als demokriteisch uberlieferten 
Ausspnichs, so doch zu einem begrundeten Urtheil uber die 
Hauptmasse der Fragmente zu gelangen. Wage ich es hier 
die Verfolgung dieser anderen Wege in Angriflf zu nehmen, so 
geschieht es in dem vollen Bewusstsein, mit einigen unbekannten 
Factoren zu rechnen, deren genauere Bestimmung erst von der 
Zokunft zu erwarten ist; wieweit trotzdem ein unverilchtlicher 
Grad von Grewissheit erreicht werden konnte und erreicht ist, 
sleht dem Urtheil Sachkundiger anheim. 

Uebrigens liegt auch die Tradition der demokriteischen 
Ethik nicht so im Dunkel, dass sich nicht wenigstens annehm- 
bare Hypothesen daruber schon jetzt aufstellen liessen ; Einiges 
aber durfte sich auch bereits leidlich feststellen lassen. 



54 II. Untersuchungen iiber die Ethik des Demokritos. 

Die Gesammtmasse der Ueberlieferung zerlegt sich in zwei 
deutlich unterschiedene Bestandtheile : Berichte und F rag- 
in en te. Wir haben namlich zuerst vier Hauptberichte, mil 
noch einigen minder werthvollen, aber als Bestatigung will- 
kommenen Parallelen, die, wenn nicht alle aus einer und der- 
selben, doch aus ganz gleichartigen und gleichwerthigen Quellen, 
naralich aus guter d ox o graph ischer Tradition stammen^). 
Fur das Alter und die Verlasslichkeit dieser Quellen gewahrt 
den sichersten Anhalt das wichtige Excerpt des Clemens von 
Alexandreia (Strom, n 21) uber die verschiedene Formulirung 
des ethischen Princips in der demokriteischen Schule zur Zeit da 
Epikuros sich von ihr lossagte (s. u. Kap. IV). Mit diesem Bericht 
beriihrt sich am nachsten der des Cicero, De fin. V 23 und 87, 
fiir den Antiochos von Askalon, der Erbe und Fortsetzer bester 
akademischer wie peripatetischer Doxographie, als Quelle fest- 
steht. Aber auch die durch Stobaios Fkl. U 7 und Diogenes 
Laertios IX 45 erhaltenen Darstellungen sind davon untrenn- 
bar; die Vergleichung aller vier Berichte ergibt soviel mit 
zweifelloser Gewissheit, dass sie alle miteinander stehen und 
fallen. Es konnte Valentin Rose im Jahre 1854 verziehen werden, 
dass er zwischen diesen Berichten und den uberwiegend durch 
gnomologische Quellen iiberlieferten Fragmenten im Urtheil 
fiber die Zuverlassigkeit nicht unterschied; nach dem heutigen 
Stande der Forschung ist solche Gleichstelliing nicht mehr be- 
rechtigt. Man wird vielmehr die doxographische Ueberlieferung, 
bis zum Beweise des Gegentheils, als sichere Grundlage an- 
zunehmen und danach den Werth der sonstigen Tradition zu 
beurtheilen haben. 

SoUte aber die Vergleichung herausstellen, dass mit jenen 
vier Berichten alles sonst vertrauenswerth Ueberlieferte in 
gutem Einklang und uberzeugendem Zusammenhang steht, so 
ergibt sich zum wenigsten ein starkes Prajudiz fur die An- 



1) Sie sind oben (S. 4 — 6) als »Doxographie« uber Demokritos Ethik 
zusammengestellt. 



1. Kap. Die Ueberlieferung der Ethik des Demokritos. 55 

nahme, dass unsere besseren GewSlirsmanner : Cicero in den 
TuscQianen, Seneca, Plutarchos, Clemens und Dionysios von 
Alexandreia und bei wem sich sonst versprengte Reste erhalten 
haben, namentlich aber die aitere Sammlung von Demokrit- 
spruchen, aus der der weitaus grosste Theil der Fragmente 
durch Vermittlung des Stobaios und der unter dem Titel rvdSfuxi 
JtjfiOM^tovg uberlieferten Spruchsammlung geflossen ist, aus 
keinen andem letzten Quellen, namlich demokriteischen oder 
fur demokriteisch gehaltenen Schriften geschopft haben, als die 
auch den Doxographen etwa seit der Zeit des Theophrastos 
zur Gnindlage gedient haben. 

Welches diese Schriften waren, daruber sind allerdings bis 
jetzt z. Th. nur unsichere Vermuthungen moglich. Hirzel (Hermes 
XIV 354) hat zwar mit ziemlicher Zuversicht behauptet, dass 
zuletzt Alles auf eine einzige Schrift des Demokritos zurfick- 
gehen musse, namlich die, welche Seneca wie Diogenes 
Laertios unter dem Titel llegi evx^vfjiiijg, Clemens unter dem 
leicht zu erklarenden Nebentitel Uegl T^Xovg kennt Kein 
Zweifel auch, dass diese Schrift eine Hauptguelle gebildet hat; 
man wird auf sie am naturlichsten die mehr die Principien- 
fragen der Ethik betreflfenden oder sonst mit dem GrundbegriflF 
der Euthymie naher zusammenhangenden Fragmente zuruck- 
fiihren; aber weder ffigt sich der ganze Umfang des Ueber- 
lieferten (auch bei Beschrankung auf die obgenannten Quellen) 
ohne Zwang in den Zusammenhang dieser einzigen Schrift, wie 
man sich ihn, doch sehr unsicher, nach Seneca De tranguilli- 
tate oder Plutarchos Hsgl ev^hffiiag reconstruiren mag, noch 
hatte man ein Recht, was sich nicht darein fugt, etwa darum 
fur unecht zu erklaren. Eher mochte Lortzing (Ueb. d. eth. 
Fragmente Demokrits, 1873, p. 7) beizustimmen sein, der an- 
nahm, dass neben der Hauptschrift mindestens noch eine 
Schrift von mehr popul^er Haltung namentlich von den 
Spruchsammlem, denen solche besonders willkommen sein 
mussten, benutzt worden sei. Nur sehe ich wieder keinen Weg, 
die femeren Annahmen desselben Forschers zu bewahrheiten, 



56 II. Untersuchungen tiber die Ethik des Demokritos. 

dass die Hauptquelle, heben IIsqI etf&vfAirjCj die im Schriften- 
verzeichniss des Thrasylos (oben S. 3) UfjuxX&eirjg xegag betitelte 
Schrift gewesen, und dass diese identisch sei mil den von 
Dionysios bei Eusebios (Praep. ev. XIV 27, p. 782 a) cilirten 
^YnoxHjxm. Vielmehr durfte hier Hirzel das Richlige getroflfen 
haben, der (1. c. 383 ff.) unter dem letzteren Titel eine nicht 
von Demokritos selbst herriihrende, sondem aus dessen Schriften 
(d. h., nach seiner Annahme, aus IIsqI sv^fifvjg) ausgezogene 
Spruchsammlung vermuthet^); der Gedanke liegt nahe genug, 
dass es ebendieselbe sei, aus der Stobaios und der Verfasser 
der Demokrates-Sammlung geschopft haben ; doch fehlt es auch 
dafur am bestimmteren Anhalt. Dagegen durfte das Folgende 
etwas mehr als eine vage Moglichkeit zu nennen sein. Das 
Schriftenverzeichniss bietet noch einen, von Lortzing (p. 5) mit 
Unrecht^) verdachtigten Titel, der mir wohl geeignet scheint, 
wo nicht alle, doch einen betrachtlichen Theil der Spruche 
der popularen Art aufzunehmen: den Titel TgiToyeveir]. Es 
ist dies die einzige ethische Schrift, von der uns nicht bloss 
der allgemeine Inhalt, sondem zugleich die Disposition durch 
zwar spate aber unverdS.chtige Zeugnisse (Diasscholien und 
Diogenes Laertios, daneben Suidas und Tzetzes, s. o. S. 3 n. 4) 
bekannt ist. Danach deutete der Titel auf die (pgovrj^figy sofem 
sie drei Giiter dem Menschen verschaffe {on rqCa Yivstai 
i^ athrjg) : die rechte Ueberlegung, das rechte Wort, die rechte 
That; gewiss keine unpassende Eintheilung fiir eine populare 
Moral und dem Demokritos ganz wohl zuzutrauen ^). In diese 
Disposition aber fiigt sich, was bisher unbemerkt geblieben zu 
sein scheint, eine betrachtliche Zahl der uberlieferten nament- 



2) Aehnlicli Zeller Phil. d. Gr. P 846 Anm. Far die 'Yno^xai als 
Originalschrift des Demokritos erkl§.rt sich (ohne jedoch seine Grtknde 
mitzutheilen) Freudenthal, Bhein. Mus. XXXV 408'. 

3) So urtheilt auch Zeller Philos. d. Gr. V 930*. 

4) Nattlrlich darf man dabei nicht, mit Lortzing, an eine »Logik 
und Bhetorik« denken; das ev und xaXtog ist durchaus ethisch zu ver- 
stehen. 



1. Kap. Die Ueberlieferung der Ethik des Demokritos. 57 

lich popul&ren Sentenzen. Es ist wahrscheinlich genug, dass 
diese uberwi^end der genannten Schrift entnommen sind. Mit 
diesen beiden Schriften, UsqI evdvfjUrig und TqitoysvsCt}^ sind 
vielieicht die echten Grundlagen der Tradition erschopft; aus- 
geschlossen ist naturlich nicht, dass noch sonst eine Schrift 
von den Spruchsammlem benutzt worden ist*). 

Lassen sich demnach uber den letzten Ursprung der 
Fraginente inimerhin wahrscheinliche Vermuthungen anfstellen, 
so lassen sich auch die weiteren Stadien der Tradition noch 
einigermassen verfolgen. Ueber die doxographische Ueber- 
liefening wird im vierten Kapitel noch Einiges zu bemerken 
sein. Plutarchos hat vielieicht noch die Hauptschrift selbst 
gelesen; wenigstens finde ich keinen principiellen Grund es zu 
bezweifeln, und der reichliche Gebrauch, den er von den 
elhischen Hauptbegriflfen des Demokritos macht auch ohne ihn 
zu nennen, legt die Vermuthung doch sehr nahe. Nicht das 
Gleiche mochte ich, trotz des Gitats des volumen egregium 
Uf^ svt^vfAirjg, von Seneca annehmen; so wenig wie von 
Cicero, der ubrigens unzweifelhaft gleich den beiden Vor- 
genannten gute Quellen (in De fin. Antiochos, in den Tus- 
culanen einen wohlunterrichteten Epikureer, vielieicht da- 
neben Theophrastos Uegl evSmfAoviag) benutzt hat. Clemens 
wird, wie Dionysios, wohl hochstens die Yno&rjxai selber vor 
Augen gehabt haben ; es durfte schwer auszumachen sein, was 
er etwa diesen direct, was seinen sonstigen Quellen (uber die 
sehr wenig Sicheres feststeht) verdankt. Was die Gnomologien 
betriflfl, so lasst sich soviel wenigstens mit aller Bestimmtheit 
annehmen, dass unsere beiden Hauptgewahrsmtoner, Stobaios 



5) Beflondera liesse aich denken an IleQi dviqayad'Lrig V ^^Q^ nQsrrjg. 
boch bietet dafOr einen zu schwachen Anhalt die erste Gnome der Demo- 
krateS'Sammlung : r^mfiitoy fiev xwv6b bX tis inatoi ivy y6<o, noXXa fiey 
t^iti ayd^os dya^ov a^ia, noXXa di (pavXa (ipavQa i. e. q)XavQa cod. 
Falat.) ovx i^iei (ovx Uei L.) Nach Cic. de fin. V 88 hat Demokritos 
gerade von der Tngend wenig zu sagen gewusst ; was auch die Fragmente 
bestfttigen. 



58 II. Untersuchungen iiber die Ethik des Demokritos. 

und der Zusammensteller der rvm^iai, Jr^fjioxgaTovg aus einer und 
derselben grosseren Sammlung demokriteischer Sentenzen — wir 
verrautheten die ^YnoxHjxa^ — geschopft haben. Ueber das 
Alter dieser ursprunglichen Sammlung wage ich keine be- 
stimmtere Vermuthung aufzustellen, doch hat man alien Grund, 
sie in einer Zeit enlstanden zu denken, wo die Urschritten noch 
zuganglich waren. Und zwar stehen die »6nomen« in ihrem 
Grundstock der gemeinsamen Grundlage noch um einen Grad 
naher®), nur sind sie, besonders gegen Schluss, durch einige 
unechte Zuthaten entstellt^, wahrend von den durch Stobaios 
uberlieferten Bruchsiucken kaum ein einziges bisher als unecht 
erwiesen ist®). Es ist voUig unberechtigt, das Vorkommen so 
vereinzelter unechter Zuthaten, bez., bei Stobaios, uhter ein 



6) Das hat namentlich Lortzing p. 9 ff. flberzeugend bewiesen. Man 
erkennt auch deutlich die Spuren einer ursprunglicli sachlichen Anordnung ; 
so stehen die Gnomen iiber Freundschaft, (iber Dienstleistungen etc. nalie 
beisammen. Auch diirfbe noch in einigen weiteren lUllen ausser den 
schon von Lortzing bemerkten der Lesung des »Demokrates« der Vorzag 
zu geben sein; s. die Fragmente. 

7) AuBser den schon von Burchard ausgeschiedenen Gnomen Orell. n. 
1. 48. 83a. 84. 85 hat Mullach mit Recht noch n. 80 gestrichen, dagegen 
»S9 (unserfr. 5), gegen das gar kein begriindeter Verdacht vorliegt, wieder 
aufgenommen. Aber auch n. 79 (&. 37) glaube ich, trotz des Einspruchs 
von Lortzing und Freudenthal (TheoL d. Xenoph. Anm. 19) halten zu 
kSnnen (s. Kap. III). Der allniahliche Fortschritt der Verftllschung ver- 
r&th sich deutlich darin, dass in der Heidelberger Handschrift, die drei 
unverdachtige Sentenzen (darunter eine vorztiglich wichtige) allein bewahrt 
hat (Or. 34. 66. 86), zwei der sicher unechten (48 und 85) fehlen (dagegen 
findet sich freilich nur hier der unechte Spruch 83a). 

8) Sehr mit Unrecht hat Freudenthal (1. c.) Mull. fr. 225 verworfen. 
Aber auch fr. 132 diirfte sich halten lassen (s. Kap. Ill), und mit Becht hat 
Lortzing das nach Burchards Yorgang von Mullach (Democriti fragmenta 
1843, p. 326) unter die spuria (n. 5) verwiesene Fragment Flor. 83, 26 
mit einer annehmbaren Text9.nderung wieder aufgenommen. So bleibt, 
ausser Fl. 1 16, 45 , welches ISngst als herodoteisch erkannt ist, eigentlich 
nur fr. 60 (Fl. 105, 59) tibrig, das nicht nur durch das Silbenmaass ver- 
d&chtig ist, sondem auch sonst nicht grade demokriteisch lautet. An- 
stOssig ist auch der schiefe Vergleich fr. 67, Fl. 92, 14. Fr. 76 (Plat. 
Leg. 626e) und 130 (Ps.-Plut. De educ. puer. 4 p. 2c) waren dagegen 



1. Kap. Die Ueberlieferung der Etfaik des Demokritos. 59 

falsches Lemma gerathener Senienzen, zu einem allgemeinen 
Schluss gegen die Vertrauenswiirdigkeit der stobaischen und 
pseudodemokraleischen Ueberlieferung auszubeuten. Ebenso- 
wenig ist es begrundet, wenn Zeller (Ph. d. Gr. P 930') die 
rrmfiai Jf]fjioxQdTovg mil der durch Wachsmuth (Studien zu 
den griech. Florilegien V) reconstruirten Saramlung 'Ex twv 
Jr^fioxgitov 'laoxgaTovg ^EnixtijTov (von uns wie ublich rait DEJ 
bezeichnet) auf eine Stufe stellt. Es ist nicht daran zu denken, 
dass jene Gnomen aus der genannten oder einer ahnlichen 
Mischsammlung etwa erst geschopft seien, sie sind vielmehr, 
abgesehen von den ziemlich sicher auszusondernden falschen 
Zuthaten, dem Stobaios mindestens gleichzuachten ; wer sie 
rundweg verwerfen wollte, durfte von Stobaios genau ebenso- 
wenig Gebrauch machen. Dagegen ist ausserst wenig Verlass 
auf die eben genannte gemischte Sammlung, die sich keines- 
wegs auf die im Titel namhaft gemachten drei Quellen be- 
schrankt, sondem ausserdeni besonders mit pythagoreischer 
Weisheit stark durchsetzt, ja in ihrem ganzen Charakter durch 
sie bestimmt ist. Und nicht viel gunstiger ist, grade nach den 
jQngsten Forschungen *), uber Maximus und die diesem nahe- 
stehenden Gnomologien (Antonius, Melissa Augustana und den 
entspreehenden Theil des Gnomol. Laurentianum) oder richtiger 
uber deren gemeinsame Grundlage, die weitaus am besten 
durch das Gnomol. Parisinum (cod. 1 168) reprasentirt wird, zu 
urtheilen.* Die letztere Sammlung enthalt zwar ^^) eine Zu- 



uberhaupt nur auf die Autorit&t des Antonius aufgenommen worden, be- 
weisen also gar nichts gegen die Zuverl^igkeit des Stobaios und »Demo- 
krates€. 

9) Abgesehen von dem, was schon aus SchenkPs Abhandlung iiber 
die epiktetischen Fragmente (Sitzungsber. d. Wiener Akad. CXV 465 fif.) 
tn entnehmen war, stfitzen sich die folgenden Bemerkungen durchaus auf 
Mittheilungen A. Elters, dem wir die genaue Analyse des Gnomol. Fari- 
sisttm zu verdanken haben werden. 

10) Vgl. Schenkl a. 0. p. 467, n. VIII. — Die ebenda p. 479 n. 192 
erw&hnten Gnomen stanunen, nach Elter, sicher aus DEJ, sind also 
werthkM. 



60 II. Untersuchnngen CLber die Ethik des Demokritos. 

sammenstellung von 42 angeblichen Demokritosgnomen, in 
denen man einen werthvoUen Rest besserer Ueberlieferung 
etwa vermuthen konnte. AUein bei naherem Zusehen zerrinnt 
auch diese Hoflfhung: da finden sich neben einer Reihe von 
Spruchen guter Gewahr (vierzehn bei Stobaios bez. Demokrates 
wiederkehrenden) drei Dicta aus Aischines (Mull. fr. spur. 15), 
Isokrates ad Nicocl. (DEJ 87) und Ps.-Isokrates ad Demon. (DEJ 73), 
einige Pythagorea (J)E3 12. 10), sowie eine Anzahl Spruche in 
der die Unechtheit auf den ersten Blick verrathenden stereo- 
typen Form der ofnoioifjiaTa (DEJ 134. 90. 20. 18. 115. 157). 
Es ist demnach nicht daran zu denken, dass hier etwa ein 
dritter Zweig der durch Stobaios und »Demokrates« reprSsen- 
tirten besseren Tradition sich erhalten hatte, vielmehr zeigt 
sich die Sammlung, auch in den nicht gemeinsamen Stiicken, 
viel naher verwandt dem Gnomol. DEJ. Mag sich darin — 
und so in der gesammten abgeleiteteren Gnomologienlitteratur 
— noch hier und da ein echtes Demokritwort bergen, fur jetzt 
ist es unmoglich, es mit einiger Sicherheit als solches heraus- 
zukennen. Vielmehr ist das Urtheil, auf das sich — ohne die 
Thatsachen in der VoUstandigkeit, wie es heute moglich ist, 
zu iibersehen — schon Lortzing hinsichtlich dieser ganzen 
Quellengattung gefiihrt sah, auf Grund des heute bekannten 
Materials nur dahin zu verscharfen, dass, was Demokritos be- 
trifift, von den Gnomologien, ausser Stobaios und den rvmfiai 
JrjfAoxgceTovg^ einstweilen ganz abzusehen ist. 

Es versteht sich, dass die so gewonnene, vergleichsweise 
sichere Basis doch nur eine vorlaufige ist. Hoflfentlich wird 
die weitere Erforschung der Gnomologien auf die Quellen des 
Stobaios und »Demokrates« selbst noch etwas mehr Licht 
werfen, und es mogen dann die Grenzen vielleicht noch enger 
zu Ziehen sein. Wohl fiir immer wird ein Grenzgebiet ubrig 
bleiben, hinsichtlich dessen die Entscheidung fur oder wider 
in gewissem Maasse subjectiv bleibt. Mit solchem Vorbehalt 
aber, glaube ich, darf man auf dieser allgemeinen Grundlage 
wohl in dem Sinne bauen, dass man den so umgrenzten Be- 



1. Eap. Die (^eberlieferung der Ethik des Demokritos. 61 

stand von Fragmenten einer von andrer Seite her auf die 
Entscheidung der Echtheitsfrage gerichteten Untersuchung zu 
Grande legt 

Diese wird sich richten mussen einmal auf den i n n e r e n , 
sachlichen Zusammenhang der als demokriteisch uber- 
liefert^ Ethik sowohl in sich als mil der &kenntnisslehre und 
Physik des Demokritos; sodann auf ihr historisches Ver- 
h&ltniss sowohl ruckw&rts zur Moral der Elegiker, zu 
Herakleitos und etwa zum Pythagoreismus, als vor- 
w&rts insbesondere zur demokriteischen Schule, zu 
Platen, den Kyrenaikern, Epikuros und den Skep- 
tikern. Zur femeren Controle ist die Prufung der sprachlichen 
und stilistischen Form der Fragmente nicht zu vemachlassigen. 

In erster Hinsicht v^ird zu prufen sein, ob das Ueber- 
iieferte uberhaupt, nach hihalt und Form, gleichartig genug 
ist und zugleich hinreichend festen Zusammenhalt zeigt, um 
den Schluss auf einen gemeinsamen Urheber von der Hohe 
des Gredankens wie der Formgebung, die v^ir Demokritos zu- 
traoen mussen, zu rechtfertigen. Schon was dies betriflft, ge- 
nugen die vorhandenen Darstellungen keineswegs. Auf Zeller 
z. B. machen die Fragmente zwar >im ganzen einen gleich- 
artigen Eindruck«, er glaubt »eine bestimmte, durch das Ganze 
sich hindurchziehende Lebensansicht darin zu bemerken« (Phil, 
d. Gr. I* 925 mit Anm. 1), aber eine durchgangige innere Ver- 
knupftmg vermisst er. Andere^^) haben zwar eine solche er- 
kennen woUen, sie zum Theil auch im Einzelnen nachzuweisen 
versucht, aber ohne recht uberzeugenden Erfolg. Man wird 
sich die Aufgabe stellen mussen, a lies unverdachtig Ueber- 
lieferte hi einem einleuchtenden Zusammenhang darzustellen 

11) Hirzel (Unters. I, 1877); Kern (Zeitschr. f.Phil.os. u. philos. Kritik 
1880 £rg.-H.) ; Ziegler (Gesch. d. Ethik 1, 1881) ; Heinze (Der Eud&monismus 
i.d.gr.Philoe., Abh. d. sfichfi. Ges. d. Wi8s.XIX, 1883); KCstlin (Gesch. d. 
Ethik I, 1, 1887) ; Windelband (Gesch. d. a. Philos. 1888, Gesch. d. Philos. 
1892). Am n&chsten kommt von diesen alien einer systematiBchen Dar- 
iteUnng KOstlin; aber schon Burchard (Mindener Progr. 1884) gibt eine 
ongleich beasere Znaammenstellung als Mullach. 



62 II. Untersuchungen fiber die Ethik de%Demokriio8. 

und, was die Probe auf das Gelingen sein wird, die Fragmente 
danach zu ordnen. Msst sich das leisten, so ist fur die Ent- 
scheidung der Echtheitsfrage schon viel gewonnen; man hat 
dann beinahe nur noch die Wahl, entweder das Ganze, soweit 
es sich eben in eine einleuchtende Sachordnung fugt, oder 
nichts davon fur echt zu halten. SoUte zumal ein besiimmter 
wissenschaftlicher Charakter dieser Ethik sich herausstellen, und 
zwar ein solcher, der mit dem Bilde, das die Erkenntnisslehre 
und Physik des Philosophen von dessen geistiger Art gewahrt, 
wohl harmonirt; soUten sich die Verbindungsfaden auch im 
Einzelnen aufzeigen lassen, durch welche diese Ethik rait dieser, 
keiner andern Erkenntnisslehre und Physik zusammenhangt; 
so bleibt schon kaum eine Wahl mehr, sondem man ist dann 
wohl genothigt, die Echtheit des Ganzen, wenn auch mit noch 
so vielen Vorbehalten inbetreff einzelner Fragmente, anzuerkennen. 

Dass es in der That so ist, imtemimmt das dritte Kapitel 
zu beweisen. Die verlangte Probe aber liefert die oben ver- 
suchte Neuordnung der Fragmente. Diese kann und will nicht 
den Anspruch einer endgultigen recensio erheben, die heute, 
wie aus allem Gesagten bereits erhellt, nicht moglich ist; sie 
ordnet sich zunachst ganz den Zwecken dieser Untersuchung 
unter ; allenfalls mag sie, bis zu einer kunftigen Neubearbeitung 
der Fragmente, zu einem ertrSglichen E^rsatz der in jeder Hin- 
sicht unbrauchbaren MuUachschen Sammlung dienen. Zuruck- 
behalten woUte ich die Zusammenstellung namentlich deshalb 
nicht, weil ich, um von dem gleichartigen Charakter und festen 
Gefuge der demokriteischen Ethik einen deutlichen Eindruck 
zu geben, kein besseres Mittel wusste als, die Fragmente selbst, 
gesaubert und, soviel ich mir zutrauen darf, berichtigt, vor 
allem aber sachgemass geordnet dem Leser vor Augen zu stellen. 

Was das Zweite, die historische Stellung dieser 
Ethik betriflft, so lasst sich, wie ich glaube, sehr bestimmt be- 
weisen, dass das Erhaltene (immer in den oben bezeichneten 
Grenzen verstanden) nach Form und Inhalt der Zeit und Um- 
gebung des Demokritos genau angemessen ist. 



1. Kap. Die Ueberliefening der Ethik des Demokritos. 63 

Ein vereinzeltes, immerhin sehr merkwurdiges Zusammen- 
treffen ist es, dass die Verbindung xi^aXkrjt*^^) xal AyyCTiJr 
(fr. 161) in einer beruhmten, der 76ten oder 77ten Olympiade 
angehdrigen Inschrift aus Teos, der Mutlerstadt von Abdera, 
(CIG 3044, vgl. Bechtel, Inschr. d. jon. Dial. n. 156) wieder- 
kehrt : i; xi^aXXevoi i} x^dXXag vnod^xoiro rj Xrji^ono rj Xtjiitiag 
vnoSi%oi>%o "). 

Nicht minder merkwurdig ist die weitgehende Gemein- 
schaft des Sprach- und Gedankensehatzes unserer Fragmente 
mil dem der alteren Elegiker und Jambographen , an welche, 
als seine hauptsachlichsten VorgSnger in der ethischen Re- 
flexion, der Philosoph fast durchweg anknupfen konnte und 
angeknupfl hat. Da ich keine geeignetere Stelle daffir finde, 
mdgen die aufl&lligsten Vergleichungspunkte sofort hier ver- 
zeichnei werden. Besonders zahlreieh und in die Augen fallend 
sind die Beziehungen zuTheognis; hauptsHchlich wohl, weil 
sich hier ein reichlicheres Material zur Vergleichung darbietet. 

Von Wichtigkeit ist zuerst die energische Verwahrung 
gegen die Vorstellung, welche den Gottern, dem Dai men, 
derTyche die Veranlwortung fur die Uebel des menschlichen 
Lebens aufburdet, die vielmehr dem eignen Unverstand der 
Menschen zu verdanken sind. So weitverbreilet jene Vorstellungen 
auch sonst gewesen sein mogen, ihren bestimmtesten Ausdruck 
jeden&lls haben sie in der elegischen Dichtung gefunden. 

Ov %oi a%€Q &€mv rivi%ai avd^Qwrnng ovt* dyd&* ovzs xaxd 
— meint Theognis (171 ; ahnlich 133 u. 6.) ; darauf antworlet 
genau Demokritos fr. 24: Ot ^eol roTg dvS^gdnoiai SiioviSi 
tailtt {rdya^d L.) ndvra . . . nlrjv oxoaa xaxd x. t. X. Hat 
man hier an der Herbeiziehung der Gotter Anstoss nehmen 
mid sie durch die populare Absichl entschuldigen zu mussen 



12) Das Wort findet sich sonst nur noch bei den Lexikographen, 
Pliotios nnd Hesychiofl {yg\. Chishull, Antiqu. Asiat. p. 100). 

13) Ebenda Ini Ti^toiaiy to ^vyoy ri in* iditoTn und ntQi Trjtwy tov 
Ivvov^ Vffl. Dem. fr. 134 nttQa to ^QT^atoy to xov ^vyov, 168 fitJTe idin 
fiilre ivy^ (Sen.: nee privatim nee publice), 185 uno^iri ivy/. 



64 11. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokriios. 

gemeint, so liegt die wahre Rechtfertigung in der deutlichen 
Beziehung auf den beliebten Dichter. Macht Theognis im 
gleichen Sinne den Daimon verantwortlich (149. 161. 163), so 
hatte schon Herakleitos dem das lapidare Wort entgegen- 
geworfen: rj^og dv^gdnt^ daifiwv. Ganz so, mit nur deut- 
licherer Festhaltung der Personification, Demokritos (fr. 11): 
tpvxrj olxrjTi^Qiov Saifiovog^^). An ihn hat wieder Platon im 
Timaios angeknupft (90e): ixoiTa ... ^vvotxov iv iavtw zov 
Sa{fiova . . . €vSaifjLova elvai, Nicht oft liegt die »Filiation« 
der Ideen (wie die Franzosen sagen) so offen wie hier zu Tage. 
Wiedemm auf gleicher Linie steht die BekSmpfung der Tvxq 
(fr. 29—33), wobei man z. B. an Arehiloehos (16 vgl. 56. 70) 
Oder Simonides von Amorgos (1 u. a.) sich erinnern wird. 

So sichtbar diese adversativen, so zahlreieh mid augen- 
Mllig sind andrerseits die positiven Beziehungen. Sie sind be- 
sonders deutlich in den politischen Fragmenten. Klagt Theognis 
die Volksverderber an, dass sie Sixag ddCxoiai 6i8waiv Oixsiaav 
x€Qi^(cv eivsxa (45), so aussert ahnliehen Tadel Dem. 157: og 
(Tar nagd vofwv dnoXvr] xigS si, ogi^wv i; rjiov^, Sagt jener 
(51) von der Bereicherung auf Qflfentliche Kosten : ix twv ydg 
(rrdai^g te xal Sfi^vXoi (povoi dvSgcSv MovvagxoC ts, und 
ganz ahnlieh Solon 4, 19 f/ ardtfiv M^ipvXov noXsfAov &^ 
€viovT ineyeigei, 9, 3 elg i^ (Atn'dgxov Jfnioc d'idglj} iovXo^ 
aviTjv in€<f€Vj so liegt derselbe Grundgedanke in Dem. fr. 146 
vgl. 147 {ivvaaveuj als iovXeirj) und 138 {arddig ififf^hog, 
vielleicht richtiger ifitpvXog). Scheut Demokritos (150) to ToTg 
n^Xag dvSdvsiv^ so ist das naaiv disVv x«^«^o^' ja ein Lieb- 
lingsthema bei Solon wie Theognis (24 flf. 34). 

Ein Charaeteristicum der alten Spruchdichtung — schon 
von Hesiodos her — ist die eingehende Reflexion uber Reich- 



14) Sehr mit Unrecht denkt daher Rose (s. weiter unten) bei der 
demokriteischen evdaifioyiri an den Peripatos. Der persSnliche Sinn des 
Daimon ist bei Demokritos noch ganz lebendig: der Daimon braucht 
einen Wohnsitzl 



1. Eap. Die Ueberlieferung der Ethik des Demokritos. 65 

thum und Armuth, unrechten Erwerb, Geldgeiz und Geldneid; 
dasselbe ist einer der in die Augen fallenden Zuge, die Demo- 
kritos Ethik von der der spSteren Philosophen unterscheiden ; 
vgl. beispielsweise xtgiog o r* alaxgdv ir] Theogn. 466 u. 6., 
/«; xoatd xcgdaivfiv ^'E. x. i^fi. 352, mit Dem. 76. 77 (xaxd x^gdea) ; 
Sol. 13, 7 ff. 71 flf. und 15, Theogn. 145 flf. u. 6. mit 74. 75; 
iffM g>ei3wX6g Dem. 80. 81. 202. 203, Theogn. 915 u. 6. 

Nicht minder greifbar ist die Anknupfung an Theognis in 
der Erziehungsfrage (429 fif.); vgl. z. B. Theogn. 271 ft. (ein 
ungerathener Sohn schlimmer als Tod und alle Krankheiten) 
rait Dem. 182 {dwnigd^Bzo^* hs'grj odvvy) ; Th. 37 u. a. (Ein- 
fluss des Umgangs) mit 194. 

• Aber selbst in eigentlich ethischen Grundsatzen kann 
TJieognis mit einigem Recht als Wegweiser unseres Philosophen 
bezeichnet werden. Heisst es bei diesem (fr. 53): 'Ocro* and 
yatrtgog Tag tjSm'dg noieovrai vnegfiepXrjxoreg tov xai-- 
gov inl figaiaeair rj noaettiv x. t. A., 55 ei vig vnsg- 
faXXoi t6 fiergior, so lesen wir Theogn.479 og cTar vnsg- 
fidXXf} no a tog iiixgov {vnig fietgov 498. 501; yaaTi}g 486; 
vagog 401 u. 6.). Schreibt Theognis vor (465) xaC aoi zd 
iixaia iplT! iffta, so sind nach Dem. 41 fiovvoi S^eogfii^eg 
oaoig ixx^gov t3 dSixeXv. Kann der Elegiker sich nicht 
genugthun in Brandmarkung der Falschheit {xipSrjXog 117, 
Vergleich des falschen Goldes 119; 965 u. o.) und dem Rathe, 
vor ihr auf der Hut zu sein {evlafiirj 118), Wenigen zu trauen 
{navgoiaiv niavvog 75 u. 6.), so kehrt das Gleiche, Gedanke wie 
Wort, bei dem Philosophen wieder {xipirjXog 106. 123. 227; 
(vXa^Tfi 223; fiij nam marsvsiv 224). Steht jenem l&sta 
Yv^fftj besonders hoch (396), so begegnet bei Demokritos der 
»Gradsinnige«, evxhiyvojfiog (44, mit voller Sieherheit Ix^vyvwiiog 
zu schreiben, wie 30 xaTi^vret; vgl. aueh dg^oamnri 15). 

Aufi&Ilig oft stellt Demokritos Xiy^tv — Mgieiv, Xoyog — 
fgyfia oder ngfj^ig gegenuber {Igyfia besonders haufig bei Solon, 
4, 11; 7; 13, 12 etc., wie bei Theognis, 29 u. o.; Dem. fr. 99. 

5 



' 1 



66 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

106); ja er hat, wie schon bemerkt, die Trias: Gedanke — 
Wort — That der Disposition einer seiner ethischen Schriflen 
zu Grunde gelegt ; daher ist es von Interfesse, dass bei Theognis 
nicht nur die Parallele Wort — That des ofteren begegnet 
(z. B. 979 flf. 1180 jiijj^' Sgieiv firJTs Uysiv dasfi^), sondem 
auch die Dreitheilung nicht fehlt: 771 man soil sein Wissen 
nicht vergraben, dkXd %d fi^v ficSff^at^ rd 6i ieixvvvai, aXXa 
Si noieiv, 

Dazu kommt noch eine Reihe gemeinsamer Phrasen. Der 
fiir Demokritos charakteristische Vergleich der seelischen Er- 
regung mit der Bewegung des Meeresspiegels konnte etwa an- 
kniipfen an Archil. 54 oder Sol. fr. 12 {TaQd(fat(f&ai); der 
Letztere wendet das Bild, zwar noch nicht auf den Gemuths- 
zustand des Einzelnen, aber auf die vom Demagogen auf- 
gewiegelte, stiirmisch erregte Volksmasse an. Das eigenthum- 
liche ovx ohyag xrjgag dmaeai Dem. 52, noXX^at re xr^gal 
^vfinstpvQfihVTjv 84 hat sein Vorbild an fivQiai xrjQfgy Sim. Am. 
1, 20, iiaadi xfjgeg Theogn. 837 vgl. 13 u. o. ; noXvq goavitj 
(Dem. 15) gebraucht ahnlich Theogn. 712; und haufig be- 
gegnet bei Solon (4, 21) und andern Elegikern o dva(.i€%nfjg der 
Feind (Dem. 221 vgl. Schluss von 52) ; xagSCr^g nXeog sagt Archil. 
58, 4, xagSirjg xsved Dem. 172; in demselben Fragment er- 
innern die Worte diangenda ngog x^ecogttjv^ wie iibrigens die 
ganze feindselige Stellung zum schonen Geschlecht, an Simo- 
nides von Amorgos (7, 67 xaXov (ihv afr x^erjfia); x^wirj gebraucht 
Archil. 109, d^wog Dem. 158. 161 1»); und wem etwa Dem. 189 
rd xaXd xgrjfuxTa (fur td xaXd schlechtweg) auffallen sollte, 
der erinnere sich an Mimn. fr. 8, Sim. Am. 6, Theogn. 64 
(gleichbedeutend ngfjyfux 70), 472 u. a. 

Mag hier manches Einzelne, fur sich genommen, nicht be- 
weiskraftig scheinen, doch ist die ganze Fiille der aufgezeigten 



15) x^^toirlg ^^^'^ ^^t man schreiben wollen fttr f^oLvrig^ ^^^^ li^gt, ftls 
coordinirt mit Yerbannung und GefUngniss, wohl noiyrjgj Geldbusse, n&her. 



1. Eap. Die Ueberliefening der Ethik des Demokritod. 67 

gedanklichen wie sprachlichen Uebereinstimmungen **) jedenfalls 
best&tigend dafur, dass wir einen Moralisten vor uns haben, 
dem zur Anknupfung haupts&chlich die elegische Poesie (da- 
neben Hesiodos), nicht aber eine schon irgend entwickelte 
philosophische Ethik zu Gebote stand. Hat man der Ethik des 
Demokritos mitunter den philosophisehen Charakter ganz ab- 
streiten woUen, so war daran wohl nichts Anderes Schuld als 
die unbestiromte Empfindung dieser so concret nachweisbaren 
Verwandtschaft mit der Moral der elegisehen Dichtung; die 
ubrigens nicht hindert, dass ein philosophischer Gedanke bei 
Demokritos uberall leitend ist und aus den vereinzelten Re- 
flexionen ein Ganzes schafft, an das kein Elegiker gedacht hat. 
Uebrigens fehlt es auch nicht anBeziehmigen zuHerakleitos; 
einzebie sprachliche Wendungen erinnem an Melissos, Anaxa- 
goras Oder Diogenes von Apollonia; und mit seinem Lands- 
mann Protagoras zeigt Demokritos Beruhrungen gerade hin- 
sichtlich des Themas, das er oflfenbar mit ihm gemein hat: 
der Erziehung "). 



16) Noch Manches h9.tte sich beibringen lassen, was jedoch weniger 
bezeichnend scbien. Z. B. dass man im UnglUck schwer einen Freund 
findet (Dem. 214), ist gewiss keine femliegende Betrachtung; docb findet 
oe deb grade in den Theognidea mehr als einmal (697. 929). — Aus 
Hesiodos kdnnte etwa nocb angefohrt werden *!&. x. ^fi. 366 f. (naQ- 
loyrof lUodizi — x^^^^''^ dneoyxog) vgl. Dem. 52. 59. 60. 61 ; 361 f. (dass ^' 
aoch kleine Gabe nicbt zu verachten) vgl. Dem. 225. Beacbtung verdient 
anch das Citat einer ftsopiscben Fabel (fr. 59). 

17) Ausser den Kap. Ill Anm. 34 und 37 zu berdhrenden inhaltlichen 
Besiehungen zwiscben Herakleitos und Demokritos sei bemerkt: xiriyog 
Dem. 17, Her. Ill, Xeaxriysvea&ai D. 108, H. 126; fjiB^ova^ fjieyiatriy fioT^ay 
fiitix^iy D. 148. 160 (fjLol^ay Bx^iy aucb bei Tbeopbr. de sens., Doxogr. p. 
520, 2), Her. 101 und Anaxag. bei Simpl. in Ar. pbys. p. 164, 24 Diels; 
ftaXuna Twy ityvatay D. 203, wobl (og ayvatoy zu Jesen wie oft bei 
Melissoe, Anaxagoras, Diogenes v. ApoU.; vgl. femer die nachdrtlckliche 
EinfOhmng mit yiyioaxeiy XQ^ (oder /(ȣcoy) in dem etbiscben Fragm. 84 
vie in dem erkenntnisstbeoretischen (aus 77. i^smv) Sext. adv. dogm. VIl 
137 mit Anaxag. bei Simpl. 1. c. p. 156, 11. Beziehungen zu Protagoras 
•• Kap. Ill Anm. AJ^, Das Verb&ltniss des Demokritos zum alten Pytha- 
goreismns wird im 8. Kapitel zur Sprache kommen. 

5» 



68 II. Untersuchungen fiber die Eihik des Demokritos. 

Noch viel reichere Ausbeute aber liefert die Vergleichung 
der demokriteischen Moral mit der philosophischen Ethik der 
Folgezeit. Mit uberraschender Deutlichkeit lasst sich IhreFort- 
pflanzung, abgesehen von der eigentlichen Schule der »Demo- 
kriteer« oder »Abderiten«, die immerhin durch vier oder funf 
Generationen fortbestand, in vier maehtigen Stromen verfolgen : 
in Platon, den Kyrenaikern, Epikuros und der Skepsis. 

Freilich glaubte man grade hier Verdacht sehopfen zu 
mussen. Noch immer wirkt der Zweifel Valentin Roses ^®) nach, 
dessen Hauptargument gegen die Echtheit der ethischen Frag- 
mente eben dieses war '*) : die Fragmente zeigen entschiedene 
Ankiange an Platon, an Aristoteles, an die Pyrrhoneer — er 
hatte hinzusetzen soUen, an Epikuros, an die Kyrenaiker — 
uberdies aber, v^as am bedenklichsten scheinen musste, an die 
pseudhippokrateische und pseudopy thagoreische Litteratur ; also 
sind sie, wenn aueh schon in alter Zeit, aus alien diesen ver- 
schiedenartigen Quellen zusammengestoppelt. 

Indessen, was zun^chst die pythagoreischen Ankiange be- 
trifift, so hat die riehtige Antwort bereits Lortzing (p. 28) ge- 
geben. Die Falseher der pythagoreischen Schriften haben 
ebenso und nach gleicher Methode wie Platon audi Demokritos 
ausgepliindert ; hatte doch er so gut wie Platon Beziehimgen 



18) De Aristotelis librorum ordine et auctoritate p. 6 — 10 und 90. 
Vgl. E. Rohde, Verb. d. PhiloL-Vers. zu Trier 1879 p. 70" (dagegen 
H. Diels, PhiloL-Vers. Stettin 1880 p. 109*'). 

19) »Pby8io]ogica apud Aelianum et xayoveg a Sexto Empirico citati, 
etiam etbica multa vestigia Platonis legunt« (p. 9). Die Ueberein- 
stimmung zwiscben P8.-Hipparcbo8 bei Stob. fl. 108, 81 und dem Demo- 
kritosfragment ebenda 1,40 beweist ibm »nece8aitudinem quandam obscuram 
inter libros Pythagoreis et Democrito euppositos eosdemque anti- 
quissimos; regnat enim in utrisque Peripatetica ilia fistQioxris sive 
fietqiondd-Bia et quae huius est evdaifioyia* (p. 10). Ebenda: »Pyrrho- 
neorum quoque erga Democritum amor cum falsorum librorum scriptione 
coniunctus fuisse videturc . Ueber den Zusammenbang der pseudhippo- 
kratischen mit der paeudodemokriteiscben Litteratur p. 7. 



1. Kap. Die Ueberliefernng der Ethik des Demokritos. 69 

zu den Pythagoreern gehabt, also naturlich sie ausgeschrieben ^% 
Aber auch der sonst ganz thorichte Verfasser der auf Demo- 
kritos bezuglichen Correspondenz des Hippokrates hat es sich 
nicht entgehen lassen, Demokriteisches, so gut er es verstand, 
zu benutzen *^). Wie dadureh auf sonst unverdachtige Frag- 
mente, die er benutzt baben konnte, ein Makel fallen soUte, 
ist nicht einzusehen. 



20) Aoflser dem von Rose angefQhrtcn Fall (s. Anin. 19) liesse edch 
L B. die wGrtliche UebeFeinstimmung zwischen fr. 43 (vgl. 42) und Xq. en, 
11. 12 geltend machen. Doch wird wohl auch hier Niemand in Zweifel 
sein, wo das Original vorliegt. Dergleichen Parallelen beweisen gegen 
die Echtheit der Demokritgnomen ebensowenig wie etwa Sext. Pyth. 262 
^Elter Gnomica I p. XVIII) gegen fr. 163 oder Ciitarch. 3. 33 (ebenda 
p. XL. XLl) gegen fr. 168. Rose f&hrt f&r seine Ansicht besonders den 
flbereinsiimmenden Gebraoch des Wortes ox^yog ftir oKu^a bei Demokritos, 
in den ps.-hippokratischen und ps.-pythagoreischen Schriften an. Aber 
wenn die Urheber der letzteren fiberhaupt aus Demokritos schdpfben, 
weshalb soUen sie nicht auch diesen eigenthdmlichen Ausdruck von ihm 
geborgt haben? Entschieden w&re die Sache, wenn die physiologischen 
Fragmente bei Aelian sicher ecbt wS.ren, durch Nat. an. XII 17, wo sich 
das Wort in auch ubrigens gut demokriteischem Zusammenhange findet. 
Und wenigstens hat mich Eohde (1. c. 70 ') von der Unechtheit dieser 
Bruchstftcke nicht Qberzeugt; mit seinem Argument kdnnte man ebensogut 
beweisen, dass Aristoteles aus ge&lschten Schriften geschGpft habe. Be- 
achtung verdient aber auch das Vorkommen von axrjyog im pseudopla- 
toniachen Axiochos (366 in.), neben andern demokriteischen Anklangen 
(iv^fjuag 365b, yaXrivog ... ^og daaXevrto r^avxlq evdia^ofievog 370d, vgl. 
Ki^). Ill Anm. 30 ; trig avyxqicBtog diaXv^eiarig 365 e vgl. fr. 92 und Doxogr. 
390 a 17). Anders zu beurtheilen ist das Vorkommen demokriteischer Be- 
griffe bei den Pythagoreern des Aristoxenos (wordber im 8. Eap.); hier 
liegt keine FUlschun}? vor, sondern wir haben den Pythagoreismus des 
4. Jahrhunderts zu erkennen, der aber schon durch Demokritos wie durch 
Platon beeinflnast ist. Pythagoreische Sentenzen unter dem Namen des 
Demokritoe finden sich dagegen unzweifelhaft in der sp&teren Gnomo- 
logieniitteratur (so im Paris. 1168, s. o. 8. 60); das begreift sich bei einer 
lynkretistiBchen Verquickung, wie sie in typischer Weise das Gnomol. 
DEJ zeigt, beweist aber nichts gegen Stobaios, Demokrates und sSmmt- 
liche &ltere Quellen. 

21) Wie Hirzel, Hermes XIV 358 ff. gezeigt hat. (Einiges dahin 
GehOrige im dritten Eapitel). 



70 II. Uniersuchungen tiber die Ethik des Demokritos. 

Wie es sich aber mit den sonstigen Ankl&ngen yerhalt, das 
eben wird einen Hauptgegenstand unserer Untersuchimg bilden. 
Durchaus sicher bezeugt ist doch die Anlehnung des Epikuros 
wie der Skeptiker an Demokritos; zeigen also beide auflBllige 
Uebereinstimmungen mit der Ethik des Demokritos, wie sie in 
den erhaltenen Fragmenten sich darstellt, so hat man zu 
sehliessen, nicht, dass diese nach epikureisehen und skeptisehen 
Vorlagen zureehtgemacht sind, sondern dass Epikureer wie 
Skeptiker aus keiner andem als dieser auch uns vorliegenden 
Ethik des Demokritos geschopft haben. Die gleiche Moglichkeit 
besteht aber fur die Kyrenaiker, fur Platon, fur Aristoteles; 
und ein genialer Falscher in der That musste es gewesen sein, 
der z. B. Platon mit Epikuros und Timon harmonisch zu ver- 
einigen wusste, um uns daraus einen Demokritos zu dichten, 
wie wir ihn kennen lernen werden. Die einzige Vergleichung 
mit Epikuros geiiugt, jeden derartigen Verdacht auszu- 
sehliessen. Sie macht evident, dass Epikuros in der Ethik in 
ahnliehem Umfang und auf ahnliche Weise wie an- 
erkanntermassen in der Physik und Kanonik von 
Demokritos abhSngig ist; dass er einfach — wie in andrer 
Weise die Skeptiker — die Tradition, wenn auch mit charak- 
teristisehen Abweiehungen, fortsetzt, die sich, laut dem Berichte 
des Clemens, bis auf seine Zeit in der Schule des Demokritos, 
aus der er selbst hervorging, erhalten hatte. Der machtige 
Einfluss des Epikureismus erklart zugleich die Beachtung, die 
Demokritos, grade als Ethiker, etwa seit Giceros Zeit auch bei 
den R5mem fand, sodass (wie Hirzel 397 ff. nachweist) neben 
Cicero und Seneca auch Horatius und Juvenalis ihn im Munde 
fuhren und als Jedermann bekannt voraussetzen. Steht aber 
auf diesem Wege die Echtheit der Hauptmasse der uberlieferten 
Fragmente bereits unumstosslich fest, so bleibt fur die kaum 
minder tiefen Beruhrungen mit den Skeptikern, den Kyrenaikern 
und Platon schon gar keine andere Erklarung ubrig, als dass 
eben auch sie, jeder in seiner eigenthiimlichen Richtimg, an 
Demokritos angeknupft haben. Fur die beiden Ersteren wird 



1. Kap. Die UeberHeferung der Ethik des Demokritos. 71 

das wohl auch heute Jeder einzur&umen geneigt sein; von 
Platon aber soli bewiesen werden, dass er nicht nur in wesent- 
lichen Punkien seiner Ethik sich auf Derookritos gestutzt, son- 
dem ihn ausdrucklich, wiewohl nach seiner Weise ohne Namen- 
nennung, als Vorg&nger kenntlich gemacht hat. 

Als letztes, fur Manchen vielleicht schwerwiegendstes Be- 
denken bleibt ubrig, dass Aristoteles von einer Ethik des 
Demokritos uberhaupt nichts zu wissen scheint ; wahrend andrer- 
seits Uebereinstimmungen zwischen der als demokriteisch uber- 
lieferten und der aristotelischen Ethik, wenn auch sp&rlich 
genog, nachzuweisen sind. Doch l^isst jenes Schweigen eine 
einfache Erkldrmig zu. Demokritos Ethik schien dem Aristoteles, 
wegen ihres auch von Cicero (naturlich nach alten Mustem) 
genigten unsystematischen Gharakters, in einer Untersuchung, 
die auf Systematik Anspruch erhebt, keiner besonderen Beachtung 
werth; wc^egen Platon den Mangel technischer Ausfuhrung 
zwar auch empfindet und ausdrucklich bemerkt, aber die leitende 
Gesinnung im hdchsten Maasse anerkennt und mit ihr aus 
voUem Herzen sympathisirt. 1st das die Lage, so werden wir 
uns nicht einmal sehr verwundem, wenn Aristoteles, trotz 
seiner scheinbaren Unbekanntschall mit der demokriteischen 
Ethik, ihre Einwirkung dennoch, wiewohl in ungleich schwa- 
eheren Spuren als Platon, verrath. 

Somit verwandelt sich die vielfaltige Uebereinstimmung der 
Ethik des Demokritos, wie sie in den erhaltenen Berichten und 
Fragmenten vorliegt, mit spateren Gestaltungen der philoso- 
phischen Ethik der Griechen aus einem Verdachtgrund, zu dem 
sie Rose gestempelt, in eine sehr sichere und umfassende Be- 
statigung der Echtheit der Ueberlieferung. Der Verfolgung 
dieses Weges ist der grossere Theil gegenwartiger Untersuchung 
(Kap. 4—8) gewidmet. Hier war in der That fast AUes noch 
zu thun. Was z. B. Hirzel (Unters.) zur Vergleichung der epi- 
kureischen wie der skeptischen mit der demokriteischen Ethik 
beigebracht hat, ist, wie sehr auch als erster Hinweis schfttzbar, 
doch theils der Berichtigung bedurftig, theils zu unserem Zweck 



72 11. Untersuchungen uber die Ethik des Demokritos. 

bei weitera nicht ausreichend. DieserTheil derAufgabe konnte, 
was zunachst Epikuros betrifltt, auf der durch Usener geschaflfenen 
breiten Grundlage mit ganz anderer Sicherheit des Erfolgs in 
Angriflf genommen werden; und noch wahrend derAusarbeitung 
hat ein glucklicher Zufall neue uberraschende Bestatigungen zu 
Tage gefordert durch die Steinschrift von Oinoanda, welche 
den Epikureismus, grade was die Ethik betriflft, in noch etwas 
engerem Anschluss an Demokritos zeigt, als man bis dahin 
anzunehmen berechtigt war. Aber auch fiir die Beurtheilung 
des Verhaltnisses der ^j^^ischen zur demokriteischen Moral 
liegt bei Sextus reichlicheres Material vor als man bisher her- 
angezogen hat. Fast noch gar nicht beachtet waren die demo- 
kriteischen Zuge der kyrenaischen Ethik; die Vergleichung mit 
Platon endlich liefert unverhofift reichen Ertrag ; die Klarstellung 
seines Verhaltnisses zu Demokritos in der Ethik mag wohl 
als das lohnendste Ergebniss dieser Untersuchung angesehen 
werden. 

Erweisen sich somit alle Bedenken, die man von Seiten 
des Inhalts gegen die Echtheit der uberlieferten Fragmente 
hegen konnte, als hinfallig, so bleibt noch iibrig, auch deren 
Sprache und stilistische Form zu Rathe zu ziehen. 

Hier kommt an erster Stelle der Dialekt in Frage. Er 
ist oben (S. 29 flf.) einer genauen Prufung unterzogen worden. 
Die Ueberlieferung hat sich auch in dieser Hinsicht im ganzen 
vertrauenswerth erwiesen; die Entstellung des Dialekts in den 
Demokritgnomen geht nicht so weit wie in den Handschriften 
des Herodotos oder gar in den Hippocratea. Die urspriing- 
lichen Sammler sind auch in dieser Beziehung vergleichsweise 
sorgfattig verfahren. 

hi Betreflf des Wortschatzes sind einige Beobachtungen 
oben mitgetheilt worden ; Andres, namentlich Terminologisches, 
wird im dritten Kapitel zu beriihren sein. Zu weiterer Unter- 
suchung bietet das vollstandige Wortregister die bequeme 
Grundlage. 



1. Kap. Die Ueberlieferung der Ethik des Demokritos. 73 

Nicht zu unterschatzen endlich ist die Hulfe, welche die 
Stilanalyse fur die Erkenntniss desUrsprungs von Sentenzen, 
die durch die Sammlungen des spateren Alterthums uberliefert 
sind, verspricht**). Sie liefert auch fur Demokritos belangreiche 
Resultate. Nicht bloss ergibt sich, dass zwischen »Demokrates< 
und Slobaios ein Unterschied in dieser Beziehung so wenig 
wie hinsichilich des Dialekts und des Worlschatzes zu erkennen 
ist, sondem ganz allgemein, dass sich Demokritos, wenn irgend 
die erhaltenen Gnomen auf seine eigene Schreibart einen 
Schluss gestatten, durch weg nur der einfachsten und natur- 
lichsten Formen bedient hat, in denen die ethische Reflexion 
sich zu alien Zeiten ausgesprochen hat. Diese einfachen Grund- 
formen — bloss thatsaehliche Beobachtung, Werthurtheil , sei 
es uber die so und so handelnde Person oder, abstracter und 
objecliver, uber die Sache (Handlungsweise oder Gharakter- 
eigenschaft), viel seltener directe Paranese — wiederholen sich 
im ganzen gleichartig, ja, wie ich meine, mit deutlichem Stil- 
bewusstsein, aber niemals doch in jener starren, mechanischen 
Art, die in den Spruchsammlungen spMer Erflndung (z. B. den 
falschen Epictetea) die kunstliche Mache dem Aufmerksamen 
sofort verrSth; vielmehr in freier Beweglichkeit schmiegen sie 
sich dem Gedanken an und umschliessen ihn fest und sicher, 
ohne ihn zu beengen. Dabei fehlt es auch nicht an eigen- 
artigen Zugen, die, ohne sich vorzudrangen oder zur starren 
Manier auszuarten, doch dem Ganzen ein mehr individuelles 
Geprage geben. Die kunstlicheren Arten der Antithese und 
des Vergleichs kommen nicht vor, bis vielleicht auf eine einzige, 
eben dadurch verdachtige Sentenz. 

Einige hierher gehorige Beobachtungen sind — um die 
mit dem dritten Kapitel beginnende Sachuntersuchung nicht zu 
unterbrechen — im nachstfolgenden zusammengetragen. Wurde 
darauf allein sich ein positiver Schluss bezuglich der Echtheit 



22) Vgl. z. B. Schenkl, Sitz.-Ber. d. Wiener Akad. CXV 449 «F. und 
bes. Elter, Gnomica II. 



74 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

der Fragmente freilich nicht stutzen lassen, so bestatigt sich 
doch auch von dieser Seite ihr durchweg gleichartiger Gharakter; 
uberdies lasst sich in einer Reihe von Zugen eine Verwandt- 
schaft mit den erkenntnisstheoretischen Fragmenten des 
Demokritos nicht verkennen. Und so tragi denn auch diese 
Analyse an ihrem bescheidenen Theile zum Echtheitsbeweise 
bei, dessen wesenlliche Grundlage naturlich die sachlich-histori- 
sche Untersuchung bildet. 



Zweites Kapitel. 
Ueber die Form der Demokritgnomen. 



Eine allgemeine Einlheilung der vorkommenden Formen 
isl oben gegeben worden; um aber dem Stilcharakter dieser 
Gnomen vollig gerecht zu werden, bedarf es einer feineren 
Gliederung. 

I A. Die rein objective Reflexion, ohne ausgespro- 
chenesWerthurtheil oder praktische Nutzanwendung, knupftsich 
mit bemerkenswerther Vorliebe an den Begriflf des »Menschen<. 
Dabei ware es zu eng, bloss von thatsachlicher Beobachtung zu 
reden; meist liegt vielmehr schon darin die Erhebung zum 
Allgemeinen, Grunds^tzlichen. Die Allgemeinheit des Begriflfs 
>Mensch< beforderte oflFenbar den Fortschritt von der Beob- 
achtung zur Theorie. Gerade einige der Satze, die am meisten 
principiellen Charakter tragen, gehen von der Betrachtung des 
Menschendaseins aus. Und dieser Zug verdient um so mehr 
Beachtung, da sich in den erkenntnisstheoretischen Fragraenten 
dieselbe Eigenthumlichkeit zeigt (Sext. adv. dogm. I 136. 137 : 
yir(icx€i%* x^ avx^Qmnov Sti hsfjg dnrjiXaxtaij und vorher 
^>«»f, vgl. daruber Philol. L 276). 

1. Worin besteht des »Menschen« Heil? — i^^Av^Qw- 
TTOici naai ravsi dyccx^ov ... 7 ''Agtatov dv&Qdinat ... 
15 OvT€ iffifjuxifiv ov%€ xQrifiaaiv eiiaipLoviovaw avx^gtonoi ... 
17 Ktrjriuiv fikv evyevit] ... dvx^Qwnaov dk ... 18 !4v^^oi- 
noiq aQfioSiov ... 52 *A%'\^Qwnoiai ydq sv&viuUt] ylvctat ... 
Leicht erkennt man, wie alle sechs Spruche mit dem Grund- 
begrifif {ev^vpUrj als dya&or der Seele) zusammenhangen ; auch, 
wie von dem Begrifif »Mensch< aus die Dichotomic Leib — 
Seele nahelag. 



76 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

2. Dass »der Mensch« selber schuld ist an alien oder den 
meisten Uebeln, uber die er sich beklagt, fuhren die zusammen- 
gehorigen Bruchstucke 24—27 aus: 24 Ot v^sol roTg dv^gd- 
not a I iiiovai . . . avS-gciTtoKn itoQ^ovrai ... avrol Toiffietfiv 
ifineXd^ovai ..., 25 ^AvS-gcinoiai xaxd e^ dya&(Sv (pverai 
..., 26 '-4y* (ov fjfiTv rdya&d yCvstai ...; etwas allgemeiner 

3. Diesen Spruehen steht nahe die oftere Beobachtung 
des mensehlichen Unverstands, die sich doch nicht als Klage 
oder Anklage ausspricht: 21 Yyi€ir]v €vxfj(fi nagd ^scSv aivs- 
ovvai avS-Qfonoi ... avvol ngoiorai . . ylvovtai (ahnlich 
wie 24). Auf ahnliche Weise wiirde wohl 23 zu reeonstruiren 
sein : »die Menschen* achten auf Wetterzeichen, aber nicht . . . 
Ferner 92 "Evioi ... av&Qconoi. Pie gleiche Beobachtung 
uber das »raenschliche Leben« spricht fr. 84 aus, wo der Nach- 
satz (mit oxmg^ wie ahnlich 52) die Nutzanwendung enthalt. 
Hierher gehort krner 29 'Av&Qconoi tvxV^ sTdcoXov inXdaavTo 
ngofpaaiv iiirjg dyvoirjg, 

4. Zwischen Tadel und reiner Beobachtung steht in der 
Mitte 85 SvofiEvoi av&gconoi fjdovTai ...; kein Tadel liegt 
in 165 ^vyyirwaxsax^ai 6i Tot^g dv-d-gdnovg ovx evnsT^g^ 
166 Tmv T'fiagTTjfji^rwv avd-gionoi, fiefiv^azaij 178 ^Av&gd- 
no I a I T€ov dvayxai'cov doxeT sfvat naldag xxiflatSy^-ai — auch 
wenn man das ov doxtX fioi fr. 180 vgl. 181 als Gegensatz dazu 
aulTasst. 

B. Dieselbe objective Haltung bewahren folgende Spriiche, 
die, sonst den vorigen in jeder Beziehung gleichartig, nur nicht 
gerade vom »Menschen« sprechen, sondern etwa 

1. — ahnlich wie 92 ivioi avS-gcoTtot — von dem was 
»Manche« oder »Viele« thun. Und zwar liegt deutlich Tadel 
in 169 '25 r* 04 noXimv iihv isano^ovai ... 215 lSxvgsno%^ai 
noXXoi rovg (piXovg ...; mehr rein beobachtend sind 210 
UoXXol Soxsovreg eivai g^fXoi ovx eiai ..., 122 UoXXol ... 
TToXXol dh ...5 190 TIoXXol noXvfiad-eeg roov ovx ^x^^^h "^ol- 
lends 193 HXioveg s^ daxrjaiog dya&ol yivovrai ij dno ^vciog. 



2. Kap. Ueber die Form d^r Demokntgnomen. 77 

2. Directer kommt Lob und Tadel, trotz der formell bei- 
behallenen Weise der blossen Beobachtung zuni Ausdruck in 
einer entsprechend qualificirenden Bezeichnung des Subjects, 
wie 119 o dya&og^ 162 ot tpXavQoi, 151 ol xaxoi, ahnlich 186 
« §vg>vs€g TTQog avrd, 33 oi rwv TouSvde Sarjfioveg. Dahin ge- 
horen auch die nicht weniger als acht Sentenzen, die alle 
gleicbartig mlt 'Avoijfiorsg beginnen (33. 60. 93—98), sammtlieh 
nicht direct beurtheilend : Unvernunftig ist, wer so handelt, 
sondern in der objectiveren Weise des Ausdrucks : Unverniinftige 
handeln so. 

Einfache Beobachtungen uber besondere Lebensverhaltnisse 
sprechen ausserdem aus: 185. 172. 174. Dahin mag man auch 
175 rechnen, einen Spruch, dessen Sinn nicht recht klar 
und dessen Echtheit wohl nicht unanfechtbar ist; sowie 204, 
wo der Nachsatz mit ovr^ wie 52, ahnlich auch 68, die Nutz- 
anwendung gibt. 

IL Den Charakter objectiver Beobachtung bewahrt auch 
eine zweile Sentenzenreihe , von der allgemeinen Form: >wer 
so handelt, der u. s. f.c oder dem Shnlich. Der grammatischen 
Structur nach findet sich: 

1. Relativsatz: og (47, 2. Halfte) otetp (209.216) oaoi (53) 
oiW (14. 220). 

2. Participium, in der Kegel mit Artikel : o 8. 47. 48. 82. 
108. 113. 145. 148. 208. ror elgy flavor, rdv rjfji^vov 44; ohne 
Artikel 197. 202; 27 {Si^r]fAevoi<n). 165 (a>fAfionr#, ddixio%^i); 
mil xlg 44. 

3. Adjectivum: 6 xQrjfJtdT(ov fjiraav 73, ot fftXofASfjKfesg^il, 
Oi ^tiSfoXol 80, oi d^vvsToi 31, v7}7Tioi<nv 32. 

4: €1 c. opt. (55 vgl. 7. 165), ^r (69. 188, vgl. 202), im]v 
(25), Srav (146 '), vgl. 47, letztes SStzchen). 

Der Tendenz nach sind lobend nur die vier Spruche 14. 
69. 146. 148 (vgl. 44 Schl.), gegen zwanzig von tadelndem Sinn 



1) Beach tung verdient dabei die freie Corresponsion oray — iy 
Tovri|i, wie &hnlich 53 ocoi — cV roTtn nSaiy (neutr.). 



78 II. Untersuchungen Ober die Ethik des Demokritos. 

(31. 32. 48. 53. 55. 73. 80. 82. 108. 113. 116. 145. 188. 197. 
202. 208. 209. 216. 217. 220); ein driUer Fall ist der der ver- 
gleichenden Gegenuberstellung (8. 47; cf. 44. 157). 

Der Nachsalz weist eigentlich stets, mehr oder minder 
direct, auf die Folgen einer solchen Handlungsweise oder 
Gharaklereigenschaft ; nur darin liegl dann indirect die Partei- 
nahme, deren directer Ausdruck vermieden ist. Dem aus- 
drucklichen Werthurtheil (Tit. Ill) nahert sich 216 {SvifrgoTiog), 
und noch mehr 148 (ahnl. 160), sowie 44 Schl. ; etwa liessen 
aurh 158. 161 {d^mog 6 xteivwv) sich hierher stellen. 

in. Directes Werthurtheil und zwar in person- 
licher Form. Das Subject bildet am haufigsten ein Parti- 
cipium mit Artikel (im Sing. 39. 61. 63. 71. 226, im Plur. 123. 
213; ohne Art. 44), dreimal.(63. 206. 213) ein Adjectivum mit 
Artikel, einmal (41) ein Relativsatz {oaoig), also ganz wie bei 
II; allein steht 40 i^ wv (jenachdem). Das werthschatzende 
Pradicat steht fast stets voran. Es besteht 

A. im Nom. (Sing, oder Plur.) eines Adjectivum. 

1. Einfachster Fall : (lobend) 61 EvyvcifAwv o . . . , 71 Ev- 
TVxrjQ o ..., 41 Movvoi d^eofpiX^eq ocroeg..., 206 Fsgrnv €vx^Q*9 
d ...; (tadelnd) 123 KifiirjXoi xal dyad^otpavdeg ol ,..; (ver- 
gleichend) 44 Kgeaacav .. ^avetrai .. xQdfAsvoq ... rinsg ... 

2. Folgenden fiinf Beispielen ist gemeinsam die adversative 
Fassung : »nicht wer . . sondern wer . . .« : 63 'Avigiqioq ovx o 
. . . /iiovvov dild xal o . . . , 226 xaqiarixdg ovx <> • • • diX o . . ., 
213 dXXoi ov ndvtsq ol ... diX ol ..., 40 Joxifiog dvrJQ xal 
ddoxifxog ovx e^ (ov ngijfriTei fiovvov dXXd xal i^ av fiovlcrat, 
39 'Ex^Qfk ovx o ... fjLovvov dXXd xal 6 ... 

B. Den Uebergang zur sachlichen Form des Werthurtheils 
macht die verhaltnissmassig haufige Abart des personlichen 
Urtheils, wo statt des Ausdrucks »Wer gut etc. ist, handelt so 
und so« (I B 2) oder »Wer so handelt, ist gut« (III A) oder »So 
zu handeln ist gut« (IV A) die Wendung gebraucht wird »So 
zu handeln ist Sac he des Guten«. Das Subject bildet in 
diesem Falle stets ein Infinitiv mit oder ohne Artikel. 



2. Eap. Ueber die Form der Demokritgnomen. 79 

1. Einfachste Art: Genetiv des personlichen Adjeclivum 
Oder Substantivum. 83 TlBvir^v dnuix^iog (pigsit* atotpgovsoYToq. 
88 dvigoq ik %6 xgareTv cvkoyitf^ov. 62 Uaiidg ovx 
dvigog to d/jurgwg eni&vfAstv. 106 .. xifidtjXov xai ana" 
fimrog. 

2. An die Stelle eines derartigen personlichen Ausdnicks 
kann ohne Aenderung des Sinns auch das Abstractum der 
Eigenschaft treten: 153 0govrj(nog igyov ... dvaXyrjairjg 
ik .., 37 Oeiov vov to ... 115 ixoTcgov di novr]gov 
uvog ffx^tog, 

Der Construction nach gleichartig, aber dem Sinn nach 
abweicbend sind 81 {yivtiaxfiv Sh dya&ov) und 210 adn. (orogor 
ovv TO Staywwaxfiv ixaifTov) : >ist Sache« des Tuchtigen, Klugen, 
d. h. erfordert einen solchen. 

IV. Werthurtheil in saehlicher Form; das Beur- 
theilte im Infinitiv mit oder obne Artikel. Pradicat: 

A. Neutrum eines Adjectivum; dem Fall III A ahnlich 
auch in der wenigstens uberwiegenden Voranstellung des PvSl- 
dicats. 

Lobend: SSi^AyaxP'or), 154(xaJlor). i8 (^Avd^ganoig dgfioiiov), 
90 {Meya). 106 (xakov nachgestellt). 141 {xoafuov, ebenso). Vgl. 
166 xai ydg dixaiov ovtrng^ wo ein Infinitiv zu erganzen. 

Tadebid: 165 {Totg xgrjaTotaiv ov ^vfiipegav). 143. 195 
(XaX^ndv), 164 (Alaxgor). 

Vergleichend : 74 (XgrifAova nogC^civ fih' ovx dxgijiov^ i^ 
diutirig ik ndvx^v xdxiov). Wl (B^Xtiavy 114. 144. 101 (i^p^crcror). 

Der Form nach vergleichbar, aber nicht mehr Werthurtheil 
zu nennen, ist 115 (§r){iiov). 88 (xcclenov). 2li{€V7Togov — ndr- 
TM1' dnogwrarot'). 142 {0vC€i t6 agx^iv oixijiov rm xgs'aaovi). 

B. An Stelle des adjectivischen PrSdicats tritt ein Sub- 
stantivum abstractum (ahnlich dem Fall III B 2) : 218 (Meya' 
Xo^vxiti to g>igs$v ngi^itog nXrjfAfAeltirjr). 87 {Jixaiog igtog). 
156 {JCxfj pLiv ia%w ... dSixCri ik). 91 (UXoyiatrf]). 110 {nXco- 
vf^frj). 170 {vfigig rj eaxdrij), — Eigenthumlich 158: ngag 
kvhctovv tovjo igiuv fiaXXor ij /i/;. 



80 II. Untersuchungen 0ber die Ethik des Demokritos. 

V. In einer grossen Zahl von Sentenzen streift das Urtheil 
den Charakter des Personlichen noch mehr ab, indem der 
Gegenstand des Urtheils abstract — in der Regel durch Sub- 
stantivum abstract um, seltner vertreten durch Neutrum 
eines Adjectivum oder Infinitiv niit Artikel — ausgedruckt, also 
nicht der so handelnde Mensch oder sein Thun, sondern die all- 
gemeine Handlungsweise oder Eigenschaft ihrem Werthe nach 
geschatzt oder, noch objectiver, wie in II, nach ihren Folgen 
erwogen wird. Die vorwaltende Neigung zur Erhebung ins All- 
gemeine und Abstracte, die schon in dem ungewohnlichen 
Reichthum an abstracten Substantiven sich verrath, 
ist eines der wesentlichsten Merkmale der ethischen Reflexion des 
Demokritos, und gewiss auch nicht ohne sachliches Interesse : die 
dadurch vorzuglich erreichte objective Hallung kennzeichnet die 
wissenschaftliche , nicht bloss popular -paranetische Absicht. 
Ziemlich wechselnd ist dabei die Art des Urtheils; neben dem 
eigentlichen Werthurtheil (in der folgendenZusammenstellungmit 
W. bezeichnet) ist am haufigsten der Hinweis auf die Folgen^) 
(F.), wie in 11; nicht selten verkniipft sich beides, indem dem 
Werthurtheil die Begriindung durch Hinweis auf die Folgen 
hinzugefiigt isl (W. + F.); daneben begegnet auch der rein 
thatsachliche Ausspruch, der hochstens nur indirect einePartei- 
nahme einschliesst. Doch lasst sich im allgemeinen die be- 
wahrte Eintheilung festhalten: 

Lob: 34 {2o(pir] a&afifiog d^irj ndvtfov. W.) 35 (Tipiot* 
oXiyrj aoffiTj vnhq So^av dfpgoavvrjg (leydXrjV. W.) 36 {At fieydlat 
T€gifji€g dno tov x^eciad'ai rd xald %wv ^gywv. F.) 183 (W.) 
205 ( W.) 56 (F.) 199 (F.) 66 {Ssmsirj fiiov ainccQxslrjv Siddaxsi, 
das Lob der avragxeir] liegt im begriindenden Nachsatz) 67 (F.) 
127 (F.) 126 {ToXfia ngtjSiog dgxt^ rein thatsachlich ausge- 
sprochen, doch im Sinne der Empfehlung) 212 (F.) 136 {Und 
oiioYoCrig %d fisydXa igya. F., ahnlich 36) 221 adn. (F.) 225 (W.) 

2) Oefter ausgedruckt durch noiet (212, noievai 70) oder i^yci^etai 
(222), TixT6i (198, iLxTovatv 54) oder yBtf^r^ (100), g)iqBt (76) oder xixxYitai 
(75. 182. 222). 



2. Eap. Ueber die Form der Demokritgnomen. 81 

104 (F.) 171 (W.) 99 (W.). — Eingeschranktes Lob 81 {Q^eiid 
toi nal hiioq xQrja%rj iv xaigw.W.) HI (Shnlich, W.); etwas 
anders 149 (F.) und die drei Spriiche uber novog (130. 131. 
132). 

Tadel, bedingt: 16 {Scifjuxrog xdXXog ^tpwdsgj si fiij vovg 
^€(f}. W.) 70 (ahnlich; W. + F.) 54 (^Hdovai axai^oi F.) 
58 {ffg>odQal og^^icc F,); 103 CAloyot twv d^vv4%fov al 
tbrUeg W.) 78 (Jo^a xal nXovTog a%'€V l^vv^aiog mix da^' 
Ua xwfjfuna) 75 (BXovTog and xaxijg igyaairjg F.); ins 
unbedingt verwerfende Urtheil gehen uber 76. 77 (F.); un- 
bedingt tadelnd sind 28 (F.) 125 {To ahl niXksiv var. ixUkov 
= ij iiiJiXriCig. F.) 59 (F.) 100 (F.) 222 (F.) 221 (W. + F.) 
137 (W.) 138 (W. + F.) 135 (W. + F.) 86 {SmovaCri 
inonXri^Cri {ffux^j^ den tadelnden Sinn des ubrigens rein 
thatsachlichen Ausspruchs bestatigl Clem. z. d. St.: voaov 
dviatov rffWfAsvog) 182 (W. + F.) 194 (F.) 198 (W. + F.) 
200 (W.) 128 (Sinn: der Tagschlaf ist verwerflich als Zeichen 
von TrSgheit oder Unbildung, soweit nicht entschuldigt durch 
...) 229 (Werthurtheil in Gestalt eines Vergleichs) 207 (Werth- 
urlheil, begrundet durch thatsSchliche Beobachtung). 

Vergleichende Gegenubersteliung: 68 {Usvlr} nXovrog ovo- 
luna h^isirjg xal xogov* ovte ovv nXovaiog 6 ividmv ovtb 
nirf)g 6 ftrj hd^wr) 124 (ahnlich mit ovts — oirc, ubrigens 
rein thats&chlich urtheilend) 51 {KaXov iv nam to laov [= tj 
icdtrjgl, ^^fQfioXr} Si xal fiUci^K ov fwi ioxst. W.) 46 (JCxqg 
xviog ... dSmrjg Si . .. F.) 79 (XQfjfuivwt' XQ^^^ f«^^ ^'^^^ f^'^' 
... Jvv dvoifj di .. F.) 102 (ahnlich; F.); durch Gomparativ: 
201. 211. 147 (sammtlich Werthurtheile). 

Anfugen lassen sich dieser Klasse wohl auch die beiden 
Spriiche uber tegtpig und dTsgniTj (1. 2) nebst 57, alle drei 
rein thatsachlichen bez. grundsatzlichen Charakters. 

VI. Kleidet sich so das sittliche Urtheil, das seiner Natur 
nach stets personlich ist, in eine moglichst unpers5nliche , ab- 
slracte Gestalt, so verrSth sich andrerseits eine starke Neigung, 
das Abstracte durch Personification wieder concret zu 

6 



82 II. Untersuchungpen uber die Ethik des Demokritos. 

machen; dadurch wird, ohne ESnbusse an der gewonnenen 
Begriffssch&rfe , doch zugleich die sinnliche Lebendigkeit des 
Ausdrueks wieder erreicht. 

Auch dieses einfache Kunstmitlel abstracter Darstellung 
theilen die ethischen Fragmente des Demokritos mit den er- 
kenntnisstheoretischen , die sich fast durchweg in Personifica- 
tionen bewegen. So raussen in dem lateinisch uberlieferten 
Fragment aus Galens Dialog gegen die Empiriker (vgl. Forsch. 
190 flF.) die Sinne redend auftreten, um die falschen Anspruche 
des Verstandes zuruckzuweisen : misera mens, quae, cum a 
nobis fidem assumpseris, nos deiicis, at cimi nos deiicis, tu ipsa 
cadis! So bei Sext. 1. c. 136: h* rf^ Toig KgarvvTr^ffioig, xain^Q 
vnsaxTjfJi^vog raZg ala&TJffsai t6 xgdrog vijg nCatsiog dva&eirai, 
wihv rjTTov €VQiax€Tai Tovtdov xatttiixdJ^fov y ebenda 138 f. 
yttjair], <rxoTirj yvaifxi] (d. i. Bastarderkenntniss, s. Arch. f. Gesch. 
d. Philos. I 355), dnoxsxQVfifi^rt] Sue %av%rfi^ otav tj axoziij 
firjxiri ivvfjrm ogav x, t. X. 

Dieselbe Vorliebe fur die Personification zeigt sich denn 
auch in den Ethika. So schon, wenn von seelischen Eigen- 
schaften ein zixrciv oder yevrdv ausgesagt (s. S. 80 Anm. 2), wenn, 
in einem freilich sehr gelaufigen Bilde , vom Kampf gegen den 
Zorn und Sieg uber ihn (88), andrerseits vom herrenlosen 
Schmerz (89), von dixrig xvdog (46), 66^n d(pQfKrvtnr^g (Ruhm 
der Unvernunft, statt: des Unvernunfligen, 35) geredet, wenn 
Vernunft oder ubler Ausgang (32) , die Zeit oder Naturanlage 
und Erziehung (185) zum Lehrmeister gemacht, die Begier dem 
Hunde in der Ssopischen Fabel verglichen (59), oder von der 
fpiXovsixir} (221) gesagt wird : xd ydg xard tov dvafisviog fiXafiegov 
x^ecdQsvca TO liiov ^vfifp^gov ov ^Xensi, So treten sich 
Leib und Seele wie selbstandige Personen gegeniiber: lernten 
wir oben einen Rechtsstreit zwischen Sinnen und Verstand 
kennen, so begegnet uns hier (22) ein formlicher Process (iux- 
SixaaCa) des Leibes gegen die Seele {fiddtog av xataxpritpiaaa&m, 
wie oben xceraSixd^wv) ; femer 19 (ov to (rxfjrog XQV^^^ ••• 
ovx tiuLslgst ai to axrjvog dXX' tj rf^g yvoifirjg xaxorj&{r], 20 to 



2. Eap. Ueber die Form der Demokritgnomen. 83 

XqSjov (sc. awfjux) olSev oxoaov XQIJ^^h 5i(^fvxcii) evata&^sgj 
(vxhffiOij 43 TovTot* vofAov Tij tpvxfj xa&iardvaif 58 {og^^icg) 
fvflovci Tifjv tpvxfjv (wie 24 vov TvtpioTtjra) , 168 tpvxfg 
dya^Hjg natglg 6 ^vfinag xoiffiog. So femer aog)ir} a&af^ifiog 34, 
if/fQucrj — ao^£f] (neben acSfAa — tpvxi^) 50, y^tofitjg ^dgaog 
Mai dx^afifitt] 46 (wie 19 yroi/iiy^ xaxotj&irj), xigiea %i^g Tvxrfi — 
f ?*( co^irfg 33 ; tv^i; g6gen yvf6(ir}y ipQovriaig^ ed^vverog o^dsgxft] 
39. 30, Tfjg tvxng ^mfiaU,ovatjg 163, rd Trjg nvxq^ 220, rvx^i 
gegen roX^ 126, gegen aiOfpQoamtj 65 (^nlich a^Tagxeit] per- 
sonificirt 67), gegen yt'cr*^ 64; (pvatg — diiaxr} 187 (ahnlich 
185), fui&rjaig — dfiad^d^ 189. So >wohnt« eviaifAovir) nicht 
in Harden oder Gold (10) , sondem ist die Seele »Wohnsitz« 
des Daimon (11). So wird das Gesetz personificirt 139. 140 
?gl. 159, u. a. m. 

Aehnliche bildliche Veranschaulichung (doch ohne Personi- 
fication): 49 (des Menschen Inneres eine Schatzkammer von 
Uebein) 105 {loyag igyov axirj) ill (die Sklaven den Glied- 
massen verglichen) 176 (v6<fog olxov xal fi(ov) 184 {Tetxog neg^ 
fiai^Cx^ai Totg voijfjuxift) 80 (das Loos des Geizigen gleich dem 
der Biene) 229 (ein Leben ohne Feste eine lange Reise ohne 
Einkehr). Fast episch muthet an der ausgefuhrte Vergleich 
Tom Schwerttanz 202. Dagegen erscheint mir sehr aus der 
Art unseres Autors das schief durchgefuhrte Gleichniss 72; 
man wftre dankbar fur den Nachweis, woher der Spruch stammt 
und wie er unter die demokriteischen gerathen ist, jedenfalls 
steht er unter diesen als Fremdling da. 

Vn. S&mmtlichen bisher betrachteteiTFormeg-.gemeinsam 
ist der Gharakter der objectiven, mehr oder mincer unperson- 
lich gehaltenen Reflexion, ohne (wenigs^ns ausgesproehene) 
Nutzanwendung. Dagegen tritt sebr'^iuruck die eigentliche 
Parftnese. 

In einem Falle nun ist ^^finigstens der imperative Ausdruck 
der sittlichen Ermahnung^ erweislich nicht ursprunglieh ; den 
Satz 163: Tdv sixhJiuXcxHx^ fiiiJiot'Ta xg^j AI17 noXXd ngrjafxetv 
(so Stob.) cilirt M. Aurelius in Befehlsforni : X)Xfya ngija^ej ei 



84 II. Untersuchungen iiber die Ethik des Demokritos. 

fA^XXiig ed&vfjLTJaeiv, und in noch freierer Umfomiung, aber 
ebenfalls als Imperativ, erscheint derselbe Spruch wieder unter 
denen des Pythagoreers Sextus (Elter Gnomica I n. 262) : Mst 
ev&vfi^ag el -d-^Xeig f^v, firj nolXd ngaTTB, wahrend Seneca 
wie Plutarchos die objectivere Fassung des Stobaios bestatigen. 
Sieht man an diesem Beispiel, wie sich der Imperativ bei den 
spatern Sittenpredigem auch einer iiberlieferten andern Fassung 
unwillkurlich unterschiebt, so konnte man leicht auf den Ver- 
dacht kommen, dass er bei Demokritos auch sonst nicht ur- 
sprunglich, sondern etwa erst von dem Zusamraensteller der 
YnovHjxai hineingetragen sei. AUein, nicht nur zeigt grade 
der einzige ausdriicklich aus den ^YTto&fjxai citirte Spruch (29) 
nicht parSLnetische Form, und uberwiegt doch uberhaupt 
in der Ueberlieferung bei weitem die unpersonliche Reflexion, 
sondern auch ein so sicher in ursprunglicher Fassung erhaltenes 
Fragment wie 52 bestatigt, dass Demokritos die Anrede in 
zweiter Person in der That nicht gemieden hat {oxoog dv rd 
TtaQso'i'Ta aol X. t. ^., und gegen Schluss ev&vfjioTSQov ze 
Sid^eig . . .). Somit hat man kein Recht, gegen die inipe- 
rativische oder auch infinitivische Form der Maxime, wo sie 
durch sonst wohlbewahrte Autoren bezeugt ist, Misstrauen zu 
hegen. Noch weniger Grund zu Bedenken gibt der schon um 
einen Grad objectivere Ausdruck mit Set, x^^ (XQ^^^) oder Adj. 
verb, auf -t^ov. 

Die vorkommenden Falle sind: 

1. Imperativus oder Gonjunctivus adhortativus : 42. 89. 
118. 177. 192. 223. 227. 173. 

2. Blosser Infinitivus : 5. 43. 45. 224. In 45 ist bei Maximus 
XQ€m' uberliefert; ebenso43a (Democrat.), was aber wohl nur 
(verschlechtemde) Variante zu 43 ist. 

3. Infinitiv mit xQ^^^v (4. 112. 121. 134. 196. 228), XQ^} 
(155. 160. 163. 191. 203) oder iet (152. 167 und vielleicht 133). 
Zu bemerken sind die etwas umstandlichen Wendungen 159 
ioxet fioi x^foir eivai^ 180 ov doxel fAoi XQW^''^ ^^^ M^' ioxet 
afiBivov €ivai, Einmal (219) steht, gleichbedeutend mit <f*T, 



2. EAp. Ueber die Form der Demokritgnomen. 85 

a^ior. Aber auch in S^eauv 184 liegt der Sinn der ParSnese: 
da es moglich, so ist es selbstverstandlich auch geboten. 

4. Adj. verb.: 107. 157 und vielleicht 179. — Beachtung 
verdient noch die in gleichartiger Form dem guten Rathe an- 
gehtogte Begrundung, entweder durch ein Werthurtheil (173 
iitror ydg. 163 i; y^ evoyxirj da(paXda%€Qov Ttjg iieyaXoyxir^q, 
155 TO fJikv ydg tomvto iixawv xal dyax^oVy rd ii firj roiovzo 
Uixav xai xaxov, S24 to (Jbhv ydg cvTj&e^j td S^ a(og)Qov^ovTog) 
Oder durch Hinweis auf die Folgen (134. 160. 180. 181, 203). 

Nur zwei Sentenzen bleiben ubrig, die sich in keine der 
aufgefuhrten Formen fugen wollen (120. 230); beide haben 
deuUich spruchwortlichen Charakter, sind vielleicht auch Spruch- 
worter, die von Demokritos nur citirt wurden; die erste kehrt 
in verwandter aber nicht identischer Fassung bei Herakleitos 
wieder (fr. 113 Byw.). 

Einige weitere Stilbeobachtungen mogen sich anschliessen. 
Bei dem Manne, dem die Xe^eiSimv &r}g7}TfJQcg oder rexwdQmv 
l^Tfhnal so verhasst sind (fr. 109), wurde jede kunstlich er- 
idugelte Antithese, jeder gesuchte Wortgleichklang oder sonstige 
rhetorische Flitter verdachtig sein. In der That findet sich 
nichts der Art. Zwar nach Antithesen braucht man nicht 
weit zu suchen, leicht wird man deren gegen funfzig zusaramen- 
bringen; allein ein kunstvoUer Parallelismus.ist eher gemieden 
als angestrebt Die einzigen Beispiele strengerer Entsprechung 
sind etwa: 126 ToXfia ngij^iog dgxrjj tvxti dk xiXsog xvqitj, 
71 Evrvxfjg o inl fuergioiai %Q7ilMxai%' ev-d-vfitofievogj ivatv^i^g 
Si 6 inl noXkoTai Sva^fAeofievog, 17 Kttjvifov nhv svysvirj rj 
Tov cxTjveog svif&evir} j dv&Q(67T(ov di i; tov ij&€og evrgonirj, 
Dagegen z. B. in 46 JCxvfi xviog yvtojiirjg ^dgaog xal dx^afAfiirj, 
diixif^ ii iitiJM ^vfig)og^g t^g/ia ist die Entsprechung nur 
Schein, denn offenbar ist zu verbinden diixir^g r^gfiUj ietfux 
ivfkq>ogijg. In weitaus den meisten Fallen ist die Corresponsion, 
soweit uberhaupt vorhanden, doch so unmittelbar durch den 
Gedanken gegeben, dass Niemand besondere Kunst darin suchen 
wird (z. B. 8. 27. 153. 189. 221 nebst Anm,); oft dagegen ist 



86 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Dermokritos. 

sie wie absichtlich vermieden; man prufe etwa 33. 50. 124, 
Oder halte gegen 18 (xpvx^g teXsottjg x. t. I.) die platonische 
Nachbildung Rep. 403 d (s. u. S. 95). Die genauere •— lang- 
weilig genaue — Entsprechung bei Platon stammt zwar nicht 
aus der Rhetorik, sondern aus einem Uebermaass des logischen 
Bediirfnisses ; Demokritos ist auch darin weniger skrupulos. 

Am merkwiirdigsten verrath sich die NaivitM seiner 
Schreibart in den langeren Perioden. Dass solche uber- 
haupt in den Fragmenten nicht zahlreicher sind, mag zum 
Theil die Schuld der Sammler sein, denen die knapp gefassten 
Sentenzen naturlich die willkommneren waren. Aber die reiche 
Fiille oft sehr gliicklich gefasster kurzer Sinnspruche, gegen die 
massige Zahl fast durchweg schwerfellig gebauter langerer Aus- 
einandersetzungen , beweist allerdings, dass Demokritos, auch 
darin den Elegikem noch nahestehend, in den erstern sich 
vorzugsweise heimisch fiihlt, im eigentlich begriindenden Rason- 
nement nur einige erste, begreiflich mibeholfene Schritte wagt. 

Geradezu stehend ist in den zusammenhSngenderen Stucken 
die umstandliche Wiederholung (nicht selten in den- 
selben Worten), wo immer an ein friiheres Gedankenglied wieder 
zu erinnern war ; z. B. 24 Ot &€ol roTg dv&Qoino^ai didovai raXXa 
Tidvra xal ndXai xal vvv ... tdde S* ovtc ndXai ovre vvv 
&€ot dvd^Qdinoiai idogdovxai. 43 Mrjidv ti f^idlkov Toi)g dr» 
&Q(67iovg aiisTtf^M iavTov . . . dXJC Savrov fjuxhcfra atieVav^ai. 
In den 20 Zeilen des einzigen grosseren Bruchstucks 52 finden 
sich nicht weniger als sechs auflfailige Wiederholungen : 1) jii«- 
ydXag xitnjaiag ipLnoistv zfj ipvxfj — al d* ix fisydXwv Siaarr^ 
fuxToov xiveofAcvai toov \pv%€m%\ 2) iv&VfAirj — sv\h}^oi — 
ev&Vfieta&ai — evdvfioreQOV iid^eig. 3) roTg nageovaiv aQ- 
xBtad-ai — ox(og av vd naqsovta aol .. 4) x^avfAa^ofA^voov — 
x^avfid^fav, 5) oXiY7]V fA^^ijfjirjv ^xovta xal tJ iiavoirj inij nQoa-- 
eigsvovta — t^ i^^'^V?? nQoaeSQsvcav. 6) ivvotvfJLBvov S 
ndaxovin xaxd — iv&vfisvfisvov a ndaxovffit In 53 : at i^iot'at 
figax^cct T€ xal Si oXiyov yivovfai — did %ax^og rj r^iovri 
naQoix^vat — ?J t^Qtpig ^qax^a^ desgl. %d ini&vfAsTv alst v£v 



2. Kap. Ueber die Form der Demokritgnomen. 87 

tttkdSv ndgsiTTi — xal av^ig rcSv aihoSv ieT, Und so durch- 
weg; vgl. 44. 134. 159. 165. 167. 178. 180. 181 u. a. 

In 146 steht sich rd furj igrifiovg slvai und %d dfivvsiv 
fiUib^'Jlof (Ti , desgl. Td haCgovg yCvetsd-ai und ofiovoovg elvai 
begrifflich sehr nahe, doch wird alles gleichartig mit nicht 
weniger als sechsmaligem xal . . xal . . aneinandergereiht. 
Aehnliche Aufreihungen (zum Theil ahnlich tautologisch) z. B. 
47. 52 (Schluss). 134. 159. 160. 161. 197. 

Derlei Stileigenheiten sind nicht gemacht; ein spMerer 
Erfinder hatte sie sicher verraieden. Dass auch die erkenntniss- 
theoretischen Erorterungen des Philosophen an Wiederholungen 
nicht arm waren, beweisen selbst die wenigen worthchen Gitate 
bei Sextus, die alle so ziemhch dasselbe sagen, auch in ^hn- 
lichen Wendungen. 

Denselben Eindruck der Echtheit aber, meine ich, hinter- 
lassen die s§.mmtlichen hier dargelegten stilistischen Eigen- 
schaflen der Demokritspruche ^) ; sie tragen ausnahmslos den 
Stempel einer fonnbewusslen, doch naiven, kraftvollen, gleich- 
sam jugendlichen Schreibart, wie sie der Zeit und dem sonst 
bekannten Gharakter des Demokritos, auch seiner erklarten 
Abneigung gegen Rhetorenkunste sehr wohl entspricht. Und 
so durfen wir, nach dieser Seite hinlangiich gesichert, mit urn so 
besserem Vertrauen an die sachliche Untersuchung herantreten. 



3) Eine Reihe wdterer Siilbeobachtungen, die ich der Freundlichkeit 
Th. Birts verdanke, findet man im Anhang. 



Drittes Kapitel. 
Gnmdz&ge der Ethik des Demokritos nach der Vberliefenmg. 



Die Gresammtmasse des Erhaltenen zerlegt sich , dem 
Inhalt nach betrachtet, leicht in zwei Hauptgruppen , von 
denen die erste in reicher und vielseitiger Ausfuhrung den 
Centralbegriflf der demokriteischen Ethik, den Begriflf der 
Euthymie, entwickelt und damit auf die Grundprobleme 
der ethischen Theorie ihrem ganzen Zusammenhange nach 
wohldurchdachte Antworten ertheilt; wogegen die zweite, 
ohne zwar die Verknupfung mit dem Princip aus den Augen 
zu verlieren, doch uberwiegend von den nachstliegenden prak- 
lischen Gesichtspunkten aus die dringlichsten Fragen, die der 
gemeine Lauf des Lebens an Jeden herantreten lasst, zu ent- 
scheiden sucht. Hier wie dort fallt nicht bloss der grundliche 
Ernst der Behandlung, sondern das planmassige Vorgehen, das 
entschiedene Streben nach Erschopfung, nicht der uberhaupt 
moglichen, aber doch der in einen gewissen geschlossenen 
Kreis der Untersuchung fallenden Fragen auf. Wunderlich 
genug, dass man gerade in dieser Ethik die Systematik ver- 
missen konnte. 

A. Das Princip. 

Seinen Ausgang nimmt Demokritos vom Nachstgegebenen : 
vom Phanomen der Lust und Unlust, dessen unbefangene 
Anerkennung ihn einen Augenblick fast als Hedoniker erscheinen 
lasst. (1) T^QXpig yccQ xal dtegnir} ovgog t(ov nQr^xzeoov xal [ir] 
TTQTjXT^tov — so ist wohl der leider verderbt uberlieferte Aus- 
spruch mil Sicherheit zu verbessern, den Clemens aus der 



3. £ap. Grundztige der Ethik des Demokritos. 89 

Schrift B$Qi viXovg mittheilt '). Denn offenbar nur ein anderer 
Ausdruck desselben Gedankens ist es, wenn wir (2) Stob. F). 3, 35 
lesen : OvQoq yccQ ^viitpogtav xal d^vfXfpdQctiv rs^tpig xal aTsgnit]. 
Und wiedenun dasselbe sagt in bloss modernisirter Fassung 
die Angabe des Diotimos^) bei Sextus Empiricus Adv. dogm. 
140 (fr. 3) : algiftsoag jcal y)vyf,g {xQi^iJQia elvai) zd ndx^t] (i. e. 
r^ioiTjv xal Xvnr^v). Was man w§.hlen und meiden, thun und 
lassen soil, ist wohl identisch init dem Zutraglichen und Un- 
zutr&glichen. Auch die Erklarung, die Diotimos hinzufugt (to 
/lir ydq ^ ngoaoixeioiffiex^a, tovto aiQetov ecfviVj to ik (p 
nQoffaUioTQuwfiex^ay tovto gisvxrov iaTii") entspricht dem: uns 
zutraglich, also zu wahlen, ist, was uns gem^ss ist oder dem 
^ri^ uns verwandt fuhlen, unzutraglich, also zu meiden, was 
uns frerad, nicht gemass ist ; eben diese Gemassheit und Nicht- 
gemassheit zu unserem Zustande aber ist es, die sich in dem 
umnittelbaren Gefuhl der Befriedigung und Unbefriedigung an- 
kundigt 



1) Ueberliefert ist n9.mlich: ovgog twv ne^irixfiaxottav. Auf ngrjx- 
uwv rieth sehr glQcklich Zeller; doch verlangt die Analogie der gleich 
anzuf&hrenden beiden AussprQche (2. 3) Tt^rjxrioDy xal firi n^rjxtecoi/ oder 
kurz nQfixritoy xai /4^y und ebendies lasst sich auch mit den Buchstaben 
leichter vereinigen : denkt man sich, dass xal fzfj (mit Abkfirzung des xal) 
ubergescbrieben war und dann in das Wort nQfj-xretoy hineingerieth, 
so entstand fast nothwendig neQu^xfiaxotcoy, Das noXXdxig sniXiyei (Clem.) 
erkUlrt ansprechend Lortzing p. 21. 

2) Unter diesem Diotimos yermuthete ich (Forschungen 190') wegen 
<ier stoinrenden Terminologie und der sichtlichen Tendenz, die drei 
Kriterien des Epikuros (Us. fr. 260. 263. 264) schon bei Demokritos nach- 
zQweisen, mit Zeller den als Gegner des Epikuros bekannten Stoiker. 
Usener (Epicurea, Index unter ^Ap^riQizai) denkt vielmehr, mit Diels und 
Binel, an den Demokriteer. Auch ich mdchte meine friihere Annahme 
nicht fenier vertreten. Auff^ig zwar bleibt das Citat des platonischen 
Pbaidros, welches doch nur fur Epikuros (fr. 264) Bedeutung, mit Demo- 
kritos dagegen nichts zu schafPen hat. Aber der Bericht ist offenbar ver- 
stfimmelt: das Original enthielt eine ausfilhrlichere Vergleichung der 
Kriterien des Demokritos mit denen des Epikuros. Der Autor kann 
demnaeh (abgesehen von der Terminologie, die wohl nur dem Bericht- 
^'^tter — nach meiner Annahme Ainesidemos — zu verdanken ist) der 



90 II. Uniersnchangen Qber die Ethik des Demokritos. 

Es ist der einleuchlende Ausgangspunkt, der bei den 
Kyrenaikera wie bei Epikuros zum Hedonismus fiihrte^). Die 
Folgerung liegt in der That sehr nahe: also ist das Gute, das 
Ziel der Gliiekseligkeit, die Lust. 

Um so merkwurdiger ist, dass der Bericht des Diogenes 
dieser Folgerung ausdrucklich entgegentritt : r^Xog cT eivai f^v 
fVx^VfiCav^ ov %r]V avTrjv ovffav icfj rjiovfj, cog ^viol 
naQccKovactvTsq i^sdd^avTo (al. €^rjy7](favTo), Das Gleiche 
ergibt der Bericht der Eklogen, nach welchem Demokritos, 
nicht anders als Platon, von den Tra&Tj (d. h. Lust und Unlust) 
zwar seinen Ausgang nahm, aber das iiogiaTixov im koynfiiidg 
sah und insofern diesen, nicht die TrdOrj, zum Princip erhob: 
die Euthymie und damit die Eudaimonie entslehe, nicht aus 
der Lust schlechtweg, sondern aus der »Begrenzung und Unter- 
scheidung der Luste« {ix tov iiogiafAov xal rfjg Siaxqi- 
as cog Tcov T^iovcov). 

Ganz im gleichen Sinne aber sprechen die Fragmente. Da 
treffen wir sofort auf zwei sinnverwandte Ausspruche : (4) Stob. 
Fl. 5, 77 ^Hiovrjv ov nciaav dXXd ttIjv ini rw xcck^^) algsTax^ai 
XQecov^ und (5) Democrat. 39. ''Hdv fArjSh' dnoi^x^a^ai ^v 
lit) ^vfi(p€Qrj. So verbindet auch der Bericht der Eklogen: 



Demokriteer sein, yorausgesetzt dass dieser die Zeit des Epikuros erlebte. 
Das ist aber ohnedies wahrscheinlich, da ihn Clemens neben zwei H6rem 
des Pjrrhon (Diog. Laert. IX 69) und zwar nach diesen nennt. Lgfist 
man die Identit^t mit dem Demokriteer gelten, so verdient die Angabe, 
wenn auch nicht dem Wortlaut, so doch der Substanz nach, das gleiche 
Vertrauen wie der Bericht des Clemens. 

3) Vgl. bes. Epic. fr. 260, auch 398, Us. p. 275, 14. 80. Geradezu als 
Hedoniker fasst den Demokritos Theodoret (s. o. S. 6, 1. 2 6yof4dt(oy ov 
doyfidtwy ivakXayfiy noiriadfiByos ^ ygl. zu fr. 179 r^y f^Soyiiy ^Q*-^^' 
fjLByoi tiXos), 

4) Ist unter Aevxi/zog Clem. Strom. II 21 p. 179, 22 S. in der That 
Aevxinnog zu verstehen, so hat dieser, in genauer Uebereinstimmung 
mit Demokritos, trjy in I zoig xaXoTg ^^9^^ &1^ ^^1 ^68 Strebens 
bezeichnet. Fur die Bedeutung des xaXoy bei Demokritos sei voraos auf 
fr. 36. 87 hingewiesen. 



3. Kap. Gmndztlge der Ethik des Demokriios. 91 

Mttl tovt* (scil. TTJv eJ^fAiav) eJvm td xdXXiatov tb xal 
cvfAq>oQf6TaTov dv^goinotg. In voller begrifflicher Scharfe 
aher spricht den Unterscbied aus (6) Democrat. 34 ^Av&gtjinoiai 
nam xavvd^) dyad^dv xal dXrj&^g, r^dd ik aXXtp aXXo. Das 
Bruchstuck hat sicb nur im cod. Palat. des Demokrates er- 
halten; fur dieEcbtbeit entscbeidet, dass Demokritos genau so 
in der Erkenntnisslebre gegenuberstellt : das Wabre, das Allen 
gleichartig, und das Erscbeinende, Sinnlicbe, das Jedem auf 
seine eigentbumlicbe Art sicb darstellt; Aristot. Metapb. r5 
p. 1009b 2sq., Tbeopbr.De sens. 63 (Doxogr. p. 517, .13 arj^ttov 
f mg ovx eial ipvfts^ to pLrj ravrd n&ai q)tt{v€(T^ai rotg 
fwoK xrL), vgl. 69. 70 (p. 519, 19. 24) und Forscb. 186 fT. 
bes. 188*. Icb frage: kann das einem Falscber zugetraut 
werden, dass er so das innerste Motiv der Wabrbeitslebre des 
Demokritos erkannte und es auf seine Etbik ubertrug, um ibn 
das Sinnlicbe der Lust geradezu als unwabr dartbun zu lassen ? 
Oder hat viehnebr Demokritos einfach die Gonsequenz seiner 
Erkenntnisslebre gezogen, indem ihm, mit dem &€qih6v, nixgov, 
levxov, das ryrfv, als Gegenstand der Empfindung, zum I'ojuo), 
nicht hs^ ov wurde? Diese Gonsequenz war doch unabweis- 
bar, zumal auch sonst rjdovj] und Xvnrj^ sofern sinnlicher Natur, 
mit den Wahmehraungen ganz in eine Reihe gestellt werden; 



5) Ueber die Lesiing kann gar kein Zweifel sein. Die Handschrift 
zeigt tav r mit Baanr in der Lucke vor t, doch ist iavzoy n. 50 nnd 
54 ganz fthnlich geschrieben. Yielleicht hat ursprunglich das jonische (?) 
uv dagestanden. — Gomperz (Zu Heraklits Lehre etc. 23) bezweifelt mit 
Recht, dass Herakleitos fr. 104 zwischen ijcfv und dyad'by unterscheiden 
woUe; ungleich eher l&sst dch Demokritos die Unterscheidung zutrauen. 
(Uebrigens finde ich in meinem aus der Bibliothek von £. Heitz er- 
standenen Exemplar von Bywaters Heraklit, welches die Widmung des 
Heraosgebers an Th. Bergk tr&^, zu dem Fragment die beachtenswerthe 
Conjectur am Bonde vermerkt: yovaos vyieiay inoir^ce ^dv, xaxoy 
nya^y), — Sicher nicht demokriteisch ist DEJ 126 = Plut. De tranqu. 
4 p. 466 f (Hiirel Herm. XIY 366 sq.): ptoy al^ov toy aqiaxoy^ tovtoy 
Y^9 n^y j) iny^&eia noirjasi (cf. Stob. Fl. 1 29; 29, 99; Plut. De exil. 8 
p. 602 c). 



92 II. Untersuchungen dber die Ethik des Demokritos. 

SO von dem stark demokritisirenden Autor (Aristippos), uber 
den Platon Theaet. 156 b berichtet®), so, was besonders wichtig, 
von Epikuros in seiner Kanonik, die ja auf Schritt und Tritt, 
beistimmend oder ablehnend, auf Demokritos zuruckweist, Sext. 
Adv. dogm. I 203. Wollte man trotz dem alien noch zweifeln, 
so wird man sich wohl gefangen geben mussen dem bestatigen- 
den Zeugniss der Steinschrift von Oinoanda (Usener Rh. Mus. 
XLVII 431), wo der Epikureer sich zu dem sonst als epiku- 
reisch nicht uberlieferten Satze bekennt: cog zd tfj tpvaei, avii- 
qidQov^ nsQ iffTiv dTaga^ia^ xal svi xal Ttdat td avvo 
iaviv. 

AUein wie vereinigt sich das, wird man fragen, dass die 
Lust einerseits das Unterscheidungsmerkmal {pQoq = xQvtriQiov) 
des Guten, Zutraglichen, oder dessen was man zu thun hat, 
andrerseits von ihm wie Erscheinung von Wahrheit unter- 
schieden sein soil? Vielleicht gibt auch hier die Erkennlniss- 
lehre des Philosophen den gewiinschten Aufschluss. So fand 
er ja auch die Beglaubigung {niCTig) fur den Begriflf in der 
Sinneserscheinung ; so erklarte er, nach demselben Diotimos, 
den wir als Zeugen fur den scheinbaren Sensualismus seiner 
Ethik anzufiihren batten, mit Anaxagoras im Einklang: vom 
Erscheinenden sei auf das Nichterscheinende zu schHessen; 
wahrend er doch Begrifif und Wahmehmung als yynfjair} und 
axoTir] (= vox^rj) yi'w^iy, die Gegenstande beider als sts^ und 
vofim ov unterschied. 1st das kein Widerspruch in der Er- 
kenntnisslehre '') , so wohl auch nicht in der Ethik. Also, der 
von Individuum zu Individuum, von Moment zu Moment 
wechselnde, mithin subjective Unterschied des sinnlich An- 
genehmen und Unangenehmen ist erst zuriickzudeuten auf den 
unwandelbar fasten, mithin objectiven Unterschied des Guten 



6) Vgl. Arch. f. Gesch. d. Philos. Ill 355 ff. Der Vermuthung ist, 
gegen seine friihere Ansicht, Zeller beigetreten, ebenda V 182, Ph. d. 6r. 
P 1099. 

7) Vgl. Forsch. 190 ff. 



3. Kap. Gmndzflge der Ethik des Demokritos. 98 

und Uebeln, Zutraglichen und Unzutraglichen , ganz wie die 
schwankenden, subjectiven Unterschiede der sinnlichen Quali- 
tfiten auf die festen, objectiven Unterschiede der Gestalt, Lage 
und Ordnung der Atome, als Phanomene auf die zu Grunde 
liegende Sache. Sofern aber die Sache sich doch allein im 
sinnlichen PhSnomen uns unmittelbar kundgibt, ist allerdings 
dieses fur uns das Erkennungszeichen, nach sp&terem Ausdruck 
das »Kriterion€. 

Das Merkmal des fur Alle Identischen d. i. gesetz- 
massig Gleichformigen ist es, welches, hier wie dort, die 
objective Gultigkeit entscheidet Das bestatigen, in andern 
Wendungen, mehrere weitere Ausspruche. (7) Stob. Fl. 5, 24 
*'Agtctav drv^Qninip tor fiiov Sidysiv cog TtXeltfTa et^&v fxrj&s vti 
Moi iidxMfTa dnr^xf^stTi — soweit wieder scheinbar hedonistisch ; 
aber die Fortsetzung lautet: tovto rf' dv elrjy etrig (xri enl toTg 
t^vTjTottfi rdg r^Sovdg nototvo. Von neuem finden wir hier 
eine Unterscheidung unter den Lusten; und sie stutzt 
sich auf dasselbe eleatische Grundmotiv, das uns in andrer 
Wendung soeben begegnet ist und noch weiterhin begegncn 
wird: »sterbliche€ Lust ist die immer wechselnde, jeden Augen- 
blick in ihr Gegentheil umschlagende, unsterbliche die immer 
identische, wandellose. Das ist das genaue Complement zu der 
Unterscheidung des fur die verschiedenen Subjecte verschieden 
und des fur alle identisch Geltenden- Beide Motive vereinigen 
sich ebenso in der Erkenntnisslehre ; so steht bei Sext. I.e. 136 
fiiTaninTor xoerd (ffafAOTog iiathjxrp* neben 137 iniQQvaiiCr} 
i*dato$(fiv f) So^ig, soTheophr. 63(p. 517, 11) fiiTantTtTov^ 
64 0. 16) fierafidXXetv (vgl. 69, p. 519, 17) neben den oben 
citirten Stellen®). 

Denselben Gedanken erkennt man nun sofort wieder in 
(8) Democrat. 3: 'O rd ipvxf^g dya^d atgsvfievog xd x^sioTsqa 
aiQHtaij 6 Si Td (fxijveog td dvx^Q<o7tt]ia. »Menschlich«, das 
sagt doch wohl dasselbe wie »sterblich« d. i. wandelbar, 

8) Zum Heraklitinmus des Demokritos vgl. Hirzel, Hertn. XIV 359". 



94 II. Untersuchungen tiber die Ethik dee Demokritos. 

»gottlich« also »unsterblich«, unwandelbar. Das unwandelbare 
Gut aber, es heisst das Gut der »Seele«. Wundert man sich, 
dass dieser Materialist ein eigenthumliches Gut der Seele kennt, 
so besinne man sich, dass er ebenso eine eigenthiimliche Er- 
kenntniss des Verstandes, als die allein »echte«, der »unechten« 
der funf Sinne, die doch wohl auch rov (fxrjveog ist, gegen- 
uberstellt. Und er nennt diese unechte Erkenntniss — ganz 
wie ein Eleat — die dem »Menschen« als solchem eigene d. i. 
subjective, wandelbare •). So bewahrt sich Punkt fiir Punkt 
die Uebereinstimmung der Ethik mit der Erkenntnisslehre des 
Philosophen; gewiss eine starke Stiitze fiir die Echtheit der 
Ueberlieferung dieser Ethik. 

Die Bevorzugung des Gutes der »Seele« ist ubrigens so 
reichlich bezeugt wie wenige andereSatze der demokriteischen 
Ethik. Vor allem gehort hierher das gewichtige Document 
Stob. Eel. II 7 : JrjfioxQitog xal Uhixwv xoivdog «V tfj tpvxfj tv)v 
evSaifiovlav tCx^evrai, yiyqaq^B cT o ^khv ovrtog' (9) *EvdaifJtot*i7] 
ipvxijg xal xaxoSaifiovi7j€, (10) T^Eddaifiavirj ovx iv fioaxrjfiaffiv 
olxet ov3b iv XQ^^^^* (H) »^VZ»J olxrjvr^Qiov daCfxovog^, Das 
letzte Fragment ist es hauptsachlich, auf das sich die Ver- 
gleichung mit Platon stiitzt. Richtig citirt der Berichterstatter 
die Stelle des Timaios (90 a), in deren weiterem Verlauf (90 c) 
die von Stobaios nicht mehr ausgeschriebenen Worte stehen : 
IJ^foiTCf t€ avTov €v xsxoafATjfJtivov tdv 6aCfAova ^VVOIXOV 
iv avT^ 3iag)€Q6vTa)g eviaCfxova etrm. Die gemeinsame 
Erinnerung an das beruhmte Wort des Herakleitos (fr. 121) 
i^x^og dvx^()cin(p SaifAwv genugt nicht, den deutlichen Anklang 
oixrjTtJQiOv — ^vvoixov iv avT^ zu erkl^ren, vielmehr drangte 
sich uns schon oben (S. 64) die Vermuthung auf, dass Platon 
sich wohl an Demokritos miisse erinnert haben. 

Das Zeugniss des Stobaios bestatigt auch hier Diogenes: 
TsXog 6^ eivai Tiijv svd'Vf.iCav^ ov Ttjv avTtjv ovffav t^ '^^oi^ij . . . 
dXXd xof^' i]v yaXt^v&g xal €vaTa^d5g rj xpvx'^l ^*ay** *^^' Und 



9) Vgl. Philologus L (N. F. IV) 276. 



3. Eap. Grundztige der £thik des Demokritos. 95 

SO beschreiben ja alle jene Ausdrucke fur das demokrileische 
tiXog: evd'Vfiir] sveatd evffTa^^g yaXrjre'g dtaga^ir] d'd'afAfitrj 
dt^m'fAatfztrj dxatanXr^^it^ dginovit] ^vfAfxezQirj ohne Ausnahme 
eine beslimmte seelischeVerfassung: den aus der Versenkung 
in das Unwandelbare, Unvergangliche, Gesetzniassige der Dinge 
folgenden Zustand ebenmassiger, in sich gefasster, durch nichts 
Aeusseres zu erschutternder Ruhe und Einstimmigkeit mit sich 
selbst, des seelischen Gleichgewichts. 

In demselben Sinne rath Demokritos (bei Pint. De sent, in 
virt. par. progr. 10 p. 81 b) »aus sich selbst seine Befriedigung 
zu schopfen« ^^). Aehnlich Sen. De tranqu. 14, 2 utique animus . . . 
in se revocandus est, und Plut. J7. €v&, 4 p. 467 in. did rrjv 
^rj/tjv ttjg €v%h>fUag iv avtoTq ovffav TJfAir xtX., 14 p. 473 b oti 
<r fxactog iv iavr^ %d rPjg evd-vfAiag xal Ttjg dvad-vfxCag ix^i 
zafu^Ta ^^). Und nah verwandt (14) Stob. Fl. 37, 26, Democrat. 
26 Oia^v 6 rgonog ectIv evTaxTog^ Tovroiai xal o fiiog €v 

Eine ganze Reihe von Fragmenten aber stellt das Gut der 
Seele dem des Leibes, und was nur diesem dient, gegeniiber: 
fr. 15"), vgl. 16 und 17, besonders aber 18, (Stob. Fl. 1, 39, 
Democrat. 2) "Av-d^Qoinoig dgfAodiov iffvxrlg fidXkov i] adfiarog 
TTouTCx^ai koyoV iffvxrjg fxh' ydg TsXeixrig (fxrjveog fiox^rjgirjv 
ogx^oT^ axTjveog S^ ttfxvg Srev Xoyifffiov tpvxifjv oviev ti dfielvoa 
%i&rjtnt\ Schon Holsten machte dazu die schlagend richtige 
Bemcrkung: expressit Plato de rep. lib. Ill p. 403. Platons 
Worte (403 d) lauten: ifxol (ihv ydg ov (fai'veraiy o av XQ^jf^^ov 
^ a^pui^ TOVTO rfj avtov dgs%fi ^vxrjv dyath)v nouTv, dXXd 
tovYixwiov tpvxt] dyaxhfj zy avrfjg dgerfj (rwfia nag^x^^'^ ^^ 
ot6t*T€ fiilTtaTov, Weiche Fassung ui*sprunglicher, kann wohl 
nicht zweifelhaft sein. 



10) Vr, 13 ttvtoy ii iavrov Xafipd^eiy tag tdgxpiag (wohl nur diese 
Woite dea plutarcbischen Citats gehOren dem Demokritos an). 

11) Zu £v&. X. dva^. vgl. Dem. &. 71, zn rafAuta fr. 49. 

12) Zn noXvg>gyavyTi ^S^- ^^* ^^1 noXvyoiriy, 



96 IT. Untersuchungen fiber die Efchik des Demokritoa. 

Das Motiv, dass der Seele zugleich die Verantwortlichkeit 
fur das Wohl des Leibes zufalle, kehrt in mannigfachen 
Wendungen wieder, die den Sinn jenes Ausspruchs vortrefflich 
erlautern '*); wahrend andere Bruchstucke '*) den allgemeineren 
Gedanken durchfiihren, dass es an uns, unserem Erkennen und 
Wollen, liegt, die Dinge zura Guten zu gebrauchen oder zura 
Uebeln ; an sich ist Alles gut, wenn wir es nur recht ge- 
brauchen. 

In dem alien liegt schon sehr entschieden der Hinweis 
auf das wahre Entscheidungsprincip, das eigentliche »Kriterion« 
dieser Ethik, das Princip der (pgovrjaig, des Xoyiaiiog. Auf 
den rechten Verstand kommt es an, unter seiner Leitung allein 
gereicht, was uns von aussen zu Theil wird, uns zum Guten. 
So begegnete uns fr. 24 vov zvffXoTrfi^ ccyvtofioavtnr^^ 19 yvoifirjg 
xaxorjx^irjj 18 Xoyidfiog, 16 vovg^ 15 oQ&oavvt], noXiKpQoavvrj^ 
so in einera spater anzufiihrenden Fragment (44) nebeneinander 
Xoyog, ^vveaig^ iniaTr^fir], So erklart fr. 28 (Democrat. 49) ganz 
allgemein, und bis zur Formulirung sokratisch : ^AinagTirjg aht'rj 
Tj dfiU'd'irj Tov xgdaaovog: 

Im besondern tritt die (pQoin^atg oder yvcifir] der f vx^, der 
Beschonigung menschlicher Unkunde, entgegen; so in jenem 



13) Fr. 19, wonach ohne Zweifel auch 20 zu deuten ist (vgl. Zeller 
Ph. d. Gr. P 928") dann 21, und 22. Der »Proce8s« (diadixaaia) zwischen 
Leib und Seele findet sein Analogon an dem Eechtsstreit zwischen Sinnen 
und Verstand (s. o. S. 82). Eine epikureische Parallele bietet auch hier 
die Inschrift von Oinoanda, I.e. 430 (der Fortgang des Fragments, 1. 8 sq. 
erinnert an das vorher citirte Wort des Demokritos, fr. 19, fast noch 
naher als an die von Usener angefiihrten Dicta des Epikuros). — 
Auch in fr. 23 (Pl/t. De sanit. tuend. 14 p. 129 a) gehOren wohl nicht 
bloss die durch Clem. Protr. 92 p. 26, 40 S. bestatigten Worte {cvaiy ini 
g)o^vio) fAaqyaivovaaig, vgl. Arat. Dios. 391), sondern der ganze Gedanke 
Demokritos an; vgl. zu xa tov aMfiatog xiytjfzara xcd adXovs und arjfzeia 
XBLfjLwyos^ was unten Anm. 30 angefuhrt wird ; auch Anm. 16 und Arist. 
//. T. xttd-^ vnyov fjtayTixrjg 2, p. 464 a 5. 18, was beweist, dass die arifiei' 
(oaig unserem Philosophen iiberhaupt nicht, fremd ist. 

14) I'r. 24—27. (Zu 26 vgl. Zeller 927"?). 



3. Kap. GrundziSge der Ethik des Demokritos. 97 

Ausspruch, der nach dem Zeugniss des Dionysios von Alexan- 
dreia die ^Fno^xai eroffnete (29) ^'Av&Qwnoi rvxrjg eiScoXor 
inlaaatTo ngo^aciv iiirjq dyvoir^q, g}v<f€i yccQ yvcifxt] tvx^j 
fuxxfTcu^^), wovon, wie Lortzing richtig erkannt hat^"), ver- 
schieden ist die Fortsetzung bei Stob. Eel. II 8, 16 (fr. 30) fiaid 
qgoiflaH TVXV Ma'z*^^* {naQ^x^tai?), %d dh nXetaTa iv fii(p 
(v^vr€Tog o^vdegxir^ xaTi&th'€L Die Gegenuberstellung von 
(f^ir^mg und Tiix'y wiederholt sich, dem Sinne nach, in den 
Spruchen 31 und 32 ^'), sowie 33 (Stob. Fl. 4, 73), welches 
ohne Zweifel zu lesen ist : Idvor^inoveg xoffjusovTai Toig Tfjg rvx^jg 
ugifaiVj ol dk twv Toioovde darjfJLovsg Totg T^g ao(pir]g ; vgl. fr. 183, 
Stob. Eel. n, 31, 58 'H naiSeit] evtvxeovtn (isv eCTi x6<r/JLog, 
atvxe'ovci Si xaraipvyiov^^). 

Hat man das alles vor Augen, so erkennt man, mit wie 
gutem Rechte der wohlunterrichtete Autor des Stob. Eel. II 7 

15) ilyyolrig ip^^^' ayoirjs) ist wohl gefordert als Gegensatz zu yvfiwri 
(dagegen steht sich richtig gegeniiber voog — dyoiri ^^* ^^)- 

16) A. 0. 26. Mit Unrecht dagegen rechnet L. dem Citat noch die 
folgenden Worte bei Eusebios zn, die vielmehr die Argumentation gegen 
Demokritos im Sinne des Bericbterstatters (Dionysios) fortfiihren. Zu 
dem Fragment bei Stobaios vgl. die epikureische Nachbildung Sent. XVI, 
Us. p. 74 und 396, 29. Mit sv^vyexog d^vde^xlri iSiSst sich vergleichen 
pB.-Hippocr. Epist. Littr. p. 368 fzovyri ^* ainS^riaig ayd^Qtonov (ayd^Qtanco^) 
ntgexirj diayoirjg triXavyiog to re ioy xai tu iaofieyoy TfQooQeo- 
fiiyri (-ijf ?). Gedanke und Fassung sind zu eigenartig, um dem albemen 
Verfaaser der Hippokrates-Correspondenz zugerechnet werden zu k5nnen; 
in der nSchsten Nachbarschaft der Stelle hat Hii*zel demokriteische 
Spuren finden woUen. Zu nQooqeofxiyri vgl. fr. 23, oben Anm. 13. 

17) Zq fr. 32 bietet eine merkwtirdige Parallele (auf die mich Th. 
Birt aufmerksam machte) Liv. XXII 39, 10: nee eventus modo hoc 
docet — stultorum iste magister est — sed eadem ratio quae 
foit futnraque, donee res eaedem manebunt, immutabilis est. — Dagegen 
gehM nicht bierher fr. 64, Eel. II 9, 5, wo zwar Burchard g}Q6yri</ig 
^ 9)vcig aetzen wollte, aber die epikureische Parallele (Us. fr. 468 quod 
parvo esset natara contenta) die Richtigkeit der Ueberlieferung best&tigt. 

IS) Auch dieses Fragment ist nicht zu beanstanden wegen des fast 
gleichlautenden aristoteliachen Worts, ebenda 35 und Diog. Laert. V 19; 
vgl Kap. I (Schl.) und VIII (Schl.). 

7 



98 II. Untersuchungen Hber die Ethik des Demokritos. 

das eigentliche Kriterion des Demokritos im Xoyiaixdg sieht. 
Das Ergebniss der Vergleichung zwischen Demokritos und 
Platon ist nftmlich dort: dass beide von der Lust zwar aus- 
gehn, aber, sofern die Unterscheidung unter den Liisten dem 
XoYiCfAog zufallt, vielmehr diesem den Vorrang ertheilen. Der 
Unterschied sei nur, dass Platon das Gute, um sein selbst 
willen zu Erstrebende, primarer Weise in der Vernunft finde, 
in der daraus folgenden Lust, die auch er gleich Demokritos 
Xagd (vgl. fr. 47. 6L 220 und oben S. 90 Anm. 4) und draQullia 
nenne, nur ein hinzukommendes, secundares Gut {iniye^^vr^ 
fiatixov dya&ov) sehe; wogegen Demokritos — so ist der hier 
leider abbrechende Bericht ohne Zweifel zu erganzen — aller- 
dings die Lust, n&mlich die seelische, die Euthymie oder 
Ataraxie, obenanstelle, die Vernunft nur schatze, sofern sie zu ihr 
fiihre oder sie in sich schliesse; eine subtile Unterscheidung, 
die ebenso von der kritischen Befahigung des Berichterstatters 
zeugt, wie die Confrontation der von ihm angefuhrten Fragmente 
mit der Timaios-Stelle, voUends die Bemerkung, dass auch 
Platon die aTaga^ia kennt, von scharfer Beobachtung, und die 
ganze Tendenz dieser Vergleichung von mhmlicher Unvorein- 
genommenheit gegenuber der schon von Aristoxenos aufge- 
brachten Fabel von der heftigen Feindschaft Platons gegen den 
Abderiten. 

So wundert man sich nicht, wenn die Schrift TgiToysveiri 
(s.o.S.56) die (pgovr^aiq ofifenbar als ethischen Central- 
be griff zu Grunde legt, und wenn dem entsprechend auch in 
den Fragmenten oft geradezu die Erkenntniss als das 
Ts'Xog erscheint. Wie nach einem schon citirten Ausspruch 
die Schatze der Weisheit der schonste Schmuck, so ist nach 
fr. 34 (Fl. 3, 34; 7, 80) aog)irj ci^afi^og d^irj ndi-ftav 
TifUKOTdTT] iovtfa (ahnlich 35, Democrat. 86). So verbindet auch 
fr. 46 dixTjg xvdog yv(6fjir]g x^dgaog xai dd-afifiir], und er- 
scheint derselbe Begriff in engster Verbindung mit der Er- 
kenntniss bei Cic. De fin V 87: vitam beatam ... in re rum 



3. £ap. Grundzflge der Ethik des Demokritos. 99 

cognitione ponebat, woraus folge, bono ut esset animo = 
fvi^vftirj und d&afAfiir], Nausiphanes bei Clemens umschreibt 
sie durch dxatanXtj^Ca^ die Eigenschaft, sich durch nichts 
aus der Fassung bringen zu lassen ; ihr steht sehr nahe die 
iy^avfiaazia bei Strabon (I 01 c, wozu Hirzel Herm. XIV 359'), 
welche zukomme fo) dx^afjifiiT xai ccTagccxtp xai dvsx" 
7Th}xT(p^^). Mit Recht hat man dabei an das horazische 
Nil admirari (Ep. 1 6) erinnert; dass der Dichter in der That 
keinen Andern als Demokritos vor Augen hatte, macht Hirzel 
(398 f.) wahrscheinlich. 

So nahe also beruhrt sich das demokriteische reXog, die 
Ataraxie, mit der Erkenntniss. Ihr hoher Vorzug liegt — 
wenn wir anders den Sinn dieser Ethik recht gefasst haben — 
eben darin: dass sie uns zum gesetzmSssig Unwandelbaren 
in den Dingen, also Ewigen, Gottlichen, »Schonen« erhebt und 
dadurch zugleich jene hochste Seligkeit, die »nicht am Sterb- 
lichen* sich befriedigt, uns zu Theil werden ISsst. Die Lust 
der »Seele«, es ist die der Erkenntniss; darum kann Cicero 
ohne weiteres sagen: quam (scil. beatam vitam) si etiam in 
rerum cognitione ponebat, tamen ex ilia . . . consequ i volebat, 
bono ut esset animo. Und so erscheint denn auch direct als hdchste 
Lust die derTheorie***): fr. 36, Stob. Fl. 3, 57 At (iBydlai tsgrpisg 
and Tov x^edff&ai %d xaXd vwv JsQywv yCvovxai^ wo JsQya 
nicht Thaten oder Werke allein, sondem allgemein Dinge be- 
deutet, xald sehr prd.gnanten Sinn haben kann: das gesetz- 
ni^ig Uebereinstimmende, Harmonirende in den Dingen. Und 
von diesem Ausspruch fallt auch Licht auf das von Lortzing 
und Freudenthal mit Unrecht beanstandete fr. 37, Democrat. 
79: Stiov voov to aieC ti diaXoyf^efft^M xalov, wo vteiog genau 



19) Vg\, blc n^og ^i T^y d&avfiaaTiay . .. navaei tqy exnk^^iy.., 
ta^dttei tqy aXad^fimy, — Demnacb ganz demokriteisch Plat. Phaed. 
66d ^Qvfioy na^s^^i xai tagaxriy xai ixnXijttei. 

20) Ixnmerhin Erw&hnung verdient hier das charakteristisclie Apo- 
phthegma Enseb. Pr. ev. XIV 27 p. 781 d: J....eUy€ fiovXea&ai fiSXXoy 
fiiay ivffcTy alrtoXoylay ij tr)v Ui^aaiy ol fktaiXBiay yeydad-ai. 

1* 



100 II. Untersuchungen iiber die Ethik dee Demokritos. 

nach fr. 8 zu deuten ist, das xaXdv sein Gegenstuck findet an 
den xaXd igya des vorigen Fragments, diaXoyiCeaO^m Ver- 
standesthatigkeit, theoretische Forschung bedeutet^^). Es ist 
genau jene discendi quaerendique d i v i n a delectatio, von der 
Cicero Tusc. V 115 spricht und die er merkwiirdig erlautert 
(114): Democritus luminibus amissis alba scilicet discernere et 
atra non poterat, at vero bona mala, aequa iniqua, honesta 
turpia, utilia inutilia, magna parva poterat, et sine varietate 
colorum licebat vivere beate, sine notione rerum non licebat; 
atque hie vir impediri etiam animi aciem adspectu 
oculorum arbitrabatur, et cum hi (vulg. alii) saepe 
quod ante pedes esset non viderent, ille in infinitatera omnera 
peregrinabatur ut nulla in extremitate consisteret Merkwiirdig 
ist hier die ausdruckliche Verbindung der Ethik des Demo- 
kritos mit seiner rationalistischen Erkenntnisslehre. Diese Ver- 
bindung ist nicht willkiirlich zurechtgemacht ; der epikureische 
Autor^^) hat diese starken Platonismen *^*) nicht aus sich; nur 



21) Vgl. XoyiafjLog ccXoyiatiri evXoycavos fr. 18. 89.91.88, diaXoyia- 
fj.ovg (Gedanken) Plut. Qu. conv. VIII 10, 2 p. 735b. Zur Vergleichung 
bieiet sich femer fr. 186, Democrat. 22 t« xaXa yyayQi^ovai . . . ot 
£vq)vi€g ngog avrd. Desgleichen dfirfte hierher zu ziehen sem das in 
verstummelter Form iiberlieferte Fragm. (Etymol. magn. s. v. Niytozai^ 
Mull. fr. var. arg. 8) : q)rjyi ^la yovytai (i. e. (pqeyl d-eia yovytai. — 
Damit nicht wieder Jemand, mit MuUach p. 361, iJber den vermeintlich 
demokriteischen Buchtitel Ileql na&<ay vergeblich griibelt, sei iiber- 
flfissigerweise bemerkt, dass das Citat sich natUrlich auf Herodian bezieht, 
dem die ganze grammatische Notiz entnommen ist). 

22) S. Usener z. d. St., Epic. p. 336 sq. — Immerhin in Erwagung 
zu Ziehen ist die M3glichkeit (vgl. Eahl, Democritetudien, Progr. Dieden- 
hofen 1889, S. 7 ff.), dass der Epikureer erst wieder aus einem Aelteren 
(Theophrast//. £U(fa/jUoWaff?)sch6pft, der etwa an die Sage von derBiind- 
heit des Demokritos, in Erinnerung an die Stelle des platonischen Phaidon 
(s. folgende Anm.), diese Betrachtung gekniipft haben k5nnte. Doch 
bleibt bestehen, dass der Autor von Demokritos genaue Kenntniss hatte, 
also schwerlich sachlich Falsches berichtet, wenn auch die platonischen 
Wendungen hinzugethan hat. 

23) Phaed. Qbh XoyiCetai cfc ye nov rtke (^ ^vxrj) xaXXiara otay 
^rfiky Tovtioy avtr^y n a^akvnjy firite dxori H-f}^^ ^^^S fJ-rlte dXyrnS^y 



3. Eap. Grandziige der Ethik des Demokritos. 101 

unter dem Eindnick eines machtigeren Geistes konnte er so 
weit fiber die Consequenz seines eigenen Standpunktes hinaus 
fortgerissen werden. Sehr bestimmte Anzeichen^*) beweisen 
aber seine genaue Bekanntschaft mil Demokritos. Auch ruft 
die Gegenuberstellung der leiblichen Blindheit und der Oflfen- 
heit des geistigen Auges die als demokriteisch mehrfach be- 
zeugte Darstellung des Unverstandes als Seelenblindheit "'^) ins 
Ged&chtniss. Die Venputhung liegt nicht fem, dass schon 
Deraokritos die Blindheit der Seele der leiblichen als das 
Schlimmere gegenubergestellt hatte und daraus die jedenfalls 
alte Sage von seiner eignen Blindheit ja freiwilligen Blendung 
entstanden ist*"). 

Aus allem ergibt sicb, dass die demokriteische Euthymie 
Oder Ataraxie etwas weit Positiveres meint, als es zunSchst den 
Anschein hat Es ist die in einer hochsten Befriedigung, ja 
>g6ttiichen« Seligkeit sich kundgebende Verfassung der Seele, 
in der sie im Ewigen sich festwurzelt, namlich durch die Kraft 
der Erkenntniss, die auch hier wieder geradezu als das reXog^ 
weil als Quell der Gluckseligkeit erscheint. Sichtlich ist die 
Erkenntniss — wie bei Platon — als die eigenthumliche Kraft 
der Seele, des Bewusstseins, ja des Selbst gedacht: so 
h^gt diese ganze AufTassung mit der anfanglichen Forderung, 
in >sich selbst«, im innem Quell der *Seele« d. h. des Bewusst- 
seins, das Gute, die Gluckseligkeit zu suchen, aufs genaueste 
zusammen. 



firje tig ^doyi^ , . . xL de drj r« toidde, to 21ifjLfxLa; q)a^iy ti eJyai dixaioy 
avto ^ ovdiy; xal xaXoy yd xl xai uya&oy; rjtfri ovy nianoxk xi xtoy 
lotovttoy xoXg og)&aXfj.olg eldeg; . . .Xiyta cfe neqi nfcyrtoy, oioy fieyi^ovs 
ni^i xxX. — Zum Schluss der Stelle vgl. Theaet. 173 e (unten Kap. VIII 
g. SchL, wo auch die Lesnng hi st. alii ihre Begnindung finden wird). 

24) 8. Usener p. 337, 7 adn. 

25) Fr. 24 yov xvqfXoxTig, 58 xvg)Xov(Ti xfjy ^vxi^y* 

26) Zeller Ph. d. Gr. I • 844 Anm. und (mit einer hier unwesentlichen 
Modification) Hirael Henn. XIV 391 ff. Auch KahlLc. 7. Hart, Zur Seelen- 
u. Erkenntniaslehre des Ilemokrit. Progr. MUlhausen i. E. 1886 S. 18 if. 



102 II. Uniersnchungen Uber die Ethik des Demokritos. 

Ebendaraus begreift sich ein femerer, hochst bedeutsamer 
Zug, der diese Ethik wiederum mit der sokratisch-platonischen 
eng verbindet: wer die Hohe des Bewusstseins so uber AUes 
stellt, der wird den Kem des Sittlichen uberhaupt nicht im 
ausseren Thun und Lassen, sondern imlnnern der Gesinnung, 
eben im praktischen Bewusstsein suchen. Und das bestatigl 
eine ganze Gruppe eng verwandter Ausspruche. (38) Wya^ov 
01? TO firj d6i7teiv dXXd vo fAr)Sk ix^sXsiv (ahnlich 39. 40), und 
noch pragnanter 41 (Fl. 9, 32) Movvoi x^^eoipiXeaq oaoig Sxx^qov 
z6 dSixslv, Dann 42: man soil sich vor sich selbst mehr als 
vor Andern schamen Unrecht zu thun. Dasselbe sagt, in nur 
noch eindringlicherer Fassung, fr. 43, Fl. 46, 46, ^7) welches 
den Gedanken steigert zu der Forderung, dass man der eigenen 
»Seele« zum Gesetz mache {tmnm* vofiov vf^ tpvxfj xax^Kfrdvai) 
nichts Ungehoriges zu thun. Man kann lange suchen, bis man 
bei den Alten wieder, oder bei einem der Neueren vor Kant, 
einen so klaren Ausdruck der »Autonomie« des Sittlichen findet. 
Diesem selbstgegebenen Gesetz der Seele steht gegenuber das 
aussere Gesetz, welches reine Sittlichkeit nicht begrundet, denn 
es erzwingt vielleicht die aussere Handlung, aber bindet nicht 
die Gesinnung. Nur die freie Einsicht des SeinsoUenden (dessen 
was so sein muss, des sachlich Richtigen) gewShrt die Sicher- 
heit, dass man auch ohne den Zwang des ausseren Gesetzes 
das Rechte thun wird: fr. 44 (Stob. Eel. II, 31, 59), wo 
die Gegenuberstellung von ds'ov und dvdyxr] sehr zu beachten 
ist; vgl. auch fr. 45. Sehr ahnlich dem schonen Schluss jenes 
Fragments {dioneg ^vv^asi t€ xal iTriaTTJfArj oQ^oTigay^aov rig 
dviQijioq Sfia xal Ix^vyvtofxog yCvsTai) betont fr. 46 (Fl. 7, 32) 
den inneren Lohn des Rechtthuns, die innere Strafe des Un- 
rechts: Jixrjg xvdog yvciinrjg x^dgaog xal d&afififr], ddixfrjg di 



27) Dnrch die Vergleichung mit diesem Fragment und dem sogleich 
anzufuhrenden hebt sich Meinekes Zweifel (IV, LXIY) gegen das vorige. 
Dagegen ist Democrat. 50 wohl nur schlecht gefasste Variante zu fr. 43, 
daher nicht als selbstilndiges Fragment zu z^hlen. 



3. Kap. Gnmdzuge der Etbik des Demokritos. 103 

iftfui ^vfig>o^iS T€Qfxa (verb, ddixirjg nigfux — dst^ ^vfAg>o^g). 
Und wie hier der Terminus d&afifiir], weist in dem wieder nah 
verwandten Ausspruch (47) Eel. II 9, 3 das Wort evdvfiog (oder 
fvxhifjmg) deutlich auf den Zusammenhang auch dieses Motivs 
init dem Grmidprincip. Dieser so vielfach bezeugten Auffassung 
entspricbt durchaus fr. 48, Democrat. 11: X) dSix^wv tov 
ttiix€Ofi^*ov xaxo6aifiov4at€Qoq — ein sehr platonisch lautender 
Salz, der aber ebensowohl dem Manne ansteht, dem, vor Platon, 
Seligkeit und Unseligkeit von der inneren Beschaflfenheil der 
Seele, vom Bewusstsein allein abhing; der, vor ihm, die 
Seele zum Wohnsitz des Daimon machte. 

Dieselbe klare Consequenz bewahrt sich, wenn wir nun 
auch die mehr negative Seite des Princips ins Auge fassen, 
nach der es bedeutet die Freiheit von der Unruhe und dem 
Selbstwiderspruch des sich selbst uberlassenen, der Herrschaft 
der Vemunft entzogenen Trieblebens. 

Denn den Gegensatz der g)Q6vr](ng bilden eben die siim- 
lichen ndrh]. Plut. Animine an corp. etc. 2 p. 500 d (fr. 49) 
sind wohl demokriteisch die Worte, welche das Innere des 
Henschen bezeichnen als noixiXov ti xal noXvnad^kg xaxav 
Ta^iuTov xal &rjtravQi(ffia^^), vgl. den Schluss: i) xaxia noXvxvrog 
xai daiptXiQg avaa totg ndd^eaiv. In der Definition der ev^fiirj 
bei Diog. Laert. aber heisst es : (xa^* fjv yaXrjt^dSg xal evtrrax^oig 
jj tlfvxrj duxysi) ind fAfjSevdg raQatTOfA^vr] gjofiov rj 
iBiCtdaiiioviag r} aXXov Ttiog ndx^ovg^ und dem entspricbt 
ganz fr. 50; Clem. Paedag. I 2 p. 36, 21 S. : itirgixfj . . . (ffofAarog 
voffovg dxeTtai^ tfog)irj <f ^ tpvxrjr na&stov d^aigtiTaiy was 
Ps.-Hippokrates Ep. 23 p. 394 Littr. frei umbildet: <ro(pir] fUv 
yag ^vxrjv dvagverai na^^wr, IrjTQixrj H vovaovg (fmiuuirmv 
anaiqietai *•). Es ist die Seite der demokriteischen Lehre, von 



28) Zu tafiuZoy vgl. S. 95 Anm. 11. Das ganze Plutarchfiragment 
zeigt stark demokriieiache F&rbung; s. u. Anm. 30. 

29) Wir haben hier einen instructiven Beleg ftir die oben auage- 
sprochene Aiuicht t&ber das Yerhaltxuss der Hippokrates-CSorrespondenz zu 



104 II. Untersuchuiigen iiber die Ethik des Demokritos. 

der aus sich der Uebergang zur skeptischen Apathie 
Oder Adiaphorie begreift. 

Doch vermeidet Demokritos auch dieses Extrem ; er forderl 
nicht Entwurzelung des sinnlichen Trieblebens, sondem sichere 
Beherrschung, Unterwerfung unter Norm und Gesetz. Die 
Herrschaft der Vemunft — so vernahmen wir schon (Stob. 
Eel. n 7) — habe sich zu beweisen in der sicheren »Begrenzung 
und Unterscheidung« der Liiste. Den Maassstab gaben die an- 
fSnglichen Bestimmungen : das xaXov, das naai ravTov, das uri 
x^vtjTov, alles Ausdriicke des Gesetzlichen. Damit harmonirt 
vortreflflich der Ausdruek des normgebenden Begriffs durch das 
Xtsov, das fA^TQiov. Hiess es fr. 4 "^HSovrjv ov ndtsav dXXd ttjv 
ini ir« TcaXm aiQetff&ai XQ^^'^'i so knupft genau daran an fr. 51, 
Democrat. 68 : KaXov iv navTi to Tcror, vnsQ^oXrj dh xai IXXeiip^g 
ov lULoi SoxeT, Nah verwandt sind auch aQ^ovCr] und ^vfUfxeTQirj 
(Stob. Eel.) als andere Ausdriicke der Euthymie, das einaxTov des 
fr. 14. Die klarste AusprSgung aber erhalt der leitende Gedanke 
in zwei grosseren, eng zusammengehorigen Bruchstiicken 52 
und 53 (Stob. Flor. 1, 40 u. 18, 36). Uv^Qcinoitn ydg sv^vfiirj 
yCrsTM fisTQioTTjTi ts'Qipiog xai fit'ov ^VfAfASTQirj, Tcc rf' iilBCnowa 
xal vnsQ^dXXovTa fjLStanCmsiv T€ (fiXet xai fieydhxq xinqawq 
i^noietv rf^ '^^'Xfj- "* ^^ ^^ (isydXfov diaarrj^dTtov xiveofAsvai 
T^v xjjvx^fov ovt€ evaza&^eg ehlv ovtb €V\h)^ioi,. Zum dritten 
Mai stossen wir hier auf die Begrundung, auf die schon fr. 6 
und 7 nebst 8 fuhrte. Der Ausdruek fievamnTeiv, dera Hera- 
kleitos (fr. 78) wie dem Melissos (fr. 17) gelaufig, ist ebenso- 



Demokritos. Der Zweifel an der Echtheit des Fragments (Lortz. 24) wird 
grade hier widerlegt durch schlagende Parallelen bei Epikuros (fr. 221, 
vgl 397, Cic. De fin. I 42. 59; 471). Ohnehin ist derVergleich so demo- 
kriteisch wie mOglich: die Leidenschaften sind die »Stiirme« der Seele, 
wie die Krankheiten (nach fr. 23, vgl. Anm. 13 und 30) die Stiirme des 
Leibes; es ist nur folgerichtig, dass auch, was beide beschwichtigt, in 
Vergleich gestellt wird. So auch Littr. 364 yiXMyrai . . . vno rioy naO^iayy 
ndy%(ay a yoaiqvai^ wozu Hirzel Herm, XIV 358 f. 



3. Kap. Grundztige der Kthik des Demokritos. 105 

wohl demokriteisch (s. o. S. 93) ; noch bei Platon begegnet er 
ak ein Merkmal des herakliteisch-eleatischen Gedankenkreises, 
Gorg. 493a, Crat 44fla. Zugleich erkennen wir hier den Ur- 
sprung des Vergleichs des Geinuthszust andes mit 
der Ruhe und Bewegung des Meeresspiegels, der 
die Ausdrucke yaXrivwg xal €vaTa&cSg in der Definition der 
€v&tffiir} bei Diogenes, nicht minder ihre Umschreibung durch 
fvetrtw und dTaga^it] (ebenda und Eel. II 7) erklart; vgl. die 
ahnliche Schiidening der Stunrie des Leibes fr. 23 rd tov 
awfAOTog-xivrjliiaTa xal (fdXovg . . . arifAeTa xsifAwvog iv 
imnm Y€irj<TofA€vov ^% In alien Nachbildungen wird uns dieser 
Vei^leich als sieheres Kennzeichen demokrileischen Ursprungs 
begegnen: bei Epikuros und Timon, bei den Kyrenaikern, bei 
Platon. Wird dadurch an sich das Alter dieser Vorstellungs- 
weise, ihre fruhzeitige Einburgerung insbesondere in die 
philosophische Litteratur bewiesen, so bestatigt den demo- 
kriteischen Ursprung die enge Verknupfung der ethischen mit 
der physiologischen Auffassung in jenen Ausdriicken. 

Mit diesem wichtigen Bruchstiick gehort eng zusammen 
das andere, Fl. 18, 36 : 'Dtroi and yaargig Tag i)dovdg noi^oiTai 
(vgl. fr. 7 Tag TJSovdg noiotTOy 13 Tdg Tsgipuxg lafifidveiv) ineg- 
^ffiXtjxotsg TOV xaiQov (vgl. fr. 54. 70) inl figniasfn xal noaasi 
xal dtpgoStcioig, iv ToTtft natStv at ^kv rjSoval figax^ai T€ xal 



30) In derselben Scbiifb (Plut. De sanit.) 8 p. 126 c iy evditf aa^xog 
xai yaXj^y^, 12 p. 128 d teta^ayfiiyog. In rein physiologischer An- 
wendung b^egnen dieselben fiilder Plut. De am. prolis 3 p. 495 e 6 ya^ 
ofig:aXos ngcJToy iv fxi^^r^ffiy, aig g>riai JrifJ-oxQirog, dyxvQri^oXioy adXov 
xai nXdyfis B^q>v€tai neiafza, cf. De fort. Bom. 2 p. 317 a, daim in 
einem der Brachstiicke bei Aelian, N. A. XII 17: ov ta^dzterai log 
vno xXvdtoyo g, are de dxXvfftoy xal iy yaXijyjj oy xtX. Vgl. 
femer Plut. Qu. conv. V 7 p. 683a inira^nTteiy, VIII 10 p. 735a (vno ifuXov 
noXXov)f and VIII 3 p. 722 b sq. vgl. Aristot. 77. t^g xa^* vnyoy f^ayrix^g 
2 p. 464 a 5 8q. {uta^axiodeate^og 14). Demnach baben wir demokriteiscbe 
Nachkl&Dge zu erkennen bei Aristot. fr. 242 (Plut. Qu. conv. VIII 10, 1 
TftpnjfftHffff, raQaxtixa) sowie [.Arist.] Probl. XXX 14 (p. 957a ^ (ctagdxov 
oCin^g Tr^g diayoiag^ 12 rj^Cfxety, 31 diu zr^y iy tt^) ctof^ati ta^ax^lt^ 



106 II. Untersuchungen dber die Ethik des Demokritos, 

Si oXiyov /ivoiTaif oxocov av xqovov iad^Ctatsiv rj nivannvj at 
Si Xvnai noXkaL tovto ^hv ydg vd ini&Vfieiv aisi zwv avrcSv 
TidQffTTij xal oxoT* av Yiynfjftai oxoitov im&vfAsovtfi^ Sid vax^og 
T€ rj rjSovt} naQofxsxai xai ovSkv iv avroiCi XQV^tStov itfriVy diX t] 
T^Qifjiq figaxsa xai av&ig rwv avTcSv Set, Die Gefahr des Unmaasses 
und damit des Umschlags ins Gegentbeil triflft also ganz be- 
senders die leibliehen Liiste. Setzt man darin sein Ziel, so 
erntet man mehr Unlust: die Unlust der immer erneuten Be- 
gier, wahrend die Lust der Befriedigmig fluchtig und an sich 
geringwerthig {ovSiv x^iycTTor) ist. Hier haben wir den wesent- 
lichen Grund der Verwerfung der leibliehen Lust zu Gunsten 
der seelischen: diese unterliegt weniger als jene der Gefahr 
des Unmaasses und dera Selbstwiderspnich des unbandigen, 
immer erneuten Verlangens nach etwas, das doch, wenn er- 
reicht, als ein Niehtiges sich erweist. So wird desto klarer, 
weshalb diese Lust die sterbliche, bloss menschliche hiess gegen- 
uber der gottlicheren, weil weniger dem Wechsel unterworfenen, 
der Seele, die in der Anschauung des Evvigen, Unwandelbaren 
der Dinge selbst den Stiirmen entrissen, zur »Windstille« ge- 
sanftigt wird. Wie platonisch das alles lauten mag, wie genaue 
Parallelen dazu sich bei Platon auf Schritt und Tritt nach- 
weisen lassen, es steht als Kern der ethischen Ueberzeugung 



iyovaav ^ ^vj^ri ov dvyatai riQefielv), Und dasselbe Motiv klingt an 
in Theophrastos Bericht tiber die Sinnesphysiologie des Demokritos, 
Fragm. de sens. 65 (Doxogr. p. 518, 2 sq.) ra^dtteiy, nXay^^ ix trjs 
rate tog xivovfieva, auch 74 p. 521, 14. Dann in Uebertragung auf 
den GemQthszustand : Pint. Animine an corp. 3 p. 501 d (r^v ^vxrjy 
fiQefJiBiv ovx iaiacy)^ 4 {ol xaza if^v^riy j^e iiitayeg, xetaqayfjiiyoy^ 
iy tuQax^ xai nXayj^)^ cf. 1 (p. 500c evd-vfjila), De tranqu. 17 
p. 476 in. (^ de xov g)QoylfjLov didd-eais tots te atofxatixolg (nd&ein?} 
na^ex^i yaXijyriy)^ P* 477a {evdiay nagixei pi(^ xai yaXijyriy . , . 
TO ri&og dx dqaj^oy B)^ovaa\ 465c (t« ndd^ri xa x^g ^vxfjg . . . xata^ 
nadaat). Sen. De tranqu. 2, 1. 3. 7. 11; 14, 10. [Plat.] Axioch. 370d 
yaXriyog ,,, plog, daaXevxto ^ffvj(l<f evdia^ofxeyog, SQbh ev&vfjLtog 
(vgl. S. 69 Anm. 20). 



3. Eap. Grundztige der Ethik des Demokritos. 107 

des Demokritos durch eine uberwaltigende Zahl zusammen- 
stimmetider Zeugnisse fest. 

Aus solchen PrSmissen begreift sich die in einer FuUe von 
Ausspruchen sich wiederholende Predigt der Enthaltsamkeit. 
In knapper Fassung kehrt der Grundgedanke des letzten Bruch- 
stucks wieder fir. 54: ^Hdoval axaigoi TixTovtfiv dr^diag^ und ganz 
gleichsinnig fr. 55 : Etrig vrtsQ^ciXkoi to iiixQiov, rd sniTegneftTaTa 
d%fQ7tia%ceta av yivoito, Dagegen 56: 2o){pQo<fvvr} td regnvd 
d€^€i xal i^dovrjv im^^ova noul. Gerade die Seltenheit er- 
hohtdenCrenuss (57); gerade wer nicht viel begehrt, dem wird 
das Wenige viel dunken, (ffuxgrj ydq ogc^ig nsvirjv lnoad^svia 
nijov%m nout (69), dagegen (70) (xe^ovsg og^isg iid^ovag iv- 
dsiag nouvdi^ und (58) al ns^C ri (fg)o3gal oge^ieg TV(plov(Siv 
ig %aXltt TTJv tpvx'j'^'j was die nah verwandten Spriiche 59 — 61 
erteutem"^). Eindisch ist es, nicht mannlich, masslos zu be- 
gehren (62) ; mannhaft ist nicht bloss wer den Feind bewaltigt, 
sondem auch wer seiner Liiste Herr wird (63) ®*). Die »Autarkie«, 
bekannt als einer der Ausdrucke, durch welche die dernokriteische 
Schule (Hekataios) das ethische Princip bezeichnete, begegnet 
ebenfalls in vier Fragmenten des Demokritos selbst (64—67), 
amq>goavvri {(fwq>gov€Tv) ausser den schon erwahnten Fragmenten 
56 und 65 noch 83. 199. 205; dxgatfirj 21. 

Eine lange Reihe von Spruchen schliesst sich an uber 
Nachtheile und Gefahren des Reichthums (68 — 72), zumal des 
unrecht erworbenen (73 — 77), uber verstandigen Gebrauch des 
Reichthums (78—81), die Thorheit des Neides (82) ; nicht bloss 
Zufiriedenheit mit dem Loose der Armuth wird empfohlen (83), 
sondern ihr geradezu der Vorzug zuerkannt (84)*'). 



31) Vgl. dazu die Forts. Ton fr. 52. Dieser einfache, also in der That 
Oiler Ton Demokritos ausgesprochene Gedanke wird besonders von Plut. 
n.€v^, zu Tode gehetzt, vgl. c. 3 p. 466 c, 8 p. 469 b, 10 in., 11 in., 12 in. 

32) Auch dazu eine Parallele bei Ps.-Hippokr. p. 364 (Hirzel H. XIV 
858*. 359'). 

33) Nicht gut bezeugt, aber mOglicherweise doch echt iat Mull. fr. 40 
= D£J 200; mit Becht erinnert Lortzing (p. 15) namentlich an den 



108 II. Untersuchungen iiber die Ethik ies Demokritos. 

Noch in einigen anderen Richtungen wird die Herrschaft 
der Vernunft uber das Triebleben erortert. Im Einklang 
mit fr. 53 verurtheilt die Geschlechtslust das merkwurdige Wort 
(85) Eustath ad Od. S 428 : 3v6fi€roi av&Qconoi fjdo^*Tai xai 
(fq^iv yivsxai ansQ %oTg dq^go^KSid^ovaiv ^ woniit fr. 86, auch 
wenn es einer physiologischen Schrift entnommen sein sollte, 
doch sachlich zusammengehort ; die zugleich physiologische 
Begriindung des sittlichen Urtheils iiber die Zustande der Lust 
und Unlust ist jedenfalls einer der echtesten Zuge dieser Ethik, 
welche die Ueberlieferung uns aufbewahrt hat. Uebrigens er- 
kennt Demokritos auch einen dixaiog igcag an (fr. 87, vgl. 
Zeller 931 2), eben den, der von der vfigig des Lustverlangens 
frei ist. 

Auch fr. 88 (Stob. Fl. 20, 56) @vfx^ iidxeadat ijuhv 
XnXenov^ dvdgog d^ rd xgaTetv syXoyiarov ist nicht zu bean- 
standen wegen der wortlichen Uebereinstimmung der ersten 
Halfte des Dictums mit Herakleitos fr. 105, wo die Fortsetzung 
so viel eigenthumlicher und kraf tiger lautet : o ti ydg dv xQ'HCT] 
yivtad^aiy xpvxr/g oirshai. Warum soil Demokritos nicht diesen 
Spruch wie andre^*) dem Herakleitos nachgebildet haben: aller- 
dings, gegen den Zorn ankampfen ist schwer; aber rechte Ver- 
nunft wird seiner Herr. Das ist niichtern gesagt, aber es ist 
wahr, und sicher ist es demokriteisch gedacht. Verwandt ist 
namentlich die, zugleich sehon und eigenthumlich genug ge- 



Schluss von fr. 52. Dagegen tr§.gt unser fr. 84 alle Zeichen der Echtheit : 
die Anfangsworte TtytaaxBiv x9^^^ kehren wieder in dem erkenntniss- 
theoretischen Fragment Sext. Adv. dogm. I 137; vgl. femer 52 Schluss, 
auch 19 und 92. Recht gut wiirden hierher dem Sinne nach auch eini^e 
Spriiche des Wachsmuth'schen Gnomol. DEJ (189. 190. 191. 193. 194, 
vgl. ten Brink Philol. VI 585) passen, doch m6chte ich darum nicht etwa 
fUr ihre Echtheit eintreten; in dieser Fassung sind sie, auch vom Dialekt 
abgesehen, sicher nicht demokriteisch. 

34) S. 0. S. 94 (zu fr. 11), femer 190, 191 neben Heracl. fr. 16. 17 (ebenso 
Anaxarchos Stob. Fl. 34, 19, Eel. II 31, 116, Clem. Strom. I 36 p. 123,498). 
und 120 cf. Her. 113; femer unten Anm. 38. Zeller PhH. d. Gr. 1» 955*. 



3. Kap. Grundzfige der Ethik des Demokritos. 109 

fassle Mahnung (89, Stob. FI. 108, 67), den herrenlosen 
Schmerz der wie im Krampf erstarrten Seele durch V^ernunft 
zu bannen. Und dem steht wiederum nahe fr. 90 : Mtya to bv 
ivfA^og^i fpQovetv a 6h, sowie 91: ^Aoyici^n^ firj ^vyx(ogtiv 
tfiCi> xard Tor fiitn* dvdyxrjaiy dann die zusanimenhangenden 
Aeusserungen uber Todesfurcht und Unlust am Leben, fr. 92 
bis 98, welche dadurch merkwiirdig sind, dass sie die Lebens- 
freude grade auf die Einsicht in die Ki5rze und Endlichkeit des 
Menschendaseins grunden wollen (vgl 92 mit 80. 84). Wie 
mehrere von diesen die allgemeine Forderung der Freiheit von 
Furcht (Diog. Laert. IX 45) erlautera konnen, so lassen sich 
92 und 96, wie auch 21 und 23 wenigstens nebenbei auf die 
ebendort ausgesprochene Forderung der Freiheit vom Aber- 
glauben beziehen; damit lassen sich ebenfalls 11, 24 und 29 
(s. o. S. 63) in Zusammenhang bringen; ja auch 41 fiovvoi 
^ioffileeg Saoig ixxfqdv to diixetv konnte gegen die Vor- 
slellung sich richten, dass man durch Opfer und Gebete sich 
den Gottern angenehm machen konne, vgl. z. B. Plat. Rep. II 
362c (w<rT€ xai -d-sotpiXstSTSQO^* avTth' elvou fidXkov ij tov 
^ixaiov) 364b sq. 365 e. — 

Wir uberblicken nunmehr in klarem Zusammenhang die 
Grandlinien dieser Ethik. Das dyad^dv od«T ^v^ifpogov wird 
bestimmt als xaXov = laov = fiirgtov. Dieses bezieht sich an 
sich auf die leiblichen wie seelischen ndxh} (oqi^ieg, sjnt^vfiiai, 
Sturmen verglichen). Demokritos kennt also ein dya&ov des 
Leibes wie der Seele; jenes die Gesundheit: Ruhe von den 
Sturmen, welche die Verfassung des Leibes aus dem Gleich- 
gewicht bringen; dieses die Ataraxie: Ruhe von den leiden- 
schaftlichen Erregungen des Gemuths. Das dya^ov und xaxov 
des Leibes aber hSngt von der rechten oder verkehrten Be- 
schaffenheil der Seele ab. Zugleich ist der Genuss der blossen 
Befriedigung des leiblichen Bedurfnisses gering und fluchtig, 
ja er wird um so weniger erreicht, je begieriger man ihm 
nachjagt; man sleigert dadurch nur die Unrast des Verlangens 
und niehrt die Muhsal, das Begehrte zu erreichen, wfthrend 



110 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

der Genuss selbst immer gleich nichtig und verganglich bleibt ; 
also, wem an der Ruhe des Gemtiths, ja an wahrem Genuss 
gelegen ist, wird der so »sterblichen« Lust des Leibes nur in 
den Grenzen des Nothwendigen nachgehen und seine Seligkeit 
vielinehr in das setzen, worauf sein wahres Heil jedenfalls be- 
ruht: in das »g6ttlichere« Leben der Seele. Sein grosser Vor- 
zug liegt nicht bloss in dem Negativen: Freiheit von der Un- 
ruhe und dem Selbstwiderspruch eines Verlangens, das doch nie 
sein Ziel erreicht, sondern es liegt positiv in dem sichern Be- 
wusstsein des Ewigen durch die Erkenntniss, in der das geistige 
Auge (vgl. S. 101, Anm. 25) dem Unverganglichen geoflfnet ist 
und, die Dinge sub specie aeterni betrachtend, selber des Ewigen 
theilhaft wird, soweit ein Sterblicher es vermag. So entspricht 
die »echte« Lust ganz der »echten« Erkenntniss: der des Un- 
wandelbaren, Gesetzmassigen in den Dingen, und beruht 
auf ihr; und so voUendet sich die Gonsequenz der Ethik des 
Philosophen im reinen Einklang mit dem Grundgedanken seiner 
Erkenntnisslehre. 

Vielleicht hat Demokritos selbst die geschlossene Logik 
dieses Zusammenhanges mehr gefuhlt als in strenger Form 
zu entwickeln gewusst. Kaum irgendwo begegnet in den 
Fragmenten etwas, das einem formellen Beweisgang ahnlich 
sahe. Dazu stimmt auch das Urtheil des Platon (Phileb. 44 c 
ov Tsxvrj dXXcl rivi dvaxeQBiijt {pvaecog ovx dyevrovg), wie 
das Schweigen des Aristoteles; noch bei Cicero klingt derselbe 
Vorwurf der mangelnden formalen Durcharbeitung nach (De fin. 
V 88 : sed haec etsi praeclare, nondum tamen perpolita, pauca 
enim neque ea ipsa enucleate ab hoc de virtute quidem dicta). 
Ganz begreiflich urtheilte man so von der in Hinsicht der 
technischen Vollendung so viel entwickelteren Stufe, die die 
philosophische Ethik seit den sokratischen Schulen erreicht 
hatte; zumal, wenn man, wie der Gewahrsmann des Cicero, 
in erster Linie nach einer ausgebildeten Tugendlehre fragte. 
Eine solche freilich fehlt bei Demokritos ganz; nur sehr bei- 
laufig begegnet einigemale das Wort dg^ri] (in den bisher her- 



3. Kap. GrundzQge der Ethik des Demokritos. Ill 

angezogenen Fragmenten nur 44. 76; sonst 121. 139. 148, 197); 
keine der Stellen erklSrt etwa, worin allgemein Tugend be- 
stehe; ebensowenig findet sich ein Ansatz zu einer Classification 
der Tugenden. Beurlheili man hingegen das Ganzc nicht nach 
solcben von aussen herzugebrachten, sondern nach seinen 
eigenthuiQlichen Gesichtspunkten, so kann man die innere Ver- 
kettung der Gedanken nirgend vermissen. 

Aber auch die Verknupfung der Ethik mit der Erkennt- 
nisslehre und Physik des Demokritos tritt uberall deutlich 
hervor. Mit jener verbindel sie der strenge, dem eleatischen 
nah verwandte Rationalismus, der Identitat und Beharrung zur 
Bedingung der Wahrheit macht, die sinnliche Erscheinung um 
ihres Wechsels und Widerspruchs willen nicht als wahrhaft 
anerkennt; nach der Physik dagegen deutet hinuber die ganz 
physiologische Vorstellung der Gemuthslagen, ebenso wie der 
korperlichen Verfassungen, als Zustande des Gleichgewichts 
Oder der Bewegung. Mag man es dabei nicht vollig consequent 
finden, dass die Bewegung den ganzen Naturlauf und so auch 
das menschliche Triebleben beherrschen soil, fur die Hohe 
des sittlich gelauterten Bewusstseins dagegen ein absoluter 
Rubezustand angenommen wird, so besinne man sich, dass die 
Erkenntnisslehre des Philosophen genau denselben, soil man 
sagen Widerspruch oder Dualismus verrMh, wenn sie erst ganz 
allgemein »dem Menschen«, wegen der nothwendig subjectiven 
Natur seines stets sinnlich bedingten Vorstellens, die Einsicht 
des Wahren abzusprechen scheint, dann aber eine »echte« Er- 
kenntniss zuverlassiger Wahrheit gleichwohl behauptet. So be- 
wahrt sich selbst in der Inconsequenz die Uebereinstimmung 
der Ethik mit der EIrkenntnisslehre und Physik des Demokritos. 
Auch sonst verr^th sich der Physiker deutlich genug in der 
Betonung der fpvaic (s. Wortregister), d. i. der die Dinge be- 
herrschenden Gesetzlichikeit; noch besonders in der ent- 
schlossenen Ablehnung des Glaubens an ein Jenseits (fr. 92). 
Wir werden demnach das Urtheil, dass diese Ethik >auch von 
einem solchenc hatte aufgestellt werden konnen, »dem die 



112 II. Untersuchungen uber die Ethik des Demokritos. 

atomislische Lehre vollkommen fremd war« (Zeller 935), eben- 
sowenig unterschreiben wie das andere : dass sie uberhaupt 
nur »eine Reihe vereinzelter Beobachtungen und Vorschriften« 
biete, die »nichl durch bestimmte wissenschaftliche Begriffe 
verknupft« seien (ebenda). 

Aber auch nieht von dem Rest der Fragmente diirfte das 
Letztere sich behaupten lassen, obgleieh voraus zugestanden 
wurde, dass er mit dem Princip nur in loserer Weise zu- 
sammenhangt. Auch diese anspruchslosen, an den gesunden 
praktischen Versland appellirenden Lebensregeln ordnen sich 
in ein einfaches System, welches einen bestimmten Kreis von 
Fragen voUstandig umspannt und fur den, der sich seines 
Grundgedankens einmal bemachtigt hat, kaum irgendwo eine 
Lucke erkennen lasst. 

B. Regeln der Lebenskunst. - 

Zum Leitfaden der Anordnung kann uns jene gliicklich er- 
haltene Eintheilung dienen, die Demokritos seiner TgiToyevsirj 
zu Grunde gelegt hatte (s. o. S. 56): zur g)Q6%*rj(TiCy hiess es, 
gehoren diese drei Stiicke, in denen »alle menschlichen Dinge 
befasst« sind: die rechte Ueberlegung, das rechte Wort, 
die rechte That. 

Zwar haben wir jetzt zum ersten Titel — ^v XoyC^eax^ai, 
— wenig mehr beizubringen ; jedoch bloss deshalb, weil fast 
alles dahin Gehorige in viel zu enger Beziehung zum Princip 
stand, um im ersten Abschnitt iibergangen werden zu durfen. 
Die Betrachtung konnte etwa (wie es von den Tnox^^xai be- 
zeugt ist) von dem Gegensatz zwischen yvcifirj {(fgoit^atg) und 
Tvxv (fr- 29—33) ausgehen, um dann den Werth der tpgoirjaig, 
zunachst nach dem Wortsinn der rechten Besinnung und Ge- 
sinnung, in den mancherlei Richtungen , in denen wir ihn 
kennen gelernt haben, zu erwagen^^). Ganz direct hierher ge- 

35) Man beachte die grosse Zahl der Spriiche, die auf (pQoirr^aig^ 
auq)Lri^ fovs, yi^tofirij ^vyeais, Xoyog, Xoyiafiog etc. sich berufen: lo. 16. 18. 



3. Kap. Grundzfige der Ethik des Demokritos. 113 

horig erscheinen alle die. Spruche, welche den unvergleichlichen 
Werth der Erkenntniss und den Gesinnungsgrund des Guten 
betreffen. Aber auch was der Begierde, den sinnlichen ndxhi 
Maass und Grenze setzt, ist ja wiederum der XoyKT/iog, und so 
fugt sich grade eine Reihe darauf bezuglicher Ausspruche unter 
denselben Titel «' XoyiXetf&ai, Von noch nicht genannten 
Senlenzen lassen sich noch diesem Kapitel zuordnen : drei uber 
Reue und Selbsturlheil (99—101), von denen z. B. das letzte 
(ngofiovXevea&ai xQsfSaov nqd rdov ngrj^Cwv ij (ULeTavoeTv) 
direct an jene Kapiteltheilung (*t XoyC^eax^ai oder fiovXev stv 
— xaX€Sg ngaTTeir) erinnert; sodann zwei auf den Begriflf 
der Hofihung bezugliche, dem Sinne nach nahverwandt den 
Fragmenten 59— 61 : KB^Xnideg at twv oQ^d {pQoveovrwv 
fqixraij ai di twv d^vvitfov dSrvaroi, und iOS^'AXoyoi tiSv 
d^vvsxwv al iXnidsg (vgl. auch 64. 201). 

Wendenwir uns zum zwei ten Hauptstuck, welches vom 
(V oder MaXcog Xsysiv handelt, so finden wir zuerst einen 
Spruch, der einer allgemeinen Betrachtung uber den Werth 
des Xoyog entnommen sein kdnnle, fr. 104 : ^laxvQorsQog eg net&ti 
Xoyog noXXaxrj yiverai xQvdov {Xoyov nei&ei, in engster Ver- 
bindung sowohl mit der Erkenntniss als mit dem Rechtthun 
auch 44). Schon die n^chsten Sentenzen (105— 107) beziehen sich 
auf das Verhaltniss von Wort und That: Aoyog igyov crxiij. 
Ev X^€ir^*) inl xaXoTg Igyfiatfi xaXov to ydg ini ^Xavgoitfi 
x$fi3fjXov xal dna%€&vog. 0avXa}v igytav xal Todg Xoyovg nagai" 
%7]Tiov (vgl. 42 0avXov . . . /ui;rff Xi^r^g lAry igydtfrj). Gegen 
Sophistengeschwatz verwahrt sich 108. 109, gegen das Immer- 
redenwollen 110. Dem Freimuth der Wahrheit zieht kluge 
Grenzen 111. 112; hauptsSchlich ist dabei wohl an Zurecht- 
weisung Andrer gedacht. Ausdrucklich darauf bezieht sich 



19. 29. 30. 33. 34. 35. 36. 37. 44. 46. 50. 52. 61. 78. 79. 81. 88. 89. 90 
gegen Unveratand 24. 58. 28. 31. Hi. 91. 60. 93—98; insbeeondere Xoytofiog 
18. 89. SiaXoyi^ea^ai 37. evXoyiaros 88. dXoyiotiri 91. g>goy€ty a del 90. 
86) EvXoyely Stob., doch wohl in der Bedeutung von ev Xiyeiy, wie 
cod. Palat. hat» dessen Lesung ich daher vorziehe. 

8 



114 II. Untersucbungen tlber die Ethik des Demokritos. 

113; besser iSngt man mit der Eritik bei sich selber an (114). 
Von Tadel und Lob und dem Verhalten dagegen sprechen 
115—119, denen sich fr. 120, Sen. Ep. VH 10 (Unus mihi pro 
populo est et populus pro uno) anreihen lasst ; eins der Worte, 
die dem Herakleitos nachgebildet sind (fr. 113 Eig efiol fiifgrn 
idv ccQiatog ^, vgl. auch Dem. fr. 211). 

Den Uebergang vom Wort zur That bezeichnen vier zu- 
sammengehorige Ausspruche (121—124), welche in Kurze be- 
sagen, dass das Wort ohne die That nichts ist*^). Vor dem 
Zaudern warnt 125, zum frohlichen Wagen ermuntert 126, 
denn Mannesmuth — so mOchte man 127 damit verknupfen — 
macht den Schaden gering. Das nSchste Fragment (128| ver- 
urtheilt den Tagschlaf, wenn er nicht durch korperliche Ueber- 
miidung oder schweren seelischen Kummer entschuldigt wird, 
wahrend ein von Plutarchos dreimal citirtes Wort (129) rath 
den frischen Tag mit frischen Gedanken zu beginnen*®). Die 
drei folgenden Fragmenle (130—132) handeln vom ttoio^. 
Demokritos zahlt nicht zu seinen unbedingten Lobrednern, wie 
denn schon fr. 19. 52. 80. 84 alle unnothige Plage und Arbeit 
verwarfen. Aber um grosser Dinge willen, namentiich im 
ofifentlichen Interesse, soil man Anstrengung nicht scheuen (133). 

Irre ich nicht, so macht der letzte Satz den Uebergang 
von den Allgemeinheiten , die mit diesen wenigen einfachen 
Satzen abgethan sind, zu einer speciellen Pflichtenlehre, 
die, von den Pflichten des ofifentlichen Lebens, als den dring- 



37) An den Titel nQccztur n dei erinnern die Ausdrtkcke 43 fitids ti 
fjLaXkop iie^yd^ea^ai xaxoy — firidiy nouiy ayBnLti\6eoy^ 44 sgday ti 
nXrififisXis — oQ&onQaydtay, 47 e^ya dixata — r« )[qboyia fiij ll^cTi^, vgl. 
das schon angef&hrte Fr. 42, und 156 e^dtiy r« ^(jioyzn. 

38) yea ig)' ri^usQn g)QoyeoyT€g ... uyLataytat. Mehr als diese Worte 
l^st sich mit Sicherheit Demokritos nicht zuweisen. Die Wendung stammt 
wicder einmal von Herakleitos, dem die Sonne yiog ig)' rffii^u heisat 
(ir. 32). Ob auch der Gedanke damit zusammenhingV Die erste der 
Plutarchstellen legt es immerhin nahe; sie kdnnte unt«r ihrem allerdings 
f?anz undemokriteischen Wortschwall doch den Kern des demokriteischen 
Gedankens bewahrt haben. 



^ 3. Eap. 6rundz(ige der Ethik des Demokritos. 115 

lichslen, beginnend, dann zu denen des Privatlebens sich wen- 
dend, nach wiederum sehr durchsichtiger Disposition bestimmte 
Hauptkreise gemeinmenschlicher Pflicht — diese ubrigens ein- 
jrehend genug — behandelt. Der ganze Rest der Fragmente 
ffigt sich ohne Zwang dieser Disposition. 

1. Oeffentliches Leben. Den Reigen eroffnen gol- 
dene Spruche uber den Werth des Staats (134. 135) und der 
staatlichen Eintracht (136—138). Von der Nothwendigkeit des 
Geselzes handeln 139. 140; der nSchste Ausspruch (141), vom 
Gehorsam gegen Gesetz und Regierung im Verein redend, leitet 
zwangloshinuberzuBestimmungen uber die Regierung, 142—145. 
Folgt (146) ein Rath an die Besitzenden, den Nichtbesitzenden 
freigebig jede Hulfe zu leisten im Interesse der staatlichen Ein- 
tracht und alter dadurch gewahrleisteten Outer — wie so 
Manches in dieser demokriteischen Slaatslehre ebensowohl ein 
Naehklang alter Spruchweisheit wie ein Vorklang des plalo- 
nischen Staats. Ein Ausspruch uber den Vorzug der Demokratie 
vor der Dynastenherrsehaft (147) schliesst sich am naturlichsten 
hier an. Von oflfentlichen Ehren handeln in verschiedenem 
Sinne 148—151 , von der strengen Pflicht der Verhutung und 
Verfolgung der Uebelthat 152— 157^*), woran sich die merk- 
wurdigen Saize 158—161 sowie 162 reihen; besondere Hervor- 
hebung verdient die Erinnerung an das Princip der €v&vfiirj 
(160) Oder evstfTci (158). 

Durchweg findet hier die Staatsthatigkeit voile Wurdigung. 
In einem gewissen Gegensatz dazu steht das sehr bekannte 
Fragment 163: Tor tvd^viisTa&ai fi^XkoiTa xQ^j M^?' noUid 
^QT^aanv firjre idir^ firjts ^vv^ xtL^ das doch im Grunde nur 
J^^sagt: man soil sich weder mit Staats- noch Privalgeschaften 
so uberladen , dass sie einem uber den Kopf wachsen. Wie 



39) Das etwas farblose Dictum Stob. Fl. 44, 15 gewinnt am ehesten 
^inn in engem Zusammenhang mit Fl. 46, 43 (wer dem. dem Unrecht ge- 
Khieht, nicht Hfilfe leiatet, macht sich zum Mitschuldigen des Unrechts; 
W Tta^tQenec^ai 156 entspricht genau dem naqiiyai 155); daher ich 
tt hier eingereiht babe. 

8* 



116 II. Unterfifuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

die Inschrift von Oinoanda (1. c. 426) bevveist, war der von 
Seneca, Plutarchos und Marcus Aurelius citirte Satz auch dem 
Epikuros wohlbekannt; an seiner Echtheit zu zweifeln batten 
wir ohnedies kein Recht, sebr bestfitigend ist namentlich die 
Begrundung durch das (sonst nicht epikureische) Princip der 
Euthymie und der gleichzeitige Anklang der Inschrift an das 
ebenfalls sebr sicbere Fr. 52 des Demokritos. Uebrigens streitet 
der Aussprucb gegen die sonstige Anerkennung politischer 
Thatigkeit ebensowenig wie etwa bei Platon die Warnung vor 
noXvTtQayfiotrm'r], die Erbebung des pbilosophiscben uber das 
politiscbe Leben gegen die lebenslange intensive Beschaftigung 
mit dem Problem des Staats oder gegen die Tbese, dass der 
Tiicbtige, schon um nicht vom Schlechtern regiert zu werden 
(vgl. Dem. 142. 143), sich der Staatsgeschafte annehmen miisse. 
An jenes Dictum schliessen sich eng an 164 und 165; das 
letztere schildert, wie 166, die iibleLage dessen, der den oflfent- 
lichen Pflichten sich weder entziehen noch in ihrer Erfiillung 
es den Leuten recht machen kann. Dem steht wiederum nahe 
167, welches zweifellos von der Rechenschaftsablegung uber die 
Amtsfuhrung (insbesondere bei jahrlichem Wecbsel der Beamten 
in demokratischen Verfassungen?) handelt*®). Nichts von dem 
alien fiihrt auf eine epikureische Geringachtung der politiscben 
Thatigkeit iiberhaupt, die erst aus der Ueberspannung des bei 
Demokritos sebr wohlumgrenzten Princips des rd bovtov nQcctftiv 



40) Ich yerstehe das etwas schwierige Fragment so: Es ist bei der 
gegenwartigen (n^mlich rein demokratischen) Yerfassung keine MGglich- 
keit, dass dem Beamten (beim Amtswechsel und der Bechenschaft tlber 
die Amtsfilhrung) nicht Unrecht geschehe, mag er noch so tiichtig sein. 
Denn »nichts Anderem sieht es 3,hnlich« (d. h. zu nichts Anderem kann 
es ffihren), dajEis er (der abgehende Beamte), als eben der der er ist, auf 
einmal wieder unter die Gewalt Andrer (nS.mlich der neuen Machthaber) 
kommt. Es mUsste also irgendeine Einrichtung getrofi'en werden, dass 
zwar, wer seinAmt unrecht gefiihrt hat, zur Bechenschaft gezogen wird, 
aber, wer es rechtlich gefiihrt, nicht in die Gewalt jener (der neuen 
Machthaber) kommt, sondem irgendeine Gesetzesbestimmung oder sonstige 
Massregel ihm Schutz gewahrt. 



N 



8. Kap. Grnndztige der Ethik des Demokritos. 117 

hervorging. Dagegen liegt es durchaus in der Consequenz 
demokriteischer Denkweise, dass der »Weise«, d. h. der wissen- 
schaflliche Forscher auch dem Staat gegenuber seine Freiheit 
wahrt und selbsi an das Vaterland sich nicht schlechthin 
bindet, denn sein Vateriand ist die Welt: (168) Uvdgl aoq>& 
nica Y^ fiavtj' tpvxrjg ydg dyaxHlg narglg 6 ^vpLTtag xoafiog^^). 

2. Zum privaten und zwar zunachst dem Familien- 
leben leitet uber der sehr weise Spruch iGQ''Ev$oi nolioiv 
lih d€a7r6Cot*a$, yvvai^i H iiwlsvovaiv ^ womit 170 sich nahe 
beruhrt. Zu den auf die Frauen bezuglichen Worten gehort, 
ausser 171, ohne Frage auch 172, dann 173. 174. Unsicherer 
ist die Deutung des mir etwas zweifelhaften Fragments 175 
(Fl. 63, 33) , doch mag es auf die Herstellung des gestorten 
h&uslichen Friedens bezogen werden. Den h^uslichen Unfrieden 
slellt als eine Krankheit des Privatlebens dar 176. Der ver- 
einzelte Satz uber die Behandlung der Sklaven (177) findet hier 
die passendste Stelle: zum hellenischen Begriflf der Familie ge- 
hort ja sehr wesentlich der olxetTqq. Uebrigens warden auch 
einige der auf den rechten Vermogensgebrauch bezuglichen 
Ausspruche, die wegen ihrer deutlichen Beziehung zum Princip 
schon oben eingereiht wurden, ganz gut hier eine Stelle finden. 

Von besonderer Wichtigkeit aber ist die Aufzucht der 
Nachkommenschaft Dass Demokritos so naiv nicht war 
sie allgemein widerrathen zu woUen, beweist gleich das erste 

41) Freudenthals Zweifel (vgl. oben S. 58 Anm. 8) ist unbegrilDdet. Will 
ouui jedes Prosawort, das sich durch leichte Umstellangeii und ZusSrtze 
10 emen Vers verwandeln lUsst. anzweifeln, so kann man weit kommen; 
gerade Demokritos verwendet h&ufig dichterische Rhythmen (s. Anhang). 
tleoes berdhmte Dictum aber ist geschfltzt durch eine kyrenaische und eine 
epikoreische Parallele, Theodoros ad^Bog (bei Diog. Laert. II 99 elyal 
^t natQida toy xoafioy) und Diogenes von Oinoanda (1. c. 444 xad'' 
htinrir fiiy ya^ dnoxofiriy tr^g yrjs (iXXtoy uXXri ^<«^^*V iatiy^ xaxa Sk 
'f^¥ oktiy 7f€^ioj[rjy tovde tov xoofjiov fiia ndyxtay nax^is ictiy ^ 
nava yfj xai els o xoigfAog olxog^ wo grade neben der Abwandlung 
des Gedankens die Anlehnung an das Wort des Demokritos auff&llt). Bei 
der zweiten Hftlfte des Fragments mag man sich auch an Cic. Tusc. V 114 
(m mfinitatem omnem peregrinabatur etc.) erinnem; vgl. Kap. VIII g.SchL 



118 II. Untersucliungen fiber die Ethik des Demokritos. 

hierhergehorige Fragment (178). Aber eben weil es keine Nolh 
hat, dass einmal AUe es aufgeben sollten fur den Nachwuchs 
Sorge zu tragen, mochte es ihm unbedenklich scheinen, seine 
personliehe Abneigung dagegen — die einerseits mit der eigon- 
Ihumlichen Stellung des coydc, andrerseits mit der Svax^geia 
gegen die Geschlechtslust (fr. 53. 85. 86) zusammenh§,ngt — 
unverhohlen auszusprechen (179 — 181). Einer seiner Haupt- 
griinde iibrigens ist die starke Empfindung von der Schwere 
und Verantwortlichkeit der Erziehungspflicht (182). Wie wenig 
er daran denkt, die Vorschrift der Enlhaltung von der Kinder- 
erzeugung allgemein machen zu wollen, beweist grade der Ernst, 
mit dem er sich eben doch auf die Erziehungsfrage ein- 
l&sst. 

Den Werth der Bildung erhebt das schon oben (S. 97) beruhrte 
Fragment 183. Um eines so werth volien Gutes vsrillen soil man 
die geringen Kosten nicht scheuen (184, vgl. S. 58 Anm. 8). 
Man wird ja nicht von selbst, durch die blosse Zeit, vernunftig, 
aufNaturanlage und rechtzeitige Ausbildung kommt es an (185). 
Den Factor der (fvaig hebt besonders hervor 186, die di6axr] 
stellt in engen Zusammenhang mit dem Schaflfen der Natur 
das von Clemens und Theodoretos citirte, aber nicht verstan- 
dene Wort 187, Stob. Eel. II 31, 65 *2); der (xd^^^mg gilt ferner 
188 und 189*^). Doch das massenhafte Lernen ohne Verstand 



42) Hervorzuheben ist hier die Verwandtschaft init der Erziehungs- 
theorie des Protagoras, nicht nur in der Unterscheidung der drei 
Factoren q)vaig^ Maj^ri, aaxriaig^ sondem auch in der Darstellung der Er- 
ziehung als einer »Umwandlung« analog derjenigen, in der das Wachs- 
thum der Organismen besteht. Dem steht sehr nahe die Theorie, welche 
Protagoras in Platens Theaitetos (166 d — 167c) vortragt (bes. 167 in. 
fiezapXrjzdoy 6* ini &dz€Qa' iI^eLvodv yaq ri Etega e^ig, ovtuy de xui 
iv t^ naideLd^ uno izigag 6^€(og ini zrjy ufxeLvo) fxeza ^Xi^zioy, 
dXX* 6 fiev Ittzgog ^a^fxcixoig fxezccficiXXei, 6 di (Sog)iazrig Xoyoig, Anaiogie 
des Landbaus 167b; cf. Protag. 334 a — c). 

43) In letzterem Fragment verdient in Hinsicht der Disposition Be- 
achtung die Wiederankniipfung an den BegrifF des novog^ von dem ja 
^uch die B^trachtun^en Ub^r di^ St^^^tsth^tigkeit ausgingen, D^r Ge> 



3. Kap. GrandzOge der Ethik dea Demokritos. 119 

thut es auch nicht (190. 191), ein gesunder Mittelweg empfiehlt 
sich (192). Auch der dritte Factor, die Uebung, ist nicht zu 
vernachlassigen (193), derEinfluss des Umgangs (194), derNach- 
eiferung (195) wohl zu beachten **) ; den Wetteifer wurdigt als 
Erziehungsinittel 197 (Stob. Eel. II 31, 57, nach Wachsmuths 
Deutung und Emendation). Eine Hauptgefahr fur die Erziehung 
ist der Leichtsinn , der zu den bdsen Lusten verfuhrt (198) **). 
Da ertbeilt die beste Lehre das Beispiel von Besonnenheit, das 
der Valer gibt (199). Auf das auch sonst so reichlich bedachte 
Kapitel des Vermogensgebrauchs beziehen sich hier wieder 
nicht weniger als vier Bruchstucke, darunter zwei umfinglichere 
(200-203). 

Schliesslich aber komrat es doch nicht allein auf die 
Jug end an: auch das Alter hat sein Recht Der Greis 1st 
eigentlich mehr: er hat die Jugend genossen, wShrend vom 
Jungling ungewiss ist, ob er das Alter erreicht (204). Das 
Alter hat seine eigenthumliche Tugend (205) und seine eigen- 
thumliche Anmuth (206) ; freilich auch seine schwere Burde (207). 

Endlich, wenn weder das Staatsleben noch das Familien- 
leben ungetrubte Befriedigung gewahrt, so bleibt Eines: die 



danke ist nah verwandt dem fr. 27 ; der Schluss mOchte zu lesen sein : 
orrctf fiiya (von so grossem Einfloss, vgl. z. B. Xenoph. Hell. YII 5, 6, 
Mem. II 8, 4) to Trjg g}vatxijc xdxrjg (oder xaxirig) iaiip (D. setzt mehr 
eine natOrliche Anlage zum Sdilechten als zum Guten voraus, vgl. fr. 193. 49). 

44) Nar zOgemd reihe ich hier ein fr. 196 (Stob. FJ. 37, 23, Democrat. 5) 
'Aya^hv ^ elyat j^Q^wy ^ fiiu^la&ai. Mullachs Deutung gibt einen guten 
Sinn und wird durch das vorige Fragment sehr nahegelegt; ob es aber 
nilfissig iiit dya^y zugleich als PrSdicat zu elyai und als Object zu 
lnfAiic^i zu faasen? Oder ob ein 9hnlicher Gedanke zu Grunde liegt wie 
plat. Protag. 323 b (n&ytag Silv gutyai ilvai Sixaiovs icey T€ ioaiy idy re 
fifl): auch wer nicht tugendhaft ist, ist doch genOthigt der Tugend die 
Anerkennung zn erweisen, dass er wenigstens vor den Leuten denSchein 
der Tugend zu wahren sucht? 

45) In den Worten avrri yce^ iaxiy § rixtei trtf iqifoyug tavzac i^ 
Ml' ^ xaxoTji^ yiyexai ist tavtag nicht anzufechten, da doch eben Demo- 
kritos iwischen guten (zutrfiglichen) und achlimmen (unzutrftglicheo) 
Lfisten unterscheidet (fr. 4—8), 



120 II. Untersuchungen Uber die Ethik des Demokritos. 

Freundschaft. Sie findet bei Demokritos wie bei Epikuros 
ausserordentliche Wurdigung. Wer Niemanden lieb hat, wird 
auch von' Keinem geliebt (208). Wer keinen braven Freund 
hat, fur den hat das Leben keinen Werth (209)**). Freilich 
Manches, was fur Freundschaft gilt, ist keine, wie umgekehrt 
(210). Nur den Verstandigen sollte man zura Freunde haben 
(211). Gleichgesinntheit , insbesondere fiber das Gute, ist Be- 
dingung wahrer Freundschaft (212. 213). Ira Ungluck hat 
echte Freundschaft sich zu bewahren (214—216). Tadelsucht 
schickt sich nicht zur Freundschaft (217). Damit ist wieder 
ein neues, doch nah verwandtes Thema angeschlagen : das der 
Umgangspflichten uberhaupt. Dahin geh5rt: Nachsicht 
gegen Fehler Andrer (218) ; nicht lachen sondem Mitleid haben 
mit des Nachsten Ungluck (219. 220); nicht streitsuchtig sein; 
Streitsucht straft sich in der Kegel selbst (221) *^) ; den Andem 
nicht in Furcht halten woUen, die zwar Schmeichelei aber 
nicht wahres WohlwoUen wirkt (222)*®); dem Andern nicht 
mit Misstrauen, obwohl mit Vorsicht begegnen (223); nicht 
Jedem, aber dem Erprobten trauen (224). Folgen vier Spruche 
fiber das Ertheilen und Empfangen von Wohlthaten (225—228). 
Auch frohliche Festfeier hat ihr Recht (229); und in heitrer 
Gesellschaft soil man nicht makeln (das will wohl 230 sagen). 
Wir sind zu Ende. Die irgend zuverlassig fiberlieferten 
Fragmente gehen in unsere Disposition ohne Rest auf, wahrend 
die wegen der unsicheren Ueberlieferung ausgeschiedenen sich 
meist schon durch den abweichenden Ton als nicht zugehorig 



46) Democrat. 65. Ueberliefert ist: Z^y ovx aiiog ot€<o fAti^eig 
iati x^r^*^^s g)iXoc. Doch gibt a(ioy einen so ungleich besseren Sinn, 
dass ich nicht gezdgert habe es in den Text zu setzen. 

47) Dem steht sehr nahe MuU. fr. 148 (Max. 54 p. 658, 34 = Dem. 
6n. cod. Paris. 1168, n. 29) *H twy nyadwy sqis (o^eXet toy ^i^kovyza firi 
pXanzovaa xov ^riXovfjieyoy , welches ich daher (mit Lortzing p. 15) fiir 
echt halten mOchte. 

48) Das kOnnte auch auf das VerhS,ltniss des Begierenden zn den 
Unterfi^ebenen bezogen werden; das Fragment w^re dann etwa mit 146, 
147 zusammenzustellen. 



3. Eap. Grondzflge der Ethik des Deiuokritos. 121 

verrathen, inhaltlich aber entweder aus der, in alien echten 
Bruchstucken einhellig uns entgegentretenden Denkweise ganz 
herausfallen, oder, wo sie in den hier dargelegten, ja sehr viel- 
umfassenden Zusammenhang sich zur Noth einfugen liessen, 
doch von dem mit schlichter Sachlichkeit verfolgten Wege der 
Betrachtung zu unsachlichen, gekunstelten Vergleichen ausbiegen 
oder in unlebendigen Allgeineinheiten sich verlieren. Mag auch 
noch dieses oder jenes einzelne Fragment sich als unecht er- 
weisen, der Gharakter und Zusammenhang des Ganzen wird 
dadoreb nicht berubrt werden. Und so wird man mit um so 
grdsserer Zuversicht dieses Ganze, eben weil es als ein solches, 
nicht als zusammengeflicktes Stuckwerk sich erwiesen hat, dem 
Detnokriios zurechnen durfen. 



Viertes Kapitel. 
Die y^Abderiten^ des Clemens (Strom. 11 31). 



Zur Nachfolge des Demokritos ubergehend, finden wir zuerst in 
dem mehrerwahnten Bericht des Clemens (oben S. 5), nicht sowohl 
einen Abriss der Geschichte der Ethik in der Schule von Abdera, 
als ihren Bestand zu einer bestimmten Epoche verzeichnet. Fur 
den ersten und dritten der dort genanntenPhilosophen wenigstens, 
Hekataios und Nausiphanes, folgt aus D. L. IK 69, dass 
sie Zeitgenossen waren; beide sind ja auch sonst zur Genuge 
bekannt; fiir den vierten, Diotimos, ist, nach dem oben 
(S. 89 Anm. 2) Bemerkten, ebenfalls anzunehmen, dass er die Zeit 
des Epikuros erlebt hat; und so empfiehlt sich dasGleiche auch 
fiir den zweiten, den sonst ganz unbekannten Apollodotos 
von Kyzikos; Usener (Epicurea, Index s. v. "A^driQixai) identi- 
ficirt ihn mit dem ApoUodoros, von dem D. L. IK 38 eine An- 
gabe fiber Demokritos Beziehungen zu Phiiolaos mittheiit. Oflfen- 
bar sind es die ietzten Auslaufer der Schule, bevor sie, 
nicht ohne tiefgehende Umgestaltung der Lehre, in doppelter 
Linie, als epikureische und pyrrhoneische, sich fortpflanzte. 
Mit der letzteren erscheint sie wie in Eins verschmolzen : zwei 
der »Abderlten«, Hekataios und Nausiphanes begegnen (D. L. 
IX 69, vgl. auch 64) neben Timon als Horer des Pyrrhon; 
dieser wiederum war Genosse des Demokriteers Anaxarchos 
und Verehrer des Demokritos (ebenda 63. 67, vgl. Euseb. Praep. 
ev. XIV 18, 763 b). So macht der Skeptiker (Timon) bei Sext. 
adv. math, (in.) mit Nausiphanes gemeinschaftliche Sache gegen 
Epikuros, der auch selbst einmal »Demokriteer« gewesen war 
(Plut. adv. Col. c. 3, p. 1108 e), dann aber sich von der Schule 
losgesagt hatte und forlan ihr feindlich gegeniiberstand. Der 



4. Kap. Die ,,Abderiten'' des Clemens (Strom. II 21). 123 

Uebefgang in die Skepsis war in sachlicher Hinsicht reichiich 
Yorbereitet durch Anaxarchos, durch Metrodoros, in gewisser 
Weise durch Demokritos selbst. 

Dass nun die bei Clemens Genannten nur Demokritos Grund- 
begriff der Euthymie nach verschiedenen Richtungen bestimmter 
auszupragen suchen, scheint mir, wie Hirzel, obwohi es nur fur 
die beiden letzten direct aus dem Bericht hervorgeht, doch fur 
alle klar. Wenn Hekataios als Endziel die Autarkie aufstellt, 
vertritt er ebenso deullich nur eine Seite der demokriteischen 
Lehre, wie Nausiphanes seine dxatanXij^ia ausdrucklich nur 
als anderc Bezeichnung fur Demokritos dd^a/xfift] gibt. So be- 
deutet die ywxotyofyicc des Apollodotos schwerlich etwas Anderes 
als tiqipi^ TTJg xfwx^^g. Etwas schwerer ist es, dem Moralprincip 
des Diotimos, der navrs'Xeux zcSv dya&cSiv, eine bestimmte 
Deutung zu geben, sie soil sich aber decken mit der demokri- 
teischen cvsatd. Vielleicht will Diotimos nur der einseitigen 
AufTassung entgegentreten, als ob Demokritos das korperliche 
Wohlsein gegen das Seelenheil ganz und gar nicht achte; zur 
Gluckseligkeit gehore eben ein jedes dyax^ov, auch das des 
Leibes; eine AufTassung, die mitDentbkritos, wie wir ihn kennen 
lemten, sehr wohl in Einklang stande. Ist dieser Diotimos mit 
dem bei Sextus erw&hnten identisch, so mochte man vermuthen, 
dass er sich dem Epikuros etwas mehr als die ubrigen gen&hert 
habe, da er genau dessen drei Kriterien bei Demokritos wieder- 
finden will. Werden dabei als praktische Kriterien schlechtweg 
Lust und Unlust genannt, so lasst sich das mit der TiaiTsXfia 
Twv dyai^wv wohl vereinigen und widerspricht ebenfalls nicht 
dera Wortlaut demokriteischer Ausspruche, lasst aber immer- 
bin auf eine mehr hedonistische, also Epikuros sich n&hernde 
Auslegung schliessen. 

Somit bieten diese so verschieden lautenden Bestimmungen, 
in ihrer dennoch klaren Zuruckbeziehung auf eine und dieselbe 
Grundlehre des Demokritos, wie wir sie aus den vorhandenen 
Berichten und Fragmenten reconstruirten, eine unverachtliche 
BesULtigung fur die Richtigkeit unserer Reconstruction, also fur 



124 II. Unterauchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

die Echtheit der Ueberlieferung. Gerade zwei Hauptpunkte: 
die Starke Betonung der Autarkic und die Bevorzugung der 
seelischen Lust, finden sich wieder bei Hekataios und bei Apol- 
lodotos. Fur die evetfTui und dx^apL^lri bedurfte es zwar kaum 
dieser Bestatigung, da jene durch die Beriehte des Stob. Eel. 
und Diog. sowie den Schrifttitel D. L. 46, diese durch Cicero 
hinlanglich feststeht. Immerhin kommt diese fernere Sicherung 
auch drei Fragmenten des Fioril. (34. 46. 158) zu Gute. 

Es ware nun sehr erwunscht, fiber die Quelle des Clemens 
einige Sicherheit zu gewinnen. Eine genaue Vergleiehung fuhrt 
fast unabweisbar auf die Vermuthung, dass die vier Beriehte, 
Stob. Eel., Diog., Clem. u. Cic. de fin. (oben S. 4—6), aus einer 
und derselben letzten Quelle stammen. Vielleicht ist es nicht zu 
kuhn, diese in der nSlchstenZeitnachEpikuros zu suchen, eben 
wegen der besonderen Berucksichtigung jener letzten Ausl&ufer 
der abderitischen Schule. Bekannt ist die Geh^ssigkeit des 
Epikuros gegen seinen einstigen Lehrer Nausiphanes; an eine 
Controverse zwischen ihm und den »Demokriteem« bewahrt 
Cic. Tusc. I 82 die Erinnerung, und denselben Streitpunkt be- 
triflFt die Auseinandersetzung bei Proklos in Plat reip. 1. X 
(Scholl, Anecd. var. II 61, 33) mit Kolotes, dem, ebenso wie in 
Plutarchos Schriften gegen Kolotes, grobe Unkenntniss des 
Demokritos, der doch der xavhjYcfjLoiv des Epikuros und der 
Epikureer sei, vorgeworfen wird. Der Autor des Plut. adv. 
Col. aber ist unzweifelhaft in der Akademie, und zwar, was 
bisher nicht genug beachtet seheint, in der mittleren Akademie, 
in der Schule des Arkesilaos zu suchen. Erinnert nun nicht 
an diesen so vielf&ltig bezeugten Gegensatz zwischen Epikuros 
und den letzten Demokriteern auch die Abwehr der hedonisti* 
schen Auslegung des demokriteischen Moralprincips bei Diogenes? 
Kann sie einen Andem als Epikuros meinen? Er ist es doch, 
der die Euthymie mit der Lust geradezu vertauscht. Auch ist 
diese »missverstandliche Auslegung (oder Auffassung)« — in 
Wahrheit vielmehr bewusste Abweichung von Demokritos — ganz 
parallel seiner Umarbeitung der Erkenntnisslebre des Abderiten, 



4. Kap. Die „Abderiien'' des Clemens (Strom. II 21). 125 

die von des Leizteren Standpunkt auch nur als Verf&lschung 
aus Unkunde beurtheilt werden konnte : Demokritos ging in der 
Ethik Yom sinnlichen Gefuhl der Lust und Unlust, wie in der 
Erkemitnisslehre von der sinnlichen Erscheinung aus, aber es 
fiel ihm nicht ein, der Sinnlichkeit darum Wahrheit (objective 
Gultigkeit) zuzuschreiben, wie Epikuros that. Auch die Zu- 
sammenstellung von Demokritos und Platon (Stob. Eel.) fugt 
sich/ dieser Auffassung. Nicht bloss hatte Theophrastos die 
Lehren beider uber die RealitSt der Sinnesquah't&ten in Parallele 
gesetzt und erscheinen Demokritos und Piaton einander auch 
bei Plut adv. Col. nahe genug verwandt, sondem auch Sextus, 
der, sicher nach Timons Vorgang, fur Nausiphanes gegen Epi- 
kuros Parte! nimmt und dessen Hauptgewahrsmann Ainesidemos 
erweislich nicht bloss auf Pyrrhon d. i. Timon, sondern zugleich 
auf die mittlere Akademie zurilckgriff, zwischen Pyrrhon und 
Arkesilaos eigentlich keinen Unterschied fand^), stellt consequent 
Demokritos und Platon als Rationalisten in Gegensatz zu dcm 
Sensualisten Epikuros; eine Thatsache, die aus unserer Ver- 
muthung sich aufs beste historisch erklaren wurde. 

In ursprunglicher Gestalt ist ireilich die von uns vorausgesetzte 
letzte Quelle sicher in keinem der vier Berichte erhalten. Fur 
Cicero steht als nSchster Autor Antiochos fest; fur Clemens 
vermuthet die gleiche Herkunft Usener (1. c). In der That zeigt 
der ganze Bericht (Strom, n 21. 22) Uebereinstimmungen mit 
Cic. de fin. V, die nicht zuf&llig sein konnen. Doch sucht man 
bei Clemens vergeblich nach einer Spur der bei Cicero so stark 
hervortretenden, fur Antiochos bezeichnenden , jung-stoischen 
Tendenz, die Lehre der Stoiker mit der der Peripatetiker und 
der alten Akademie zu identificiren. Andrerseits fehlt es nicht 
an BeruhiTmgen zwischen Clemens und Stobaios und wieder 
zwischen diesem und Diogenes. Auf eine Quelle, alter als An- 
tiochos, wird man also jedenfalls zuruckschliessen durfen. Cicero 
iuhrt aber die von Antiochos bloss benutzte, bei Clemens gleich- 



1) Forbcb. 83*. 290. 



126 II. Untersuchungen uber die Ethik des DemokritoB. 

falls anklingende, nicht minder bei Stobaios (p. 47, 19 Wachsm.) 
wiederkehrende Eintheilung der moglichen Standpunkte in der 
Frage des sittlichen T^Xog ausdriicklich auf Karneades zuriick 
(§ 16. 22 of. Acad. II 129 sq. Tusc. V 84). Und sehr einleuchtend 
ist ja die Bemerkung Useners (Epic, praef. LXVI sq.), dass die 
Akademiker bei ihrer systematischen Bestreitung sammtlicher 
dogniatischen Richtungen Zusammenstellungen der Lehren der 
beriihmtesten alteren Philosophen nach Stichworten, also in 
doxographischer Anordnung, besessen und in der Schule ge- 
braucht haben mussen. Aus solchen — zunachst also aus 
der Schule des Karneades — mag Antiochos und (durch andre 
Vermittlung) Clemens, Stobaios, Diogenes geschopft haben. 
Aber soil man nicht das gleiche Verfahren, aus dem gleichen 
Grunde, schon fur die Schule des Arkesilaos annehmen ? Folgt 
Plutarchos, was ich fiir sicher halte, der Streitschrift eines 
Akademikers gegen den le ben den Kolotes, so begreift sich 
die erstaunliche, prahlend zur Schau getragene Gelehrsamkeit. 
Auch hier aber erkennt man das Streben nach einer gewissen 
VoUstandigkeit der Uebersicht und iiberlegener kritischer Be- 
handlung der bedeutenderen alteren Systeme. 

Indessen wir sind nicht genothigt auf diese Vermuthungen 
ii^endetwas zu bauen. Wir lassen daher diesen Faden lieber 
fallen, um uns dem abtrunnigen »Demokriteer« Epikuros 
zuzuwenden. Die Vergleichung seiner Ethik mit der des Deino- 
kritos wird unserer aus der Ueberlieferung geschopften Vor- 
stellung von der letzteren zur sichersten Controle dienen; sie 
wiirde in der That fur sich allein ausreichen, sie in alien 
wesentlichen Punkten sicherzustellen. 



Funftes Kapitel. 
Epikuros. 



Epikuros geht in der Ethik ganz von demselben Punkte 
aus wie Demokritos; doch verr&th sich schon in den ersten 
S&tzen die ungleieh entschiedenere Fassung des hedonistischen 
Princips, die weit mehr an die Kyrenaiker und Eudoxos erinnert. 

LustundUnlust bllden den Ausgangspunkt aller Willens- 
entscheidung {aVgeaig und g>vyfi) ; das sinnliche Getuhl (ndi^oq) 
ist die Norm {»a%*wv) des Guten und Uebeln: Epist. Ill 128 in., 
129 tttvtriv ydg dyaddv ngwrov xal avyyevtxdv iyrtoiiuv, xal 
dni tavxtfi xatagxofifd'a ndtfrjg algsCBtog xal 917^^ xal inl 
favTfiv xa:tctv%(S(Atv oSq xavon to5 ndd'Si ndv dyocx^ot* xQivo%'%sq, 
Vgl. fr. 243 (Cic. De fin. I 22) ad haec (scil. voluptatem et 
dolorem) et quae sequamur et quae fugiamus refert omnia; 
260 nd&ri ^^ Xsyot^tfiv elvca Svo, ridovi^v xal dXyrjdova .... xal 
tijv fiiv olxstov, Ti]V Sk dULoTgiov Ji' tSr xqCveaO'ai tdg algeaeig 
xal qfvydg (auch Aristocl. bei Euseb. Pr. ev. XIV 21, p. 768 d). 
FGr die Uebereinstimmung mit den Kyrenaikern s. die Zeugnisse 
Us. p. 293, 5 und (insbes. fur den Satz, dass der Schmerz das 
gr6ssle, vielmehr einzige Uebel sei) fr. 401. 

Der erste Beweisgrund far das hedonistische Princip 
ist der allbekannte: jedes Lebendige sucht die Lust, flieht die 
Unlust, fr. 66 und bes. 397 (Cic. Fin. 1 30), 398. Mit Rechl 
erinnert Usener (p. 264, 9 adn.) wieder an den Vorgang nicht 
bloss des Eudoxos, sondem auch der Kyrenaiker (D. L. II 87. 88). 
Dieselbe Betrachtung konnte ja immerhin schon Demokritos 
angestellt haben. Allein schon das andere Argument (Cic. I. c. 
40. 41), dass Jeder die aussorste Lust als Gut, die dusserste 



128 II. UntersuchuDgen fiber die Ethik des Demokritos. 

Unlust als Uebel anerkennen wurde, vertruge sich nicht mit 
seiner Ethik, die das Extrem der Lust ausdriicklich verwirft. 

Die nachste Folgerung des Epikuros lautet: keine Lust 
ist an sich tadelhaft, keine ursprunglich , ndmlich von 
den Folgen abgesehen, der andern vorzuziehen (Sent. VIII. IX. 
X; zu VIII vgl. *EmxovQov nQoCffmif^ai^^ Wiener Studien X, 
n. 50; Gic. 1. e. 32. 33): wieder ein ganz kyrenaischer Satz 
(D. L. 1. c), dagegen nicht iin Einklang mit Demokritos, der 
einen ursprunglichen Unterschied unter den Liisten oflfenbar 
annimmt. — Man sucht also nicht Unlust oder verschmaht 
Lust, als urn grossere Lust zu gewinnen oder grossere Unlust 
zu meiden; auch das ganz kyrenaisch (vgl. bes. D. L. 90 mit 
Ep. sent. VIII). Demokritos ist diese Erw&gung insofern zwar 
nicht fremd, als auch er zeigt, wie die maasslose Begierde mehr 
Unlust als Lust erreicht und umgekehrt (fr. 53 fif. 69 ff.). Doch 
wird daraus nirgends gefolgert: also ist das Gute die Lust, 
sondem vielmehr : also betrugt sich, wer in der Lust schlecht- 
weg das Gute sucht, denn er erreicht nicht einmal das, was 
er sucht, die Lust; wogegen, wer das xaXov {Jao%>j fi^gtov) 
beachtet, sogar ein grosseres Maass von Lust gewinnt. Es ist 
unmoglich den Unterschied zu verkennen. 

Nicht jede Lust also wird man wahlen, folgert Epikuros 
weiter, obwohl jede an sich gut ist; nfimlich nicht die, welche 
grossere Unlust im Gefolge hat (Epist. Ill 129, was direct 
erinnem kann an Dem. fr. 4; ferner fr. 439. 442. 397, Gic. 32. 
33, wo p. 265, 26 obcaecati cupidine zu vergleichen mit Dem. 
fr. 24. 58). Daher kommt es an auf die rechte Unterschei- 
dung, auf die rechte A usw ah 1 unter den Lusten. In diesem 
wichtigen Satze triflft Epikuros wieder genau mit Demokritos 
zusammen: fr. 515 {rj dgetrj) nefn T?;r sxJioyijv eatt twv rjSs^ 
wr xa%' ^mxovQov, Sent. XVIII ixXoyiaig, Gic. 33 (p. 265, 34) 
dilectus (vgl. auch Sent. IX, dazu Us. p. 396, 1). Diese Unter- 
scheidung versteht Epikuros durchaus als quantitative Ver- 
gleichung, als Messung: Ep. Ill 130 t^ fisvroi cviifieigrjasi 
xal atffAfftQovTwv xai davfAgogoiv fikdipa (vgl. Dem. 5) tavta 



5. Kap. £pikuro8. 129 

narra xqivew xa&i^x€$. Denn es gibt fur ihn nur einen Quan- 
liiats-, nicht einen Qualitatsunterschied unter den Lusten: 
fr. 442 (p. 289, 20) jisTgeTtr&ai ydg avxd t^ noa^ xal ov rm 
nroiw. Somit konimt es auf die rechten Grenzen der Begier- 
den an: Sent. X to ndQug toSv dnid-v/iifSv, Shnlich XX, ogovg 
XI. So handelte Epikuros de cupiditatibus finiendis 454, &hn- 
lich 455 nisi aliquis distinxerit voluptates, ut sciai, quae ex eis 
intra naturale desiderium desistant, quae praeceps ferantur in- 
finitaeque sint, 485 dogtatov im&vfiiav, ferner 203. Sent. XV, 
Epic. Prosph. 8. Cie. 45 (p. 268, 13) 59 (272, 21) 62 (273, 8). 
So weiss Epikuros viel zu sagen von der Unersattlichkeit der 
Begierde, ebenda 43 (p. 267, 30), Epic. Prosph. 81 und bes. 
fr. 471, wo die Begierde des Unverstandigen (an der SeeJe 
Kranken) dem unstillbaren Durst des Fieberkranken verglichen 
wird '). — Im besondern unterscheidet Epikuros: naturliche 
und nothwendige, naturliche und nicht nothwendige, weder 
naturliche noch nothwendige Begierden : Epist. Ill 127. Sent. XXVI. 
XXIX (Epic. Prosph. 20). XXX. fr. 456. Die Keime der Unter- 
scheidung lassen sich bei Demokritos finden (fr. 64 (pvaig dh 
(nkdgxt]g^ wie Epic. fr. 468 quod parvo esset natura contenta; 
fr. 84 inl ToTg dvayxaCoig). 

Die Forderung des Maasshaltens im Geniessen ergibt 
sich aus allem. Zwar steht der Begriflf des fiizgiov bei Epi- 
kuros nicht so wie bei Demokritos im Mittelpunkte der Lehre 
(s. jedoch fr. 443, p. 290, 13; 470, p. 301, 8; 456, p. 295, 22 
xaiQ^ xa\ fietgtoTTjTi); uncrschopflich dagegen ist er imLobe 
ieTav*Tdgx€itt (Epist. Ill 1 30. fr. 200, cf. Epic. Prosph. 33 ; fr. 202, 
cf. Epic. Prosph. 25; fr. 46 6.476. 135 a, p. 345; temperantia Gic. 
47, p. 268, 20; continens vita fr. 476a, p. 357), der Armuth 

1) In diesem Fragment erinnern die Worte ovdeig yaQ tcay agtqoytay 
m; ij^$i wQxeltaiy fiaXkoy de olg ovx e^^i odvyavai direct an Dem. fr. 52 
und 61. AIb ParaUele fuhrt Us. auch DEJ 189 = Dem. fr. ap. 26 Mull, 
an, mit der Bemerkung: eat sententia non ab Kpicuro scripta sed secun- 
dum eum facta. Die 8entenz k5nnte ebensogut dem Demokritos nach- 
gebildet sein; sie direct ihm zuzuweisen wiirde ich freilich nicht wagen; 
vgl. S. 108 Anm. 88. 

9 



130 II. Untersuchungen iiber die Ethik des Demokritos. 

und Einfachheit besonders in der Wahl der Nahrung 
(fr. 459 ff. 200. 201). Hier erinnert ira einzelnen Sent. XXI 
(vgl. XV und fr.469) an Dem. fr. 19; fr. 463 an Dem. 53; 135 
an Dem. 68. 69. Und sind nach Dem. 66 fidj^a xal fftifidg 
Xifiw xal xonov yXvxvTaxa irjfAccra (vgl. sp. 26, S. 129 Anm. 1 : 
aQT<p xal viati xal Tjj tvxovtrrj tov (Tcifiarog axeTtrj), so kehrt 
das in zahlreichen Wendungen bei Epikuros wieder : Epist. Ill 131, 
fr. 602 (jAa^av xai vitog), 466 {ind^rj xal dxQodQvoi,q\ 467 {(id^rj 
xal g>oexfj, aqua et polenta), 181 (vSan xal agrq), vgl. 469, 
p. 357) ; auch der Strohsack fehlt nicht (fr. 207). Die Forderung 
der Massigkeit erstreckt sich besonders auf den Liebesgenuss: 
Epist. Ill 131 orav ovv Xiycofxev 7]iovriv z^Xog vTrdgx^iv, ov Tdg 
tmv dffoiTcav 'qStyvdg xal tdg iv dnoXavtfei xeipsvag X^yofiev^ 
Sg Tiveg dyvoovvrsg xal ovx ofxoXoyovvTsg rj xaxwg exdexofieroi 
vo/ii^ovtriv ^), Vgl. fr. 440; 61, Plut. Quaest. conviv. Ill 6, 1, 
p. 653 b sq. , wo bes. 653 e sehr an Demokritos anklingt 
(vgl. S. 139) und z. B. auf dessen fr. 86 Licht wirft, 62 
(= Dem. 86 a), 62 a (p. 344), 483. Selbst wenn Epikuros nicht 
dem Leibe, sondem der Seele die Verantwortung fur die ver- 
kehrte Richtung der Begierden aufbiirdet (fr. 445), entfernt er 
sich nicht von seiner Vorlage (s. o. S. 69 Anm. 13, wo schon 
die Parallele der Inschrift von Oinoanda angefuhrt worden). 

Die wichtigste Consequenz fur die Tugendlehre ist, 
dass ein Zwiespalt zwischen Lust und Tugend iiberhaupt nicht 
besteht : ovx Strriv r^ieoog ^rjv avsv tov (pgovijio^c xal xaXwg xal 
dixamg ovdk (pgovifKag xal xaX65g xal Sixaicog arsv tov iqSsvog, 
eins ist vom andern untrennbar, Epist. Ill 132, Sent. V (wozu 
Epic. Prosph. 5 und die Inschr. v. Oin., p. 447 Us.), Gic. 57 flf. 
(p. 272, 13 sq.); woraus zwar auch folgt, dass Tugend, wenn 
sie nicht zur Lust diente, zum leeren Wortschwall wurde: 
fr. 69. 70. 116. 397 (Gic. 42). 400. 423 (p. 283, 11). 504-513. 
Entfernt sich hier Epikuros einen Augenblick von Demokritos, 
so faut sofort wieder der Einklang mit den Kyrenaikem auf 

2) Das erinnert fast an D. L. IX 45 utg ttuoi naQaxovaavteg Hedi' 
Sceyto (iSriyrlaayTo), Doch ist der Sinn ein ganz anderer. 



5. Kap. Epikuros. 131 

(D. L n 91—93, Cic. De oflf. Ill 116, vgl. Zeller Ph.d. Gr. H a * 347', 
358*). Am merkwurdigsten zeigt sich die Folge dieses eigen- 
sinnigen Hedonismus an dem Begriflfe der Gerechtigkeit : Un- 
gerechtigkeit ist nicht an sich schlecht, sondem nur darum zu 
meiden, weil sie nie vor Strafe sicher ist, Sent. XXXIV. XXXV 
(Epic. Prosph. 6). fr. 18. 397 (Cic. 50—53). 531-535 (Epic. 
Prosph. 7). 582. Das ist aber wiederuni kyrenaisch (Diog. 93 
Std Tag inixfifjievag ^rj/iiag xal So^ac). So weit es sich 
iibrigens im Grundgedanken von Demokritos (bes. fr. 42—45) 
enlferat . dennoch stimmt das uberein , dass der Ungerechte 
nolhwendig unselig ist wegen der steten Furcht vor Strafe, 
Gerechtigkeit den Lohn der Ataraxie in sich trSgt; so Dem. 
46. 47, Epic. 519 {dixaioavvrjg xagnog (Adyiatog dtaQa^ia, vgl. 
Epic. Prosph. 77). 520. Sent. XVU (Epic. Prosph. 12); ahnlich 
58i So angesehen muss sogar Ciceros »noctisque diesque« 
(p. 270, 7) an Demokritos xal vnag xal ovag (fr. 47) erinnern ; 
ebenso I§sst sich Ep. fr. 18 iSv ot vofioi dnayogtvovciv (ahn- 
lich 583) vergleichen mit Dem. 52 (1. 15) ©v vofioi xoaXvovaiv, 

Sehr deutlich weisen auf Demokritos zuruck die Vorschriften 
uber das Verhalten zmn Staatsleben fr. 8. 9. 551 ff. (zu 552 
vgl. auch p. 358). Zwar nimmt hier Epikuros eine einseitig 
negative, quietistische Haltung ein ; doch tadelt immerhin auch 
er (Qc. 33, p. 265, 27) , qui officia deserunt . . . laborum et 
dolorum fuga (vgl. Dem. 133). Es nimmt nicht Wunder, dass 
sich beide Philosophen auch in der Ansicht fiber die Beschwer- 
lichkeit des Familienlebens begegnen: Epic. fr. 19. 525 u. bes. 
526; wie denn Clemens (Strom. II 23) die Uebereinstimmung 
ausdrucklich hervorhebt. 

Beruhren sich demnach beide Philosophen in den prakti- 
schen Folgerungen fast bis in jede Einzelheit (und gewiss wurden 
sich noch zahlreiche Parallelen aulfinden lassen), so nahern sie 
sich auch wieder in der Fassung des Princips, wenn Epikuros, 
ungeachtet seines hedonistischen Ausgangspunktes, hinsichtlich 
der auch von ihm als nothwendig betonten Auswahl und 
Begrenzung der Luste, die Oberherrschaft der Vernunft in 

9* 



132 II. Untersuchungen tiber die Ethik des Demokritos. 

voUem Maasse anerkennt. So wird Epist. Ill 132 der iij^xar 
Xoyicfiog gepriesen, ja die ^govrjtng, etwas inconsequent, geradezu 
als Princip (dgxi]) des Sittlichen, als lisyiaxov dya&ov dar- 
gestellt; vgl. Sent. XVI (s. o. S. 97 Anm. 16); fr. 515. Im ein- 
zelnen erinnert z. B. die Aufbietung der Vernunft zur Bekam- 
pfung des Kummers (fr. 444) an Demokritos (fr. 89). Unleugbar 
entfernt sich hier Epikuros ziemlich weit von seinem hedoni- 
stischen Princip: aber im gleichen Maasse nahert er sich 
Demokritos. Ziemlich billig zwar erscheint die Art, wie sich 
Epikuros im allgemeinen mit dem fityiaTov xaxdv des Schmerzes 
abfindet (Sent. IV, Epic. Prosph. 3. Sent. XXVIU. Epist. Ifl 133. Gic. 
De fin. 140. 49. 62); doch gehen etwas tiefer die Betrachtungen 
599 flf. betreflfend die Erhabenheit des Weisen uber jedes aussere 
Schicksal; die Freuden der Sinne werden weit zuruckgestellt 
gegen die der Erkenntniss; ja gradezu als hochster Genuss 
erscheint das Bewusstsein, uber Schmerz und ausseres Schicksal 
durch die Kraft der Erkenntniss zu triumphiren. Die Bericht- 
erstatter haben sich genugsam dariiber aufgehalten, wie hier 
der Hedonismus so ganz in sein Gegentheil umschlage ; wichtiger 
fur uns ist, dass grade hier die entschiedensten Spuren demo- 
kriteischen Einflusses zu Tage treten ; s. Epic. fr. 599 uber den 
Verlust des Gesichts und Gehors, mit Useners Anm. zu p. 337, 7; 
und 586 (cf. 188) uber die Verachtung des Ruhmes. Gut demo- 
kriteischen Rationalismus erkennen wir ebenfalls in der For- 
derung der Freiheit von Gotterfurcht (fr. 384 fif. 397, Gic. 41. 60), 
vom Aberglauben an das Gluck (Epist. Ill 134. Sent. XVI. fr. 489, 
wo man zu ao^ia d' ovdafxwq vvxv ^oircovet ebenfalls Dem. 29. 30, 
oben S. 97, vergleichen mag), von Todesfurcht (Epist. Ill 125. 133. 
Sent. U, Epic. Prosph. 2. fr. 397, Gic. 49. 60. 62. Zu fr. 497, 
tantam hominum imprudentiam esse, immo dementiam, ut 
quidam timore mortis cogantur ad mortem, sowie 498, vgl. 
Dem. 97 'Avorjiiovsq xov x^dvatov (pevyovxeq dioixovtriv), — 

Bis dahin fanden wir, trotz der entschiedenen Verscharfiing 
des hedonistischen Princips, so gut wie keine ernste Diflferenz 
in den praktischen Folgerungen; dagegen eine iiberraschend 



5. Eap. Epikuros. 133 

grosse Zahl von Uebereinstimmungen auch in Einzelheiten, die 
sowohl die Echtheit der Ueberiieferung der demokri- 
teischen Ethik ausser Zweifel stellt als die starke Ab- 
h&ngigkeit des Epikuros von Demokritos auch in der 
Ethik beweist. Waren wir mit der Vergleichung zu Ende, so 
wurde das Ergebniss lauten : es herrscht zwisehen beiden eine 
so weitgehende Uebereinstimmung, wie sie zwisehen zwei selbst- 
denkenden Philosophen nur irgend erwartet werden kann; 
Epikuros ist nieht nur von Demokritos ausgegangen, sondem 
ist, der Sache nach, Demokriteer geblieben. 

Allein etwas anders stellt sich das Urtheil, wenn man noch 
auf zwei bisher bei Seite gelassene Fragen die Aufmerksamkeit 
lenkt, in denen die Differenz in aller Scharfe zu Tage tritt. 

Erstens : hat die Lust und damit das Gute oder die Gluck- 
seligkeit ihren Quell im Korper oder in der Seele? 

Epikuros erklM auf das unverblumteste: der Quell aller 
Lust liegt im Korper, in den Sinnen, grob gesagt: im Bauch; 
so fr. 67 (mit zahkeiehen Parallelen). 200 (Epic. Prosph. 33; 
vgl. auch p. 347). 400 (fontem omnium bonorum in corpore esse, 
banc normam, banc regulam etc.). 409 {dgxrj *«* ^«T« 7ia%Tdg 
dya^av iy Ttjg yatrTgog rjSotnjy auch p. 356). Dass wir auch z. B. 
in Gic. Tusc. Ill 41 sq. 47 (Us. p. 120 adn. : modo enim [dicit 
Ep.] ne suspicari quidem se quicquam bonum, nisi sensus quasi 
titillarentur voluptate) nicht etwa gegnerische Uebertreibung 
vor uns haben, beweist die ganze FuUe von Ausdrucken, in 
denen, nach zahlreichen Zeugen, Epikuros den Kitzel {yaQya- 
lifffAog) der Sinnenlust, ihren Ansturm, ihren heiligen Auf- 
schrei (tegd dvaxgatrydaixctia) uppig genug ausgemalt hatte, 
fr. 410—415. 440 (p. 288, 32). In wie schroffem Widerspruch 
das alles mit Demokritos steht (s. bes. fr. 53), bedarf nicht 
erst des Beweises. 

Die Consequenz ist, dass auch alle der Seele zugeschriebene 
Lust ihren Quell allein im Korper hat; so Epic. fr. 67 (p. 121, 26) 
nullam enim novistis nisi profectam a corpore et redeuntem 
ad corpus animi voluptatem; 397 (Gic, I c. 55) animi autem 



184 II. UniersuchuDgen fiber die Ethik des Demokritos. 

voluptates et dolores nasci falemur e corporis voluptatibus et 
doloribus . . . eorum utramque et ortura esse e corpore et ad 
corpus referri; 429 in ovdevl t/jvxr} Tm> oiTcor niipvxs x^xiQ^^v 
xal yaXr]vil^€iv nXrjv inl adfuxrog rjSovaig nagovaaig f^ ngotf' 
ioxoofjiiraig, xal tovto avf^g rdyax^ov €(fTiv (mitParal- 
lelen) ; 430 nee gaudere quemquam nisi propter corpus nee 
dolere . . . negas aninii uUum esse gaudium quod non referatur 
ad corpus. Dieser Satz bildete einen der Streitpunkte zwischen 
Epikuros und den Kyrenaikern : 451 o S^ S. ndtrar x^Qccv %fjg 
ipvx^g oTerai inl nQotnonax^ovarj rfj (fagxl yeviffd-ai, und ov 
ndaag rag ipvxtxctg rjdovccg xal dXyrjdovag {Xiyovaiv ol Kvgtj- 
vai'xol) inl aonfAanxaXg rjdovaTg xal dlyrjiotn yivead-ai. 

Was unterscheidet demnach uberhaupt noch die seelische 
von der leiblichen Lust? Einzig der Umstand, dass die letztere 
ganz und gar an das gegenw^rtige nd&og gebunden ist, 
wogegen die erstere auf der Fahigkeit des Voraus- und Zuriick- 
blickens, auf Erinnerung und Erwartung beruht. 

Ebendarin aber zeigt sich die seelische Lust der leiblichen 
wiederum unendlich iiberlegen : so kommt es, dass zuletzt doch 
wieder auf jene das Schwergewicht fallt. Ja es kehrt sich hier 
das Verhaltniss zwischen Epikuros und den Kyrenaikern geradezu 
um. Schien vorher Epikuros der extreraere Materialist, da er 
eine eigenthumliche seelische Lust uberhaupt leugnet, so stellt 
jetzt vielmehr der Kyrenaiker die korperliche Lust hoher, Epi- 
kuros die seelische (452); sodass Lactantius geradezu sagen 
kann : Epicurus summum bonura in voluptate animi esse censet, 
Aristippus in voluptate corporis. Ein besonderer Vorzug der 
seelischen Lust — zutreflfend wiirde man sie die Lust der Vor- 
stellung, der Phantasie nennen — besteht darin, dass sie uns 
jederzeit die Freiheit lasst, bei dem Angenehmen zu verweilen, 
vom Unangenehmen den Gedanken abzuziehen (Cic. 57 est 
autem situm in nobis) wozu vgl. Dem. fr. 52; oben S. 107 
Anm. 31. Daraus begreift sich denn auch die sonst so auf- 
fallige Lehre von der Besiegung des korperlichen Schmerzes 
durch die Lust der E r i n n e r u n g, fr. 122 (Brief an Hermarchos) : 



5. Kap. Epikuros. 135 

compensabatur tatnen cum his omnibus animilaetitia, quam 
capiebam memoria rationum inventorumquenostrorum; 138 (an 
Idomeneus) dvxinaQSTdv%^o dh natti, rovTmg to xavd tpvx'fv 
%alQOv ini rfj jwv Ytyovotan^ rjfAiv SiaXoytaiAwv jAVijfij]; 191 
(auch in der Krankheit besch&fUgt ihn seine Physiologie, be- 
sonders eben die Frage:) nwg rj Sidvoia avfifuraXafAfidrovaa 
TiSi* €v j^ (fagxiSim %oiQvt(ov Kivijaetov dxagcanri rd TSiov 
i/a^ov fi^Qovaay wo doch rd TSiov dyad^dv nichts Andres heisst 
als die Lust der Erinnerung, allgemeiner, der Vorstellung. 

Die zweile wesentliche Diflferenz betriflft die Frage: ob 
die wahre Lust besteht in einem Zustande der Bewegung 
Oder vielmehr in einem von der Unruhe der Bewegung, in der 
alles Sinnliche begriflfen ist, raoglichst unberuhrten Ruhe- oder 
Gleichgewichtszustand der Seele. Hier nun ist es am 
merkwurdigsten, wie Uebereinstimmung und Gegensatz in den 
Ansichten beider Philosophen sich verflechten. 

a) Die korperliche Lust ist, jedenfalls in ihrer ursprung- 
lichen Form, rjiov^ iv xitnjaei. So Epic. fr. 1 (mit Anm. ; auch 
Cic. de fin. H 9). 2. 67. 398 (p. 274, 18. 275, 9). 411 (wo let a 
xal nQoarp^ xivrj fiara zf^g (Ta^xog direct an dieKyrenaiker 
erinnert: iU/a xivrjaig ist ihr stehender Ausdruck, t^g aagxog 
setzt hinzu Sext Pyrrh. Hypot. 1 215) 413. 433 {naaa Sid 
(fagxog imreQnrjg xlrrjatg itp* i]iovriv riva xal xagdv xfjvxflg 
ttvanefinofi^vf], wieder erinnernd an Aristippos, D. L. 
D 85: Tskog d* dnafpaivs ttIjv Xsiav xivrjaiv sig ala&i](riv dva-^ 
iiiofievfjv. Vgl. Zeller, Ph. d. Gr. Ua* 353 Anm.). Von 
dieser Lehre ist bei Demokritos keine Spur nachzuweisen ; da- 
gegen ist die Anknupfung an die kyrenaische Lehre hier wieder 
besonders greifbar. 

b) Doch gibt Epikuros schliesslich, schon in Bezug auf den 
Eorper, dem Ruhezustand, dem tvaxax^kg jundatrjim Tf^g 
(foQxdgj den Vorzug: fi:. 68 (auch p. 344 f.). 413 (p, 280, 21). 
424. Dies entspricht der Lehre des Demokritos insofern, als 
auch er das dya^ov des Leibes, die Gesundheit, als Gleich- 



136 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

gewichtszustand, als Ruhe von den Stiirmen, die ihn erschuttern 
und aus dem Gleichgewicht bringen, erklart. 

Hierauf beruht nun der eigenthiimlich epikureische Begrifif 
der xaTaatrjfiaTixf] v^dovrj. Verstanden wird darunler die 
Steigerang der Lust bis zu dem Grade, dass alle Unlust des 
Begehrens uberwunden ist, uber welche Stufe eben eine weitere 
Steigerung nicht moglich ist. Sie entspricht oflfenbar der wieder 
erreichten Gleichgewichtslage des Gefuhls. Jede Enlfernung 
von dieser bringt Unlust und damit das Begehren der Ruck- 
kehr zu ihr; die Riickkehr ist Lust; sie ist ein Bewegungs- 
zustand, soiange noch eine Unlust zu iiberwinden, solange noch 
ein Rest ungestillten Verlangens bleibt ; sie geht in begehrungs- 
lose Befriedigung, also in Ruhe iiber, wenn das Gleichgewicht 
wiederhergestellt ist. 

Dies ist der Sinn der scheinbar negativen Erklarung gerade 
der hochsten Lust als Freiheit von aller Unlust. So 
4r / Ep^. in 128 TovTov ydg xa^tv ndvxa TrgdnofAeVy ortcog fxr.T€ 

dXywfXsv fiTqra TagfidSfisv. orav d^ ana^ tovto negl i^fxdg 
yevTjTaty Xvsrat ndg 6 trjg tpvxfjg x**iW«i', ovk ^x^vto^ ^ov ^foov 
Padi^siv cog ngog ivd^ov ti xal ^rjfceiv Sxegav o) ro %Yjg xpvxfjg 
Ttai Tov (fcofXttTog dyad^ov (TVfATtXrjgcitrsrai, %6t€ ydg rjdovfjg 
Xgeiav ^xofAsv^ ovav ix %ov fii] nagetvai %rjv rjdovrjv dXycSfiev' 
(oTav d^ fxrjd^v dXyd5fX€v\ ovx^xi Trjg rjiovrjg Ssof.isd'a, Danach 
konnte es einen Augenblick scheinen, als soUte die (positive) 
Lust gar nicht das eigentliche r^Xog sein. Allein es heisst gleich 
weiter : xai did romo Tiijv i)Soi'rjv dgxy]v xal TdXog X^yofjiev slvai 
TOV /laxagicog f^i'. Vgl. ferner Sent. Ill {ogog tov fxeyix^ovg 
Toov ijdovcSv rj navTdg tov dXyovvTog vne^afgstng). S. XVIIl. fr. 397 
(Gic. 37.38). 416. 417. 419. 422 (wo iv ala^asi xa^sCTcSTsg 
den Ausdruck xaTaaTrjia, rji. gut erklart). Aus fr. 397 (Gic. 37) 
398 (quod ea voluptas, quae in motu sit, et parvos ad se ad- 
liciat et bestias, non ilia stabilis, in qua tantum inest nihil 
dolere) geht hervor, dass die ursprungliche Lust die iv xivrjaei ist. 

Wahrend nun liber die letztere Epikuros mit denKyrenai- 
kern einvers^anden ist, bildet die xaraaTrjfAaTixrj ijdo^nj wieder 



5. Kap. Epikuros. 137 

einen Streitpunkt zwischen beiden Schulen. Die Kyrenaiker 
wollten nicht einsehen, dass die Freiheit von Schmerz uber- 
haupt Lust sei: fr. 1. 450 (D. L. 11 87) ov vtjv xocvatrTijuiaTixrjv 
r]iotijv X. T. i., (ibid. 89) ij J^ rov dXyovvtog ine^aiQfaiq ... 
SoKH avrotg iirj elvai rioviq ouS* rj driiovia dXyrjddi* — h* 
TUYiCH yaQ elvM dfitfOTSQa — , firj ov(Ti]g vr^g drtoriag rj rr^g 
ttifioriag Mi*i^<T€wg, in si rj dnovCa otovcl xax^evSoiTog strri 
natdctamg. Vgl. fr. 451, Clem. Strom. II 21 p. 179, 36 vfxoov 
xttrdtrTatrtv y und noch schroflFer Philon (Us. p. 356, 19) rJQsiiia 
ydg Xix^w fjUv xal ^vX(p xal naiTl difwxto oixeXov, dXXoTQiov 
ik i^orfj. Sehen wir, wie sich Epikuros vertheidigt (Gic. 1. c. 
37): nam quoniam, cum privamur dolore, ipsa liberatione et 
vacuitate omnis molestiae gaudemus, omne autem id quo gau- 
demus voluptas est, ut omne quo oflfendimur dolor, doloris 
omnis privatio recte nominata est voluptas . . . itaque non pla- 
cuit Epicuro m e dium esse quiddam inter dolorem et voluptatem. 
illud enim ipsum quod quibusdam medium videretur, cum omni 
dolore careret, non modo voluptatem esse, verum etiam sum- 
mam voluptatem. quisquis enim sentit, quem ad modum sit 
affectus, eum necesse est aut in voluptate esse aut in dolore. 
Ebenso 420 novov xal rjSovr^g firji^v elvai fji^tfov ... f^Sstf&ai 
ti fu] dXytiv xal novsTv t6 fjii} (jjdea^aC) Xsyovtsg, Doch ist 
das Letztere ungenau, nach Cic. 56: non placet autem detracta 
voluptate aegritudinem statim consequi, nisi in voluptatis locum 
dolor forte successerit: at contra gaudere nosmet omittendis 
doloribus etiam si voluptas ea, quae sensum moveat, nulla 
successerit. , 

Wie es kein Mittleres zwischen Lust und Unlust gibt, so 
auch keine Mischung: 421 ^n. ovx oTezai fAiyvv(f&ai Xvnrjv 
rJJoi'g, fAfjS^ ydg dyax^^ to xaxov. , 

Ebensowenig ist in der Lustempfindung als solcher je ein 
Irrthum: Cic. 55 nuUus in ipsis error est finibus bonorum et 
malorum, id est in voluptate aut in dolore, sed in iis rebus 
peccant, cum e quibus haec cfBciantur ignorant. 



188 II. Untersucliungeii fiber die Ethik des Demokritos. 

Man k6nnte versucht sein zu glauben, dass Epikuros mit 
alien diesen Satzen gegen Platons Philebos streite, denn 
dort finden sich alle vier von ihm abgelehnten Satze: blosse 
Freiheit von Unlust ist nicht wahrhafl Lust, obwohl sie als 
Lust erscheint ; es gibt einen Mittelzustand ; es gibt eine Mischung; 
es gibt, aus alien diesen Grunden, einen unwahren Schein in 
der Lustempfindung selbst, ja diesem Schein unterliegt alle 
Oder fast alle korperliche Lust; dagegen nicht die eigenthum- 
lich seelische Lust der Erkenntniss. Jedoch verr§.th sich 
nirgends eine Spur davon, dass es Platon sei, gegen den 
Epikuros streitet; vielmehr antworten wenigstens die beiden 
ersten Satze deutlich auf die Angriflfe der Kyrenaiker; vgl. Us. 
p. 271 adn. 

c) Nach der allgeraeinen AuflFassung des Verhaltnisses der 
seelischen zur leiblichen Lust bei Epikuros macht es keine 
Schwierigkeit, dass die xaraatrj^atMrj ridovt}^ die zun^chst den 
Gipfel der leiblichen Lust bedeutete, weiterhin vollig identisch 
wird mit jenem Ruhezustand der Seele, in dem Demokritos 
das hochste Ziel sah. Hier finden wir denn in reicher Fulle 
die sammtlichen charakteristischen Ausdrucke des Demokritos 
wieder. Epist. Ill 128 Xverai nag 6 'ifjg t/jvxrJQ xeifidv^ 
und schon vorher rijr tov amfxatog vyitiav xal vijv rijg 
ipvxrjg draga^iav, 131 fJirjTe dXyelv xcccd (ffSfux firjzs 
TagccTTSfTx^ai xutcc xpvxriv, 132 %dg io^ag s^elavvoiVj S^ 
(ov nXHUTog Tag ipvxdg xaraXafJifidvei ^ogiffiog. 135 orJ«- 
noT€ SiaTccQaxx^^aji. Epist. 181.82. Sent. XVII, Epic. Prosph. 12, 
vgl. fr. 519. Dann fr. 2 ij fihv ydf draga^ia xai (rj add. Us.) 
dnovCa xaraaTrj/naTixai slfTiv rjSm'aL 428 a (p. 356) f] rijg 
xpvxrjg drdgaxog xaTatfTaaig. 556. 426 {rlavxCa, o'Xo^'Jt ^(ftiivrj). 
So oftmals in Ciceros Bericht : 43 sapientia enim est una quae 
maestitiam pellat ex animis, quae nos exhorrescere raetu non 
sinat, qua praeceptrice in tranquillitate vivi potest omnium 
cupiditatum ardore restincto. 46 vias quae ad qui e tern et 
tranquillitatem ferant. 47 quia pacem animis aflferat et eos 



5. Eap. Epiknros. 139 

quasi concordia quadem placet ac leniat. 49 ut enim mortis 
metu oranis quietae vitae status perturbatur. 58 neque 
enim civitas in seditione beata esse potest nee in discordia 
dominonim domus: quo minus animus a se ipse dissidens se- 
cunique discordans gustare partem uUam liquidae voluptatis et 
liberae potest, atqui pugnantibus et contrariis studiis consiliis- 
que semper utens nihil quieti videre, nihil tranquilli potest. Die 
Krankheiten der Seele, die Begierden, storen die Annehmlichkeit 
desLebens mehr als die des Korpers u. s. w. Dann, mit deut- 
lichem Hervortreten der Grundmetapher, 425 (Cic. Tusc. V 16) 
ut maris igitur tranquillitas intellegitur nulla ne minima 
quidem aura fluctus commovente, sic animi quietus et placatus 
status cernitur, cum perturbatio nulla est qua moveri queat. 
434 (Sen. ep. 66, 45) animus constat sibi et placidus est: quid 
accedere ad banc tranquillitatem potest? Quem ad modum 
serenitas caeli non recipit maiorem adhuc claritatem in sin- 
cerissimum nitorem repurgata, sic hominis corpus animumque 
curantis et bonum suum ex utroque nectentis perfectus est 
status et summam voti sui invenit, si nee aestus animo est nee 
dolor corpori. Neben draga^ta gebraucht auch Epikuros, doch 
vergleichsweise nicht haufig, das Wort yaXr^vrj, Epist. I 37 
{fy/alrjViXo9v) 83 (yaAiyricTjUoi') fr. 425 {yaXtjvia) 429 (yalrjvi^aiv) ; 
so aucb in rein physiologischem Sinne fr. 61 (Plut. Quaest. 
conv. Ill 6 p. 653 e yaXijt^fjj 655 b dnoyaXr^viaaq^ neben TaqaxiQv 
not (fdlor, xnnjT^xdv Tagaxrjg 653 e, TccQaxrjV 655 b; vgl. Demo- 
kritos, oben S. 105 Anm. 30). Ob auch av^vfi la als epikureischer 
Terminus vorkommt, erscheint nach den vorliegenden Zeugnissen 
fraglieh. Usener fuhrt den Terminus auf unter 520 (Plut. de 
virt et vit. 3 p. 101 b) ty J^ V^XS ^^^ itrtiv syyeveffxtai yfj&og 
ovii j^a^ai' fiifiaiofy dv fjir^ to € v x^vfAov xal atfo^ov xal O^ag- 
gaXiov Saneg iSgav i] yaXf]rrj%' clxXvatov vno^dXr/vai^ dXXd 
xdr vnoiistdidari tig iXnlq i* tegipig^ avrrj xaxv ^govTidog 
ixgaysiiSffi Sen eg ir evdi^ (fniXdiog avvexvxh^ xal 
avveragdx^r]' Usener bemerkt dazu: Plutarchum Epicurea 



140 II. Untersuchnngen fiber die Ethik des Demokritos. 

praecepta exprimere manifestum est; doch liesse sich wohl 
mit gleichem Recht an Demokritos denken; beide stehen sich 
in diesen Ansichten so nahe, dass eine Scheidung ohne sonstigen 
Anhalt kaum mogllch ist. Sehr ahnlich ubrigens lautet 544: 
7?7r. TayaOdv iv %(p fiad-VTario rijg ilj<Tvxi(xg Sctieq iv dxivrfrw 
Xi(.iivi Ttai xa)(p<S rid'^fierog ... Und auch 548 (Jo. Chrysost. 
in epist. ad Rom. hom. I t. IX p. 435 d Montef.) begegnet 
evx^vfiiav, evv^vfioregog in ziemlich epikureischem Zusammen- 
hange. An sich hat es naturlich gar keine Schwierigkeit, an- 
zunehmen, dass Epikuros mit dem Gedanken auch den Aus- 
druck von Demokritos entlehnt hat; dass er sich aber, in so 
vielen Stellen, die sich direct oder indirect auf Epikuros zuruck- 
fuhren lassen, nur so selten findet, ist vielleicht weniger Zufall 
als x^bsicht. — Diese Satze waren langst geschrieben, als mir 
Useners Abhandlung uber die Inschrift von Oinoanda durch 
die Freundlichkeit des Verfassers in die Hande kam ; dort lesen 
wir nun (S. 426) in dem Briefe des Epikuros an seine Mutter 
Ghairestrate : ovSh' ovrmg ed&v fii'ag noirjTixov^ mg ro fAtj 
TtoXXd nQdaasiv (xrjSh SvaxoXotg iTiixsiQstv TtQaYfiaaiv fir^dk 
nagd Svvafitv ti fiid^€<Tt^ai tjJi* iavtov, ndvTa ydg tocvva 
Tagaxdg ivnoi^t tfj (pvasi {tdg fifyftfrag?) — fast ein Gitat des 
demokriteischen fr. 163. Usener bemerkt dazu (S. 425): »jeder 
Zvveifel an dem Verfasser und an der Entwicklungsstufe der 
epikureischen Lehre wird durch ein einziges Wortchen gehoben, 
€v&v/xia. Das ist das Schlagwort der Ethik des Demokritos, 
von dem unter Vermittlung des Nausiphanes Epikurs Lehre 
in alien Theilen ausgegangen ist. Aber wie Epikuros 
alle Beziehungen zu seinem Lehrer Nausiphanes durchgeschnitten 
hat, so hat er mit der vollen Ausbildung seines Lehrgeb^udes 
auch jenen demokriteischen Begriff fallen lassen; 
der begegnet kein einziges Mai in den bisher bekannten Schriften 
und Bruchstucken. . . . R. Hirzel, der auch fur die Ethik Epikurs 
die Abhangigkeit von Demokritos zu erweisen versuchte, kann 
nun ein urkundliches Zeugniss fur sich anfuhren«. 



5. Eap. Epikuros. 141 

Kurz beruhrt sei endlich noch die iiberschwangliche Schil- 
derung der Seligkeit des vollendet Weisen, der lebt ojg x^fog iv 
ur&QmTroig' oix^kv ydg ioixe x^vqtM foJw fw r SvO^gcoTiog sv dv^avd^ 
toigdya^otg (Epist. HI 135, vgl. fr. 602 flf., Epic. Prosph. 33). 
Selbst das erinnert an Demokritos Mahnung, »nicht am Sterb- 
Iichen« seine Lust zu haben, an seine Unterscheidung der 
seelischen Guter als der »g6ttlicheren« von den »menschlichen« 
des Leibes (fr. 7. 8). Jedenfalis, wer solehe Piatonismen bei 
Demokritos fur verdachtig halt, soil uns erklaren, wie sie bei 
Epikuros rooglich sind. 

Es ist kamn nothig, das Facit noch ausdrucklich zu Ziehen. 
Die durchg^ingige Abhangigkeit des Epikuros, auch in 
der Ethik, von Demokritos durfte erwiesen sein. Sie beweist 
sich fast deutlicher noch, wo er von ihm abweicht, als wo er 
mit ihm harmonirt. Die Uebereinstimmungen erstrecken sich 
immerhin zum Theil auf Satze, die Epikuros nicht grade nur 
von Demokritos entlehnen konnte. Eben das vielmehr scheint mir 
vorzuglich beweisend, dass auch in der freisten Umbildung der 
Zusammenhang mit Demokritos stets erkennbar bleibt; beweisend 
besonders darum, weil das Verhaltniss des Epikuros zu Demo- 
kritos in der Kanonik und in der Physik genau dieses ist, der 
vorgefundene Sachverhalt also durchaus nur dem entspricht, 
was man der Analogic nach erwarten musste. Fortan scheint 
jeder Gedanke an eine durchg^ngige oder auch nur auf grossere 
Partien sich erstreckende Falschung der Ueberlieferung uber 
Demokritos Ethik ausgeschlossen. Eine evidente Parallele bei 
Epikuros kann, nach dem aufgewiesenen Thatbestand, wo nicht 
besondere Umst^nde in Frage kommen, gradezu als Bestatigung 
der Echtheit eines als demokriteisch uberlieferten Ausspruchs 
gelten. — 

Die Behandlung der Ethik des Epikuros bot bereits viel- 
fach Anlass auf eine andere Lehre Rucksicht zu nehmen, deren 
Zusammenhang mit Demokritos nicht minder klar ist: die 
kyrenaische. Sie steht, als zweite Hauptform des antiken 



142 II. Untersnchnngen fiber die Ethik des Demokritos. 

Hedonismus , der epikureischen im allgemeinen nahe, doch 
zeigten sich, neben sehr bestimmten Aehnlichkeiten, charakte- 
ristische Unterschiede. Es ist nun ein anziehendes Problem, 
wie beide hedonistische Systeme sich zu dem des Demokritos, 
ihrer gemeinsamen Quelle, verhalten, da doch dieses nicht ohne 
erhebliche Einschrankung hedonistisch genannt werden kann, 
vielmehr der schroff antihedonistischen Ethik des Tim on gleich- 
falls zum Ausgangspunkt gedient hat. Da Epikuros directe 
Beziehungen zur kyrenaischen Ethik zeigt, Timon dagegen 
raehr fur sich steht, beginnen wir mit den Kyrenaikern. 



Sechstes Kapitel. 
Aristippos. 



Ohne Bedenken darf vorausgesetzt werden, dass die kyre- 
naische Ethik in ihren Grundzugen von Aristippos selbst stammt. 
Der Einwand wenigstens, dass man schon im Altertbum 
Schriften des Aristippos von unbestrittener Echtheit nicht be- 
sessen babe, scheint mir (wie Zeller, Ph. d. Gr. Ila* 344') nicht 
allzuviel auf sich zu baben ^). Eusebios aber (Praep. ev. XIV, 18, 
p. 764a) sagt vom alteren Aristippos nur, er babe nicht, wie 
sein gleichnamiger Enkel, ausdruckhcb von reXog und t^vSaifiovia 
gesprochen, sondem nur »dera Sinne nach« gelehrt, das T^Xog 
sei die Lust. Entschieden ist die Sache fur den, der eine Be- 
rucksichtigung der Lehre des Aristippos schon bei Platon an- 
nimmt. Zeller setzt eine solche, wie die meisten seit Schleier- 
macher, besonders im Philebos voraus. Wirklich stimmt die 
hedonistische Lehre, die dort eine so eingehende Kritik erfahrt, 
roit der kyrenaischen in den wesentlichsten Zugen uberein; 
dennoch scheint aus Aristot Eth. Nic. X 2 hervorzugehen, dass 



1) Panaitios (D. L. II 64) kennt nnr keine sokratiflchen Gespr^he des 
Aristippos oder erkennt sie nicht an; dass er Qberhaupt keine Schrifb 
▼on jhm als echt habe gelten lassen, ist nirgends gesagt. Von den zw5lf. 
die Sotion (ebenda 85) fUr echt hielt, finden sich sechs anch unter den 
Torher (84) aufgez&hlten 25 Dialogen, die andem nicht; IJeQi naiSeiag^ 
Ilt^i ciQeTrjs, Ileqi tvxfiSj IlqotQBniixog varen wohl keine GesprS^he: 
Demetr. de eloc. 296 l&sst Qberhaupt auf einfach abhandelnde Form 
scfalieasen. St&nde aber aoch die Gesprftchsform fQr alle Schriften fest, 
so folgt noch nicht, dass es auch sokratische Gespr&che d. h. solche waren, 
in denen Sokrates redend eingeftihrt wnrde: fiir die Chrien z. B. ist das 
schon dorch Titel wie (84) Il^g Jioyvaioy, *Eni trig ^^oyvaiov ^vyar^og 
ansgeschlossen. Panaitios kann demnach ganz wohl, wie doch nun einmal 
tkberliefert ist, dem Urtheil des Sotion beigetreten sein. Nun ist es zwar, 



144 II. Untersuchnngen Uber die Ethik des Demokritos. 

sie sich vielmehr gegen Eudoxos richtet, der in den Gnind- 
lehren mit Aristippos vollig einig ist (vgl.Usener, Preuss. Jahrbb. 
LIII 16). Doch triflft die Voraussetzung eines lust- und schraerz- 
freien Zustands mil der zu Grunde gelegten Erklarung (42 e, 
53 c) eher auf Aristippos zu (vgl. Zeller, Arch. f. Gesch. d. 
Philos. I 172 flf„ Ph. d. Gr. Ila* 352*); und dieselbe Ansicht 
wird von Platon auch im Staat (583 c, e vgl. 505 b) beriick- 
sichtigt, wo doch wohl nicht an Endoxos zu denken ist. Das 
Wahrscheinlichste ist demnach (vorausgesetzt dass der Philebos 
spater als der Staat ist), dass im Staat als Hauptvertreter des 
Hedonismus Aristippos vorschwebt, dass aber Platon, durch 
die in der Akademie selbst auftretende hedonistische Lehre des 
Eudoxos veranlasst, im Philebos auf die Frage zuruckkommt, 
daher jetzt in erster Linie Eudoxos und nur nebenbei auch 
Aristippos berucksichtigt. 

Beschrankt sich nach diesen Annahmen die platonische 
Beachtung der Ethik des Aristippos auf wenige Punkte, so ist 
um so wichtiger, dass seine Lehre von der absoluten Subjec- 
tivitat der Empfindungen unverkennbar und zwar sehr sorg- 
faltig im Theaitetos behandelt wird (Arch. UI 355 flf. ; Zeller 
ebenda V 182, Ph. d. Gr. P 1099). Ich glaube nun Arch. IH 
518 f. bes. Anm. 12) gezeigt zu haben, dass diese Lehre den 
Einfluss des Demokritos in sehr deutlichen Spuren verrath. 
Mit ihr steht aber die kyrenaische Hedonik in genauem Zu- 



nach der (allerdings nicht viel beweisenden) Analogic des Falls VII 163 
und der sonst bekannten Hyperkritik des Panaitios ebensowohl mSglich, 
dass bei Diog. 85 ein Irrthum vorliegt und Panaitios in der That gleich 
Sosikrates alle dem Aristippos zugeschriebenen Schritten fur unecht er- 
klart hat. AUeinsein Urtheii wurde fiir unsebensowonig unbedingt mass- 
gebend sein wie das des Sosikrates. Seine Ansicht fiber die Schriften des 
Stoikers Ariston z. B. (D. L. VII 163) erscheint (nach Gercke, Arch. f. 
Gesch. d. Philos. V 215) ebenso anfechtbar wie die des Sosikrates uber 
die des Diogenes von Sinope (VI 80; vgl. Zeller 283* Schl.; Dammler, 
Antisthenica 64). Sotion urtheilte eben anders; und wenigstens spricht 
fur ihn, dass die JiatqtfiaL schon durch Theopompos (A then. XI 508c) 
bezeugt sind. 



6. Kap. Aristippos. 145 

sammenhang. Nach Theaet. 156 b (vgl. auch Sext. Adv. dogm. 
1 199 injX£$ ydg xd ndxh) xal ini %d t^Xtj) gehoren Lust 
und Unlust vor allem selbst zu den Empfindungen und gilt 
also alles von diesen Gresagte ebensogut fur sie. Daraus er- 
kl&ren sich sofort zwei wichtige Punkte der kyrenaischen Ethik: 
1) die allgeineine Aufifassung der Lust und Unlust als Zustande 
der Bewegung (xnm^ai^ oder des Werdens {yivsaig^ nicht ovaia^ 
so ubereinstimmend Phileb. 53 c und Aristot. Eth. VII 12 p. 1152 b 
12. 13. 1153a 13, vgl. Theaet. 156 e sq. und schon 152 d), ge- 
nauer einer solchen Bewegung, die stark genug ist um bis zur 
Seele zu gelangen (Phileb. 43 b, Arist. 1. c. yiveaig elg g>v<fiv 
ai<r^r)Trj, D. L. II85£ic aTcxhfjaiv dvaSiiofiivrjVj Zeller II. cc), 
wahrend, wenn die Bewegung zu schwach bleibt, um gemerkt 
zu werden, der dritte, lust- und schraerzfreie Zustand eintritt; 
i) die Einschr^nkung der Lust und damit des Guten oder, im 
spateren Ausdruck, des rslog^ nach strengster Fassung, auf die 
Gegenwart, auf den Augenblick desEmpfindens, mit Ausschluss 
der Vergangenbeit und Zukunft; mit der Begrundung : ixlvsax^ai 
ydg T^ XQ^'^'^ ^^ ^'7^ V^^XV^ xivt}fAay und: fAovtn' ydg rjfAiregw 
(Irai TO nagov — eine einstimmig durch Athen. XII 544 a, 
Aelian. Var. hist. XIV 6 und D. L. 66. 87 f. 89 f. (vgl. Zeller 
355 *) bezeugte Lehre, auf die erst das rechte Licht fiJlt durch 
die stricte Beschr^nkung der (in jedem Fall bloss subjectiven) 
Wahrheit der Empfindung auf den Augenblick des Empfindens, 
auf das nagov ixdtrxfp nd-^og (Theaet. 156 d sq., 179 c, womit 
ubrigens der Sache nach alle directen Berichte ubereinstimmen, 
SexL wie Plut adv. Col. 24 wie Aristokles bei Eusebios, s. Zeller 
348*). Im Berichte des Aelian nun feUt der demokriteische 
Terminus s i/^ v /u i a auf *). Ganz auf demokriteischer Basis aber 
beruht doch die Unterscheidung der drei Zusttode, namentlich 
in der Darstellung des Eusebios (Praep. ev.XIV 18, p. 764 b) : die 
befUge Bewegung des Schmerzes (jgax^ia xhrjtfig D. L. 86) 
^leicht danach t^ xatd x^dXccaaav x^^f^^'^'^9 die sanfte 

2) Auch die Worte «V* ^H^9^ ^h^ yyto/Ariy exeiy (ibid.) erinnem an 
I^m. fr. 52 (1. 6) nnd 129. 

10 






146 II. Untersuchnngen fiber die Ethik des Demokritos. 

Bewegung der Lust {XeCa xhT^trig D. L. 85. 86. Sext. Hypot. I 215, 
Adv. dogm. Ii^)T w Xe^tp xvfjLari oder ot^gitp dv^fita, der lust- 
und schmerzlose Zustand der Windstille, YttXrjvrj, Eusebios 
spricht zun§.chst vom jungeren Aristippos; da aber das AUge- 
meine des Vergleichs sicher Demokritos angehort, von dem 
Aristippos in der Erkenntnisslehre so deutiich beeinflusst ist; 
da yaXrivri als ethischer Terminus ebenfalls Platon bekannt ist; 
da endlich der ausdrucklich (D. L. 85) fur den alteren Aristippos 
bezeugte Ausdruck Xsia xhtjtng in diesem Vergleich seine uber- 
zeugende Erklarung findet, so ist nichts wahrscheinlicher, als 
dass schon er, in directer Anknupfung an Demokritos, dieses 
Vergleichs sich bedient hat, der Enkel also, hier wie uberhaupt 
(nach D. L. 86 ol fikv avv inl rfjg aywy^^ rr-g ^AQKtrinnov 
fAcivaiTsgy im Unterschied von den mehr oder weniger ab- 
weichenden Richtungen des Hegesias, Annikeris und Theodoros), 
die Lehre des Grossvaters treu wiedergab. 

Bestfttigend sind mehrere Einzellehren ^ von denen be- 
sonders, durch die doppelte Uebereinstimmung mit Demokritos 
und Epikuros, als in diese Entwicklungsreihe gehorig sich er- 
weist die Fordening der Freiheit von Gotterfurcht {isiaiiai- 
pLovla D. L. Cob. p. 54, 40. 50, Clem. Strom. VII 7, 41 p. 306 fin. Sylb.) 
und Todesfurcht (D. L. 1. 51). Auch die Vaterlandslosigkeit, die 
den Kyrenaikern mit Epikuros gemein ist (Xen. Mem.U, l,8flf.), 
die ubrigens selbst bei den Kyrenaikern nicht absolut zu ver- 
stehen ist (nach Diog. Cob. 54, 12, vgl. 55, 35), knupft doch 
wohl an Demokritos an; wenn auch erst fur Theodoros die mit 
dessen fr. 168 wortlich ubereinstimmende Formel uberliefert 
ist: elvaC %€ naxgCSa rov xoafxov (Cob. 56, 12). 

Steht nach dem alien der Einfluss der demokriteischen 
Ethik auf die kyrenaische wohl zur Genuge fest, so ist es jetzt 
unsere Aufgabe, ihr Verhaltniss einerseits zu Demokritos, andrer- 
seits zu Epikuros genau zu bestimmen. 

Auszugehen ist hier von der jedenfalls merkwurdigen That- 
sache, dass der demokriteische Ausdruck yaXrivr} gebraucht 
wird, aber nicht fur den erstrebten Zustand der Lust, sondern 



6. Eap. Aristippos. 147 

fur den lust- und schmerzfreien Zustand, der dem des Schlafen- 
den (D. L. 54, 8), ja des Todten (Clem. Strom. H 21, 36 p. 179, 37 S.) 
gleichgeachtet wird ; die Lust bestehe vielmehr in einem Be- 
wegungszustand, jedoch nur in gelinder, nicht sturmischer Be- 
wegung. 

Hier glauben wir den Ursprung der epikureisehen rjiovt] 
iv xiviljcei zu erkennen. Es best&tigt sich, dass diese dem 
Deraokritos fremd ist , da die Eyrenaiker , mit denen hier 
Epikuros bis zu den Terminis ubereinstimmt, sie in aus- 
drucklicher Unterseheidung von der yaXijtn]^ dem rilog des 
Demokritos, aufstellen. Diese ist daher, wie es dem Sinn des 
Vergleichs auch allein entspricht, streng als Ruhezustand zu 
verstehen. Aristippos konnte sich damit nicht befreunden. 
Robe schien ihm Indifferenz zu bedeuten. Dennoch behielt er 
nicht bloss das allgemeine Motiv der Vergleichung des Gemuths- 
zustands mit der Ruhe oder Bewegtheit des Meeresspiegels bei, 
sondeni auch die Verwerfung der hefUgen, sturmischen Be- 
wegungen; es sind genau die fAsydXaioder ix fuyaloiv iutafrj- 
fuitmv xivr^cetg (Dem.tr. 52); den Hass der Extreme, der (rg>o3Qal 
ogefu^ (fr. 58), theilt auch er, folgert aber nicht, dass also 
TolligeRuhe das Ideal sei, sondem sanfte, leichte, widerstands- 
lose Bewegung, ^hnlich der vom gunstigen Wind sanft be- 
wegten Welle. Es ist wohl offenbar, dass dies die begreif- 
lichste Entstehung der Lehre von der Xela TuvrjCiq ist. 

Und nach diesem Vorgang versteht sich, meine ich, 

doppelt die ungleich complicirtere, der Erkl&rung wahrlich be- 

durftige Lehre des Epikuros. Er konnte dem Einwand des 

Aristippos nicht v511ig Unrecht geben: er erkannte die ifJori^ 

iv xivt^trsi an. Vielleicht noch aus einem besondereti Grunde. 

Aristippos nSmlich stellte die korperliche Lust, die Demokritos 

verworfen hatte, weit voran; wiewohl er daneben eine eigen- 

thumliche seelische Lust nicht leugnete, die denn auch von 

seinen Nachfolgem gegen Epikuros behauptet wird. Die k5rper- 

liche Lust aber beruht weit sichtbarer als die seelische auf 

einem Bewegungszustand. Epikuros nun nahm ebenfalls von 

10* 



148 II. Unterguchnngen fiber die Ethik des Demokritos. 

der korperiichen Lust seinen Ausgang, so sehr, dass er sogar 
gegen die Kyrenaiker die ganzliche Abh§.ngigkeit aller seelischen 
Lust von der korperiichen behauptete. Kein Wunder, dass er, 
eben fur die gemeine, korperliche Lust, die Definition des 
Aristippos, die sich ja wortlich bei ihm wiederfindet, gelten 
liess. Allein er wollte dennoch den Grundgedanken des Demo- 
kritos, der vielmehr in derRuhe desGemuths das HSchste sah, 
nicht preisgeben ; zumal er sich, von einer andem Seite, auf 
die Lust der Seele als die vorziiglichere zuruckgefuhrt sah; so 
entstand denn, in nicht voUig ausgeglichenem Widerstreit, jene 
zweiseitige Ansicht, welche die Lust sv xivrjcei, zwar voUauf 
anerkennt, aber doch ihr als das Hohere die xaTatrTrjfiaTixrj 
gegeniiberstellt; fur diese, die oflfenbar vorzugsweise als seelische 
Lust gedacht ist, waren ihm die demokriteischen Ausdrueke 
yaXrjvr^j d%aQa^la, das evaTad^sg, der ganze uberredende Ver- 
gleich der Ruhe vom Sturm willkommen und finden bei ihm 
die reichste Verwendung. Um diesen immerhin gewagten 
Ausgleich aufrechtzuhalten, war er dann genothigt, gegen die 
Kyrenaiker, die ihm hart zugesetzt zu haben scheinen, zu ver- 
fechten, dass die Freiheit von Schmerz positive Lust sei (da- 
gegen die Aufhebung der Lust nicht schon positiver Schmerz), 
und dass es einen indiflferenten Zustand uberhaupt nicht gebe. 

Doch mag das alles blosse Vermuthung sein; das fur uns 
wichtige Resultat bleibt : dass Demokritos nach allem eine Lust 
iv xivrjifei als Gut nicht kannte oder anerkannte, sondem, 
wenn er von edO'Vfjiirj oder svsatw sprach, nur jenen Zustand 
der Seelenruhe im Sinn hatte, den die Kyrenaiker dem des 
Schlafenden oder Todten gleich achteten, und den Epikuros 
zwar auch will, aber nur als hochsten Gipfel der in der Be- 
wegung bestehenden Lust (die er nicht missen wollte) ansiehL 

Das wird denn auch durch alle unsere Kenntniss von 
Demokritos Ethik bestatigt. Zwar solange nur die Extreme, 
das Zuviel und Zuwenig verworfen, Maasshalten empfohlen 
wird, ware eine Auflfassung ahnlich der des Aristippos denk- 
bar. Aber schon wenn (fr. 7. 8) ein Unsterbliches oder Gott- 



6. Eap. Aristippos. 149 

liches als Ziel aufgestellt wird, so geht das uber eine solche 
Ansicht weit hinaus. So fuhrt denn auch fr. 53 (verglichen 
namentlich mit 7) entschieden darauf, dass die korperliche Lust 
uberhaupt nichtig und zum wahren Ziele deg Strebens un- 
lauglich ist ; vollends fr. 6 stellt das Gute zum Angenehmen in 
einen begrifflichen Gegensatz, der es vollig ausschliesst, es als 
identisch mit mSLssiger Annehmlichkeit zu denken. Und im 
gleichen Sinne entscheldet die Erklaning der sv&vfifrj bei D. L. 
IX 45, welche sie 1) ausdrucklich von der i^Sovi^ unterscheidet 
und sie 2) definirt als die Verfassung, xad^ ijv yaXrjvcSg xal 
fvaraxPwq rj tpvx^ Suxyei vtto fATjSevdg taQcetTOfisvri . . . 
nd^ovg. Also kein Tra^oc, keine Gemuthsbewegung , kein 
Affect darf die Seelenstille storen, das heisst yaiiyviy. Vgl. 
auch fr. 50 <Tog>(rj i^ yjvxrjv Tra^^oir dq>aiQ€trai. 

Fur diese Ansicht bietet grade die kyrenaische Lehre noch 
eine weitere, obwohl indirecte Bestatigung: naralich gradezu 
jenem aus Diog. Laert. citirten Satze entgegengesetzt erscheint 
die Lehre (D. L. II 91), wonach der Weise zwar von Deisidai- 
monie, Neid (vgl. Dem. fr. 82), leidenschaftlicher Liebe, von 
alien auf »leerer Vorstellung« beruhenden Gerauthserregungen, 
nicht aber von den »naturlichen« Aflfecten der Trauer und 
Furcht frei ist (vgl. auch Annikeris, ebenda 96: juij elval re 
ttvtdgxr] vdv Xoyov ngSg rd v^aQQfjactt xal rijg twv noXXdSv So^rjg 
vnegdraa yevea^ai). In dieser bestimmten Unterscheidung kann 
der Satz nur einer Lehre entgegengestellt sein, die, im Ver- 
Irauen auf die Macht der Vemunft, Freiheit von alien Aflfecten 
forderte; und nach der ausdrucklichen Formulirung Diog. 1X45 
wie nach aller unserer sonstigen Kenntniss ist dies die Lehre 
des Demokritos, auf den besonders deutlich die Abwehr der 
Deisidaimonie hinweist. 

Sind diese Vermuthungen richtig — und ich meine, es 
sei kein Entrinnen vor ihnen — so folgt, dass die Ethik des 
Demokritos sich betrachtlich mehr dem Standpunkte der 
»Apathie« nftherte, wahrend auf diejenige des Aristippos eher 
der Terminus »Metriopathie« passt. 



150 II. Untersuchangen fiber die Ethik des Demokritos. 

Und dies ist nun der Punkt, von dem aus die dritte ethische 
Lehre sich begreifl, die, neben der kyrenaischen und epikurei- 
schen, an die des Demokritos anknupfl, die s kept ische. In 
scharfem Contrast sowohl zu der entnervten Hedonik der Kyre- 
naiker wie zu dem weniger sittlich als logisch schwachen 
Sowohl-als-auch-Standpunkt des Epikuros bewahren Pyrrhon 
und sein Interpret Timon ungleich reiner den ursprunglichen 
Sinn der demokriteischen Lehre, indem sie die draga^ia und 
yaXr^vrj im strengen Sinne der Apathie deuten. 



Siebentes KapiteL 
Die Skeptiker (Timon-Aineftidemos), 



Der Zusammenhang der skeptischen Moral mit der derao- 
kriteischen braucht nicht erst bewiesen zu werden (s. o. S. 122). 
Von Pyrrhon berichtet, in Ermangelung von ihm hinterlassener 
Schriften, eine Anekdote (D. L. IX 68), wie er im Seesturm 
selbst yaXr^vog av dv^ggooae ttjV yjvx^v und Andem diegleiche 
dtaQtt^ttt empfahl. So ruhml Timon den Meister, wie er als 
Mensch erreicht habe zu leben ^ai;a fA€&* rjtrvx^tjQ — fiovvog 
Iv dvS^Qmnoiai %^€ov xgonov i^sfiovsvwv — aUl dffQotTitTttog xal 
dx$viJTaig xard %av%d (D. L. IX 65. Sext. Adv. dogm. V 1, 
vgl. Ill ; zu d^Qov%(a%m auch Cic. De fin. V23, De off. I 69. 72 
securitas). Wundert man sich, selbst aus dem Munde des Skeptikers 
den Weisen gottgleieh gepriesen zu horen, so erklart sich die Be- 
zeichnung genau im Sinne des Demokritos : das Gottliche be- 
deutet das Unwandelbare, sich immer gleich Verhaltende. So 
macht sich Timon (Sext. 20) auch anheischig — dXr^^eitjg 
Sqi^ov ixwv xavova — zu erklSren, oig rj tav x^ctov re (pvaig 
xal Tdya&ov aUl (wo doch wohl x^sTov einfach synonym mit 
dYa&ov), i^ (ov laoTaxog yivsTai drdgl fiiog — wieder ein 
demokriteischer Grundbegriflf: xaXdv iv uuvtI to Xaov (fr. 51); 
was durch die n^ere Erklarung (vnegfioXtj di xal iXXeiyj^g ov 
fioi doxft) weiter mit fr. 52, folglich mit der evx^viiCr}^ dem 
n/cTTa^rff, der YcckqvT} und dtaga^ir} zusammenhtogt; zugleich 
erklUrt sich das dxi%^%wg durch den Gegensatz gegen die ju«- 
ydlai xivi^cug des letztgenannten Fragments. Und so finden 
wir die charakteristischen Ausdrucke (Sext. 141): cvdaifKov 
[U%* icTiv 6 dxagaxfog d^^dywv xal^ dg iXsyev 6 Tlfimi*^ iv 
ijo'v^f^ xal yaXrjvotr^Ti xad-eardg* 'ndt^rj ydg ineXxs 
yaXijVTf xal Vdy d' oig ovr irorja* iv vrjvsfitrjtfi yaXtjvtjg*, 



'tV 



152 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

Wird so die Ataraxie im strengen Sinne verstanden als 
unbewegter Zustand des Gemuths, so ist es nur folgerecht, dass 
derWeise nachTimon d^vyrjg xal dvaigexog ist (Sext. 164), 
dass als skeptisches xeXoq neben der draQa^ta (D. L. 107; 
Aristocl. bei Euseb. XIV, 18, p. 758 d) die dnd&eia auftritt 
(D. L. 108. Cic. Acad. H 130. De fin H 43. in 11 sq. IV 43. 
Sext. Hyp. Ifl 235; ddid^ogov D. L. 63. 66, vgl. Stob. Flor. 
121, 28, doQia%Btv Sext. Hyp. I 28, Adv. dogm. V 111). 

Von Timon an hat sich diese Lehre durch die Vermittlung 
des Ainesidemos bis auf Sextus fortgepflanzt, bei dem die 
Spuren der alten Grundauffassung sich reichlich nachweisen 
lassen. Sogleich in der Erkl^ung uber das skeptische rsXog^ 
Hyp. I 25 — 30, steht im Mittelpunkt die Ataraxie ^) ; ebenso in 
der ausfiihrlicheren Darstellung Adv. dogm. V 112 — 141*). 

Hier tritt uns die aitere skeptische Lehre, die des Pyrrhon 
und Timon, noch in voUiger Reinheit entgegen. Dagegen zeigt 
schon die erstere Darstellung eine Modification, uber welche 
Adv. dogm. V 142— -167 genauere Auskunft gibt. Aus 163 f. 
ersehen wir, dass man gegen die skeptische Apathie eingewandt 
hatte, sie bedeute den VerzichtaufdasLeben {rov fiiov dgveirai)^ 
sie mache den Menschen zur Pflanze; wofiir man sich immer- 
hin auf Anekdoten wieD.L. 63 und 66 {cig xaXsndv eh] oXoaxegdog 
ixdvvai TOP av&Qwnov) berufen konnte. Das ist ja der 
Vorwurf, der auch bei Cicero stereotyp wiederkehrt. Die Ant- 



1) Zu beachten auch 27 to dfietQtos enai^ea^ai (vgl. Adv. dogm. 
V 146 nSQay tov fiex^iov yeyrj^e) und g)opovfjLevog triv fj.eTapoXi]y, 
Zugleich auf Timon und auf Ainesidemos weist der Vergleich 29 (os axia 
aaifiati, nacli D. L. 107. 

2) So 116 ov&enote dnaXXuyrlaetai ta^axrjg . . . ffg)o^Q(og taQa^&ijaetai 
... dia t^y vn SQ^oXriy t^s x^9^^ ••• ovdenote rlQ€fj.i]aec, 117 ovre 
. . . clfX6Qifj>y6g ifftiy . . . ovte . . , navXay exei tc5y paadytoy, 118 pmaetai 
efdaifAoyuyg xal dtaQdx(og, fjn^xe ht dya^t!^ (og dya&<^ enaiQOfieyog fjirJTe 
enl xaxM ((og xaxto) xanBiyovfABvog ^ to fniy xat* dydyxrjy irvfxfiaZyoy 
yeyyixwg dexofneyog, tov cfe xara do^ay oxXrjQov . . . iXev-9-e^ovfieyog, 
125 dnaXXayrj ttay tctQct^aiy, dydnavXa t^g oxXijaecog. 130 Xvcig B(Fi€ti 

rjg taQcix^^ ^^^ ei^rjyaiog ^fjidg ixdeSezai fiiog. 



7. Kap. Die Skeptiker (Timon-Ainesidemos). 153 

wort des Skeptikers stutzt sich auf eine feine Distinction zwischen 
Leben und Lehre: der Dogmatiker freilich muss nach seiner 
Philosophie auch leben, oder er widerlegt sich selber, der folge- 
rechte Zweifler dagegen, der sogar seinem Zweifel selber zweifelnd 
gegenubersteht, braucht ihn eben darum nicht zur Richtschnur 
des Lebens zu wShlen, sondem kann der unphilosophischen 
Gewohnheit folgen (165). Dass das nicht die ursprungliche 
Lehre, sondem spatere Abschwachung ist, durfte klar sein; 
nach D. L. 62 lasst sich vermuthen, dass Ainesidemos ihr Ur- 
heber war. Alles, was wir von Pyrrhon wissen, beweist viel- 
mehr einstiimnig, dass er das Ideal der Apathie auch im Leben 
zu verwirklichen redlich bemuht war, wenn er auch gewiss 
mehr als einmal erfahren haben wird, »wie schwer es ist den 
Menschen ganz und gar auszuziehen.« 

Uebrigens wissen die Skeptiker jenem Einwand noch in 
bestimmterer Wendung zu begegnen: es ist zu unterscheiden 
zwischen dem, was von der Meinung oder Vorstellung, folglich 
vom menschlichen Willen abhangt, und worin wir dem Zwange 
der vemunftlosen, rein sinnlichen Affection unterliegen. Dass 
wir frieren und dursten, dagegen vermogen Vernunftgrunde 
freilich nichts (Hyp. 29), es ist dxovaiov nd&og, es sind aXoya 
Tuvripuxra des sinnlichen Gefuhls (Adv. dogm. V 148; xivrjfjux 
ebenso 158. 159. 161). Gegen die brutale Gewalt des sinnlichen 
Gefuhls also ist die Skepsis machtlos, doch gewdhrt sie das Eine, 
dass man das Uebel wenigstens nicht verschlimmert durch die 
Vorstellung dass es ein Uebel sei. Wird also der Skeptiker 
freilich erschuttert (ragaTTetai), denn er stammt ja nicht von 
Eiche und Stein, so kommt er doch leichter davon, er duldet 
raSssiger (juTQiona&eT, Hyp. I 25 ; HI 235—238 ; Adv. dogm. 
V 161, auch 148 fAei^Qid^si nach Bekk.).^) 



3) Interessant sind die billigen TrSstungen ebenda 152 — 155 wegen 
ihres stark epikureischen Charakters (vgl. Epic. £p. Ill 183, Sent. IV, 
fr. 446 — 448. 503 und weitere Parallelen Us. p. 895) ; zu beachten auch 
die epikureischen AusdrQcke wie &iaxeofj.dy(^ 149 (Epic. fr. 410) ; ygl. 106, 
wo neben dia^ely das n^oarivkg xatdartjfia aufif^lt; dazu Parallele Hyp. 



154 11. Untersochungen fiber die Etliik dcs Demokritos. 

Stellt dieser Satz von der Metriopathie einen sehr naturKchen 
Compromiss dar, von dem aber die altesten Skeptiker oflFenbar 
nichts gewusst haben, so weist dagegen die ursprungliche Lehre 
von der Apathie um so entschiedener auf Demokritos zuriick ; 
sie stellt nicht nur eine von vielen moglichen, sondem ini 
Grande die folgerichtigste Auslegung der demokriteischen 
Ataraxie dar. Grundverschieden bleibt naturlich die Ansicht 
fiber den Weg, auf dem zur Ataraxie zu gelangen ist; aber 
auch da verleugnet sich nicht der historische und sachliehe 
Zusamraenhang. Der Skeptiker gedenkt die Gemuthsruhe zu er- 
reichen durch dieSkepsis selbst: dieBefreiung von den falschen 
Meinungen fiber die Dinge, die zugleich den Verstand in tausend- 
f^ltigen Wlderspruch mit sich selbst und das Gemuth in Unruhe und 
Verwirrang bringen, bedeutet also zugleich den Gewinn der Ge- 
mfithsruhe ; dasAnsichhaltendesUrtheils, dierahige, indififerente 
Haltung des Geistes, die vor dem Irrthum bewahrt, verschaflft 
zugleich die Seelenstille, welche die Glfickseligkeit bedeutet*). 



Ill 184 (beachte 185 (Jiixqi trig ^^X^^ ^latelveiv), Diese aucli sonsfc nach- 
weisbare Anlehnung der Skepsis an den Epikureismus (vgl. Forsch. 276 ff.) 
erklgjrt sich aus der gemeinsamen Ankntipfung an Demokritos : der Skep- 
tiker empfindet von alien dogmatiscben Systemen das epikureische doch 
noch als das ihm ng.chststebende. 

4) Timon hat offenbar ein (pvaei dya&ov und xaxov geleugnet (nach 
Sext. Adv. dogm. V 140, wo wohl mit Hirzel vo^a^ zu lesen, vgl. 164; 
Euseb. Pr. ev. XIV 18, p. 762 in.); in dem Sinne namlich, dass irgend- 
eine als begehrens- oder verabscheuenswerbh vorgestellte Sac he es an 
sich sei. Aber gerade in dieser indifferenten Haltung glaubt er die Ge- 
milthsruhe, als das wahre dya&ov^ zu erreichen (Adv. dogm. Y 20); was 
nur dann kein directer Widerspruch ist, wenn diese Gemuthsruhe streng 
negativ verstanden wird. Die ausfahrliche Darlegung, ebenda 42 — 44, 
68—109 (vgl. Hyp. Ill 179—190), geht wohl im wesentiichen auf Ainesi- 
demos zuriick. piese ganze Beweisfuhrung ist beherrscht von dem demo- 
kriteischen Grundg^danken, der iiberhaupt im Mittelpunkte der Lehre 
des Ainesidemos steht (vgl. Forsch. 96. 101 f. 188'. 189): das Wahre 
(so auch das wahre Gute) mdsste fiir Alle gleicherweise erscheinen, 
ein solches aber findet sich nicht, da vielmehr alles, was als wahr (oder 
gut) behauptet wird, nach jeweiliger Disposition des Subjects und wech- 
selnden Umst3.nden sich bald so, bald auf entgegengesetzte Weise zeigt; 
vgl. die Anwendung dieses Argumeuts Q.uf das f^^v Se^t. ^dv. dogm. Y 98 
mit DQm. fr. 6i 



7. Kap. Die Skeptiker (Timon-Ainesidemos). 155 

Was war denn bei Demokritos der Weg zur Gemuthsruhe? 
Doch wohl auch die Befreiung von irrigen Meinungen, die 
nur nach ihm nicht zum Verzicht auf alles Urtheil uber die 
Wahrheit der Dinge, sondem zur Scheidung der »echten« Er- 
kenntniss von der unechten, des irefj vom v6fji,(p ov fuhrt. Dem 
entspricht, dass die Lust der Seele (nSmlich der Erkenntniss) 
fur Demokritos positiven Werth, fur den Skeptiker den aus- 
schliesslich negativen der Apathie, der Adiaphorie hat. Darf 
man die Consequenz der Sache noch einen Schritt weiter ver- 
folgen, so ergibt sich fur Demokritos diese Auffassung: die 
echte Lust, die Lust der Seele, des Verstandes, entspricht der 
echten Erkenntniss, die unechte der unechten, namlich sinn- 
lichen Erkenntniss ; diese wechselt je nach der augenblicklichen 
Verfassung der Organe, ist daher auch verschieden ffir die ver- 
schiedenen Subjecte ; ebenso die entsprechende, sinnliche Lust ; 
die wahre Lust dagegen ist, wie die wahre Erkenntniss, ge- 
riehtet auf das Unwandelbare und fur alle Identische, ist mit- 
hin selbst unwandelbar, fur alle identisch. Dafur ist dann 
yaXi^in] und aTaga^ia der treffende Ausdruck, das Tcor, die 
ttQfAorirj und ^vfifieri^irj weist in gleiche Richtung, und wir er- 
halten eine einheitlich klare Ansicht. 

Wie aber alles, was uns von Demokritos Ethik uberliefert 
ist, wirklich in dieser Grundansicht sich vereinigt, das bestatigt 
am uberzeugendsten die letzte Vergleichung, die wir hier durch- 
zufahren uns vorgenommen batten: die mit Plat on. Es ist 
fur den, der einmal in diesem weiteren Zusammenhange sich 
die Frage gestellt und darauf Platon gepruft hat, die uber- 
raschendste Thatsache, dass sozusagen die ganze Ethik des 
Demokritos, wie sie sich bis dahin, ganz ohne Rucksicht auf 
Platon, herausgestellt hat, Zug um Zug wiedererstanden ist in 
der platonischen. Es ist verzeihlich, wenn, wem diese Ueber- 
einstimmung im Einzelnen hier und da aufSel, der ganze Zusam- 
menhang der hier dargelegten Thatsachen aber nicht vor Augen 
stand, auf den Gedanken kam, was uns als Ethik des Demokritos 
uberliefert ist, sei von einem hochst geschickten FSlscher grossen- 



156 II. Untersuchangen fiber die Ethik des Demokritos. 

theils aus platonischen Motiven zurechtgemacht. 
AUein die vierfache Uebereinstimmung mit den Abderiten des 
Clemens, mit Epikuros, mit den Kyrenaikern, mit den Skeptikern 
schliesst diese M5glichkeit vollig aus, und so bleibt nur die 
andere Annahme: dassPlaton, so gut wie jene alleund natur- 
lich mit der gleichen Freiheit, aus Demokritos geschopft hat. 
Von den Neuern scheint das, was zu verwundera ist, bisher 
Niemand bemerkt zu haben ; unter den Alten besitzen wir einen 
nicht zu verachtenden Gewfihrsmann an dem wohlunterrichteten 
Autor von Stobaios Eel. II 7. Die einzige Bemerkung, dass 
auch Platon die Ataraxie kennt, hatte eine nahere Unter- 
suchung ISngst veranlassen sollen. 



Achtes Kapitel. 
Platon. 



Um uber die Frage zur Klarheit zu kommen, ist die erste 
Bcdingung, dass man sich von dem Vorurtheil ganzlich frei 
macht, als habe Platon, der Idealist, sich zu Demokritos, dem 
Materialisten, nothwendig in schroflfen Gegensatz stellen miissen. 
Ausser dem Autor des Stobaios ist doch Theophrastos (De 
sens.) wie Sextus andrer Ansicht ; man darf es doppelt sein, 
nachdem, wie ich glaube, der wesentlich rationalistische Sinn 
der demokriteischen Erkenntnisslehre, ihre genaue Anknupfung 
an die eleatische Philosophie, bewiesen ist^). 

Die Untersuchung hat auszugehen von den beiden Stellen, 
wo Platon die Ethik des Demokritos nicht bloss benutzt, son- 
dem auch auf sie hingewiesen zu haben scheint, Phileb. 
44b sq. , Rep. 583 b sq., vgl. Hirzel, Unters. I 141 flf. , Herm. 
XIV 356 f., meine Forsch. 200 flf. und Arch. lU 521 flf. Ich 
habe dem fruher gelieferten Beweise, auf Grund gegenwSrtiger 
Neuuntersuchung der ganzen demokriteischen Ethik, Manches 
hinzuzufugen, was, wie ich glaube, die Frage zur Entscheidung 
zu bringen geeignet ist. 

Es ist wahr, dass die dort von Platon beifillig citirte, mit 
einer fur uns unwesentlichen Modification angenommene Lehre 
sich in der Abweisung der korperlichen Lust um einen Grad 
schroflfer zeigt als Demokritos in den erhaltenen Berichten und 



1) 8. dartlber, ansser m. Forsch. IV ond dem ergftiizenden, zum Theil 
berichtigeiiden Nachtrag Arch. I 348, auch Philos. Monatsh. XXV 219, 
XXVI 470 ff. u. bee. Philol. L 276. 281 ". 



158 11. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

Fragmenten ^), Aber an sich ist gerade ihm diese Verscharfung 
wohl zuzutrauen, entspricht sie doch der Gonsequenz seiner 
ganzen Anschauung, namentlich der klaren Forderung seiner 
antisensualistischen Erkenntnisslehre. Und wenn der Ausspruch 
fr. 6 echt ist — nach allem Bewiesenen aber gibt es keinen 
echteren ■— so hat er doch eben thatsachlich dem sinnlichen 
i^id nicht bloss den Gharakter des dya&ov^ sondern auch den 
des dXrjx^hg gradezu abgesprochen ; das ist es aber genau, was 
die belden platonischen Darstellungen besagen. 

Doch wurde man um diese Allgemeinheiten wohl noch 
lange vergeblich streiten konnen, >venn nicht auch bestimmte 
Einzelheiten namentlich in der ausfuhrlicheren Darstellung des 
Philebos sich nachweisen liessen, die mit demokriteischen 
Fragmenten klSLrlich ubereinstimmen. Die Aehnlichkeit des 
ovdhv vyieg (Phil. 44 c, Rep. 584 a) mit dem ovdkv xgr^aTov 
Dem. fr. 53 will ich nicht geltend machen, das wurde auf die 
allgemeine Frage zuriickfuhren. Entscheidender ist die Abwehr 
der insQ^dXXovaat, rjiovai (Ph. 45 b , vneg^x^vaai d), der 
(fg)oiQd TJiovTj (e; ferner46e, 47a b, Dem. 58); die Anschauung, 
dass den grossten Lusten auch diegrossten Unlusterregungen 
entsprechen (45 e /isyiffrai (nh* rjiovaiy (iiyia%ai. dh xai 
XvTtai, b ivSeia, vgl. Dem. fr. 70 /i^^ovegydg oge^isg fi^^ovag 
ivSeiag noi€vai\ was eben das Krankhafte, von der normalen, 
gesunden Verfassung Abweichende der ubermassigen Lust 



2) Glanbt man jedoch daran Anstoss nehmen zu mtUisen (well eine 
80 wichtige Lehre in den sonst so ausgiebigen Berichten und Fragmenten 
nicht habe verschwinden k5nnen), so erw&ge man, dass, nach dem Lobe 
des ungenannten Autors als Physikers (Phileb. 44 b), die von Plaion be- 
nutzte Er($rterung vielleicht gar nicht in einer ethischen, sondern in einer 
phjsischen Schrift stand; begreiflichf da ^doj/jf und Xvnri fiir Demokritos 
jedenfalls, wie ftir Epikuros und Aristippos, zu den Sinnesqualit&ten zghlten, 
also in der Lehre von den Sinnesqualit&ten uberhaupt (ihrer Wahrheit 
Oder TrQgiichkeit) behandelt werden m u s s t e n. Wie dazu der ganz phy- 
siologische Gharakter der Darlegung im Philebos stimmt, wird Jeder 
bemerken. 



8. Kap. Platon. 159 

beweist'). Dem entspricht das firjSh' ayav (45 e), die Bekam- 
pfung der 5 /? ^ « s (d, e, cf. Dem. 87), die eben auf der a^oigd rjiotnij 
beruht; oder der ajM*T^/a(52c), 6ev die ffifisTgfa (Dem. JvjUjWf- 
*^P«'0 gegenubersteht. bn Ruckblick auf dieselbe Lehre werden 
nochmals (63 d) die ju«yi(Xrcri xai (f^odgoratai i^iorai abgewehrt, 
at f iiAnodiftptatd us fxvgia Tjfitv ixovai^ tag xpvxccg ... tagccT- 
xovaai did fJLctvixdg rjSovdg. 

Das findet besonders Anwendung auf die Geschlechtslust. 
Hier hat Hirzel die merkwurdige Uebereinstimmung erkannt in 
dem Vergleich der Lust des dfpgndiaidivnv mit der Lust desseu, 
der sich kratzt (Phileb. 46 a tdg twv daxr^iAovwv . . . olov %dg 
vfjg ymgag idaeic r^ tgtfieiv, vgl. d, e, wo wieder die physio- 
logische Behandlung auMUt; Dem. fr. 85 ^vofjievot av^gtonoi 
fjSavtcu xai ffq,iv ylvtrai aneg roTg d^godixtid^ovaiv\ Sen. de 
tranqu. 2, 11). Es begegnen aber dabei, worauf Usener (Preuss. 
Jahrb. LIII 16t) aufmerksam gemacht hat, aufF&Uig epikurei- 
sche Wendungen und Termini: der yagyaX$ffii6c, das 
iiaxetvj der wilde Aufschrei der Lust (47 a nattav ixnXrj^iv 
xttlfiodg luisT* dtpgofsvvrjg ivegyd^erai) kehrt beiEpikuros wieder 
und wird von den Gegnern regelmassig als Beispiel der wol- 
lustigen Ausmalung der Sinnenlust citirt (Us. 410—415). Dass sich 
der Ausdruck diaxeTv auch bei Sextus findet (s. o. S. 153 Anm. 3) 
wurde die Wahrscheinliehkeit des demokriteischen Ursprungs 
noch erhoben, doch lasst sich ein noch directeres Zeugniss auf- 
weisen: bei Theophrastos, De sens. 65, in einem Bericht uber 
Demokritos Sinnesphysiologie, der alle Zeichen der Authentie 
trSgt, steht sich gegenuber diax^Tv — TagavTeiv^). 



3) So wendet Demokritos die Grundanschanung des fr. 52 aaf den 
k5rperlicheii Zustand gleichfails an, beschreibt die Krankheit ebenso als 
phyaiflche, wie die verkehrte GemMhsverfassung als psjchische Gleich- 
gewichtsstSrung. 

4) Dagegen kann in der xardataing (46 c wie 42 d) eine Beziehung 
znr epiknreischen xaraffTJifiatix^ ^doyrj wenigstens direct nicht gefunden 
werden, vgl. 31 d 32abe 34 e (xa^iatdyai eig q^vtny) Bep. IX 591b. Tim. 
59a 65 a; xatdaraing bedeutet hier 'Wiederherstellung der normalen Ver- 
faasangc, die ausdrflcklich xiyritng sein soil, w&hrend Epiknrs xaraarri- 



160 II. Unterguchungen Hber die Ethik dee Demokritos. 

Angesichts dieser Fulle zusammentreflfender Indicien hiesse 
es aller Wahrscheinlichkeit Hohn sprechen, wenn raan die Stelle 
anders als auf Demokritos beziehen woUte. W&re Antisthenes 
der Ungenannte, wie man, fur mich unverstandlich, angenom- 
men hat, so miisste man erst wieder eine starke Anlehnung 
des Antisthenes an Demokritos (von der sonst jede Spur fehlt) 
supponiren, um die Uebereinstimmung mit Epikuros, mit den 
Skeptikern zu erklaren. Oder soUen etwa diese ihre Physiologie 
der Lust aus Antisthenes geschopft haben? Es gibt kein Ent- 
rinnen: wir haben Demokritos selbst vor uns, dessen physio- 
logische Analyse des Lust- und Unlustgefuhls Epikuros ganz 
ubernommen hat; unbekummert naturlich darum, dass sie bei 
Demokritos nicht zur Empfehlung, sondern zur Bekampfung der 
Sinnenlust diente. 

1st das aufgeklart, so versteht sich noch ein fernerer Um- 
stand, der unter jeder andern Beleuchtung sonderbar erscheinen 
musste. 

Die im Philebos dargelegte Ansicht von der Lust lauft 
haupts§.chlich darauf hinaus: die gewohnh'ch so benannte, 
namlich sinnliche Lust ist nichts Wahres (man wird sich den 
Gedanken verstandlicher machen, wenn man dafur einsetzt : nichts 
Positives, nichts Absolutes), sondern sie erscheint nur als 
(positive) Lust im Vergleich mit der Unlust, deren Ueberwnn- 
dung sie darstellt. Derselbe Zustand wird vielmehr als Unlust 
erscheinen gegen einen vorhergehenden lustvolleren Zustand. 
Was aber so widersprechend^ bald als Lust bald als Unlust, 
erscheint^), kann wahrhaft weder Lust noch Unlust sein, also 



ficaixri ^doyrj im Gegentheil den Stillstand der lustvollen Bewegung be- 
deutet, der mit der ganzlichen Ueberwindung aller Unlust eintritt. Die 
platoniache Anschauung begegnet wieder bei Aristot. Rbet. I 11, vgl. M. 
Mor. 11 7, 1204 b 36. 1205b 6 (Weiteres Bon. Ind. unter [ano]xaTdffTaaigj 
[dno]xad'l<naa&ai), Etwas der xatafrnifxazixri ijdoy^ Nabekommendes 
findet sich dagegen PL Tim. 44 b 47 c (worttber weiter unten). 

5) Ng.mlich je nacb der Disposition des Subjects. Um sich die genaue 
Analogie mit der Wahmehmungstheorie des Demokritos klar zu machen, 
wende man die Betrachtung an auf die Empfindung von Hitze und ES^lte 



8. Rap. Platon. 161 

betrugen wir uns uberhaupt mit dieser vermeinten Lust. Kurz 
wird das, in beiden Darstellungen (Phileb. undRep.), so for- 
mulirt: was uns Lust scheint, ist in Wahrheit nur dvdnavaig 
odvvav (Phil. 51a, Rep. 583d navaaa&m ddvvcifjievov), 
Xvnmv navXa (Phil. 51a, Rep. 584b) oder dnaXXayr} 
(Phil. 44b, Rep. 584 e) oder dnotpvyrj (Phil. 44c). Dies stimmt 
vollig uberein mit Demokritos negativer Erkl^rung der evv^v/iirj, 
nicht als tjdo^ijy sondern als dtaga^la^ d. h. als unbewegter 
Zustand, wie sie am scharfsten von den Skeptikern festgehalten 
wurde. Denn die klare Consequenz jener Lehre ist, dass der 
wahrbaft wfinschenswerthe Zustand in keiner xhifjaig gefunden 
werden kann (die nur den unwahren Schein der Lust zu Wege 
bringt), sondern allein in jener 'qcvxia %rjg tpvxijq (Rep. 583 ce 
584 in.), die denn doch genau der, bei den Nachfolgern auch 
oft rait rjcvxCa vertauschten yaXrivi} oder draga^ia des Demo- 
kritos entspricht. Man ubersehe auch nicht, dass die von 
Platon (beidemal) berucksichtigte Theorie ausdrucklich nur 
gegen die sinnliche, korperliche Lust gerichtet ist (Phil. 45 a 
negl to (XcSjuor), dagegen eine eigenthumliche, positive Lust des 
^QOvifjLog (Rep. 583 b, vgl. 584a ngog tjioj'ijg dXijx^eiav) nicht 
in Abrede stellt. Nur scheint der Autor die Lust des q^gorifiog 
lieber gar nicht Lust, sondern anderswie (z. B. xagd^ nach 
Stob. Eel. II 7, oben S. 5, 1. 16, cf. S. 90 Anm. 4, fr. 47. ^ 
220) genannt zu haben. 

Best&tigt sich so von alien Seiten die Uebereinstimmung 
jenes doppelten Berichts mit Demokritos, so ergibt dagegen ein 
seltsames Resultat die Vergleichung mit Epikuros: ihm ist die 
dnaXXayrj Xvntjgj jener Ruhezustand der Seele, fur den er alle 
als demokriteisch bekannten Ausdrucke beibehSlt und daneben 
die bei Platon uberlieferten oder diesen ganz gleich- 



oder Btksflem ond bitter m Geschmack (wo sich Empfindung und GefUhl 
aafs engsie berQhren), oder etwa auf die ErscheinuDgen des Contrastes. 
Der letzteren so modem anmuthenden Analogie bedient sich Platon, Rep. 
585 a, in weiterer Ausfiihrung der nach dem ungenannten Weisen (583b) 
d. h. Demokrit miigetheilien Lehre. 

11 



162 II. Untersuchungen iiber die Ethik des Demokritos. 

werthige gebraucht*), vielmehr positive und wahrhafte 
Lust; eine unwahre, selbst eine gemischte Lust — beide Be- 
stimmungen trafen auf die Sinnenlust nach jener Lehre zu — 
gibt es gar nicht; ebensowenig ist die Aufhebung der Lust 
schon Unlust oder gibt es uberhaupt einen dritten Zustand; 
d. h. er bestreitet Punkt fiir Punkt die im Philebos uns vor- 
liegende Lehre — und steht dennoch im aufl&lligsten Maasse 
unter ihrem Einfluss! Es gibt hier nur zwei Moglichkeiten : 
entweder die bei Cicero erhaltene Apologie der epikureischen 
Lehre gegen ungenannte Gegner (s. o. S. 137 f.) bezieht sich 
nicht (oder nicht allein) auf die Kyrenaiker, feondenf (wenigstens 
zum Theil) auf den Autor Platons, oder die Kyrenaiker waren 
fein genug diesen Autor gegen Epikuros auszuspielen. Ohne 
eine Beziehung, welcher Art iramer, auf die bei Platon vor- 
liegende Lehre kann die epikureische nicht sein, die Ueber- 
einstimmung der Ausdriicke ware der sonderbarste aller Zufalle; 
wie man diese Beziehung aber erklaren will unter einer andern 
Voraussetzung, als dass bei Platon Demokritos vorliegt, vermag 
ich mir nicht auszudenken. 

Das Motiv der Abwendung des Epikuros gerade von dieser 
Lehre des Demokritos ist ja doch wohlverstandlich. Erstens 
will er gegen jenen die sinnliche, korperliche Lust retten, 
wenngleich nicht als die hochste behaupten, wShrend ihm 
doch die physiologische Erklarung (auf die zwar der Vor- 
ganger vielmehr ihre Verwerfung gegrundet hatte) einleuchtete. 
Also musste er die Gonsequenz in Abrede stellen, wie wir 
denn sehen, dass er es so express wie moglich thut. Zweitens 
verbot ihm seine Erkenntnisslehre ebenso bestimmt wie es dem 



6) Der stehende Ausdruck ist: naviog rov aXyovyzog vne^aiQEaig 
Epic. Sent. Ill cf. XVIII; fr. 417 ff. ; daneben Xvaat to dXyeLvov (417), xaxtay 
anoq)vyij (423), ^ffvxln (426) ; bei Cic. De fin. I 37 sq. 56 liberatio, vactiitas 
omnia molestiae, doloris privatio, amotio, detractio. Bei Sext. (s. o. S. 152 
A . 2) navXa ttov paodywu, dydnavXa trjs o/AiyVeo)?, dnaXXayij, Xvffig 
tfjg taQttxfjS' Es ist bemerkenswerth, dass Sextus den so beschriebenen 
Zustand nicht als positive Lust behanptct, also in derSache wie in den 
Ansdriicken dem platonischen Bericht n9.her steht als Epikuros. 



8. Eap. Platon. 163 

Demokritos die seinige gebot, eine so evidente Empfindung 
wie die der sinnlichen Lust und Unlust fiir unwahr zu erklaren : 
es gibt keine unwahren Erapfindungen , also auch nicht un- 
wahre Lust, denn Lust ist Empfindung. Das ist uberhaupt 
die fundaraentale Diflferenz zwischen Epikuros und Demokritos; 
kein Wunder, dass sich ihre Folgen auch auf die Ethik er- 
strecken. Dass dabei Epikuros iibrigens Punkt fur Punkt von 
Demokritos abhangig bleibt, keineswegs nun etwa sich bei 
andem philosophischen Richtungen Raths erholt, kann wiederum 
nicht Wunder nehmen, denn genau so verfahrt er in der Er- 
kenntnisstheorie; da ist kein Satz, der nicht an Demokritos 
anknupft, und doch ist das Ergebniss dem des Vorgangers 
UDgei&hr entgegengesetzt. 

Und so scheint denn die gluckliche Vermuthung Hii'zels 
sich im vollen Umfang, ja weit uber Elrwarten, zu bestatigen; 
es eroflfnet sich dadurch der Einblick in historische Zusammen- 
hange, die uns sonst fur immer verschlossen geblieben waren. 

Zugleich ist damit die Grundlage zu weitergehenden Fest- 

stellungen gegeben. Das n^mlich, was Platon an jenen beiden 

Stellen aus Demokritos — mit ausdrucklichem Hinweis auf die 

nach seiner Beschreibung dem zeitgenossischen Leser ohne 

Zweifel hinreichend kenntliche Quelle — entlehnt, greifl so tief 

in die Principienfragen aller Ethik ein, dass, wer einmal so weit 

mit Demokritos zusammenging , nach der Nothwendigkeit der 

Sache innige Beruhrungen mit ihm durchweg zeigen muss. 

Diese Consequenz drangte sich mir, seit ich von der Richtig- 

keit der Hirzelschen Vermuthung mich uberzeugt hatte, 

mehr und mehr auf; ich fand sie in uberraschender Weise 

bestHtigt, als ich im Phaidon, in nachster Nachbarschaft der 

charakteristischen Ausdrucke jener beiden Stellen {yorjrsvfia, 

ovSkv vytig ovt* dXrj&eg, €(fxiaYQce<frjfi€vrj) die demokriteische 

yalt]%*t] und txTaga^ia antraf. Ich bekenne meine Schwache: 

dass ich in der ersten Freude mich nicht enthalten konnte, 

den Fund auch gleiclj mitzutheilen (Arch. Ill 5:23). Ich hatte 

11* 



I 



164 II. Untergachungen uber die Ethik des Demokritos. 

nicht mil wenigen Stellen unsicher beweisen sollen, was sich 
mit vielen sehr sicher beweisen iSssl. Die ganze platonische 
Ethik war auf ihr Verhaltniss zu Demokritos zu prufen; dazu 
war denn freilich die sichere Basis erst zu schaflfen, wie ich es 
bis hierher versucht habe. Nunmehr fallt das schone Resultat : 
die Klarstellung des Verhaltnisses Platons, des Ethikers, zu 
Demokritos, uns als reife Frucht fast miihelos in den Schooss. 

Demokritos und Platon stehen — von Sokrates abgesehen — 
unter den gleichen historischen Einwirkungen : auf beide haben 
am starksten die Eleaten und Herakleitos gewirkt, daneben die 
Pythagoreer '). Sie konnen daher in gar Vielem uberein- 
stimmen, ohne dass gerade der Eine auf den Andern eingewirkt 
haben muss. Doch ist es, um zu einem sicheren Urtheil zu 
kommen, unerlasslich, die Uebereinstimmung ihrem vollen Um- 
fang nach zu uberschauen. 

Gehen wir von den wahrseheinlich fruhsten Schriften 
Platons aus, so treflfen wir zuerst im Protagoras, ausser dem 
allgemeinen Bekenntniss der sokratischen aber ebensogut de- 
mokriteischen Ueberzeugung von der unbedingten Herrschafl 
der (pQoy^r^ttig {aotpia^ iniarrifirj) uber die sinnlichen ndxh) 
{&vfi6g, rjSovijy Xvnr}^ ?p«5, (pofiog 352b c, vgl. Aristot. Eth. 
Nic. VII p. 1145b 23, 1147b 15), die Ausfuhrung, dass, auch 
wenn Lust und Unlust das Einzige sind, wonach das Gute und 
Schlirame sich bestimmt, es doch der Erkenntniss bedarf, um 
dierechteAuswahl unter denLiisten zu treffen, insbesondre 
die Sinnestauschung gieichsam zu iiberwinden, durch die das 
nahe Gut grosser, das feme kleiner erscheint als es ist (356). 
Schon hier heisst es: die Macht des Scheins {rj tov ^aivofji^vov 
dvvafiig) irrt uns und zwingt uns avoa %€ xai xdrco noXXdxig 



7) Fur Demokritos haben wir, ausser dem Zeugniss des unbekannten 
ApoUodoros von Eyzikos (D. L. IX 38, vgl. oben S. 122), das des Ari- 
stoxenos (ebenda 40). So thdricht seine Angabe ist, sie setzt doch eine 
freundliche Beziehung zwischen den Pythagoreem und Demokritos voraus ; 
und Aristoxenos selbst ist wenigstens halber Pjthagoreer, daher seine 
Parteinahme fiir Demokritos an sich schon beweisend. 



8. Eap. Platon. 165 

fisraXajAfidveiv %m%d xal jULetafAeXeTv ; die Erkenntniss besiegt 
den Schein, oflfenbart das Wahre und lasst so die Seele zur 
Ruhc gelangen, indem sie auf dem Wahren verharrt (rjavxCav 
Sv inoii^aev Ixe^v rij r y;vxrjv fierovdav inl %w dli^&eT 356 d e). 
Das erinnert unleugbar an Demokritos, auch in Wendungen 
wie, dass das Hell des Lebens also beruhe i^dovrjg re xat XvTtrjg 
iv oQ'&fj Tfj atgiasi^f tov T€ nXsovoq xal iXavTovog x. r. X, 
(337 a, daneben vnegfioXi; und iXXeitpig 356a). Schwebt hier 
nicht Demokritos vor — und vielleicht ist die Annahme nicht 
unbedingt nothwendig — so beweist doch die Uebereinstimmung 
schlagend die Verwandlschaft der Grundrichtung , die gleich- 
artige Einwirkung desselben eleatischen Grundmotivs (unwan- 
delbare Behaming als Bedingung des Wahren, bestilndiger 
Wechsel, Umschlag ins GegentheU, als Kennzeicben des bloss 
Erscheinenden) auf das ethische Problem. 

Viel evidenter ist dieBeziehung zu Demokritos im Gorgias. 
An die grosse These, dass, wer Unrecht thut, unseliger ist als 
wer Unrecht leidet, sei hier nur im Vorbeigehn erinnert ; immer- 
hin kdnnte ja Dem. fr. 48 irrthumlich ihm beigelegt sein, ob- 
wohl so sicher echte Spruche wie 46. 47 damit im Einklang 
stehen; jedenfalls darf die Uebereinstimmung mit Platon jetzt 
nicht mehr als Beweis der Unechtheit gelten. Auch die Aehn- 
lichkeit zwischen Grorg. 490 a ctg g^gin^mv fAvgiar fit} qtgovovv^on* 
xgcmwv und dem demokriteischen Wort bei Seneca, fr. 120, 
lAsst sich befiriedigend erkl^Uren durch gemeinsame Erinnerung 
an Herakleitos (fr. 113), dem in der That das platonische Dictum 
noch n&her steht Die Empfehlung der (sw^pgoamnf}, der Herr- 
schaft uber sich selbst und seine Luste und Begierden, die 
Bek&mpfung des Bestrebens, Begierden und Luste moglichst stark 
werden zu lassen, wurde an sich ebenfalls nichts beweisen, da 
darin sehr viele Ethiker einig sind, ohne dass darum der Eine vom 
Andem abhiSuigig ware. Doch gehen die Uebereinstimmungen 
hier immerhin sehr ins Einzelne. Nicht bloss begegnet 493 a das 
bekannteici«rcr7r^7rTf IV und klingt493c Totg deinagovctv 



166 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

Ixm'ag xali^aQxovvrcDgan einen der Hauptsatze des Demokritos 
deutlich an (fr. 52 tcc <r iXXemovTa xal vTvsgfidkXoiTa fisra- 
TtinTciv T€ ffilel,,. ToTg nagcovaiv ccQxsTa&ai), sondern 
der Grundgedanke der ganzen Beweisfiihrung stimmt uberein: 
mil der Begierde wachst die Lust, aber zugleich die Unlust; 
mit dem Bedurftiiss schwindet die Unlust, aber zugleich die 
Lust (497ab, vgl. Dem. fr. 53); es stimmt besonders uberein 
die Anwendung auf die niederste Sinnenlust 494 c sq., wo 
\pwQ&v%a xal xvrjaiavTa sehr nahe erinnert an Phileb. 46 a 
Tag Ti]g tpoigag idaeig t« xqC^siv^ d ipoigag ... rfj TQitpei xal 
rfj xvTjas^, wie an Dem. fr. 85 (s. o. S. 159) ; es stimmt uberein die 
Folgerung : also kann das Ziel nicht die beliebige Lust sein, es 
kommt darauf an, dass man dioQC^rjTai. tcov ijiovwv onotai 
dya&al xal xaxai, i]dv und dyai^ov sind nicht identisch, 495 in. ; 
vgl. 500 a €xX€^ac&ai, Selbst wenn Kallikles einwendet, es konne 
doch nicht das Ziel sein wansg Xi&ov ^fjv, fji'^Te xociQovra iri fiiTjTe 
Xvnovfisvov (494a), oder: wenn gliickselig ware, wer nichts 
bedarf (vgl. Dem. fr. 68), so waren ot Xi&oi xal ol vsxgol die 
gliickseligsten (492 e), so sind das genau die Einwendungen, 
die auch gegen die demokriteische yaXijvr] und die skeptische 
dndx^sia erhoben wurden. Dass der gesuchte Unterschied 
der Liiste in dem des Nutzlichen und Schadlichen (499 d fif.), 
und das Nutzliche in der eigenthiimlichen dgsrrj des Leibes 
wie der Seele gefunden wird, ist sokratisch, aber es ist 
ebensogut demokriteisch. Und die Uebereinstimmung reisst 
nicht ab, wenn ferner das dya&ov = xaXiv = Xaov auf die 
Begriflfe rd^ig^ x6a(Mg, vofAog zuruckgefiihrt wird (503 e. 504 d. 
506 de. 508 a; vgl. davfifiergfa 525 a, Dem. fr. 4. 51, xaXov = 
iffoVy 14 vgonog evTaxrog, 12. 52 dgfAovirjj ^vfJLfisTgirj). Nimmt 
man noch hinzu das Lob des rd iavrov ngatieiv und fx'q 
noXvngayfiovsTv 526 c (Dem. fr. 163 /cjJ noXXd ngr^aasiv^ 164 
noXvngayfiovsowa)^ so halt es schwer, diese Fulle von Ueber- 
einstimmungen noch fur Zufall zu halten. Mag man auch 
(nach 493 a, 507 e. 508 a) die Vermuthung wagen, dass die all- 



8. Kap. Platon. 167 

gemeine Grundanschauung bereits pythagoreisch ist®), so lasst 
sich doch schwerlich alles dadurch erklaren; eine so hoch ent- 
wickelle ethische Lehre, wie dann die pythagoreische gewesen 
sein musste, wurde nicht so spurlos untergegangen sein. Nun 
konnte es freilich Wunder nehraen , dass Platon , wahrend er 
auf die »sicilischen und italischen Weisen« hindeutet, jede 
auf Demokritos etwa deutbare Anspielung unterlasst. Allein 
wenigslens das erste Citat (493 a) ist nicht ohne sichtbare 
Ironie, es scheint sich weniger auf den Gedanken (der vielmehr 
rein platonisch ist) als auf die etymologisch-mythologische Ein- 
kleidung zu beziehen (cf. 493 d); Spielereien, die Platon mit- 
raacht, ohne es je sehr ernst damit zu meinen. Dagegen ist 
es wahrlich nichts Seltenes, dass Platon seine Vorganger gerade 
da nicht nennt, wo er am vollstandigsten mit ihnen hamionirt ; 
man priife z. B., wo und wie er die Eleaten, die Pythagoreer 
anfuhrt und wo nicht: fast stets hat die Anfuhrung den Zweck, 
neben der Uebereinstimmung die Abweichung zu betonen; so 
ja auch an den beiden Stellen, wo er, unserer Voraussetzung 
nach, auf Demokritos, das eine Mai bestimmter, als auf den 
anerkannten Physiker, das andere Mai unbestimmt als auf 
>einen der Weisen« hindeutet, im Philebos und Staat. 

Ohne bei minder evidenten Beruhrungen ®) zu verweilen, 
wenden wir uns sogleich zum Phaidon. Bezeugt uns hier 

8) Aristozenos Bericht tLber die pythagoreische Ethik zeigt freilich 
anff^Uige Ankl&nge: Stob. Floril. 43, 49 ^ [xkv rd^tg xal ovfjLfiet^La 
xaXri xal avfjtg>OQos, ij (f* ataxia xal davfAfxex^La aiaj^qd xe xal davfj.- 
q^oQos. 101 1 4 ov yuQ oLov X€ ix ^avXrig xal davfigfciyov xal 
xaQaj^a dovg x^daeag €VQv&fi,a xal xaXa ... yiyyetr&ai. 10, 67 davfJL- 
fjtexQiay, dxai^iay. Eel. I 6, 18 x^g diauoiag ... x a^aaaofjLB yrig. 
Doch stehen die Pythagoreer des Aristoxenos offenbar schon unter demo- 
kriieiflchem wie platonischem Einfluss; ygl. z. B. Flor. 10, 67 fin. oxe ov 
dei xal TtQog a ov del mit PL Leg. 636 d o&ey xe del xal oni^ xal oncjg. 
Vgl. oben 8. 164 A. 7. 

9) Wenigstens erw&hnt sei, dass ubereinstimmend Cratyl. 418 e Phaed. 
99 c das dya&oy = dsoy mit dely »bindenc in Zusammenhang gcbracht 
wird, ebenso wie die Etymologic Crat. 437a innrxilfxriy ... oxi Xaxriaiy 
^fuay inl xoXg n^dy^aai xr^y ipv^ijy filr Platon emste Bedeutung hat Die 



168 II. Untersuchungen tiber die Ethik des Demokritos. 

Platon selbst (78 a), dass er bei den Tuchtigen im weiten 
hellenischen Land, ja bei den Barbaren nachzuforschen nicht 
unterlassen, so wird das im reichsten Maasse bestatigt finden, 
wer einmal den Dialog auf Spuren von Einwirkungen alterer 
Philosopheme planmassig untersucht. Insbesondere an Demo- 
kritos findet man sich wieder auf Schritt und Tritt erinnert. 
Heisst es 65 b: dass Gesicht und Gehor ohne Wahrheit seien, 
das sei selbst von den Dichtera abgeleiert, so hat man richtig 
interpretirt : wieviel mehr von den Philosophen, und hat daiin 
Zeugen aufgefuhrt, aber gerade den Einen ubergangen, auf den 
das Gesagte am genausten passt : Demokritos ^®). Wie auffallend 
das immittelbar Folgende an Angaben Giceros (Tusc. V 114) 
uber Demokritos anklingt, ist oben S. 100 ausgefuhrt worden. 
So erinnert kurz vorher 64 d negl rag rjiovdg xaXovfisvag rag 
Toidads^ olov aiToov T€ xal TTOTcov . . . d(pQoSiamv in der Zu- 
sammenstellung der drei verderblichsten Luste an Dem. fr. 53 
{inl fiQ(6(f€(fiv fj noCBaiv rj d(pQodiaCoig)^ in dem durch xuXov^ 
fis'vag angedeuteten Zweifel an der » Wahrheit« dieser Art Luste 
(wie schon 60 b o xaXovaiv ot avd^Qoanoi rjdv und was folgt) 
an den Grundgedanken der beiden auf Demokritos bezuglichen 
Stellen im Staat und Philebos; so konnte 66 c (to' acofia) igci- 
%wv xal sni&Vfimv xal g)6fi(ov xal . slddXdnv TvavTodaudav . . . 
ifiTTmXrjair rjfAag ungefahr auch von Demokritos gesagt sein, 
an den voUends d r^oQvfiov naqex^i xal TaQaxiijv xal ex- 
nXrjTTsi, (wie schon 66a (og TagdrzovTog) erinnert; vgl. S. 99 A. 19; 

leitende Vorstellung ist dieselbe, die schon im Protagoras ihren Ausdruck 
fand: die Ruhe der Seele, die Beharrung auf dem Unwandelbaren ist das 
zu erstrebende. Platon richtet sich damit gegen die Theorie (des 
Antisthenes, vgl. Theaet. 153 c, wozu Arch. Ill 347', 523*"), dass viel- 
mehr alles Gute auf Bewegung, alles Schlechte auf Stillstand beruhe (da- 
her yrjyef^lat ze xai yaX^yai verworfen werden, Theaet. 1. c, vgl. 
Timon bei Sext. Adv. dogm. V 141). Auch hier ist mehr nicht zu erkennen 
als eine durch den gemeinsamen Anschluss an die Eleaten erkl3»rbare Ver- 
wandtschaft der allgemeinen Denkrichtung. 

10) Zu tolg dvd-Qwnoig vgl. Dem. bei Sext. Adv. dogm. I 136 f., 
woriiber Philol. L 276 und oben S. 75; zu dxqtpkg ovdey ebenda ovdey 
axqexig. 



8. Kap. Platon. 169 

ebenso kann, wenn 68 be der g>d6<xoq>og dem qnXoadfAatoq^ 
yiXox^]fJiotTog, ^tXoTifnog gegenubergestellt wird, Dem. fr. 15 ovts 
aiifAatfiv ovT€ xQ^l^^cctnv siSaifAov^ovaiv Sv^qoottoi uns einfallen. 
Es folgen 69 b die schon bemerkten Anklange an Rep. und Phileb. 
((rxtayQaq>ia, oddkv vyihg orcT dXrj&ig). Wird femer 78 c sq. 
der Gegensatz des dsl xoerd ravxa xal (oaavxtaq zu dem alXore 
SlXfog ix^'j wie auf den theoretischen Unterschied des Wahren 
vom sinnlich Erscheinenden (79 in. rovrcav (Ahv xav Stpaio xav 
idoig . . . ToTv Si . . . av emXdfioio . » tw Ttjg Siavoiag Xoyifffim^ 
vgl. 65 be), so auf den praktischen des Guten und der Lust 
angewandt, so stimmt nicht nur das Allgemeine des Gedankens 
mit Demokritos uberein, dessen dtaga^Crj und yalijvrj, dessen 
Scheidung des Angenehmen vom Guten und Wahren auf eben 
dieser eleatisehenGrundlageberuht; sonderneben hierbegegnen 
von neuem die an ihn erinnemden Wendungen : 79 e nXardrai 
xai TaQdrrerai, d olx^^^ *fe tcJ ... del ov xal d^dvarov 
xal wffavTwg l)for ... nin av%aC ts %ov nXdvov xal ftegl 
ixttva del xctrd ravrd waavrmg lx« (vgl. Dem. fr. 7 eT rig 
fit] enl ToTg &vr}voTai rdg rjiovdg noioiTo, Timon bei Sext. 
Adv. dogm. V 20 17 rov &€lov ts qtvaig xal jdyad^ov und 
ebenda 1 aiel ... dxivrJToag xatd Tavrd); 81a nXdvTjg 
xal dvoCag xal giofian* xal dygCfav igwTcav . . . dnrjXXayfJievrj, 
b yeyor^reviA^rrj (vgl. Phileb. Rep. 11. cc.) vn* avxov (sc. fov 
cwfiaxog) vno tb %&v inidvfii&v xal fiSovwv (mit nochmaligem 
Hinweis auf die Unv^ahrheit der Sinneswahrnehmung, die auch 
hier Lust und Begierde mitumfasst; beides wird zusaramen- 
genannt : ov tig dv axpaixo xal Xdoi xal nCoi xal ^dyoi xal ngog 
%d difgoiiaia xgrjffaiTo, vgl. 64 d), endlieh 84 a yaXijvrjv tov- 
%<ov nagaaxsvd^ovaa ^ v^o das Wort yaXijinri, im nSLheren Zu- 
sammenhange der Stelle ohne Erklarung, doch nur Reminiscenz 
sein kann — wenn nicht geradezu als Hinweis auf Demo- 
kritos zu verstehen ist. 

Hatte der Autor von Stob. Eel. II 7 den Phaidon im Sinn 
bei der Behauptung, dass auch Platon die Ataraxie keime? 
Es wird sich hemach zeigen, dass er wohl nur an den Timaios 



170 II. Untersuchungen tlber die Ethik des Demokritos. 

und die Gesetze dachte; aber was in diesen spd.ten Schriften, 
dasselbe steht auch schon im Phaidon; das ist wichtig zu 
bemerken, da z. B. Usener (1. c. 16) eine Einwirkung des 
Demokritos auf Platon nicht vor dem Eintritt des Eudoxos in 
die Akademie annehmen woUte. Der Gorgias f§.llt wohl sicher 
ins erste, der Phaidon ins zweite Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts, 
die Einwirkung des Demokritos ist somit nicht viel jungeren 
Datums als die der Eleaten und Pythagoreer. 

Reichliche Bestatigungen liefert ferner, auch abgesehen 
von der schon behandelten Stelle des 9. Buches, der Staat. 
Schon Uebereinstimmungen wie 379 be (ovcf aga 6 x^eog . . 
ndvTon* av sTtj ahiog, cig ol noXXoi Xiyovci^v x. r. X, cf. 380 b) mit 
Dem. fr. 24 (vgl. oben S.63), oder 386 b. 387 c sq. (gegen die, die 
Todesfurcht befordernden Erdichtungen vom Hades) mit Dem. 92. 
96 konnen kaum Zufall sein ; sogar der Demokrit-Titel nsQi rwv 
iv^'AiSov klingt an 392a. Vgl. auch, was schon oben S. 109 
iiber fr. 41 in Vergleich mit Rep. 362 c 364 b 365 e bemerkt 
wurde. Was 389 d und weiterhin von der tfwy^otftJiiy und 
iyxQccTsia gesagt wird, wiirde alleinstehend freilich gar nichts 
beweisen; aber wenn in eben diesem Zusammenhange mehr- 
fach TUQciTTeir wiederkehrt (381a, 391c wie Dem. 92), liegt 
doch die Erinnerung an Demokritos nahe. 400 flf. kommt wieder 
die Aufifassung der <ra}g)Qo<xtivrj als dgiiiovta oder ^v(A(f(ovia der 
Seele zu reichem Ausdruck, wobei 402 e {(XCDtpgoavvj] xal i^iovf} 
t^nsQ^aXXovarj itSTi ng xoivwvia;) und was folgt, mit dem 
Hinweis auf den dg&dg fgoyg (cf. Dem. fr. 87) wieder stark 
an Demokritos anklingt. Den Uebergang zur Gymnastik be- 
zeichnet der ganz dem demokriteischen fr. 18 nachgebildete 
Satz p. 403d (s. o. S. 95), eine directe Anlehnung, die, wie 
wir sehen, keineswegs alleinsteht. Vgl. z. B. 412 d (tovto / 
av fidXifSTa (fiXoT, (p ^vfi^igov i)yoTTO rd avvd xal iavTtp) 
mit Dem. 213 {g>(Xoi ... oi ^vfitpwr^ovrsg nsgl %ov ^t/jucjp^- 
gov% og), 413 c fallt von neuem die yarjTsia der Lust, Furcht etc. 
auf; oberflachlicher sind die Anklange 430 e, 431c; 441 e sq. 
tritt abermals die ^vfifprnCu der Seele bervor; bemerkt sei 



8. Eap. Plaion. 171 



1 - 



femer 442a reav negl t8 adafxa xaXovfAivfov rjiovcSv, 444b 
tagaxijv xal nXdvriv^ 445 b Trjq dk aihov tovtov (p ^mfiev (sc. 
Ttjg tffvxfj^) zaQatToiAsrqq (in Analogie mit den Erschutterungen 
des Leibes). Auch in die Schilderung der Tyrannenseele 577 e 
sehleicht sich der Terminus tuQaxri, 

Es folgt 583 b die Hindeuiung auf den ungenannten >Weisen«, 
der die sinnliche Lust wegen ihrer Relativitat nicht als wahr- 
hafl anerkannie und nur die Lust des q>Q6vtfiog gelten liess. 
Es verjphnt die Erorterung noch etwas weiter zu begleiteri. 
Sie fuhrt genau auf das demokriteische fiij inl ToTg x^vr^otm 
tdc rlSavdq noiBiad-ai (fr. 7). So (gleich nach der S. 160 Anm. 5 
bemerkten Stelle) 585c %d tov dsl oftolov ixofisvov xal d^avd- 
%ov xai dXr}&€iccg ... fjiaXkov elvai aoi Soxet rj %d fxr/S^TioTs 
optoinv xal &v7jtov. Beachtung verdient besonders die An- 
wendung auf die sinnlichen Luste 586 a b, wo i^dovaTg fxefny 
fuiiratg Xvnaig, siiwXotg Ttjg dXrj&ovg rjdovrjg xal iaxtayQafprjfiivaig 
auf 583 b sq. zuruckweist, dann die Unterscheidung von 
ytijciat und vox^ai riSm^ai 587 b (vgl. Demokritos yvr^ait] und 
(rxoTu; ■=■ voxh] YvcifATjy woruber Arch. I 355), und die ganze 
Darstellung des vernunfUgen Theils im Menschen als des gott- 
licheren (589 e, vgl. Dem.fr. 8). Auch begegnen in demselben 
Zusammenhange wieder 587 a voi^og und rd^ig, 591 cd dgnovia 
und ^vfitpwvia (des Leibes wie der Seele, jenes um dieser willen, 
wieder anklingend an Dem. 18, auch 16. 17). 

Ausdrucklich sei betont, dass manche dieser im Staat 
nachgewiesenen Uebereinstimmungen von der Beschaflfenheit 
sind , dass ein Einfluss des Demokritos , st&nde er nicht sonst 
schon fest, daraus kaum mit Sicherheit gefolgert werden konnte. 
Die den beiden Philosophen gemeinsamen Gedanken sind sicher- 
lich nur zum kleinsten Theil Entlehnungen oder auch nur An- 
lehnungen zu nennen; einmal in das Denken Platons uber- 
gegangen, haben die Grundanschauungen der demokriteischen 
Ethik in voller Selbst§ndigkeit in ihm fortgewirkt und sich mit 
dem ganzen vielseitigen System seiner ethischen Gedanken in 

• 

einer Weise verschmolzen, dass die Spuren ihrer Abkunfl sich 



172 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

nur noch an yerhSItnissmassig wenigen Stellen sofort verrathen. 
In voller Frische, wie ich meine, treten sie noch zu Tage im 
Gorgias und Phaidon, ausserdem an einer Reihe von Stellen der 
ersten Bucher des Staats; endlich in den beiden zusammen- 
gehorigen Partien, Rep. 583 flf. und Phileb. 44 flf., wo Platon 
ausdrucklich auf seinen Autor hinweist und ihn, denke ich, 
aufs sorgfaltigste wieder nachgelesen hat. 

Im Politikos 273 ad ist iramerhin sehr merkwurdig die 
kosmische Anwendung der ragax^ und yaXi^rri, wo doch 
auch die Factoren inid'V^Ca und vovg sind. 

Im Phileb OS ist, auch abgesehen von der grossen Partie 
p. 44-51 und dem Ruckblick darauf 63 d (s. o. S. 159) , die 
ganze Grundidee der fieTQiotrjg oder avfifisTQia (vgl. auch xaiQiov 
66 a), wodurch das dyax^ov zugleich zum xaXov und zum dXrj^sg 
wird, Demokritos verwandt genug, obwohl nahere Anklange 
sich nicht linden. 

Im Timaios, der einzigen platonischen Schrift, die auf 
die Physik (und Physiologic?) des Demokritos unstreitig und 
ofifenbar Riicksicht nimmt, treflfen wir auch wieder die y^^'^ 
an, doch in voUig freier und eigenthiimlicher Umbildung: 
44b oTttv ... ndXiv at ne^iodoi Xafifiavofxsvat yaXiqvrjg ... 
xa^KfTcSvTai fiaXXov (Gegensatz 43 cd : xivov<fa$xal fStpodQwg 
asiovaai)^ und so 47c dtagdxroig TSTagayfu^ivag . . . 
TtsnXavTjiii^vag xaratfTrjaaifie^a^ gleich darauf (d) dgfiovta, avfi- 
(pmvta der Seele, Gegensatz dfjteTQog i^ig, 86 b nennt Platon, 
ganz demokriteisch , rjiovag xai Xvnag vnegfiaXXovCag twv 
voawv (ityiaxag t g ipvx^y gleich daraut begegnet dxaigtogy 
d Sid rdg [AsyCfSTctg rjdovdg xal Xvnag; namentlich ist rj negi 
%d dtfQodima dxoXaaCa — voaog xpvxfjg (vgl. Clemens zu 
Dem. fr. 86), wie uberhaupt alle rjiov^v dxQdteia. 87 c ndv 
6ri TO dya&ov xaXfiv, to H xaXov otlx afjiergov, daneben 
^vjUfjLSTQov; dann besonders 90c tpgot'sTv d^dvata xal 
d'sTa (cf. Dem. 37a) ... ^x^vra ev xexoa/nrjfji^vov %dv SaCfiova 
^vvoixov iv avT^ 6ia(p€Q6vT(og sviaifiova etvai (s. o. S. 64. 
94), woran unmittelbar anschliessend wieder die xivi^<f€$g xal 



8. Kap. Platon. 173 

negi^togal der Seele, yerwandt den dg/aotHai xal ftsgicpogai des 
Alls, auflreten. WSire nun vollends die Anschauung (90a), 
dass die Vernunfl, als Saintov^ in* cIxqw tm aoifiari oixst (wie 
70 a ix %f^q dxQon6X€a)g)y sicher aus Demokritos Usgl fpvaiog 
dvO-gwnov entlehnt (nach ten Brinks bekannter Vermuthung, 
Philol. VIII 417, fr. 6), so hatten wir hier wieder ein ganzes 
System demokriteischer Anklange, obwohl durchweg mit Pytha- 
goreischem untermischt. Mag aber auch jene Vermuthung 
ungewiss bleiben und Platon sein r^yefionxov etwa Alkmaion 
verdanken, an den ebenso die 7r€gig)ogal Ttjg Siavoiag erinnern, 
ein entschiedener Einfluss des Demokritos bleibt auch so un- 
verkennbar. Dass diese Timaios-Stellen es in erster Linie sind, 
auf welche die Vergleichung beider Philosophen bei Stobaios 
{Eel. II 7) sich stutzt, liegt auf der Hand. 

Stobaios beruft sich daneben, doch eigentlich nur fur seine 
Charakteristik der Ansicht Platons, auf die Gesetze. Auch 
hier ist in der That an Ankl&ngen kein Mangel. 1st das 
Mullachsche Fr. 75 des Demokritos vielmehr aus PI. Leg. 626 e 
entlehnt (Freudentlial, Theol. d. Xenophan. Anm. 19), so begegnen 
bald nachher Aehnlichkeiten, die den gleichen Verdacht nicht 
nahelegen; vgl. 631b {dinXd i^ dyci&d ia%i^ tot fihv dvx^gd- 
ntroc, td Sk -i^sla) mit Dem. 8 (weiterhin vyiBux^ xdiXog^ l^tvg 
of. Dera. 16 — 18. 205; zu c nXovrog ... avnsg Sfi inrjTai if go- 
vriCBi vgl. Dem. 78. 79, wie zu 660e Dem. 74); 631 e 632 a (^V 
ogyatg T€ av xal dv g^o^oig d<fa$ re 3id 6vaTV%iav zagaxccl 
xatg tfwxaig yiYvo/iTai ... ogiffT^ov %6 is xakdv xal [nfj) 
ist ganz demokriteisch ; zu 633 e mag Dem. 63 verglichen 
werden ; dem Demokritos verwandt genug ist ebenfalls 636de (was 
Stob. 1. c. citirt). Bei 641 e (nohivoiav) wie 811 ab 819a {noXv- 
fia&ia) kann man an Dem. 190. 191 ebensogut ja noch eher 
als an Herakleitos denken ; auch die Darstellung der Macht des 
XoyifffAog 644 f. steht Demokritos nicht fern, obwohl bestimmtere 
Ankl&nge nicht zu erkennen sind; 691c sei das lUngiov wenig- 
stensnotirt, vgl. 716 c, dann 733e fjgsfjiafag nkv Xvnag, fjgefiaiag 
dk jljdavdg, dem 734 a gegenubersteht atfoSgdg fUv Xvnag^ 



174 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

fSipodQctg ik rjdovdq. Sind die meisten dieser Beruhrungen von 
loserer Art, so finden sich wieder deutlichere Beziehungen im 
7ten Buche: 791a wird das Wiegen der Kinder daraus erklart, 
dass die Sussere Erschutterung xQafBi ttjv iitdg ^ofiegdv ovcav 
xai fjLanxTjv xCvrjtfiVj xganjaaaa d^ yaXrivr^v riav%Cav re 
iv rfj i/jvx^ q>aCv€Tai dnsgyaaafiei'T}^ vgl. d (fg>6iQa xivov- 
fieva TJ&rj (ahnlich 653d 664e). Und so fehlt denn auch der 
fur Demokritos charakteristische Terminus nicht, 792 b: durch 
moglichste Fernhaltung von Schmerz, Furcht, Kummer soli 
man ev^Vfiov fiaXXot* %€ xal VXsfov aTtegyd^sad^m tjJv ipvxrjv 
Tov Tg€(pofi€vov. Gruudsatz ist: weder die Lust durchaus zu 
suchen noch die Unlust zu meiden, sondem das fisaov anzu- 
streben; wer das erreicht, ist ^ftog (cd). Nochmals 797 a b 
wird das geordnete, bestandig gleiche Verhalten geruhnit, wo- 
bei von neuem ev^vfAsTad^ai begegnet; gegen nera^oXr] 797 d, 
fi€Tani7TT€iv 798 d. Endlich noch ein wortiicher Anklang : 863 c 
ayvoiav Xeycov av %i^ r&v dfiagTfjfidTcov aixiav ovx dv 
ipevioiTOy cf. Dem. 28 d(iagtCr}q aiTirj rj dfAa-d^it) tov 
xg4(f(fovoq, 

Ausser Betracht geblieben sind hier noch diepolitischen 
Fragmente des Demokritos ; die platonischen Anklange an diese 
soUen hier fur sich zusammengestellt werden. Sie sind noch 
von besonderem Interesse deswegen, weil in denselben demo- 
kriteischen Fragmenten die Ankniipfung an die elegische Poesie 
so greifbar zu Tage trat; sehr deutlich stellt grade hier Demo- 
kritos das Mittelglied dar zwischen den Elegikem einerseits, 
Platon andrerseits. 

An fr. 135— '138 (Werth der staatlichen Eintracht, innerer 
Zwist schwerer als ausserer) erinnert bis zu den Ausdrucken 
PI. Leg. 629c— e {ardaiv, Sc Sij nd^Ttov noX^fimv xaXenw^ 
TaTog , .,. ngog Todg SxTog zexal dXXoipvXovg ... tov dx^'t'etor 
TtoXefiovj u. a. m.). Lehrt Demokritos fr. 141 : N6fA(p xai agxotti 
xal ao(f(OT^gip eixHv xotffiMVj so urlheilt ahnlich von der Pflicht 
des Gehorsams gegen Gesetz und Vaterland Platon im Kriton 
51a — c, gegen den agx(ov Apol. 28 e, gegen den fitXriwr iiber- 
haupt ebenda 29 b. Nicht minder aber stimmen beide Philo- 



8. Eap. Platon. 175 

sophen uberein in der nur bedingten Schd.tzung des Sussem 
Gesetzes (Dem. 139. 140 vgl. 44. 43: es bedurfle keines aussern 
Gesetzes, wenn Jeder von selbst dem innern Gesetz des Guten 
^ehorchte). Stellt sodann Demokritos (142) als Grundsatz fest: 
<Pvaf* TO aQXBiv oim]iov r^ xQtatfovi^ dagegen (144) xgt'atfov 
ccQXkci^cu toig dvoTjtotaiv rj uqxbiv, so sagt Platon dasselbe 
fast mit denselben Worten Leg. 690 b: Tor xQbCtxova fiiv cigx^iv, 
zov fjTtio ik aQxtffx^aij Rep. 590 d ufuivov ino (fgovCfiov 
agx^Ox^ai, Auch im Gorgias und im ersten Buche des Staats 
streitei Platon ja nicht dagegen, dass dem xgtnTwv 
die Herrschaft gebuhre, sondern fasst nur den Begriflf des 
xgMz<ov anders als ein Eallikles oder Thrasymachos. Und so 
ISllt uns bei Dem. 143 x«^*^^*^ ugx^Cx/ai, vno x«^£ioi'og die 
raehrmals und mit besonderem Nachdruck im Staat ausgefiihrte 
These ein: dass der Tuchtige sich zwar nicht zur Regierung 
drangen wird, wohl aber gezwungen sein kann sich ihrer an- 
zunehmen, nSmlich um der ^Strafec zu entgehen vno noi'rjgo- 
r^gov agxBcUai, (347c, ahnlich 520 de, wo zu ^viinovtTv vgl. 
Dem. 133). Fast sicher war der Gedankengang bei Demokritos 
ein ahnlicher. Wie femer Dem. 146 nahe heranstreifl an den 
grossen Satz der platonischen Staatslehre: dass der Gegensatz 
zwischen Besitzenden und Besitzlosen die Hauptgefahr furEln- 
tracht, Freundschaft und wechselseitigeHulfe unter Regierenden 
und Regierten sei, wurde oben (S. 115 vgl. 64) schon erinnert. 
Selbst die Worte t^c nagd xoXq dvvdatrfit xaXtofJisvrjg evdai- 
fiovirjg (fr. 147) rufen uns ahnliche Wendungen im Gorgias 
(470 dsq. 473 c etc.) und im 1. Buche des Staats ins GedScht- 
niss; freilich das Lob der demokratischen iXevd^egir^ wurde 
bei Platon nur ironische Anerkennung finden. Als verwandt 
wurde ebenfalls schon hervorgehoben die Warnung vor noXv- 
ngayfiaavvrij das Lob des ra iavvov ngceTzeiv Dem. 163 — 165. 
Aber auch die Schilderung der Gefahren, auf die grade der 
Rechtliche gerustet sein muss, wenn er in die Angelegenheiten 
der Staaten bei deren gegenwartiger Verfassung {itfi rvr xaJ- 
tcttwii ^vafji^) sich einiasst (165—167), verrath, soweit sie 
auch von platonischem Reformatoreifer entfernt bleibt, doch 



176 II. Untersuchungen fiber die Ethik des Demokritos. 

eine verwandte Stimmung dem Bestehenden gegenuber: die 
Zuruckziehung von der praktischen Politik hat verwandte 
historische Griinde bei beiden fur das Staatsproblem doch 
so lebendig interessirten Philosophen. • So unterschreibt denn 
auch Platon den Satz, dass des Weisen Vaterland das Universum 
ist (Dem. 168) : Theaet. 173e tw Svti to (foof^a fiovor iv rfj noXsi 
x€tTai avTOV xal €7Tiir]fi€i, rj dh didvoia ravTa TiccVTa i^yr)<fafi^t'rj 
a/AixQcc xal (6g ovdhv dTtfidffaaa navrax'^ q)€Q€%ai xard Utv- 
Saqov Tflf re ydg vn^vfQx^s xai %d ininsx^a yeiofxexgovaa ovgat'ov 
%e vnsQ d(fTQovofJiov<fa . . , 174e elg Snaaav sioo&cig Tt]v yrjt' 
filsTteiv^ auch Rep. VI 486. Ja wenn Platon an einer beruhmten 
Stelle seines Staats (496 b) oflfenbar auf einen bestimmten Philo- 
sophen hindeutet, der vor dem Verderb der Staatsthatigkeit 
dadurch gliicklich bewahrt worden sei, dass er, mit grosser 
Seele in einem kleinen Staat geboren, dessen An- 
gelegenheiten geringschatzig iibersah {sv (fjnixg^ noXei ovav 
fieydXtj tpvxrj (pvfj xal aTifidaatfa rd Trjg noXsfog vnsQfdrj) , so 
suche ich vergebens, auf wen das besser passte als auf den 
Mann von Abdera. Besonders schon stimmt das Urtheil, 
welches Platon damit uber Demokritos ausspricht, uberein mit 
dem unbeabsichtigten Selbstzeugniss des eben angefiihrten 
Wortes(168): ihn trieb der Forschereifer in alleLande, seiner 
trefflichen Seele geniigte als Vaterland nur die Welt. Und 
nicht minder schlagend stimmt, was im Theaitetos von der 
didvoia des Philosophen gesagt wird, mit dem uberein was 
von Demokritos Cicero Tusc. V 114 ruhmt: (atque hie vir im- 
pediri etiam animi aciem aspectu oculorum arbitrabatur) 
et, cum hi^^) saepe quod ante pedes esset non viderent, ille 

11) Der iiberlieferte Text (et cum alii) enthalt eine auffallende 
Incongruenz. Dass man »ofk , was vor den Ftissen liegt , nicht sieht< 
charakterisirt mQglichst schlecht den Nichtphilosophen , den, der auf die 
8inne, nicht auf den Verstand traut ; bei Platon geh&rt vielmehr ebendies 
zur Charakteristik des Philosophen: Theaet. 174a wg ta fxev iy ovqavw 
nQo&vfioTto Mivai^ ra S* BfjinQoad-ev avtov xal na^a no dag Xay&dyot 
avToy (ebenso c und 175 b). Hat also Cicero seine griechiscbe Vorlage in 
flagranter Weise missverstandenV AUein alles ist in Ordnung, sobald 



8. Kap. Platon. 177 

in infinitatein omnem peregrinabatur, ui nulla in exiremitate 
consisteret. 

So vollstandig bewahrt sich, Satz fur Satz, die Geistes- 
verwandtschaft zwischen Demokrilos und Platon. Wir werden, 
nach allem Angefuhrten, dem unbekannien Auior des Stobaios 
nur Recht geben konnen, wenn er diese beiden, gerade als 
Ethiker, eng zusammenfasst. Platon stimmt mit dem VorgSnger 
in der That nicht bloss hier und da zufi^llig uberein, sondem 
hat sich bewusster- und erklSrtermassen an ihn angeschlossen, 
ihn in recht wichtigen Dingen zum Fuhrer genommen. 



Einen letzten Zweifel gegen unsere Aufstellungen konnte 
das ganzliche Schweigen des Aristoteles uber die Ethik des 
Demokritos rege machen. Er, der die Physik des Demokritos 
erst zu Ehren gebracht, seine ihm unsympathische Erkenntniss- 
lehre zwar kaum richtig beurtheilt, aber zum wenigsten nicht 
ignorirt hat, scheint von seiner Ethik uberhaupt nichts zu 
wissen; er recensirt z. B. (Eth. Nic. X 2) ziemlich eingehend 
den Philebos, ohne mit irgendeiner Andeutung seine Kenntniss 
davon zu verrathen, dass ein Theil der dort entwickelten Ar- 
gumente Demokritos angehort ^=^). 

Darum konnte er nun zwar die demokriteische Ethik doch 
gekannt und benutzt haben. Indessen lassen sich kaum ganz 
evidente Beweise dafur beibringen. Eth. Nic. n 2 p. 1104 b 24 
did xal OQiiovrai rag dgeTceg dnux^stag ftvdg xal i^^QSfjkCag 
ist schwerlich auf Demokritos zu deuten^'). Eher kann in 

man hi (scil. oculi) statt aJii liest, wo denn aach das folgende ille sich, 
sehr viel passender, zugleich mit der oben berangezogenen Theaetetstelle 
(173 e) noch genauer Qbereinstimmend , auf animus, nicht auf hie vir 
zurQckbezieht. VgL auch PL Symp. 219 a ^ xoi trjg diayolas o\pig a^^etcci 
iH pXineiy, otay ^ ttoy ofifidxtay trig "*A*?f Xr^yBiy inixeiQ^, und Dem. 
24. 58, oben S. 101 Anm. 25. [S. bierzu die Bericbtigung im Yorwort]. 

12) Ebenso M. Mor. 117, wo ol de xai rj ^doyj dvax^QaiyoyxBg 
sich ganz direct auf Pbileb. 44 c beziebt. 

13) Eber auf seine Schule (Anazarcbos?). — Tb5ricbt jedenfalls die 
Parallelstelle M. Mor. 114, 1222 a 2 Sih nai dioQiCoytai nayt€g TtQoxeiQtog 
dnd^euiy nai i^^Bfiiay neqi ^doyag xai Xvnag alyai rce^ d^crug, — Von 

12 



178 II. Untersuchungen Ober die Ethik des Demokritofi. 

demselben Kapitel 1105a 3 xavovi^ojuitv d^ xal tag nQa^etg 
... rjdo%'^ xal Xvnj} an Dem. fr. 1 — 3 erinnern, desgleichen 
1104a 15. 18. 26 inegfidiXovta — iiXeinorta^ (fvfjifwcga, 
fueifoTrjg, uberhaupt die ganze Theorie von der ufa&tv^q (II 5, 
1106a 28 TCI i* Iftov fiiaov %i t^TregfioXfjg xai ekXefipewg^ ferner 
VI 1) dureh Demokritos angeregl sein, obwohl sie sich in der 
n^heren Ausfuhrung wieder so weit von ihm entfemt, dass 
wenigstens der Verdacht Rose's (dem selbst Zeller lb* 929' in 
Bezug auf fr. 51 sich anzuschliessen scheint) sich sicher nicht 
behaupten Iftsst (vgl. u. a. , was oben aus Platons Protagoras, 
Gorgias etc. angefuhrt worden). Wenn sodann, was X 7 uber 
den Vorzug des theoretischen Lebens und seine AnnSherung an 
Unsterblichkeit also Gottlichkeit gesagt ist, theilweise an Demo- 
kritos erinnert, so liegt doch der Vergleich mit Platon viel 
naher. Und selbst wenn die aristotelische Erklarung der 
iniarrjfAr)^*) sehr deutiich an Demokritos anzuklingen scheint, 
so reicht doch die Erinnerung an Platon zur Erklarung allenfalls 
hin (vgl. oben S. 167 Anm. 9, ferner Leg. (>53d, 664 e, 791 a etc.). 
Es bestatigt sich jedenfalls, dass Aristoteles aus der Ethik 
des Demokritos nichts Rechtes zu machen gewusst hat. Hat 
er uberhaupt irgendetwas von ihr entlehnt, so sind es eben 
nur vereinzelte Reminiscenzen. Das erklart sich jedoch einfach 
genug: fur Aristoteles ist es nun einmal Dogma, dass Sokrates 
die Ethik zuerst wissenschaftlich begrundet hat. Dieselbe An- 
sicht hat oflfenbar Theophrastos festgehalten, auf den mSglicher- 
weise '*) das oben S. 110 schon angefiihrteUrtheilCiceros (Defin. 
V 88) zuruckgeht; s. bes. den Schluss: post enim haec in 
hac urbe primum a Socrate quaeri coepta, deinde in 
hunc locum — d. h. in die Akademie, cf. V 1 — delata sunt. 

der g5ttlichen Seligkeit fibrigens sagt Aristoteles selbst Kth. Nic. VII 
15, 1154b 27: xai r^^oy^ fjiuXXoy iy j^^cfxitf iatiy ^ eV xiyjqaei. 

14) Phys. Vll 3, -47 b 10. 17 rw yu^ xa&iffTa<r&at Trjy tpvxfjy ix trjs 
(pvaixr^s fccQcc^^s q)^6yifx6y zc yiyerai xai iniarrlfjioy. dio xai ra naidla 
ovT€ fxayd-ayBiy dvyatai ... noXXri ya^ ^ taqaj^ri xai r) xlyriaig, Vgl. 
Anal. post. II 19, 100 a 6. 16. Pe an. I 3, 407 a 82. 8. ubri':ens S. 105 Anm. 80. 

15) AVie W, Kahi vermathet (vgl. oben S. 100 Anin. 22). 



8. Kap. Platon. 179 

Wenigstens stimmt dies Urtheil ebenso gut zu der sonst be- 
kannten Art theophrastischer Urtheile uber altere Philosophen 
wie zu jener allgemeinen aristotelischen Auffassung; konnte 
man nicht in Abrede stellen, dass Demokritos in der Ethik 
einiges Treffliche geleistet habe, so musste es wenigstens keim- 
hafter Ansatz geblieben sein. Im Grunde urtheilt ja selbst 
Platon nicht anders uber den wissenscha ft lichen Charakter 
der demokriteischen Ethik, wenn er Phileb. 44 c von dem un- 
genannten Vorgftnger meint, er habe o€ Ti%%n[] dlXd Tivt Svaxs^ 
getg g>va€fog ovx dyewovq '^) gegen die Lust so grossen Hass 
gefasst; neben welcher Ruge der technischen Unvollendung 
der Ethik die ausdruckliche Anerkennung des Ansehens steht, 
das seine Physik genoss*'): ixdXa Seivovg Xeyofx^vovg %d negl 
^vaiv (44b). Aber wenigstens hat sich Platon durch solches 
Urtheil nicht abhalten lassen, die, wenngleich nicht gehorig 
entwickelten, doch an sich hochst werthvoUen Gedankenkeime, 
welche in Demokritos Ethik lagen, voll zu wurdigen und nach 
ihrer ganzen Tragweite selbstSndig weiter zu entwickeln. 

Uebrigens stehen unsere Annahmen bereits von alien Seiten 
so fest, dass in dem Schweigen des Aristoteles, wie immer man 
es auslegen mag, ein emstes Hinderniss nicht gefunden 
werden kann. Man wird sich wohl daran gewohnen mussen, 
dass, auch in der Geschichte der althellenischen Philosophie, 
weder alles, was bei Aristoteles steht, unfehlbar richtig, noch 
alles Richtige unfehlbar bei Aristoteles zu finden ist 



16) Schon Arch. Ill 528 " Qbrigens habe ich erinnert, dass diese 
Svaxi^^m jedenfalls sehr lobend gemeint ist. Pie schlagendste Parallele 
bietet Rep. II 366c ei xtg ^elq q>v<iei dva^eQaiytoy ro diixBiv ^ 
inunfifJLriy Xaptav anex^xai avzov (was besonders in der Entgegensetzung 
▼on g>ving and tniairifiri = tix^^ri unserer Stelle &hnlich ist), ferner 362 b. 
388 a. 396d. 401e. Leg. X 908b. So steht dies Lob mit dem Pr&dicat 
fityaXri ^vxTi Rep. 496 b jedenfalls im beaten Einklang. 

17) Es ist eben eine Ethik (will Platon sagen), wie man sie von dem 
Physiker erwarten kann; unter dem eigenthQmlichen Gesichtspunkt der 
Ethik genOgt sie nicht. A of den Atomiker passt auch sehr gut, dass zur 
Analogic (44 e) der Begriff des absolut Harten herangezogen wird. 



Anhang. 
Ueber den Stil der Ethika. 

Von Til. Birt'). 



Dass Demokrit uber Musik, Redeform, Wortausdruck theo- 
retisirte oder an Vorlagen wie Homer Beobachtungen anstellte, 
geht aus seinen Movaixd, der funften Abtheilung seines Schriften- 
katalogs, hervor; vgl. das Fragment 109 dieser Sammlung, das 
doch wohl schwerlich in den Ethika selbst gestanden hat, so- 
wie bei Mullach frgm. var. 2—4. Es ist hiernach nicht denkbar, 
dass Demokrit den Prosastil nicht selbst mit einer gewissen 
Durchdachtheit behandelt haben sollte. In der That gewann 
er das rhetorische hiteresse eines Cicero, der von ihm aussagt 
ornate locutus est (de or. I 49). Ein gewisser ornatus der Rede 
ist denn auch in den ethischen Bruchstiicken nicht zu ver- 
kennen. Dieselben zeigen ohne Frage einen recht eigenartigen 
und dabei einheitlichen stilistischen Gharakter; sie zu prufen 
ist interessant, weii sich an ihnen, wenn ich nicht irre, die 
ersten Einflusse einer noch halb entwickelten Rhetorik beob- 
achten lassen, wie sie eben durch Gorgias und Genossen in 
der Zeit des Demokrit bestand. 



1) Ich bitte das Nachfolgende als eine Improvisation hinzunehmen, 
die ohne ^€vt€^ai ^Qoytides hergestellt werden musste, um noch mit 
unter die Presse zu kommen ; daher von mir wohl auch Wichtiges iiber- 
gangen, Unwichtiges zu sehr betont sein mag. Uebrigens vgl. Ammon, 
Der Philosoph Demokrit als Stilist (Xenien der 41. Philol.-Vers. dargeb. 
vom hist.-philol. Verein. Miinchen 1891), der nur die pbysischen Fragmente 
beriicksicktigt. Th. B. 



Anbang. IJeber den Stil der Ethika. 181 

Die Spruchfonn ist in dieser Ethik das beliebteste, wie: 
fj^v fit^iv dnoSixea&ai i]v fir] ^v^iq>e^ (5). Das H^uptmerk- 
nial ist hier die Kurze. AUe Fragmente sind einheitljch darin, 
dass sie die Copula iaxl stets auslassen; xl^vxri olxfjftrjQiov dai" 
fiovog (11) und so durchweg. Ausnahmen hierzu finden sich 
1) in Relativs&tzen ; vgl. fr. 14. 181. 209. 2) wenn ein /f^r 
voraurgeht fr. 156 und 183. 3) bei Demonstrativen , nicht 
ohne Afifekt: fr. 189; cf. 198. 4) iiberhaupt im breiteren 
Raisonnement und da, wo die Spruchform aufgegeben ist: so 
47 und 134. 178. Es bleiben als Ausnahmen ubrig fr. 187, 
wo ^an Hexameterschluss macht; fr. 147. 200 und 207, wo 
man vielleicht geneigt w&re es zu tilgen. Anders steht es mit 
betontem ?<rr« am Satzanfang fr. 181. 185 oder mit ItfTiv mv 
fur Tivwr fr. 158. Die Physika bestatigen die Wahmehraung, 
woselbst in frg. 1 (MuUach) vofifp y^Q y^vxv xtX. und imQ-- 
^fffitrj ixatftoitxiv t; do^igj aber im Relativsatz o%i .... iv 
dnoQtp icxi. 

Aber diese Demokritreste zeigen auch den »omatus«; er 
betriffl entweder die Wahl des Einzelwortes oder die Art der 
Formung von Wortgruppen (singulis verbis oder continuatis 
coniunctisque Cic. de or. Ill 149), oder mit funflfacher Unter- 
scheidung: ornate reden ist 1) distincte, 2) explicate, 3) abun- 
danter, 4) illuminate et rebus et verbis, 5) so reden, dass quasi 
quendam numerum versumque conficiunt (Cic. de or. Ill 52). 
Halten wir uns vomehmlich an die drei letzten Merkmale. 

Da ist das l&ngste fr. 52 zunSchst das lehrreichste. Es 
zeigt im Satzbau die planvollste Zweitheilung , die , fur die 
Anf&nge der Stilistik bezeiehnend, mit naiv &ngstlicher Sorgfait 
durchgefuhrt ist: 

fUT^mrjTi liQXpwg xal fi{ov ^vfifisTQirj 

%d d* iXXeinavxa xal insq^diXovra 

lutanCntsiv xal xivr^tfuxg iiinauTv 

ovrc (dfSxa^isq eitflv ovt€ €V\h)^ioi. 

isT Jl%Hv trlv yvwfirjv xal %o$g nagsoSaiv aQxettr^ai 

%Sv /Aiv f^rjlov/Jidvfov xal &av/AaCofA^vwv 



182 Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 

oxwg av tpah^at xal ^vfifiah^rj 

rd nageovra (fol xal VTrdgxovra 

fjteydla xal ^rjXtoTcc 

6 li^aviuui^fov xal ngotfeigevfor 

Tovg ^x^'^'^^S ^^^ fiaxaQi^ofA^rovg 

iniTtaivovQy^h' dvayxd^erai xal inifidXXfff&ai 

rd fx^v fit] di^rjiSx^ai,^ inl dk rotg svd-vfAiTaOai 

sv&vfAeTtf&ai nagafidXlovTa . . . xal ixaxaQi^eiv svi^vfAevfjierov 
a ndaxoviSt xal oxtog 
ngi]<r<r€i t€ xal didyet, 
evd-vftoTsgor xe iid^eig xal diaiffeai, 
Diese 18 Paarungen von Satzgliedern in etwa 20 Druckzeilen 
des Textes diirften vielleicht das krasseste Beispiel sein, das 
wir fur die stilistische Tiftelei der alteren Sophistik erhalten 
haben. Es gehort dies zum »abundanter loqui« und ging her- 
vor aus dem Streben nach Parallelismus. Eben dasselbe ist 
durchgefuhrt in fr. 84. 163, ist aber auch in den kurzen Sinn- 
spruchen noch hie und da anzutreflfen; vgl. fr. 66 /*afa ydg 
xal ffrifidg \ Xtfiov xal xoTtov; und 155; zwei Adjective statt 
eines fr. 130. 180. 202 fin.; 204. 223. Von den Physikresten 
seien die frg. 4 und 10 (Mullach) verglichen. 

Auch das Schema des Sv iid dvoTv findet hierbei Anwen- 
dung (fr. 184 T€txog xal (tiorrjgirjv), auch der Chiasmus (fr. 203 
rd Tclevfieva ovx dvi^ ovrf' evx^vfiet rd sntxToifAera; fr. 52 
fAetgioTTjti regipiog xal fiiov ^vfAfiSTgirj; fr. 205, wo man sonst 
erwarten musste am^gofrvrrj d^ yrjgaog avx^og, vgl. auch 27. 35). 

Die stark rhetorische Anapher hat dagegen kaum Platz 
gefunden; deutliches Beispiel ist fr. 180 noXXoi)g pihv xal fieyd- 
A^>rg xivivvovg, noXXdg i^ Xvnag; ein zweites bietet uns der 
wuchtige Hauptsatz der demokriteischen Physik dar: vofjiw ydg 
yXvxv xal vofiw nixgov, vofiq} v^egfioVy v6fA(p ipvxgov^ v6fi(p 
Xgoitj; iibrigens herrscht hier planvoll der Epitritus primus. 

Aber die gorgianische nagofiomaig und nagitfatmg der 
Kola, das Homoioptoton u. ahnl. tritt in diesen Democritea 



Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 183 

gelegentlich noch deutlicher und mil gleichsam naiver Pedanterie 
zu Tage. 

Dass esan Antithesen nicht fehlt, wird niemand wun- 
dern. Zun&chst die einfachste Art derselben, deren selbst die 
schlichteste Rede nicht entrathen kann, wo der Gedanke erst 
positiv und dann negativ ausgedruckt wird : so fr. 20 rd x^C^i' 
oJSft* 6x6(for x^C^^y ^ ^^ XQlit^'^ ^<' /n'oierx^f; schon anders 
fr. 61 €vyv€ifAfov 6 fir) Xvneofierog iip vilaiv ovx ix^i diXd ^^er/^wi' 
*V o^^'"' ?Z«; vgl. 214; noch anders fr. 65. 120. 123. 124. 156. 
Solche Antithesen nun sowie uberhaupt die Kola eines 
Seizes, zumeist eines zweigliedrigen , hat Demokrit gelegentlich 
sorgf&ltig durch Rythmus und Harmonie, d. i. dadurcb auszu- 
schmucken gesucht, dass er den zwei Kola gleichen Umfang 
gab oder dass er ihre Schlusssilben assoniren liess. 

Ein Beispiel blosser Parisosis ist fr. 162: ogxovg ovg 
noiiovrai iv dvayxTjifiv iovreg \ ov Ttjg^ovair oi ^Xavgoi inr^v 
Siaq>vYaHfi; zwei Kola mit genau je 15 Siiben; das erste zer- 
fallt wieder in zwei Kommata zu 7 und 8 Siiben, das letzte in 
zwei zu 8 und 7; das erste schliesst femer deutlich mit zwei 
ionici a minore, das zweite, anklingend, mit zwei paeones tertii 
(wr^ — v). In fr. 163 hat das Kolon tor evO^vfma&ai bis fvi-g 
22 Siiben, [ArjSi S(fa* bis q^^vair entsprechend deren 21. fr. 170 
theilt sich zu je achten ein: i)/riJ yvvmxog agxead^M \ v^qi^ 
dt*Sgi fj iaxdvi]; fr. :212 in je funf: 6fA0tpQ0(fvi*r] \ ^tXt'rjv noisT; 
fr. 185 finden wir in vier Kola erst 8 Siiben, dann 9, dann 9, 
dann 9 : iCTi xoif r^wv ivvfCic \ xai yeQoi'xmv d^vveairf \ XQorog 
ydq od S$idifx€i ^goveTr \ dXi! cogafr) zgo^ij xtxl (fvc^; dass 
dabei der Rythmus gern correspondirt , kann auch hier 
bemerkt werden; das letzte und vorletzte Kolon z. B. gehen 
deutlich auf je zwei Cretici aus. Man lese noch , etwa zu je 
drei Hebungen gegliedert, fr. 156: 

S{xr] fiiv ia%iv igSeiv 

%d x^^oiTtt, dSixft] ii 

fAij tgieiv %d XQ^ovra 

dXXd 7iaQctfQsn€0O^ai, 



184 Anhang. Ueber den Stil der Etbika. 

Oder, etwa zu je vier Hebungen, fr. 167: 

fit] ovx ddixstad'ai %oig aQxovxaq 

7]V xal ndvv dya&ol ioaaiv, 

ovisvl ydg aXXqy loixfv, 
Vgl. endlich fr. phys. 9 ar&Q(on6g eativ \ o navreg idfiev. 

Aber gem wird auch dasHomoioptoton und Homoioteleuton 
verwendet, wenn schon immer nur bei Gelegenheit ; fr. 33 ent- 
sprechen sich dvoTJfAoveg und darjpLoveg^ xotg xfjg rvxiqg und roig 
TTfi (ro(p{if]g, fr. 15 (foifiatfiv und x^ij/iacrt*', og&oavvr] und noXv^ 
g>goavrrj. fr. 46, sehr kunstvoU, setzt erst zwei Nomina auf 
-og {ifxTjg xvdog Yvtifirjg &dQ<rog\ dann zwei auf 'fia {diixftjg 
detfia ^vfKfogrjg xiQfxa), fr. 17 giebt tsxr^veog fvax^svit} und 
i]&6og svTQonCrj, fr. 160 ordnet evx^Vfiir^g xal iixtjg^ dann x^dg- 
(S€og xal xTTjifiog; fr. 221 ist die Endung -gov ebenso wieder- 
holt {pXttfiegov d^eoogsvaa, ^v(x^igov fiX^nei) wie in 130 {dv^jgov 
xal taXainoogor), So steht nsTfffia xal xXfjfia gepaart phys. 
fr. 10 Mull. So reimen sich ferner die Endungen der zwei 
Kola in fr. 50; vgl. 217. 210. 169. 195. Durchgangig ent- 
sprechen sich Satzglieder und Endungen fr. 71 ; fr. 134 Ende ; 
auch 153 ist so parallel gebaut, dass man das unsichere rrjr 
vor y6vofji^vr]r gerne hinwegwunschte. In den Physikresten 
lesen wir entsprechend fr. 1 : xal twv snsimotTtov \ xal dvri- 
ffTTjgi^oitmv (je 7 Silben) und ij fi^v Yvrjairj, rj di axorir]. 

Aber auch die Parhomoiosis rait gleichlautendem Wort- 
anfang (Prafix)^) ist dera Demokrit nichts Fremdes; fr. 213 
h^uft er das S^v: g>iXpi ov narveg ol ^vyyevieg \ dXX* ol ^vfA- 
qxoveovzeg negl rov ^Vfitpsgovrog, Vgl. 17: evyevir^ euCx^svii] 
evTgoniTj; 102 rcav d^vv^T(ov divvatoi; cf. 103. 128: ^vxf^g 
dirjfiotfintjv rj dgyirjv rj drraiietxftrjv. 52 Zeile 14: imxaiv- 
ovgyeTv xal inipdXXsc&ai ii imd'VfXirjv. 

1) Auch ofioioaQxxov genannt, Ehet. graeci V p. 511, Yolkmann 
t. " p. 484, 



Ehet. " p. 484, 



Anhang. IJeber den Stil der Ethika. 185 

Hiennit kdnnte man lose die Beispiele wirkungsvollster 
Allitteration zusammenstellen , durch welche Demokrit die Be- 
griffe zusammenbindet : fr. 148 fAeydSTriv fAsr^x^t fioTgav 6 ri/utdg 
diiaq tdfivrnv; fthnlich 160 am Ende; 165 xivdvvog xaxtSg 
dxovciv; vgl. 152. Aehnlich fr. phys. 2 oxov d^ xatd tt^v tov 
xvficcTog xhnf](ftv; fr. var. 2 (p. 236 Mull.) xaXd xagta. 

Es geh5ren ferner hierher Ans&tze zur structura etymolo- 
gica mid ihr Verwandtes, sodann aber der Wortwitz, die 
Paronomasie. 

So spiell Demokrit fr. 20 mit XQrj^ei>v\ setzt 54 -qioval und 
drjiiag sich entgegen; 74 heisst es: xgiqiiata nogf^eir fjth' ovx 
dx^jtm' und 79: XQW^''^^'^ XQ^^^^ xQ^^^f^^^'* 63 vertritt xqsaatav 
nur das voraufgehende xQcttstov; es hatte so fehlen kQnnen, 
wie fr. 14 das ev Tdraxrai fehlen konnte, aber um des Gleich- 
klangs willen zugesetzt ist. Er liebt es ferner dasselbe Wort 
in andrer Zusammensetzung wiederzubringen wie 182 inixvxCriv 
und dnotvxir}v^ bildet dazu wohl gelegentlich sich das nothige 
Wort selbst wie 163 evoyx^rj und iieyaXoyxCrig; liebt Wieder- 
holungen des Wortstammes wie 190 noXXoi noXt^fiax^seg; setzt 
daher 106 xaXoXg und xaXov^ 70 fi^loveg und iis^ovag, Daher 
durfte auch fr. 145 ig xaxoio^ftjv xaxijv zu halten sein. 

Derartiges n^ert sich dem leichten, ja scherzenden Tone, 
wie er endlich in der Paronomasie am sichtbarsten wird ; hier 
haben wir den lachenden oder doch den lachelnden Demokrit; 
fr. 79 heisst es ^vv votp fikv XQT'^;<fff^ov, ^i)v droCr] di x^QVY'V 
^vvij mit dreifachem Anklang, ebenso fr. 194 ipaiXar ofjidfr] 
^vvtx^i^ ff *«' xaxfrjg ^vvae^si^ wo zum Stamme von ix^iv 
zwei Formen gehoren, aber auch ^vvad^n oflfenbar absichtlich 
Stammverwandtschall heuchelt; eben deshalb ist nicht das 
ubliche Simplex aVJf« gesetzt. So glaube ich denn auch, dass 
in fr. 189 das Ueberlieferte genugt, wenn wir es nur genau aus- 
horchen. %d aitsXQ^ avTOfAara xagnovrai ist offenbar so gesagt 
wie bei Diodor II 36, 5 die adtofiaTf^oiTeg xag/ro(. Die Pointe 
schwindet somit, wenn wir mit Usener ein ij diuuxd'trj einsetzen, 
um die Antithese zu vervollstandigen oder ein Subject zu ge- 



186 Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 

winnen. Vielmehr ist naqnovtat passivisch gemeint und bedeutet 
alsdann »wird fruchtbar, bringt Frucht<, so wie xaQnovffx^ai 
auch bei Ocellus Lucanus (p. 15 Rud.) sich findet; Subject ist 
nothwendig %d aiaxqd ; das Silbenspiel aber liegt kl&rlich darin, 
dass sich xotg novo^q ij fuithjifig und Srev novmv a^TOfAora ent- 
gegenstehen ; letzteres ist so gemeint, als horte man adrofjia&a. 

So viel uber Fugung der Worte, sofern ein ornatus orationis 
darin zu spuren ist. Aber auch die Einzelworte selbst sind oft 
so gewShit und gebildet, dass sie Demokrit auf einen ornatus 
abgezweckt und fur solchen bestimmt haben muss. Es sind 
theiis poetisch-epische Entlehnungen , die dem lonier nahe 
liegen mussten, ofters aber Neubildungen, die fur den Zusammen- 
hang selbst von ihm gewagt werden. Auch hierin verr&th sich 
der Zeitgenosse des Gorgias und der aiteren Rhetorik. Eben 
dies aber fierschon dem Timon von Phlius an Demokrit auf, 
und er nannte ihn darum den notfjte'ra ^vi^tov (Diog. Laert. IX 40). 
Kallimachos sammelte, wie es scheint, Glossen aus Demokritos; 
Hegesianax schrieb negl Tfjg JtjfAoxgiTov Xsllctog (vgl. oben S. 3 
Anm. 1). 

Solche Worte sollten bisweilen anscheiqend nur die Rede 
gewahit und erlesen erscheinen lassen; so das fisYaXodrnQog 
fr. 64; to ixviov fr. 202; irifio^fpeXi^g fr. 79; es ist merkwurdig, 
dass Platon im Phaedrus p. 227 fin. dies Srjiutai(pfXrjg wieder- 
bringt; und es wurde zugleich erreicht, dass ein complicirter 
Begriff, der doch nur ein logisches Glied im Satz ist, als ein 
Wort erscheine: so oQx^oTTQayilfor und ii^vyvfaiAog 44, C^wir^g 16, 
ftitft^oTrXfftfTeo^Tfg 92, dXriy^o^ixtiP^evsn' 112, dyocx^oif^re'sg 123. 

Oft auch wahlt sie der Philosoph oder bildet sie sich im 
Dienst der Antithese, so evoyxhi und fieyaXoYxfrj fr. 163, to 
ih' im Gegensatz zum furji^v (fragm. phys. 8), 55 vd invceQ- 
TT^tfcaTa aTfQTTsCTaTa {iniTSQnrjg aus den Homerhymnen ; merk- 
wiirdigerweise dann auch bei Plato Phaedr. 240 d) oder zugleich 
mit im Dienst des Homoioteleutons; Demokrit wagte zu schreiben 
229: ^iog dveo^aatog (!) (uiaxgi^ oddg dnavdoxBWog (!); die 
jmige Kunst in ihrer ersten Kuhnheit verleitete ihn hierzu. 



Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 187 

Drittens aber hat Demokrit poetische Worter dort ver- 
wendet, wo er poetischen, d. h. vorzuglich daktylischen Silben- 
fall anstrebte. Solchen Wortem wie functtoTtovcTv (113), dh- 
yoxgovto^ (84) oder xaxonQoyfAoamnr^ (92), xaHoqfQaSfwtfvvr^ 174, 
i/Magitor 157 und xdza^fuw 181 sieht man dies auf den 
Eopf an. So auch tsMvorgoipfr) 182 ^). In unsrer stilistischen 
Analyse aber werden wir hierdurch auf den funften und letzten 
Punkt gefuhrt, den Cicero zum ornate loqui rechnet : das ist das 
quasi quendam numerum versumque eonficere. 

W^Lgen wir die Fragmente in diesem Sinne, so ergiebt sich 
auffallend viel, woraus man sich »einen Vers machen kann<. 
Die Feinheiten der Rhetorik eines Demosthenes, Lsokrates oder 
der Sp&t^ren scheinen hier noch fast unentdecktes Land ; aber 
der Verfasser sucht in kindlichem Spieltrieb grade die Vers- 
fusse, die der gemeinen Metrik angehdren, zu h&ufen und durch 
solche halbepische oder halbiambische Prosa auf das Ohr zu 
wirken. Dies, dunkt mich, ist ein sicheres Anzeichen, dass wir 
uns in diesen Resten noch ungefahr auf der Staffel der Gor- 
gianischen Halbkunst befinden. 

Ein paar Belege fur lonici und Gretici sind oben gegeben. 
Uebrigens wird der Dactylus, resp. AnapSst, bevorzugt: 92 xaxo- 
ngcq^fiocvvr^ tor ffjg fiiorrjg xQovov iv ragaxfjffi' 84 oXtyoxgoviov 
noiX^al T€ xr}Qal ... xai d/n7]x^vtrj<nv {dXiyoxQoriog stammt aus 
den Elegikern, steht ubrigens auch bei Herodot). 182 beginnt 
v€xt'OTQoy>f7f] aqiaXsQov; 69 ijv /av} noXltSv gn^t^vfiysj ebenda 
ffiuxgfi ydg ogs^ig,. 95 schliesst yrjgdaxsiv ix^sXovm^ 94 ov 
tfgnofuvoi veoTrjTi, 93 Tcgnofievoi fiiotfjy 35 difQoaviT^g fAfydXrjr, 
38 dXXd TO fxi,i" ii^^Xsiv. In 96 steht a%vyioY%Bg £^r iOikoxm 
(Seffjuni "AiSea); in 10 eviaifAovhj \ odx iv fioaxrjfiaaiv oixcT 
{ovS* iv x^va^); in 203 die Glausel did x^H^^ h^r^^^j in 224 
TO Ji ata^QoviovTog; in 184 Totg %€ vorjfAaat xal totg tfoi/uuxaiv 
ctvrmv; in 17 i^ tov cxrjvsag ct^tfi^sriq und t^ %ov ijt^eog fvigo* 
nti); in 227 /at^ xaxov dvr* dya&ov xi^ir^Xog ioiv dnoS^; in 113 
6 vovx^etidn^ %i funaianavet. 

1) vgl. ineaipeXiri 176. 



188 Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 

Ein voller katalektischer anap&stischer Tetrameter findet 
sich 161: xi^dXkriv xal XrjCTtjv navra \ xt€{v(ov %iq dd-^og S%* strj. 
In 203 did x^^Qog ^xoi^reg' danach a^or fih* ydg jioXXdv (paiioTcgoi. 
So hebt sich aus 139 heraus: fi(ov dv&gdnwv \ ivrtxrai <r, orai' 
av I %ol fiovXco^tai \ ndisx^^'^' ^^* ^^'V I ydq neid'OfAst'oi \ au(y) Tiqr 
Idir^v \ dghrfiv ... Ein Paroiniacus auch 198: nmSsvaa^ tijv 
vsoTr/ra; ein Paromiacus mil voraufgehendem vierfussigem 
Logaodus (welcher letztere also gleichsam einen anapastischen 
Dimeter vertritt) 194: 

ffavXf&v ofxiXit] ^vvexiijg \ f^ir xaxtrjg ^vrai^ei. 
Ich glaube hiernach nicht geme, dass fr. 181 ein xal vor xora- 
x^viAiov einzuschieben sei; hier steht der Quasi- Vollvers : 

htdi' naXda lafitir xataxhiiiiov ex noXX&v m%\ 
Etwa gleieh hSufig linden wir iambische (resp. troch&ische) 
Kola, oft in auffS.lliger und sehr ohrenfalliger Ausdehnung; 
202 steht (ohne Gasur) : 

xd ydg txviov fiovrov kiXemra^ %wv nodm*. 
124 steht (ohne Casur): 

dyax^fj Xoyov fiXa<r(f>7jfJLfr] Xvfji,ai%>e%ai. 
178 mit einer fehlerhaft gelangten Senkung: 

rj iihv qiViSig roiavtrj ndvtwv iatCv oaa ipvx^v ^x**? 
ubrigens wurde hier naturlich durch fo^* o<fa der Vers les- 
barer werden. 192 mit einem Giykoneus verbunden: 

fii) Ttdi*T* sniCTatft^ai ngod^VfJi^Oy 

liAfj ndvxmv dfiaxhjg y^rj], 
112 ein Hipponaeteus , nur wieder ohne Gasur: 

*AXrj&ofAV&€vei.v XQ^^'^ S»xoi; X^ov, 
Ganz derselbe 189, wo einzutheilen ist: 

xd fA^v xaXd x^A^^^tt ''^oTg novoig rj 

fAdvh](fig i^sgyd^ftaij 

xd d^ cir<fxg* Srev novoav avxofiaxct xagnovxM, 
Weitere Beispiele: 207 ndvt* ^x^i xal naaiv iviet. 4 rjiovilv 
ov ndcav dXXd xrjv inl xw xaX^ aigeTtfi^ai x^^^i*. 154 xov 
ditxsovxa x(oXv€tv, \ el di fjtij, firj ^vvadtxetv (x(oXve$v kann 
Greticus sein). In 24 steht: didovifi xdXXa ndM^a xal ndXa$. 



Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 189 

121 schliesst: ot* loyovg ^tjXoSv XQtfiv^ 76 i!r]fi£i]v d^r^g q^^ge^, 
28 Tj dputx^irj Tov xgsaaovogj 164 dyro€iv rd oixi]ia, 32 yCvetai 
StidaxaJiog, 37 SiaXoyi^sax^ai xaXov, 220 dnogsovffi (T oi\xr/r}g 
Xogrjg, In 122 entsprechen sich: fjiij fuxv^oiTeg J^wa xatd Xoyov 
und Xoyovg dgfatovg daxiovaiv, 168 geht ein Choriamb vor- 
auf: d%*di^ aoqi^ \ n&aa ytj fiatrj. Man lese endlich noch 197: 

^r^Xwtixmg dfxrj noveiv 

nmieg dviivrtg 

ovT€ Ygdfi/AOT* at* fuix^oisr 

ovts iJLovaixi^v 

ovT dywviriv, 
Dass Demokrit diese lamben (oder TrochSen) mit Absicht 
schrieb und gleichsam pflegte, beweist schon die Hiiufigkeit 
der Belege, uberdies aber noch in folgenden zwei F&llen die 
Wortstellung, die nur zu rythinischem Zweck gewShlt sein 
kann: fr. 137 xaXBnwtigvi fidXa und 163 vnsg t€ ivrafjuv 
algsTiSx^at \ %ii)%* iavrov xal ff>vaiv\ dort ist fidXa^ hier ^vaiv 
kunstlich an den Schluss geworfen; nagd ipvttiv durch Con- 
jektur herzustellen verbietet sich wohl jetzt von selber; es sind 
iambische Kolenschlusse beabsichtigt. Doch noch ein drittes 
Beispiel, zwei iambische Kurzzeilen, fr. 88: 

dvJgdg Ji to xgctreff ttfXoyiiStov, 
Auch sonst finden sich Beispiele, wenn schon wenige, fur 
Verschr&nkung der Wortstellung, die auf rythmischen Anlass 
zuruckgefuhrt werden muss: 167 dXXu %ig fj x^BtSfiog tj dXXo Tt 
statt dXXd rj ^BCfiog ti^; wir erhalten so Choriambus; 174 ym*iq 
noXX* dt'Sgdg d^vt^gv] | ngog xccxoifgaiiiocvt*rjv; das noXXd ist 
kunstlich gestellt und steht uberhaupt hochst frei fur noXXdv 
beim Goraparativ; das Streben nach Versmaass, das auch hier 
evident, gab vielleicht mit dazu Anlass. Endlich fr. 92 ^sviea 
n€gi TOV fuvd trjv TeXsvrrjr ikv%^onXaa%iov%cg xgovov statt xgovov 
fAv&o7¥XaaT^oi*T€g; der Verfasser woUte kl^lich zwei Cretici in 
der Clausula haben. Dagegen lediglich der Versch&rfung der 
Antithese dient 211 iv6g qiXii] fvvetov \ xgiaaav d^ wet at* 



190 Anhang. Uebi^r den Stil der Rtbika. 

ndvtmv ; es slnd zwei mal 8 Silben ; der Silbenfall daktylisch ; 
l^vvtxov ist von hdq getrennt. 

Zu dem loga5dischen Kolon 174 yi;i»i} noiX drigog o^vt^qtj 
ist sowohl fr. 194 q:avX(ov ifulirj ^vvsx^g als auch fr. 110 zu 
vergleichen, das gleichsam wieder ein Distichon giebt: 

nXeore^lrj to ndvra Xdyeiv, 

fxrjdh* ii ^eXeiv dxoveiv. 
Elne andere Art Distichon ist fr. 93: 

dvorjfioveg fiiovciv ov 

tegnofifvoi fiiorfj, 

Wieder anders 126: 

%6X[xa ngrj^iog dgx^j, 
tvxYJ dh T^Xeog xvgiVj, 



Oder 140: 



ovx ttv ixtiXvov ol rofioi 
^fjv ixaatov xaz^ iSirjv 
i^ovairjv. 



Oder 70: 



fjisXoreg ydg ogs^ieg 

H^^ovag ivdeiag noievdi. 
Ein Glykoneus steht ubrigens noch fr. 1 : vegipig ydg xal dzsgnh^ ; 
17 xtTjv^cav fiiv evyevir^; vgl. oben zu 192. 

Wir sind durch fr. 92 auf'Cretici gefiihrt; auch sonst ist 
uns dies Metrum in der Clausula schon oben begegnet. Zwei 
Cretici sind im Grunde nichts als ein trochaisches Dimetron 
mit zwei ausgestossenen Senkungen, und die Verwandtschaft 
mit den rein iambischen Messungen liegt somit auf der Hand. 
Dieses Metrum nun aber ist bei den spateren Klassikem der 
Rhetorik stets beliebt geblieben. Demokrit's Ethika haben 
dafur noch ein paar Belege: 138 TjaatofAslvotg 6fioi\r] <p&ogrj; 
vgl. 149 fin.; 209 fin.; 185 (s. oben); auch 166 schliesst der 
erste Satz sv 7T67ioi\rjfi^vwv; 25 noSlrjycreTv \ [Arjd* 6xfTr\ 
tvnogwg; fr. 135 aber endet besonders auflSllig mit zweimaTig 
gepaartem Paeon primus und Creticus: ov ydg dno \ Xeinerai \ 
eXnlg €m\xovgir]g; der Paeon ist ja Creticus mit Auflosung. 



Anhang. Ueber den Stil der hthika. 191 

Endlich aber finden wir zwei lonici a maiore mit folgender 
trochftischer Pentapodie fr. 69: 

CfAtx^ ydg oige^ig n€v(\r^v laoaO'tvia nXovToy rnneL 
Sehr gut pass! bier zur metrischen Form das poetische Voca- 
bulum iaoc&snjg. 

Die bisherigen Beobachtungen sind an den ethischen Resten 
angestellt; doch konnte schon im Verlauf das Wenige, was an 
sonstigen, physischen oder sons! nicht ethischen Demokrit- 
fragmenten in garantirt echieih Wortlaui vorliegt, ofter zum 
Vergleich und zur Besiatigung herangezogen werden. Ins- 
besondere aber begegnet uns nun auch dort ganz &hnlich und 
in aufifSLlliger Weise das Haschen nach sinn(%lligem Metrura. 
Daktylisch stehi auch hier fr. phys. 1 aXX^ ini JLeTrtoTcgov, 
2 xai y^gen'oi ysQdvoiaiy 10 dyxvgrjfioiUov, frg. var. 6 naXeo- 
/u«i'oi ^AgneSoranrai | trvr roiid* inl ndifir . . . hnl l^eiv^^g 
dyttijOrjr. lambische Elausel giebt die Verbindung fr. 1 ato^ia 
juA xcf'df; ebenso stehi fr. phys. 11 : nag^ ai&gtrjg at^yeiv at'Xag. 
Ein freier Trimeter ist fr. 1 : 

otav i} axotff] fitjxdvi Sm*r/Tat jUi/^' ogfjv (in iXattor); 
^nlich, nicht fehlerfrei, fr. phys. 2: 

ofioyiv^tn ^woici ^vraycld^tTm, 
Ein sehr schoner Glykoneus, dem Pherekrateus vermahlt, fr. 
phys. 2: 

xal xgi&al fuvd xgid'imt* 
nal nvgol furd nvgar, 
ware in frg. phys. 8 der Wortlaut genugend uber Zweifel er- 
haben, so ergSbe sich der erstaunlichste Hendecasyllabus 
Phalaeceus : 

fif] fidXXov TO dkv fj TO firjdhv slvm, 
Hiemach ist zu erwarten, dass Demokrit da, wo er uber Poesie 
sprach. erst recht im poetischen Silbenfall sich wiegte. In fn 
var. 2 lesen wir denn auch erst einen Glykoneus mit Anakruse, 
dann zwei Bakcheen: 

notr/rrjg d* Saaa fiiv av ygdtffjj 
fu%* ivikovaiaaiio^y 






/ 

t 

( 



192 Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 

und frg. var. 3 erst einen intaklen Glykoneus, hernach ein 
langeres Kolon, das man ionisch oder choriambisch auflfassen 
kann:. ^'OfirjQog q>vaioq Xaxoiv \ &sa\^ov<rr]g i7€s\(ov xoafxov 
SlTsxTr^rtno \ 7iavTo((ov, Auch fr. phys. 1 finden sich ionici a 
minore: ineTamnTov] 6hxa%d te cailfAaTog \ dM-d'ijxrjv. Epitriten 
haben wir oben S. 182 festgestellt; auch frg. var. 6 (S. 238 Mull.) 
schliessen vier Kola mit dem Epitritus primus (^ ~). 

Doch hiermit genug, und weitere Subtilitaten seien uber- 
gangen. Wohl aber wird es nach dem Ausgefiihrten begreiflich, 
wie gewisse Beurtheiler bei Cicero im Orator 67 der demo- 
kriteischen Prosa mehr poetischen Charakter beimessen konnten 
als der attischen Komodie; denn die letztere babe zwar durch- 
gehendes Versmaass, aber keine poetische Sprache ; jene heisst 
darum gleichsam ein »poema<. Man hat eben den Stil bei 
Deraokrit damals so vorgefunden, wie er uns heute noch in 
den ethischen Schriftresten vorliegt, aber nicht nur in diesen, 
sondern ebenso auch in dem sonstigen Demokritnachlass , der, 
soweit er uns wirklich den Originalwortlaut des grossen Mannes 
noch darbietet, ja leider nur allzu dui'ftig ist. Die Oratorstelle 
aber besagt, die Kunstprosa babe zwar keinen eigentlichen 
versus (dies ware fehlerhaft), wohl aber numerus oder ^vd^fiog; 
sie fehrt fort: itaque video visum esse non nullis Platonis et 
Democriti locutionem, etsi absit a versu, tamen, quod 
incitatius feratur (gehtauf den Numerus) et clarissimis 
verborum luminibus utatur (geht aiif poetische Vocabeln 
u. ahnl.) potius poem a putandum quam comicorum poetarum; 
apud quos, nisi quod versiculi sunt, nihil est aliud cotidiani 
dissimile sermonis. 

Die Rede des Demokrit nahert sich also oftmals der strophen- 
losen Lyrik; sie ist dithyrambisch; diese theophrastische 
Bezeichnung passt hier wenn irgendwo (Cic. de orat. Ill Ijfe). 
Aber von demFeinsinn des Aristoteles weiss Demokrit noch nicnts, 
der den Daktylus in der Prosa als zu feierlich, den Iambus als 
zu gewohnlich, den Trochaus als zu leicht und wenig wurdlg 
befand (Rhetor. 3, 8). Er ist vielleicht in seinem Verfahren 



Anhang. IJeber den Stil der Ethika. 193 

bis zu einem gewissen Grade originell gewesen; das ionische 
Prosaepos des Herodot gab in diesen Dingen gewiss keine An- 
regung, in dessen Silbenmeeren wohl hie und da ein iambischer, 
seltener ein daktylischer Fetzen einherschwimmt, doch wie ohne 
Willen des Schreibenden. Indess bielet die Litleralur einige 
andere nutzliche Analogien dar. 

Umsonst freiiich vergleicht man den Antiphon, wennschon 
aueh er ab und zu daktyliseh gerundete Kommata und Clauseln 
nicht vei'schm^ht ; umsonst wohl auch den Lysias, den Lieb- 
haber des Creticus, umsonst leider auch des Gorgias h5chst- 
eigene Helena nebst Palamedes, welche Redestucke recht oft 
im Iambus spielen, gelegentlich in starker Ausdehnung, den 
Daktylus aber oder gar melische Anklange angstlich umgehn. 
Man wird also zunHehst an Thrasymachus sich erinnem, uber 
den bei Cicero geurtheilt wird (orat.. 175f.): princeps inveniendi 
(numeri) fiiit Thrasymachus, cuius omnia nimis etiam exstant 
scripta numerose, und ebenda (40): cum concisus ei (sc. Iso- 
crati) Thrasymachus minutis numeris videretur. Aber dieser 
Techniker gilt vorziiglich als Gdnner des Paeon (Creticus; vgl. 
Lysias). Zum Gluck indess haben wir noch eine Gorgiasprobe, die 
Erosrede des Agathon in Plato's Symposium; sie wird von Plato 
ausdrucklich als Gorgianisch angestaunt und parodirt ; bier nun 
hftufen sich in der That kleinere lyrische Kola, logaodische, hier 
auch anapSstisch-daktylische Reihen plannifissig (vgl. Sympos. 
S. 195 c; 196 a; c; d— e; besonders den Schluss der Rede 
197 d und e; Sokrates versucht eine Nachahmung 198 b). Dies 
stimmt zu Cicero's u. a. von Gorgias gebrauchtem Ausdruck: 
versiculorum similia quaedam (orator 39). Die Wirkung dieser 
dithyrambischen Improvisation geht freiiich, anders als bei 
Demokrit, in das Komische und bizarr Pomphafle. Uebrigens 
schlSgt auch Alcibiades am Schluss jener Redeorgien ahnlich 
dithyrambisirenden Ton an (vgl. Sympos. 212 e; 214 a; 215 e; 
216a; d; e). 

Weiter aber bietet noch der Pseudo-Lysianische Epitaphios 
erwunschle Analogien; denn auch hier stehen daktylisch- 

18 



194 Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 

anapSstische Stucke, bisweilen ununterbrochen, auch hier wird 
mit melischen Kola lieblich getandelt (vgl. z. B. § 2 fin. ; 3 ; 
17—19; 21—24; 54; 64; 71 ; 73). Und endUch noch erspriess- 
licher iist es, in den sogenannten Isokrates ngog Jr}fji6vixov 
hineinzusehen. Denn auch hier liest man § 17 : 

anavxa ioxei noisXv tog fjir^S^va Xrj(f(ov' 

xal yuQ av naqavTixa xgv^rjgj 

^dXiCta (T av evioxifioirjg. 
19 T7]v cci}Twv didvotav. 27 rijv fieTQiav drtoXavCiv. 24 iXni^e 
yaQ avvov xal negl ai. 31 yiridh ipiXaixiog £v' fiagv ydg. 
34 fiovXsvofJievog naQadsiyfiaxa noiov. 36 rd nXtj^og Set x^ega- 
nevHV. 
30 zwei Paroemiaci: 

fi((S€i Tovg xoXttX€VQV%ag 
SiSneQ Todg s^anarmTag, 
Ferner 23 : ix ^uydXaav 

xivivvoov iiaaoi^tov. 
21 : «^S <r OQYfj naganXrj(fi'(og 

IXfjg ngdg todg dfiagTavovrag, 
28: oiaCav dvoXv Svexsv, 

%ov %€ fi^ju/oy fAsyaXriv. 
29: tStigyB fxkv rd nagovra^ 

^fjrei, d^ Td fisXTico, 
13: Tifjux to iaifioviov del fih*, 

fidXttfTa Si fA€Td vrfi TwoXeaag. 
15: i&i^e (fcavrdv etvai 

fi'f^ iSxvd^gwndv dXXd tfvvvovv' 
di ixctvo fiiv ydg adx^\diT]g, 
did ik tovTO ^govifiog elvai {io^etg). 
19 : fit} xaroxvei fiaxgdr oiov . . . 
Tovg Si vswiigovg 
/nrjii rdg xatd yfv nogefag , . . 
20: voTg fUv ovx dn6x\difi last, 
%oXg ih ff(Xog yet'rjtfsi — 



Anhang. Ueber den Stil der Etiiika. 195 

worauf Anap&ste folgen , dann abschliessend : 

nJLrjtffiot'fj yciQ dndt%<ov. 
26 : rixdax^ai %alg xaxonottaig . . . 
i^tatfx^ai tatg eth^etfiaig. 

27 : &ansQ av bX tig Tnnov 
xiiqaano xaXdv xaxdSg 
Inneveiv iniardfuvog. 

40: ndvTun' nkv imfisXov 

m 

t£y negi tdv fiCov, 

(uuxliCTa di trjv aavrov tpgoitjinv atrxet. 
37: sig dgxi/jv xaraffTa&elg 

TiQog rdg iioi\xr^a€tg. 
ibidem: firji eti novriQ^ ngdyfuni 

lirjTe naQtarocvo 
fif^B avi^rffOQei. 

42: atonov ydq %'^v iihv av(fiav 
iv %atg olxCaig dnoxQvmsiv. 
32: d&dvata fjiiv g>Q6rBi 

^vrjrd 3^ t^ avfAfiitQfag 
%&v inaQxovrmt* dnoXavdv. 

Die recht zahlreichen iambischen Reihen sowie die Cretici oder 
Paeone ubergehe ich. Die Verfeinerung der Kunst, wenn wir 
Demokrit vergleichen, ist uberall zu spuren; sie besteht darin, 
dass die aus der Poesie allzu gelaufigen Vers- und Kolonformen, 
vor allem die daktylischen , doch mehr vermieden sind ; dabei 
gehl aber eine deutliche Scansion durch, mit haufiger Synko- 
pirung, wie denn in dieser Schrift § 13—43 nur elfrnal je funf 
kurze Silben neben einander stehen, ziemlich selten auch vier 
kurze, was augenseheinlich zum Vortheil der metrischen pro- 
nuntiatio geschehen ist. 

Ich sagte, die freie, dithyrambische Eurythmie in der Schrift 
anDemonikos sei f ur uns besonders wiilkommen; gewiss; denn 



196 Anhang. Ueber den Stil der Ethika. 

auch diese Schrift bewegt sich ja wie Demokrit in Spruchform ; 
sie ist eine ethische Prosa-Spruchsammlung , und ich kann zu 
glauben nicht umhin, dass auch Demokrit selbst alle jene Sd.tze, 
die die Form des Oraculum zeigen, ursprunglich unverbunden 
als solche Sammlung von Spriichen aufgesetzt und ausgegeben 

hatte '). 

Doch hiervon genug. Denn es erubrigt uns noch endlich 
auf die Wurdigung Acht zu geben, die Demokrit beim Dionys 
von Halikarnass gefunden hat. Wenn dieser in seiner Schema- 
tisirung der Schreibarten de comp. verb. c. 24 den Demokrit 
in Rucksicht auf die »compositio« neben Homer, Sophokles, 
Demosthenes und Plato als Vertreter der bevorzugten xoivilj 
aQfiovia mit auflfuhrt, d. h. derjenigen Redeform, die die Vor- 
theile des anmuthigen wie des erhabenen Stils, der avan^Qd 
und der YXa(fVQd dgfiorCa in sich vereinige {tovtoov ydg 
ir^Qovg svqsIv dfirxavov ccfASivov xcQaaavvag Todg Xoyovg), so 
ist auch dies bundige Urtheil z. Th. aus unsern hier gemachten 
Wahmehmungen auf das beste abzuleiten. Dem anmuthigen 
Stil dient Demokrit in all den Fallen, wo er die hubsch 
klingenden und so sinnfalligen , jambisch-trochaischen oder 
logaodischen Rythmen anbringt, ferner, wo er in Parisose, 
Paromoiose, Paronomasie und ahnlichen Mitteln und Mittelchen 
sich und anderen gefallt. Aber er setzt die Kennzeichen der 
Erhabenheit sehr wirkungsvoll und uberraschend daneben, da 
z. B. wo er die grossen, langschleppenden , doppelleibigen 
Worter von fast Aeschyleischer Gravitat braucht und zum 
Theil neu bildet, uberdies in schrofifer und rauher Verwendung 
des Hiates, in der fast durchgangi^en Schlichtheit der Periodik 
und der Entlastung der Satze von uberfliissigen , sinnverdeut- 



1) Der Spmch ad Demon. 16 firi^inoxe . . . eXniCe Xijaeiy kann auch 
im Inhalt an Demokrit (42.43) erinnem; ibid, xiqxpig yaq avv r^ x»A(ji 
^Bhf ceQiaroy, at^ev de tovtov xcixiatoyj an Dem. 4. Ferner stoht Ad 
Demon. 19. 37. 38 und 41 auch das xQeitroay a,hnlicli formelhafb ^ie bei 
Demokrit. — Noch sei erw&hnt, dass Isocrates ad Nicoclem sehr viel 
weniger austr^gt. 



Anhang. Ueber dm Stil der Ethika. 197 

lichenden Partikein und Conjunktionen. Die Sktze sind oft 
wie unbehauene Steine; denn ^vcei ioixivai fidXXov av%d 
fiovlfTM i} T^x^'B- Eben dahin gehoren die Spuren des Archais- 
fnus; ebendahin der so hSufige daktylische Silbenfall, der dem 
Eindrucke feierlicher Ansprache, des d^ioi^atixdr und (X€Ya' 
XonQ€n^Cj zu dienen bestimmt ist. Vgl. Dionys. a. a. 0. e. 22. 



198 



Tabelle. 



Tabelle 

zur Vergleichung der Fragmentnummem der Mullach'schen Sammlung 
(Mull.) mit denen der unsrigen (Nat.) ; sp. spurium ; Ap. Apophthegma. 



MuU. 


Nat. 


MuU. 


Nat. 


Mull. 


Nat. 


Mull. 


Nat 


Mull. 


Nat. 


Mull. 


Nat. 


1 


9-11 


43 


135 


85 


133 


127 


17 


169 


224 


211 


147 


2 


7 


44 


91 


86 


131 


128 


18 


170 


152 


212 


134 


3 


4 


45 


14 


87 


130 


129 


16 


171 


40 


213 


165 


4 


87 


46 


21 


88 


125 


130 


sp. 


172 


227 


214 


151 


5 


15 


47 


53 


89 


126 


131 


188 


173 


Ap. 


215 


146 


6 


8 


48 


23 


90 


127 


132 


183 


174 


223 


216 


205 


7 


13 


49 


85 


91 


128 


133 


187 


175 


174 


217 


206 


8 


2 


50 


86 


92 


163 


134 


198 


176 


171 


218 


204 


9 


1 


51 


93 


93 


100 


135 


44 


177 


173 


219 


207 


10 


27 


52 


94 


94 


114 


136 


201 


178 


Ap. 


220 


Ap. 


11 


25 


53 


95 


95 


164 


137 


31 


179 


170 


221 


175 


12 


26 


54 


96 


96 


49 


138 


32 


180 


Ap. 


222 


cf.l04 


13 


24 


55 


97 


97 


107 


139 


185 


181 


169 


223 


104 


14 


30 


56 


98 


98 


42 


140 


190 


182 


176 


224 


48 


15 


64 


57 


79 


99 


105 


141 


191 


183 


Ap. 


225 


168 


16 


33 


58 


78 


100 


43 


142 


192 


184 


178 


226 


186 


17 


36 


59 


113 


101 


43a 


143 


108 


185 


180 


227 


101 


18 


172 


60 


sp. 


102 


99 


144 


110 


186 


179 


228 


137 


19 


54 


61 


74 


103 


122 


145 


109 


187 


182 


229 


Ap. 


20 


52 


62 


73 


104 


124 


146 


217 


188 


181 


230 


Ap. 


21 


59 


63 


75 


105 


121 


147 


221 


189 


141 


231 


149 


22 


19 


64 


76 


106 


123 


148 


221a 


190 


145 


232 


117 


23 


22 


65 


77 


107 


41 


149 


218 


191 


142 


233 


118 


24 


69 


66 


70 


108 


156 


150 


222 


192 


143 


234 


194 


25 


51 


67 


72 


109 


38 


151 


210 


193 


144 


235 


197 


26 


68 


68 


80 


110 


39 


152 


213 


194 


148 


236 


189 


27 


71 


69 


200 


111 


46 


153 


212 


195 


133 


237 


35 


28 


20 


70 


202 


112 


154 


154 


sp. 


196 


140 


238 


6 


29 


61 


71 


203 


113 


195 


155 


sp. 


197 


139 


239 


150 


30 


82 


72 


199 


114 


196 


156 


sp. 


198 


sp. 


240 


230 


31 


60 


73 


90 


115 


193 


157 


sp. 


199 


136 


241 


129 


32 


229 


74 


89 


116 


28 


158 


225 


200 


138 


242 


sp. 


33 


81 


75 


sp. 


117 


45 


159 


228 


201 


153 


243 


sp. 


34 


57 


76 


63 


118 


47 


160 


226 


202 


155 


244 


sp. 


35 


56 


77 


88 


119 


92 


161 


208 


203 


157 


245 


sp. 


36 


65 


78 


103 


120 


115 


162 


209 


204 


166 


246 


sp. 


37 


55 


79 


102 


121 


116 


163 


211 


205 


167 


247 


sp. 


38 


66 


80 


50 


122 


106 


164 


214 


206 


158 


248 


5 


39 


67 


81 


34 


123 


119 


165 


215 


207 


160 


249 


sp. 


40 


sp. 


82 


58 


124 


111 


166 


216 


208 


159 


250 


37 


41 


84 


83 


62 


125 


112 


167 


219 


209 


161 






42 


83 


84 


132 


126 


162 


168 


220 


210 


177 







Marburg. UniTenitftto-Buobdmckerel (B. Frlddrioh). 



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